• S.

    [Briefkopf Wien] 28. IV. 24.

    Lieber Freund, 
    Dieser Brief, der Sie zur Präsidentschaft beglückwünschen soll, wäre schon einige Tage früher abgegangen, wenn nicht die »Dampferwellen« des Kongresses so viel der unabweisbaren Besucher vor meine Küste gespült hätten. Ich denke mit Bedauern daran, daß Sie sich von der Reise nach Wien abhalten ließen, und doch muß ich egoistisch genug sein, darin eine Erleichterung zu sehen, für die ich Ihnen danke. Der gute Casimiro wird ja diesmal verstanden haben, daß es sich nicht um eine vorübergehende Unpäßlichkeit bei mir handelt, sondern um ein neues und arg erniedrigtes Niveau von Leben und Arbeit. Ich habe mit Vergnügen gehört, daß der Kongreß ohne störende Zusammenstöße verlaufen ist und bin sehr gerne bereit, Ihr Verdienst daran anzuerkennen. In der Angelegenheit selbst

  • S.

    habe ich ja, wie Sie wissen, eine unbequeme Position. Ich stehe sachlich Ihrem Standpunkt recht nahe, vielmehr ich nähere mich ihm immer mehr, kann aber persönlich noch immer nicht Ihre Partei nehmen. Von der Korrektheit Ihres Vorgehens voll überzeugt, meine ich doch, Sie hätten es anders machen sollen. In der Nuance der Einstellung bin ich mit Eitingon einig.
    Nun wünsche ich Ihnen eine taten- und erfolgreiche Amtsperiode und grüße Sie und die Ihrigen in ungetrübter Herzlichkeit.
    Ihr Freud