S.
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III
Um zum Problem des Ichs zurückzukehren: Der
Anschein des Widerspruchs kommt daher, daß wir
Abstraktionen zu starr nehmen und aus einem kom-
plizierten Sachverhalt bald die eine, bald die andere
Seite allein herausgreifen. Die Scheidung des Ichs
vom Es scheint gerechtfertigt, sie wird uns durch
bestimmte Verhältnisse aufgedrängt. Aber anderseits
ist das Ich mit dem Es identisch, nur ein besonders
differenzierter Anteil desselben. Stellen wir dieses
Stück in Gedanken dem Ganzen gegenüber, oder hat
sich ein wirklicher Zwiespalt zwischen den beiden
ergeben, so wird uns die Schwäche dieses Ichs offen-
bar. Bleibt das Ich aber mit dem Es verbunden, von
ihm nicht unterscheidbar, so zeigt sich seine Stärke.
Ähnlich ist das Verhältnis des Ichs zum Über‑Ich; für
viele Situationen fließen uns die beiden zusammen,
meistens können wir sie nur unterscheiden, wenn sich
eine Spannung, ein Konflikt zwischen ihnen hergestellt
hat. Für den Fall der Verdrängung wird die TatsacheS.
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entscheidend, daß das Ich eine Organisation ist,
das Es aber keine; das Ich ist eben der organi-
sierte Anteil des Es. Es wäre ganz ungerechtfertigt,
wenn man sich vorstellte, Ich und Es seien wie zwei
verschiedene Heerlager; durch die Verdrängung suche
das Ich ein Stück des Es zu unterdrücken, nun
komme das übrige Es dem Angegriffenen zu Hilfe
und messe seine Stärke mit der des Ichs. Das mag
oft zustande kommen, aber es ist gewiß nicht die
Eingangssituation der Verdrängung; in der Regel
bleibt die zu verdrängende Triebregung isoliert. Hat
der Akt der Verdrängung uns die Stärke des Ichs
gezeigt, so legt er doch in einem auch Zeugnis ab für
dessen Ohnmacht und für die Unbeeinflußbarkeit der
einzelnen Triebregung des Es. Denn der Vorgang,
der durch die Verdrängung zum Symptom geworden
ist, behauptet nun seine Existenz außerhalb der
Ichorganisation und unabhängig von ihr. Und nicht er
allein, auch alle seine Abkömmlinge genießen das-
selbe Vorrecht, man möchte sagen: der Extraterritoria-
lität, und wo sie mit Anteilen der Ichorganisation
assoziativ zusammentreffen, wird es fraglich, ob sie
diese nicht zu sich herüberziehen und sich mit diesem
Gewinn auf Kosten des Ichs ausbreiten werden. Ein
uns längst vertrauter Vergleich betrachtet das Symptom
als einen Fremdkörper, der unaufhörlich Reiz‑ und
Reaktionserscheinungen in dem Gewebe unterhält,
in das er sich eingebettet hat. Es kommt zwarS.
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vor, daß der Abwehrkampf gegen die unliebsame
Triebregung durch die Symptombildung abgeschlossen
wird; soweit wir sehen, ist dies am ehesten bei der
hysterischen Konversion möglich, aber in der Regel
ist der Verlauf ein anderer; nach dem ersten Akt
der Verdrängung folgt ein langwieriges oder nie zu
beendendes Nachspiel, der Kampf gegen die Trieb-
regung findet seine Fortsetzung in dem Kampf gegen
das Symptom.Dieser sekundäre Abwehrkampf zeigt uns zwei
Gesichter – mit widersprechendem Ausdruck. Einer-
seits wird das Ich durch seine Natur genötigt, etwas
zu unternehmen, was wir als Herstellungs‑ oder Ver-
söhnungsversuch beurteilen müssen. Das Ich ist eine
Organisation, es beruht auf dem freien Verkehr und
der Möglichkeit gegenseitiger Beeinflussung unter all
seinen Bestandteilen, seine desexualisierte Energie be-
kundet ihre Herkunft noch in dem Streben nach Bindung
und Vereinheitlichung und dieser Zwang zur Synthese
nimmt immer mehr zu, je kräftiger sich das Ich ent-
wickelt. So wird es verständlich, daß das Ich auch
versucht, die Fremdheit und Isolierung des Symptoms
aufzuheben, indem es alle Möglichkeiten ausnützt, es
irgendwie an sich zu binden und durch solche Bande
seiner Organisation einzuverleiben. Wir wissen, daß
ein solches Bestreben bereits den Akt der Symptom-
bildung beeinflußt. Ein klassisches Beispiel dafür sind
jene hysterischen Symptome, die uns als KompromißS.
