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letztere — zunächst ohne weitere Scheidung — den latenten Traum-
inhalt. Ich stehe dann vor zwei neuen, bisher nicht formulirten Pro-
blemen: 1. welches der psychische Vorgang ist, der den latenten Traum-
inhalt in den mir aus der Erinnerung bekannten, manifesten, übergeführt
hat; 2. welches das Motiv oder die Motive sind, die solche Uebersetzung
erfordert haben. Den Vorgang der Verwandlung vom latenten zum
manifesten Trauminhalt werde ich die Traumarbeit nennen. Das
Gegenstück zu dieser Arbeit, welches die entgegengesetzte Umwandlung
leistet, kenne ich bereits als Analysenarbeit. Die anderen Traum-
probleme, die Fragen nach den Traumerregern, nach der Herkunft des
Traummateriales, nach dem etwaigen Sinn des Traumes und Funktion
des Träumens, und nach den Gründen des Traumvergessens werde ich
nicht am manifesten, sondern am neugewonnenen latenten Trauminhalt
erörtern. Da. ich alle widersprechenden, wie alle unrichtigen Angaben
über das Traumleben in der Litteratur auf die Unkenntniss des erst
durch Analyse zu enthüllenden latenten Trauminhaltes zurückführe,
werde ich eine Verwechslung des manifesten Traumes mit den
latenten Traumgedanken fortan auf’s Sorgfältigste zu vermeiden
suchen.III.
Die Verwandlung der latenten Traumgedanken in den manifesten
Trauminhalt verdient unsere volle Aufmerksamkeit als das zuerst bekannt
gewordene Beispiel von Umsetzung eines psychischen Materials aus der
einen Ausdrucksweise in eine andere, aus einer Ausdrucksweise, die uns
ohne Weiteres verständlich ist, in eine andere, zu deren Verständniss
wir erst durch Anleitung und Bemühung vordringen können, obwohl
auch sie als Leistung unserer Seelenthätigkeit anerkannt werden muss.
Mit Rücksicht auf das Verhältnis von latentem zu manifestem Traum-
inhalt lassen sich die Träume in drei Kategorien bringen. Wir können
erstens solche Träume unterscheiden, die sinnvoll und gleichzeitig
verständlich sind, d. h. eine Einreihung in unser seelisches Leben
ohne weiteren Anstoss zulassen. Solcher Träume giebt es viele; sie sind
meist kurz und erscheinen uns im Allgemeinen wenig bemerkenswerth,
weil alles Erstaunen oder Befremden Erregende ihnen abgeht. Ihr
Vorkommen ist übrigens ein starkes Argument gegen die Lehre, welche
den Traum durch isolirte Thätigkeit einzelner Hirnzellgruppen ent-
stehen lässt; es fehlen ihnen alle Kennzeichen herabgesetzter oder zer-
stückelter psychischer Thätigkeit, und doch erheben wir gegen ihren
Charakter als Träume niemals einen Einspruch und verwechseln sie
nicht mit den Produkten des Wachens. Eine zweite Gruppe bilden
jene Träume, die zwar in sich zusammenhängend sind und einen klarenS.
