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von diesem Gleichniss her haben wir den Begriff der Traument-
stellung und den der Censur erfasst und uns bemüht, unseren Ein-
druck in eine gewiss rohe, aber wenigstens anschauliche psychologische
Theorie zu übersetzen. Mit was immer bei weiterer Klärung des Gegen-
standes sich unsere erste und zweite Instanz wird identifiziren lassen,
wir werden erwarten, dass sich ein Korrelat unserer Annahme bestätige,
dass die zweite Instanz den Zugang zum Bewusstsein beherrscht und
die erste vom Bewusstsein absperren kann.Wenn der Schlafzustand überwunden ist, stellt sich die Censur
rasch zur vollen Höhe wieder her und kann jetzt wieder vernichten,
was ihr während der Zeit ihrer Schwäche abgerungen worden ist. Dass
das Vergessen des Traumes wenigstens zum Theil diese Erklärung
fordert, geht aus einer ungezählte Male bestätigten Erfahrung hervor.
Während der Erzählung eines Traumes oder während der Analyse des-
selben geschieht es nicht selten, dass plötzlich ein vergessen geglaubtes
Bruchstück des Trauminhaltes wieder auftaucht. Dies dem Vergessen
entrissene Stück enthält regelmässig den besten und nächsten Zugang
zur Bedeutung des Traumes. Es sollte wahrscheinlich nur darum dem
Vergessen, d. i. der neuerlichen Unterdrückung, verfallen.XI.
Wenn wir den Trauminhalt als Darstellung eines erfüllten Wunsches
auffassen und seine Dunkelheit auf die Abänderungen der Censur an
verdrängtem Material zurückführen, fällt es uns auch nicht mehr schwer,
die Funktion des Traumes zu erschliessen. In seltsamem Gegensatz zu
Redewendungen, welche den Schlaf durch Träume stören lassen, müssen
wir den Traum als den Hüter des Schlafes anerkennen. Für den
Kindertraum dürfte unsere Behauptung leicht Glauben finden.Der Schlafzustand oder die psychische Schlafveränderung, worin
immer sie bestehen mag, wird herbeigeführt durch den dem Kind auf-
genöthigten oder auf Grund von Müdigkeitssensationen gefassten Ent-
schluss zu schlafen, und einzig ermöglicht durch die Abhaltung von
Reizen, welche dem psychischen Apparat andere Ziele setzen könnten
als das des Schlafens. Die Mittel, welche dazu dienen, äussere Reize
ferne zu halten, sind bekannt; aber welche Mittel stehen uns zur Ver-
fügung, um die inneren seelischen Reize niederzuhalten, die sich dem
Einschlafen widersetzen? Man beobachte eine Mutter, die ihr Kind ein-
schläfert. Es äussert unausgesetzt Bedürfnisse, es will noch einen Kuss,
es möchte noch spielen. Diese Bedürfnisse werden zum Theil befriedigt,
zum anderen mit Autorität auf den nächsten Tag verschoben. Es ist
klar, dass Wünsche und Bedürfnisse, die sich regen, die Hemmnisse des
Einschlafens sind. Wer kennt nicht die heitere Geschichte von demS.
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schlimmen Buben (Balduin Groller’s), der, bei Nacht erwachend,
durch den Schlafraum brüllt: Das Nashorn will er? Ein braveres
Kind würde, anstatt zu brüllen, träumen, dass es mit dem Nashorn
spielt. Da der Traum, welcher den Wunsch erfüllt zeigt, während des
Schlafens Glauben findet, hebt er den Wunsch auf und ermöglicht
den Schlaf. Es ist nicht abzuweisen, dass dieser Glaube dem Traum-
bilde zufällt, weil dieses sich in die psychische Erscheinung der Wahr-
nehmung kleidet, während dem Kinde die später zu erwerbende Fähig-
keit noch fehlt, Hallucination oder Phantasie von Realität zu unter-
scheiden.Der Erwachsene hat diese Unterscheidung gelernt, er hat auch die
Nutzlosigkeit des Wünschens begriffen und es durch fortgesetzte Uebung
erreicht, seine Strebungen aufzuschieben, bis sie auf langen Umwegen
über die Veränderung der Aussenwelt ihre Erledigung finden können.
