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5. 6. 14
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19.Lieber Freund
Gestern habe ich Ihre Arbeit fürs Jahrbuch
gelesen u darf mich nicht zurückhalten,
Ihnen dazu zu gratulieren. Ich meine, es
ist der beste klinische Beitrag, der je
in den 5 Bänden gestanden ist, unerreicht
an Sicherheit, Korrektheit, Vielseitig-
keit u Interesse. Vivant sequentes!
Rank wird Ihnen von den nächsten polit-
ischen Interessen geschrieben haben, die
uns jetzt beschäftigen. Ich teile Ihre Zu-
versicht nicht, daß die Züricher mit dem
Münchner Anhängsel vor dem Kongreß
austreten werden. Jedenfalls bleibt
es unsicher u stört unsere Vorbereitungen
für denselben, die im Falle ihrer Gegen-
wart doch andere sein müssen als im
Gegenfalle, wo wir friedlich unter
uns sein können.
Ich werde nun noch einen Versuch machen,
uns die in Rede stehenden Schwierig-
keiten zu ersparen. Für Montag habe
ich Deuticke bestellt, von dem ich ver-
langen werde, daß er meinen polemischen
Geschichtsbeitrag vor allem anderen
umbrechen und abziehen lasse, -
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so daß die S.A. noch vor Juli verschickt werden
können. (Daß das Jahrb so früh erscheinen
kann, halte ich wie Sie für unwahrschein-
lich.) Hoffentlich ist die Redaktion mit
dieser Bevorzugung einverstanden. Mit
der Versendung werde ich natürlich sehr
freigebig sein. Der Vorteil dabei wäre,
daß wir schon über die Reaktion der
Schweizer unterrichtet sein könnten,
ehe Sie die Anfragen wegen des Kon-
gresses aussenden.
Ein anderer Weg wäre, daß Sie an Maeder
u Seif die direkte Frage (zur Zeit) Brichten,
ob ihre Gruppen teilzunehmen gedenken,
u die Motivierung, es handle sich um Be-
stimmung des Diskussionsthemas, dabei
ausdrücklich erwähnen.
Als solches denke ich mir „Zwecke u Ziele
einer ψa Vereinigung“, um die Existenz
des Vereines zu recht fertigen, die Ein-
wendungen in bezug auf die Einschränkung
der wissenschaftlichen Forschung zurückzu-
weisen und den Schweizern, wenn sie
mittun, ein consilium abeundi zu geben.
Das Thema könnte auch für den Fall, daß
wir bereits ungestört sind, bleiben. -
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Aus der Wirkung auf die amerikan.
Gruppen, die doch nie in einen engen
Verband mit uns treten können, mache
ich mir nichts. London wird uns hoffentlich
bleiben.
Ich fand es sehr vornehm und verteidigte
es gegen Rank, daß Sie in Ihrem Korr-
esp Blatt die Züricher Schlamperei nicht
deutlicher angeklagt haben. Aber auf
dem Kongreß brauchten Sie kein Blatt
vor den Mund zu nehmen.
Mit dem Zentralbl ist es leid nicht so, wie Sie
vermuten. Ein gewisser Kaplan, ein unglück-
seliger Schlemihl, hat ein Buch über die
ψA bei Deuticke verlegt, das nicht er-
scheinen kann, weil einige darin aus-
genützte Personen die gerichtliche Be-
schlagnahme erwirkt haben. Aus demselben
Grund sollen gewisse Nummern
des Zentralbl mit Beiträgen dieses Kaplan
zurückgezogen werden. Unkraut ver-
dirbt nicht.
Von unseren Sommerplänen habe ich gewiß
schon geschrieben: 12. Juli Karlsbad, 4./5. Aug
Seis am Schlern, 24. Sept Vortrag Leiden. -
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Meine Gesundheit ist z.Zt. weniger interessant,
als es scheinen wollte. Ich bin fast erholt
von einer deutlich multiplen Darmaffektion
(oder Infektion), ohne Karzinomverdacht.
Wenn ich nicht sehr schreiblustig bin, bedarf
es keiner besonderen Erklärung.
Meine Kleine hat ihre poetischen Leistungen
noch hier vollbracht, anfangs Juli geht sie
nach England. Ihr Keuchhusten ist gut.
Dafür hat sie Heuschnupfen. Vorauszusehen,
daß sie im Leben allerlei Quälereien
haben wird. Im Ganzen ist sie doch sehr nett.
Ich hoffe nun, Sie lassen sich nicht mehr
vom Furunkel beißen, und den Ihrigen
geht es bis zu den nahen Ferien wieder
sehr gut.
Mit herzlichem Gruß
Ihr getreuer
FreudP.S. Nur eine Korrektur zu Ihrem Aufsatz.
Ihr Gewährsmann aus Leiden ist
doch wahrscheinlich der uns bekannt
Dr. Debruine. Sie haben ihm die
Vorsilbe entzogen.
Berggasse 19
Wien 1090
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Rankestraße 24
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