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Sinn haben, aber befremdend wirken, weil wir diesen Sinn in unserem
Seelenleben nicht unterzubringen wissen. Solch ein Fall ist es, wenn
wir z. B. träumen, dass ein lieber Verwandter an der Pest gestorben
ist, während wir keinen Grund zu solcher Erwartung, Besorgniss oder
Annahme kennen und uns verwundert fragen: wie komme ich zu dieser
Idee? In die dritte Gruppe gehören endlich jene Träume, denen beides
abgeht, Sinn und Verständlichkeit, die unzusammenhängend, ver-
worren und sinnlos erscheinen. Die überwiegende Mehrzahl der
Produkte unseres Träumens zeigt diese Charaktere, welche die Gering-
schätzung der Träume und die ärztliche Theorie von der eingeschränkten
Seelenthätigkeit begründet haben. Zumal in den längeren und kom-
plizirteren Traumkompositionen vermisst man nur selten die deutlichsten
Zeichen der Inkohärenz.Der Gegensatz von manifestem und latentem Trauminhalt hat
offenbar nur für die Träume der zweiten, und noch eigentlicher für die
der dritten Kategorie Bedeutung. Hier finden sich die Räthsel vor, die
erst verschwinden, wenn man den manifesten Traum durch den latenten
Gedankeninhalt ersetzt, und an einem Beispiel dieser Art, an einem ver-
worrenen und unverständlichen Traum, haben wir auch die voranstehende
Analyse ausgeführt. Wir sind aber wider unser Erwarten auf Motive
gestossen, die uns eine vollständige Kenntnissnahme der latenten Traum-
gedanken verwehrten, und durch die Wiederholung der gleichen Erfahrung
dürften wir zur Vermuthung geführt werden, dass zwischen dem un-
verständlichen und verworrenen Charakter des Traumes
und den Schwierigkeiten bei der Mittheilung der Traum-
gedanken ein intimer und gesetzmässiger Zusammenhang
besteht. Ehe wir die Natur dieses Zusammenhanges erforschen, werden
wir mit Vortheil unser Interesse den leichter verständlichen Träumen
der ersten Kategorie zuwenden, in denen manifester und latenter Inhalt
zusammenfallen, die Traumarbeit also erspart scheint.Die Untersuchung dieser Träume empfiehlt sich noch von einem
anderen Gesichtspunkte aus. Die Träume der Kinder sind nämlich von
solcher Art, also sinnvoll und nicht befremdend, was, nebenbei bemerkt,
einen neuen Einspruch gegen die Zurückführung des Traumes auf
dissociirte Hirnthätigkeit im Schlafe abgiebt, denn warum sollte wohl
solche Herabsetzung der psychischen Funktionen beim Erwachsenen zu
den Charakteren des Schlafzustandes gehören, beim Kinde aber nicht?
Wir dürfen uns aber mit vollem Recht der Erwartung hingeben, dass
die Aufklärung psychischer Vorgänge beim Kinde, wo sie wesentlich
vereinfacht sein mögen, sich als eine unerlässliche Vorarbeit für die
Psychologie des Erwachsenen erweisen wird.Ich werde also einige Beispiele von Träumen mittheilen, die ich
von Kindern gesammelt habe: Ein Mädchen von 19 Monaten wird überS.
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einen Tag nüchtern erhalten, weil sie am Morgen erbrochen und sich nach
der Aussage der Kinderfrau an Erdbeeren verdorben hat. In der Nacht
nach diesem Hungertag hört man sie aus dem Schlafe ihren Namen nennen
und dazu setzen: „Er(d)beer, Hochbeer, Eier(s)peis‚ Papp.“
Sie träumt also, dass sie ist, und hebt aus ihrem Menu gerade das
hervor, was ihr die nächste Zeit, wie sie vermuthet, karg zugemessen
bleiben wird. — Aehnlich träumt von einem versagten Genuss ein
22monatlicher Knabe, der Tags zuvor seinem Onkel ein Körbchen mit
frischen Kirschen hatte als Geschenk anbieten müssen, von denen er
natürlich nur eine Probe kosten durfte. Er erwacht mit der freudigen
Mittheilung: He(r)mann alle Kirschen aufgessen. — Ein 3¼jäh-
riges Mädchen hatte am Tage eine Fahrt über den See gemacht, die
ihr nicht lang genug gedauert hatte, denn sie weinte, als sie aussteigen
sollte. Am Morgen darauf erzählte sie, dass sie in der Nacht auf
dem See gefahren, die unterbrochene Fahrt also fortgesetzt habe. —
Ein 5¼jähriger Knabe schien von einer Fusspartie in der Dach-
steingegend wenig befriedigt; er erkundigte sich, so oft ein neuer