Dem entsprechend sind auch die Wunscherfüllungen auf kurzem psy-
chischem Weg bei ihm im Schlafe selten; ja es ist selbst möglich, dass
sie überhaupt nicht vorkommen, und dass alles, was uns nach der Art
eines Kindertraumes gebildet zu sein scheint, eine viel komplizirtere
Auflösung erfordert. Dafür aber hat sich beim Erwachsenen — und
wohl bei jedem Vollsinnigen ohne Ausnahme — eine Differenzirung des
psychischen Materiales herausgebildet, die dem Kinde fehlt. Es ist eine
psychische Instanz zu Stande gekommen, welche, durch die Lebenserfah-
rung belehrt, einen beherrschenden und hemmenden Einfluss auf die
seelischen Regungen mit eifersüchtiger Strenge festhält, und die durch
ihre Stellung zum Bewusstsein und zur willkürlichen Motilität mit den
grössten Mitteln psychischer Macht ausgestattet ist. Ein Theil der
kindlichen Regungen aber ist als lebensunnütz von dieser Instanz unter-
drückt worden, und alles Gedankenmaterial, was von diesen abstammt,
befindet sich im Zustande der Verdrängung.Während sich nun die Instanz, in welcher wir unser normales
Ich erkennen, auf den Wunsch zu schlafen einstellt, scheint sie
durch die psychophysiologischen Bedingungen des Schlafes genöthigt,
an der Energie nachzulassen, mit welcher sie bei Tag das Verdrängte
niederzuhalten pflegte. Dieser Nachlass selbst ist zwar harmlos; die
Erregungen der unterdrückten Kinderseele mögen sich immerhin
tummeln; in Folge des nämlichen Schlafzustandes finden sie doch
den Zugang zum Bewusstsein erschwert und den zur Motilität ver-
sperrt. Die Gefahr, dass der Schlaf durch sie gestört werde, muss
aber abgewehrt werden. Nun müssen wir ja ohnehin die Annahme
zulassen, dass selbst im tiefen Schlaf ein Betrag von freier Auf-
merksamkeit als Wächter gegen Sinnesreize aufgeboten wird, welche
etwa das Erwachen räthlicher erscheinen lassen als die Fortsetzung
des Schlafes. Es wäre sonst nicht zu erklären, dass wir jederzeitS.
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durch Sinnesreize von gewisser Qualität aufzuwecken sind, wie be-
reits der alte Physiologe Burdach betonte, die Mutter z. B. durch
das Wimmern ihres Kindes, der Müller durch das Stehenbleiben
seiner Mühle, die meisten Menschen durch den leisen Anruf bei ihrem
Namen. Diese Wache haltende Aufmerksamkeit wendet sich nun auch
den inneren Wunschreizen aus dem Verdrängten zu und bildet mit
ihnen den Traum, der als Kompromiss gleichzeitig beide Instanzen be-
friedigt. Dieser schafft eine Art von psychischer Erledigung für den unter-
drückten oder mit Hilfe des Verdrängten geformten Wunsch, indem er
ihn als erfüllt hinstellt; er genügt aber auch der anderen Instanz, indem
er die Fortsetzung des Schlafes gestattet. Unser Ich benimmt sich
dabei gerne wie ein Kind, es schenkt den Traumbildern Glauben, als
ob es sagen wollte: Ja, ja, du hast Recht, aber lass mich schlafen.
Die Geringschätzung, die wir erwacht dem Traume entgegenbringen,
und die sich auf die Verworrenheit und scheinbare Unlogik des Traumes
beruft, ist wahrscheinlich nichts anderes als das Urtheil unseres schlafen-
den Ichs über die Regungen aus dem Verdrängten, das sich mit besserem
Rechte auf die motorische Ohnmacht dieser Schlafstörer stützt. Dies
geringschätzige Urtheil wird uns mitunter selbst im Schlafe bewusst;
wenn der Trauminhalt allzusehr über die Censur hinausgeht, denken
wir: Es ist ja nur ein Traum — und schlafen weiter.Es ist kein Einwand gegen diese Auffassung, wenn es auch für
den Traum Grenzfälle giebt, in denen er seine Funktion, den Schlaf vor
Unterbrechung zu bewahren, nicht mehr festhalten kann — wie beim
Angsttraum — und sie gegen die andere, ihn rechtzeitig aufzuheben, ver-
tauscht. Er verfährt dabei auch nur wie der gewissenhafte Nachtwächter,
der zunächst seine Pflicht thut, indem er Störungen zur Ruhe bringt,
um die Bürgerschaft nicht zu wecken, dann aber seine Pflicht damit
fortsetzt, die Bürgerschaft selbst zu wecken, wenn ihm die Ursachen
der Störung bedenklich scheinen und er mit ihnen allein nicht fertig wird.Besonders deutlich wird eine solche Funktion des Traumes, wenn
an den Schlafenden ein Anreiz zu Sinnesempfindungen herantritt. Dass
Sinnesreize während des Schlafzustandes angebracht den Inhalt der
Träume beeinflussen, ist allgemein bekannt, lässt sich experimentell
nachweisen und gehört zu den wenigen sicheren, aber arg überschätzten
Ergebnissen der ärztlichen Forschung über den Traum. Es hat sich
aber an diese Ermittlung ein bisher unlösbares Räthsel geknüpft. Der
Sinnesreiz, den der Experimentator auf den Schlafenden einwirken lässt,
erscheint im Traume nämlich nicht richtig erkannt, sondern unterliegt
irgend einer von unbestimmt vielen Deutungen, deren Determinirung
der psychischen Willkür überlassen schien. Psychische Willkür giebt
es natürlich nicht. Der Schlafende kann gegen einen Sinnenreiz von
aussen auf mehrfache Weise reagiren. Entweder er erwacht, oder esS.