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zwischen Befriedigungs‑ und Strafbedürfnis durchsichtig
geworden sind. Als Erfüllungen einer Forderung des
Über‑Ichs haben solche Symptome von vorneherein
Anteil am Ich, während sie anderseits Positionen des
Verdrängten und Einbruchsstellen desselben in die
Ichorganisation bedeuten; sie sind sozusagen Grenz-
stationen mit gemischter Besetzung. Ob alle primären
hysterischen Symptome so gebaut sind, verdiente
eine sorgfältige Untersuchung. Im weiteren Verlaufe
benimmt sich das Ich so, als ob es von der Er-
wägung geleitet würde: das Symptom ist einmal da
und kann nicht beseitigt werden; nun heißt es, sich
mit dieser Situation befreunden und den größtmög-
lichen Vorteil aus ihr ziehen. Es findet eine Anpassung
an das ichfremde Stück der Innenwelt statt, das
durch das Symptom repräsentiert wird, wie sie das
Ich sonst normalerweise gegen die reale Außenwelt
zustande bringt. An Anlässen hiezu fehlt es nie. Die
Existenz des Symptoms mag eine gewisse Behinde-
rung der Leistung mit sich bringen, mit der man eine
Anforderung des Über‑Ichs beschwichtigen oder einen
Anspruch der Außenwelt zurückweisen kann. So wird
das Symptom allmählich mit der Vertretung wichtiger
Interessen betraut, es erhält einen Wert für die
Selbstbehauptung, verwächst immer inniger mit dem
Ich, wird ihm immer unentbehrlicher. Nur in ganz
seltenen Fällen kann der Prozeß der Einheilung eines
Fremdkörpers etwas ähnliches wiederholen. Man kannS.
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die Bedeutung dieser sekundären Anpassung an das
Symptom auch übertreiben, indem man aussagt, das
Ich habe sich das Symptom überhaupt nur ange-
schafft, um dessen Vorteile zu genießen. Das ist
dann so richtig oder so falsch, wie wenn man die
Ansicht vertritt, der Kriegsverletzte habe sich das
Bein nur abschießen lassen, um dann arbeitsfrei von
seiner Invalidenrente zu leben.Andere Symptomgestaltungen, die der Zwangs-
neurose und der Paranoia, bekommen einen hohen
Wert für das Ich, nicht weil sie ihm Vorteile, sondern
weil sie ihm eine sonst entbehrte narzißtische
Befriedigung bringen. Die Systembildungen der Zwangs-
neurotiker schmeicheln ihrer Eigenliebe durch die
Vorspiegelung, sie seien als besonders reinliche oder
gewissenhafte Menschen besser als andere; die Wahn-
bildungen der Paranoia eröffnen dem Scharfsinn und
der Phantasie dieser Kranken ein Feld zur Betätigung,
das ihnen nicht leicht ersetzt werden kann. Aus all
den erwähnten Beziehungen resultiert, was uns als
der (sekundäre) Krankheitsgewinn der Neurose
bekannt ist. Er kommt dem Bestreben des Ichs, sich
das Symptom einzuverleiben, zu Hilfe und verstärkt
die Fixierung des letzteren. Wenn wir dann den Ver-
such machen, dem Ich in seinem Kampf gegen das
Symptom analytischen Beistand zu leisten, finden wir
diese versöhnlichen Bindungen zwischen Ich und
Symptom auf der Seite der Widerstände wirksam. EsS.
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wird uns nicht leicht gemacht, sie zu lösen. Die beiden
Verfahren, die das Ich gegen das Symptom anwendet,
stehen wirklich in Widerspruch zu einander.Das andere Verfahren hat weniger freundlichen
Charakter, es setzt die Richtung der Verdrängung
fort. Aber es scheint, daß wir das Ich nicht mit dem
Vorwurf der Inkonsequenz belasten dürfen. Das Ich ist
friedfertig und möchte sich das Symptom einverleiben,
es in sein Ensemble aufnehmen. Die Störung geht
vom Symptom aus, das als richtiger Ersatz und
Abkömmling der verdrängten Regung deren Rolle
weiterspielt, deren Befriedigungsanspruch immer wieder
erneuert und so das Ich nötigt, wiederum das Unlust-
signal zu geben und sich zur Wehre zu setzen.Der sekundäre Abwehrkampf gegen das Symptom
ist vielgestaltig, spielt sich auf verschiedenen Schau-
plätzen ab und bedient sich mannigfaltiger Mittel.
Wir werden nicht viel über ihn aussagen können, wenn
wir nicht die einzelnen Fälle der Symptombildung
zum Gegenstand der Untersuchung nehmen. Dabei
werden wir Anlaß finden, auf das Problem der Angst
einzugehen, das wir längst wie im Hintergrunde lauernd
verspüren. Es empfiehlt sich, von den Symptomen,
welche die hysterische Neurose schafft, auszugehen;
auf die Voraussetzungen der Symptombildung bei der
Zwangsneurose, Paranoia und anderen Neurosen sind
wir noch nicht vorbereitet.
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926