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Motive zur Ueberzeugung werden aber geändert. Ist es der Traum
eines Gesunden, so bleibt mir kein anderes Mittel, ihn zur Anerkennung
der gefundenen verdrängten Ideen zu nöthigen, als der Zusammenhang
der Traumgedanken, und er mag sich immerhin gegen diese Anerkennung
sträuben. Handelt es sich aber um einen neurotisch Leidenden, etwa
um einen Hysteriker, so wird die Annahme des verdrängten Gedankens
für ihn zwingend durch den Zusammenhang dieses letzteren mit seinen
Krankheitssymptomen und durch die Besserung, die er bei dem Eintausch
von Symptomen gegen verdrängte Ideen erfährt. Bei der Patientin z. B.,
von welcher der letzte Traum mit den drei Karten für 1 fl. 50 kr. herrührt,
muss die Analyse annehmen, dass sie ihren Mann geringschätzt, dass
sie bedauert, ihn geheirathet zu haben, dass sie ihn gerne gegen einen
anderen vertauschen möchte. Sie behauptet freilich, dass sie ihren
Mann liebt, dass ihr Empfindungsleben von dieser Geringschätzung (einen
100mal besseren!) nichts weiss, aber all ihre Symptome führen zu der-
selben Auflösung wie dieser Traum, und nachdem die von ihr verdrängten
Erinnerungen an die Zeit wieder geweckt worden sind, in welcher sie
ihren Mann auch bewusst nicht geliebt hat, sind diese Symptome
gelöst, und ihr Widerstand gegen die Deutung des Traumes ist ge-
schwunden.IX.
Nachdem wir uns den Begriff der Verdrängung fixirt und die
Traumentstellung in Beziehung zu verdrängtem psychischem Material
gesetzt haben, können wir das Hanptergebniss, welches die Analyse der
Träume liefert, ganz allgemein aussprechen. Von den verständlichen
und sinnvollen Träumen haben wir erfahren, dass sie unverhüllte
Wunscherfüllungen sind, d. h. dass die Traumsituation in ihnen einen
dem Bewusstsein bekannten, vom Tagesleben erübrigten, des Interesses
wohl würdigen Wunsch als erfüllt darstellt. Ueber die dunkeln und
verworrenen Träume lehrt nun die Analyse etwas ganz Analoges: die
Traumsituation stellt wiederum einen Wunsch als erfüllt dar, der sich
regelmässig aus den Traumgedanken erhebt, aber die Darstellung ist
eine unkenntliche, erst durch Zurückführung in der Analyse aufzuklärende,
und der Wunsch ist entweder selbst ein verdrängter, dem Bewusstsein
fremder, oder er hängt doch innigst mit verdrängten Gedanken zu-
sammen, wird von solchen getragen. Die Formel für diese Träume
lautet also: Sie sind verhüllte Erfüllungen von verdrängten
Wünschen. Es ist dabei interessant zu bemerken, dass die Volks-
meinung recht behält, welche den Traum durchaus die Zukunft ver-
künden lässt. In Wahrheit ist die Zukunft, die uns der Traum zeigt,
nicht die, die eintreffen wird, sondern von der wir möchten, dass sieS.
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so einträfe. Die Volksseele verfährt hier, wie sie es auch sonst gewohnt
ist: sie glaubt, was sie wünscht.Nach ihrem Verhalten gegen die Wunscherfüllung theilen sich die
Träume in drei Klassen. Erstens solche, die einen unverdrängten
Wunsch unverhüllt darstellen; dies sind die Träume von infantilem
Typus, die beim Erwachsenen immer seltener werden. Zweitens die
Träume, die einen verdrängten Wunsch verhüllt zum Ausdruck
bringen; wohl die übergrosse Mehrzahl aller unserer Träume, die zum
Verständniss dann der Analyse bedürfen. Drittens die Träume, die
zwar einen verdrängten Wunsch darstellen, aber ohne oder in un-
genügender Verhüllung. Diese letzten Träume sind regelmässig von
Angst begleitet, welche den Traum unterbricht. Die Angst ist hier
der Ersatz für die Traumentstellung; sie ist mir in den Träumen der
zweiten Klasse durch die Traumarbeit erspart worden. Es lässt sich
ohne allzugrosse Schwierigkeit nachweisen, dass derjenige Vorstellungs-
inhalt, der uns jetzt im Traume Angst bereitet, einstmals ein Wunsch
war und seither der Verdrängung unterlegen ist.Es giebt auch klare Träume von peinlichem Inhalt, der aber im Traum
nicht peinlich empfunden wird. Man kann diese darum nicht zu den
Angstträumen rechnen; sie haben aber immer dazu gedient die Bedeu-
tungslosigkeit und den psychischen Unwerth der Träume zu erweisen.