Berg in Sicht kam, ob das der Dachstein sei, und weigerte sich
dann, den Weg zum Wasserfall mitzumachen. Sein Benehmen wurde
auf Müdigkeit geschoben, erklärte sich aber besser, als er am nächsten
Morgen seinen Traum erzählte, er sei auf den Dachstein ge-
stiegen. Er hatte offenbar erwartet, die Dachsteinbesteigung werde
das Ziel des Ausfluges sein, und war verstimmt worden, als er den er-
sehnten Berg nicht zu Gesichte bekam. Im Traum holte er nach, was
der Tag ihm nicht gebracht hatte. — Ganz ähnlich benahm sich der Traum
eines 6jährigen Mädchens, dessen Vater einen Spaziergang vor dem er-
reichten Ziele wegen vorgerückter Stunde abgebrochen hatte. Auf dem
Rückweg war ihr eine Wegtafel aufgefallen, die einen andern Ausflugs-
ort nannte, und der Vater hatte versprochen, sie ein andermal auch
dorthin zu führen. Sie empfing den Vater am nächsten Morgen mit
der Mittheilung, sie habe geträumt, der Vater sei mit ihr an dem
einen wie an dem andern Orte gewesen.Das Gemeinsame dieser Kinderträume ist augenfällig. Sie erfüllen
sämmtlich Wünsche, die am Tage rege gemacht und unerfüllt geblieben
sind. Sie sind einfache und unverhüllte Wunscherfüllungen.Nichts anders als eine Wunscherfüllung ist auch folgender, auf den
ersten Eindruck nicht ganz verständlicher, Kindertraum. Ein nicht
4jähriges Mädchen war einer poliomyelitischen Affektion wegen vom
Lande in die Stadt gebracht worden und übernachtete bei einer kinder-
losen Tante in einem grossen — für sie natürlich übergrossen — Bette.
Am nächsten Morgen berichtete sie, dass sie geträumt, das Bett sei
ihr viel zu klein gewesen, so dass sie in ihm keinen Platz
gefunden. Die Lösung dieses Traumes als Wunschtraum ergiebt sichS.
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leicht, wenn man sich erinnert, dass „Grosssein“ ein häufig auch
geäusserter Wunsch der Kinder ist. Die Grösse des Bettes mahnte das
kleine Gernegross allzu nachdrücklich an seine Kleinheit; darum korrigirte
es im Traume das ihm unliebsame Verhältniss und wurde nun so gross,
dass ihm das grosse Bett noch zu klein war.Auch wenn der Inhalt der Kinderträume sich komplizirt und ver-
feinert, liegt die Auffassung als Wunscherfüllung jedesmal sehr nahe.
Ein 8jähriger Knabe träumt, dass er mit Achilleus im Streitwagen ge-
fahren, den Diomedes lenkte. Er hat sich nachweisbar Tags vorher
in die Lektüre griechischer Heldensagen versenkt; es ist leicht zu
konstatiren, dass er sich diese Helden zu Vorbildern genommen und
bedauert hat, nicht in ihrer Zeit zu leben.Aus dieser kleinen Sammlung erhellt ohne Weiteres ein zweiter
Charakter der Kinderträume, ihr Zusammenhang mit dem Tages-
leben. Die Wünsche, die sich in ihnen erfüllen, sind vom Tage, in der
Regel vom Vortage, erübrigt und sind im Wachdenken mit intensiver
Gefühlsbetonung ausgestattet gewesen. Unwesentliches und Gleichgiltiges,
oder was dem Kinde so erscheinen muss, hat im Trauminhalt keine
Aufnahme gefunden.Auch bei Erwachsenen kann man zahlreiche Beispiele solcher Träume
von infantilem Typus sammeln, die aber, wie erwähnt, meist knapp an
Inhalt sind. So beantwortet eine Reihe von Personen einen nächtlichen
Durstreiz regelmässig mit dem Traume zu trinken, der also den Reiz
fortzuschaffen und den Schlaf fortzusetzen strebt. Bei andern findet man
solche Bequemlichkeitsträume häufig vor dem Erwachen, wenn die
Aufforderung, aufzustehen, an sie herantritt. Sie träumen dann, dass
sie schon aufgestanden sind, beim Waschtisch stehen oder sich bereits
in der Schule, im Bureau u. dgl. befinden, wo sie zur bestimmten Zeit
sein sollten. In der Nacht vor einer beabsichtigten Reise träumt man
nicht selten, dass man am Bestimmungsorte angekommen ist; vor einer
Theatervorstellung, einer Gesellschaft anticipirt der Traum nicht selten
— gleichsam ungeduldig — das erwartete Vergnügen. Andere Male
drückt der Traum die Wunscherfüllung um eine Stufe indirekter aus;
es bedarf noch der Herstellung einer Beziehung, einer Folgerung, also
eines Beginnes von Deutungsarbeit, um die Wunscherfüllung zu erkennen.