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gelingt ihm, den Schlaf trotzdem fortzusetzen. Im letzteren Falle kann
er sich des Tranmes bedienen, um den äusseren Reiz fortzuschaffen, und
zwar wiederum auf mehr als eine Weise. Er kann z. B. den Reiz auf-
heben, indem er eine Situation träumt, die mit ihm ganz und gar un-
verträglich ist. So benahm sich z. B. ein Schläfer, den ein schmerz-
hafter Abscess am Perineum stören wollte. Er träumte, dass er auf
einem Pferde reite, benutzte dabei den Breiumschlag, der ihm den
Schmerz lindern sollte, als Sattel und kam so über die Störung hinweg.
Oder aber, was der häufigere Fall ist, der äussere Reiz erfährt eine Um-
deutung, die ihn in den Zusammenhang eines eben auf seine Erfüllung
lauernden verdrängten Wunsches einfügt, ihn so seiner Realität beraubt
und wie ein Stück des psychischen Materials behandelt. So träumt
Jemand, er habe ein Lustspiel geschrieben, das eine bestimmte Grund-
idee verkörpert, es werde im Theater aufgeführt, der erste Akt sei
vorüber und finde rasenden Beifall. Es wird fürchterlich geklatscht . . .
Es muss hier dem Träumer gelungen sein, seinen Schlaf über die Stö-
rung hinaus zu verlängern, denn als er erwachte, hörte er das Geräusch
nicht mehr, urtheilte aber mit gutem Recht, es müsste ein Teppich oder
Betten geklopft worden sein. — Die Träume, die sich unmittelbar vor dem
Wecken durch ein lautes Geräusch einstellen, haben alle noch den Ver-
such gemacht, den erwarteten Weckreiz durch eine andere Erklärung
abzuleugnen und den Schlaf noch um ein Weilchen zu verlängern.XII.
Ich erhebe weder den Anspruch, hier auf alle Traumprobleme
Licht geworfen, noch die hier erörterten überzeugend erledigt zu haben.
Wer sich für den ganzen Umfang der Traumlitteratur interessirt, der
sei auf Sante de Sanctis’ kürzlich veröffentlichtes Buch: I sogni,
Torino 1899 verwiesen; wer die eingehendere Begründung der von mir
vorgetragenen Auffassung des Traumes sucht, der wende sich an meine
Schrift: Die Traumdeutung, Leipzig und Wien 1900. Ich werde
nur noch darauf hinweisen, in welcher Richtung die Fortsetzung meiner
Darlegungen über die Traumarbeit zu verfolgen ist.Wenn ich als die Aufgabe einer Traumdeutung die Ersetzung
des Traumes durch die latenten Traumgedanken, also die Auflösung
dessen, was die Traumarbeit gesponnen hat, hinstelle, so werfe ich
einerseits eine Reihe von neuen psychologischen Problemen auf, die
sich auf den Mechanismus dieser Traumarbeit selbst, wie auf die
Natur und die Bedingungen der sog. Verdrängung beziehen; anderer-
seits behaupte ich die Existenz der Traumgedanken, als eines sehr
reichhaltigen Materiales psychischer Bildungen von höchster Ordnung
und mit allen Kennzeichen normaler intellektueller Leistung ver-S.
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sehen, welches Material sich doch dem Bewusstsein entzieht, bis es
ihm durch den Trauminhalt entstellte Kunde gegeben hat. Solche Ge-
danken bin ich genöthigt bei Jedermann als vorhanden anzunehmen,
da ja fast alle Menschen, auch die normalsten‚ des Träumens fähig
sind. An das Unbewusste der Traumgedanken, an dessen Verhältniss
zum Bewusstsein und zur Verdrängung knüpfen die weiteren, für die
Psychologie bedeutsamen Fragen an, deren Erledigung wohl aufzuschieben
ist, bis die Analyse die Entstehung anderer psychopathischer Bildungen,
wie der hysterischen Symptome und der Zwangsideen, klargelegt hat.
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Über den Traum1901-001/1901