Eine Analyse eines solchen Beispiels wird zeigen, dass es sich hier um
gut verhüllte Erfüllungen verdrängter Wünsche, also um Träume der
zweiten Klasse handelt, und wird gleichzeitig die ausgezeichnete Eignung
der Verschiebungsarbeit zur Verhüllung des Wunsches darthun.Ein Mädchen träumt, dass sie das jetzt einzige Kind ihrer Schwester
todt vor sich sieht in der nämlichen Umgebung, in der sie vor einigen
Jahren das erste Kind als Leiche sah. Sie empfindet dabei keinen
Schmerz, sträubt sich aber natürlich gegen die Auffassung, diese Si-
tuation entspreche einem Wunsch von ihr. Dies wird auch nicht erfordert;
aber an der Bahre jenes Kindes hat sie vor Jahren den von ihr geliebten
Mann zuletzt gesehen und gesprochen; stürbe das zweite Kind, so würde
sie diesen Mann gewiss wieder im Hause der Schwester treffen. Sie
sehnt sich nun nach dieser Begegnung, sträubt sich aber gegen diese
Empfindung. Sie hat am Traumtage selbst eine Eintrittskarte zu einem
Vortrage genommen, den der immer noch Geliebte angekündigt hat. Ihr
Traum ist ein einfacher Ungeduldstraum, wie er sich gewöhnlich vor
Reisen, Theaterbesuchen u. dgl. erwarteten Genüssen einstellt. Um ihr
aber diese Sehnsucht zu verbergen, ist die Situation auf die für eine
freudige Empfindung unpassendste Gelegenheit verschoben worden, die
sich doch einmal in der Wirklichkeit bewährt hat. Man beachte noch,
dass das Affektverhalten im Traume nicht dem vorgeschobenen, sondern
dem wirklichen, aber zurückgehaltenen Trauminhalt angepasst ist. DieS.
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Traumsituation greift dem lange ersehnten Wiedersehen vor, sie bietet
keine Anknüpfung für eine peinliche Empfindung.X.
Die Philosophen haben bisher keinen Anlass gehabt, sich mit einer
Psychologie der Verdrängung zu beschäftigen. Es ist also gestattet, dass
wir uns in erster Annäherung an den noch unbekannten Sachverhalt eine
anschauliche Vorstellung vom Hergang der Traumbildung schaffen. Das
Schema, zu welchem wir nicht allein vom Studium des Traumes her
gelangen, ist zwar bereits ziemlich komplizirt; wir können aber mit
einem einfacheren unser Ausreichen nicht finden. Wir nehmen an, dass
es in unserem seelischen Apparat zwei gedankenbildende Instanzen giebt,
deren zweite das Vorrecht besitzt, dass ihre Erzeugnisse den Zugang
zum Bewusstsein offen finden, während die Thätigkeit der ersten Instanz
an sich unbewusst ist und nur über die zweite zum Bewusstsein gelangen
kann. An der Grenze der beiden Instanzen, am Uebergang von der
ersten zur zweiten, befinde sich eine Censur, welche nur durchlässt, was
ihr genehm ist, anderes aber zurückhält. Dann befindet sich das von
der Censur Abgewiesene, nach unserer Definition, im Zustande der Ver-
drängung. Unter gewissen Bedingungen, deren eine der Schlafzustand
ist, ändere sich das Kräfteverhältniss zwischen beiden Instanzen in
solcher Weise, dass das Verdrängte nicht mehr ganz zurückgehalten
werden kann. Im Schlafzustand geschehe dies etwa durch den Nach-
lass der Censur; dann wird es dem bisher Verdrängten gelingen, sich
den Weg zum Bewusstsein zu bahnen. Da die Censur aber niemals
aufgehoben, sondern bloss herabgesetzt ist, so wird es sich dabei Ver-
änderungen gefallen lassen müssen, welche seine Anstössigkeiten mildern.
Was in solchem Falle bewusst wird, ist ein Kompromiss zwischen dem
von der einen Instanz Beabsichtigten und dem von der anderen Ge-
forderten. Verdrängung — Nachlass der Censur — Kompro-
missbildung, dies ist aber das Grundschema für die Entstehung aller
anderen psychopathischen Bildungen in gleicher Weise wie für den
Traum, und bei der Kompromissbildung werden hier wie dort die Vor-
gänge der Verdichtung und Verschiebung und die Inanspruchnahme ober-
flächlicher Associationen beobachtet, welche wir bei der Traumarbeit
kennen gelernt haben.Wir haben keinen Grund uns das Element von Dämonismus
zu verhehlen, welches bei der Aufstellung unserer Erklärung der
Traumarbeit mitgespielt hat. Wir haben den Eindruck empfangen,
dass die Bildung der dunklen Träume so vor sich geht, als ob
eine Person, die von einer zweiten abhängig ist, etwas zu äussern
hätte, was dieser letzteren anzuhören unangenehm sein muss, und
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Über den Traum1901-001/1901