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Traumsituation greift dem lange ersehnten Wiedersehen vor, sie bietet
keine Anknüpfung für eine peinliche Empfindung.X.
Die Philosophen haben bisher keinen Anlass gehabt, sich mit einer
Psychologie der Verdrängung zu beschäftigen. Es ist also gestattet, dass
wir uns in erster Annäherung an den noch unbekannten Sachverhalt eine
anschauliche Vorstellung vom Hergang der Traumbildung schaffen. Das
Schema, zu welchem wir nicht allein vom Studium des Traumes her
gelangen, ist zwar bereits ziemlich komplizirt; wir können aber mit
einem einfacheren unser Ausreichen nicht finden. Wir nehmen an, dass
es in unserem seelischen Apparat zwei gedankenbildende Instanzen giebt,
deren zweite das Vorrecht besitzt, dass ihre Erzeugnisse den Zugang
zum Bewusstsein offen finden, während die Thätigkeit der ersten Instanz
an sich unbewusst ist und nur über die zweite zum Bewusstsein gelangen
kann. An der Grenze der beiden Instanzen, am Uebergang von der
ersten zur zweiten, befinde sich eine Censur, welche nur durchlässt, was
ihr genehm ist, anderes aber zurückhält. Dann befindet sich das von
der Censur Abgewiesene, nach unserer Definition, im Zustande der Ver-
drängung. Unter gewissen Bedingungen, deren eine der Schlafzustand
ist, ändere sich das Kräfteverhältniss zwischen beiden Instanzen in
solcher Weise, dass das Verdrängte nicht mehr ganz zurückgehalten
werden kann. Im Schlafzustand geschehe dies etwa durch den Nach-
lass der Censur; dann wird es dem bisher Verdrängten gelingen, sich
den Weg zum Bewusstsein zu bahnen. Da die Censur aber niemals
aufgehoben, sondern bloss herabgesetzt ist, so wird es sich dabei Ver-
änderungen gefallen lassen müssen, welche seine Anstössigkeiten mildern.
Was in solchem Falle bewusst wird, ist ein Kompromiss zwischen dem
von der einen Instanz Beabsichtigten und dem von der anderen Ge-
forderten. Verdrängung — Nachlass der Censur — Kompro-
missbildung, dies ist aber das Grundschema für die Entstehung aller
anderen psychopathischen Bildungen in gleicher Weise wie für den
Traum, und bei der Kompromissbildung werden hier wie dort die Vor-
gänge der Verdichtung und Verschiebung und die Inanspruchnahme ober-
flächlicher Associationen beobachtet, welche wir bei der Traumarbeit
kennen gelernt haben.Wir haben keinen Grund uns das Element von Dämonismus
zu verhehlen, welches bei der Aufstellung unserer Erklärung der
Traumarbeit mitgespielt hat. Wir haben den Eindruck empfangen,
dass die Bildung der dunklen Träume so vor sich geht, als ob
eine Person, die von einer zweiten abhängig ist, etwas zu äussern
hätte, was dieser letzteren anzuhören unangenehm sein muss, undS.
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von diesem Gleichniss her haben wir den Begriff der Traument-
stellung und den der Censur erfasst und uns bemüht, unseren Ein-
druck in eine gewiss rohe, aber wenigstens anschauliche psychologische
Theorie zu übersetzen. Mit was immer bei weiterer Klärung des Gegen-
standes sich unsere erste und zweite Instanz wird identifiziren lassen,
wir werden erwarten, dass sich ein Korrelat unserer Annahme bestätige,
dass die zweite Instanz den Zugang zum Bewusstsein beherrscht und
die erste vom Bewusstsein absperren kann.Wenn der Schlafzustand überwunden ist, stellt sich die Censur
rasch zur vollen Höhe wieder her und kann jetzt wieder vernichten,
was ihr während der Zeit ihrer Schwäche abgerungen worden ist. Dass
das Vergessen des Traumes wenigstens zum Theil diese Erklärung
fordert, geht aus einer ungezählte Male bestätigten Erfahrung hervor.
Während der Erzählung eines Traumes oder während der Analyse des-
selben geschieht es nicht selten, dass plötzlich ein vergessen geglaubtes
Bruchstück des Trauminhaltes wieder auftaucht. Dies dem Vergessen
entrissene Stück enthält regelmässig den besten und nächsten Zugang
zur Bedeutung des Traumes. Es sollte wahrscheinlich nur darum dem
Vergessen, d. i. der neuerlichen Unterdrückung, verfallen.XI.
Wenn wir den Trauminhalt als Darstellung eines erfüllten Wunsches
auffassen und seine Dunkelheit auf die Abänderungen der Censur an
verdrängtem Material zurückführen, fällt es uns auch nicht mehr schwer,
die Funktion des Traumes zu erschliessen. In seltsamem Gegensatz zu
Redewendungen, welche den Schlaf durch Träume stören lassen, müssen
wir den Traum als den Hüter des Schlafes anerkennen. Für den
Kindertraum dürfte unsere Behauptung leicht Glauben finden.Der Schlafzustand oder die psychische Schlafveränderung, worin
immer sie bestehen mag, wird herbeigeführt durch den dem Kind auf-
genöthigten oder auf Grund von Müdigkeitssensationen gefassten Ent-
schluss zu schlafen, und einzig ermöglicht durch die Abhaltung von
Reizen, welche dem psychischen Apparat andere Ziele setzen könnten
als das des Schlafens. Die Mittel, welche dazu dienen, äussere Reize
ferne zu halten, sind bekannt; aber welche Mittel stehen uns zur Ver-
fügung, um die inneren seelischen Reize niederzuhalten, die sich dem
Einschlafen widersetzen? Man beobachte eine Mutter, die ihr Kind ein-
schläfert. Es äussert unausgesetzt Bedürfnisse, es will noch einen Kuss,
es möchte noch spielen. Diese Bedürfnisse werden zum Theil befriedigt,
zum anderen mit Autorität auf den nächsten Tag verschoben. Es ist
klar, dass Wünsche und Bedürfnisse, die sich regen, die Hemmnisse des
Einschlafens sind. Wer kennt nicht die heitere Geschichte von dem
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Über den Traum1901-001/1901