So z. B. wenn mir ein Mann den Traum seiner jungen Frau erzählt,
dass sich bei ihr die Periode eingestellt habe. Ich muss daran denken,
dass die junge Frau einer Gravidität entgegensieht, wenn ihr die Periode
ausbleibt. Dann ist die Mittheilung des Traumes eine Graviditätsanzeige,
und sein Sinn ist, dass er den Wunsch erfüllt zeigt, die Gravidität
möge doch noch eine Weile ausbleiben.Gar nicht selten hebt sich aus einem längeren, komplizirten und
im Ganzen verworrenen Traum ein besonders klares Stück hervor, dasS.
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eine unverkennbare Wunscherfüllung enthält, aber mit anderem unver-
ständlichem Material verlöthet ist. Versucht man häufiger, auch die an-
scheinend durchsichtigen Träume Erwachsener zu analysiren, so erfährt
man zu seiner Verwunderung, dass diese selten so einfach sind wie die
Kinderträume, und dass sie etwa hinter der einen Wunscherfüllung noch
anderen Sinn verbergen.Es wäre nun gewiss eine einfache und befriedigende Lösung der
Traumräthsel, wenn etwa die Analysenarbeit uns ermöglichen sollte, auch
die sinnlosen und verworrenen Träume Erwachsener auf den infantilen
Typus der Erfüllung eines intensiv empfundenen Wunsches vom Tage
zurückzuführen. Der Anschein spricht gewiss nicht für diese Erwartung.
Die Träume sind meist voll des gleichgiltigsten und fremdartigsten
Materials, und von Wunscherfüllung ist in ihrem Inhalt nichts zu
merken.Ehe wir aber die infantilen Träume, die unverhüllte Wunsch-
erfüllungen sind, verlassen, wollen wir nicht versäumen, einen längst
bemerkten Hauptcharakter des Traumes zu erwähnen, der gerade in
dieser Gruppe am reinsten hervortritt. Ich kann jeden dieser Träume
durch einen Wunschsatz ersetzen: Oh, hätte die Fahrt auf dem See
doch länger gedauert; — wäre ich doch schon gewaschen und angezogen;
— hätte ich doch die Kirschen behalten dürfen, anstatt sie dem Onkel
zu geben; aber der Traum giebt mehr als diesen Optativ. Er zeigt den
Wunsch als bereits erfüllt, stellt diese Erfüllung als real und gegen-
wärtig dar, und das Material der Traumdarstellung besteht vorwiegend
— wenn auch nicht ausschliesslich — aus Situationen und meist visuellen
Sinnesbildern. Auch in dieser Gruppe wird also eine Art Umwandlung
— die man als Traumarbeit bezeichnen darf — nicht völlig vermisst:
Ein im Optativ stehender Gedanke ist durch eine Anschau-
ung im Präsens ersetzt.IV.
Wir werden geneigt sein anzunehmen, dass eine solche Umsetzung
in eine Situation auch bei den verworrenen Träumen stattgefunden
hat, wiewohl wir nicht wissen können, ob sie auch hier einen Optativ
betraf. Das eingangs mitgetheilte Traumbeispiel, in dessen Analyse
wir ein Stück weit eingegangen sind, giebt uns allerdings an zwei Stellen
Anlass, etwas derartiges zu vermuthen. Es kommt in der Analyse vor,
dass meine Frau sich an der Tafel mit Anderen beschäftigt, was ich als
unangenehm empfinde; der Traum enthält davon das genaue Gegen-
theil, dass die Person, die meine Frau ersetzt, sich ganz mir zuwendet.
Zu welchem Wunsch kann aber ein unangenehmes Erlebniss besser
Anlass geben als zu dem, dass sich das Gegentheil davon ereignet haben
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Über den Traum1901-001/1901