S.
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berichtet z. B., dass seine Mannschaft während der Überwinterung im
Eise bei monotoner Kost und schmalen Rationen regelmäßig wie die
Kinder von grossen Mahlzeiten träumten, von Bergen von Tabak und
vom Zuhausesein.Gar nicht selten hebt sich aus einem längeren, komplizierten und
im ganzen verworrenen Traum ein besonders klares Stück hervor, das
eine unverkennbare Wunscherfüllung enthält, aber mit anderem unver-
ständlichem Material verlötet ist. Versucht man häufiger, auch die an-
scheinend undurchsichtigen Träume Erwachsener zu analysieren, so erfährt
man zu seiner Verwunderung, dass diese selten so einfach sind wie die
Kinderträume, und dass sie etwa hinter der einen Wunscherfüllung noch
anderen Sinn verbergen.Es wäre nun gewiss eine einfache und befriedigende Lösung der
Traumrätsel, wenn etwa die Analysenarbeit uns ermöglichen sollte, auch
die sinnlosen und verworrenen Träume Erwachsener auf den infantilen
Typus der Erfüllung eines intensiv empfundenen Wunsches vom Tage
zurückzuführen. Der Anschein spricht gewiss nicht für diese Erwartung.
Die Träume sind meist voll des gleichgültigsten und fremdartigsten
Materials, und von Wunscherfüllung ist in ihrem Inhalt nichts zu merken.Ehe wir aber die infantilen Träume, die unverhüllte Wunsch-
erfüllungen sind, verlassen, wollen wir nicht versäumen, einen längst
bemerkten Hauptcharakter des Traumes zu erwähnen, der gerade in
dieser Gruppe am reinsten hervortritt. Ich kann jeden dieser Träume
durch einen Wunschsatz ersetzen: Oh, hätte die Fahrt auf dem See
doch länger gedauert; — wäre ich doch schon gewaschen und angezogen;
— hätte ich doch die Kirschen behalten dürfen, anstatt sie dem Onkel
zu geben; aber der Traum gibt mehr als diesen Optativ. Er zeigt den
Wunsch als bereits erfüllt, stellt diese Erfüllung als real und gegen-
wärtig dar, und das Material der Traumdarstellung besteht vorwiegend
— wenn auch nicht ausschliesslich — aus Situationen und meist visuellen
Sinnesbildern. Auch in dieser Gruppe wird also eine Art Umwandlung
— die man als Traumarbeit bezeichnen darf — nicht völlig vermisst:
Ein im Optativ stehender Gedanke ist durch eine Anschau-
ung im Präsens ersetzt.IV.
Wir werden geneigt sein anzunehmen, dass eine solche Umsetzung
in eine Situation auch bei den verworrenen Träumen stattgefunden
hat, wiewohl wir nicht wissen können, ob sie auch hier einen Optativ
betraf. Das eingangs mitgeteilte Traumbeispiel, in dessen Analyse
wir ein Stück weit eingegangen sind, gibt uns allerdings an zwei StellenS.
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Anlass, etwas derartiges zu vermuten. Es kommt in der Analyse vor,
dass meine Frau sich an der Tafel mit anderen beschäftigt, was ich als
unangenehm empfinde; der Traum enthält davon das genaue Gegen-
teil, dass die Person, die meine Frau ersetzt, sich ganz mir zuwendet.
Zu welchem Wunsch kann aber ein unangenehmes Erlebnis besser
Anlass geben, als zu dem, dass sich das Gegenteil davon ereignet haben
sollte, wie es der Traum als vollzogen enthält? In ganz ähnlichem
Verhältnis steht der bittere Gedanke in der Analyse, dass ich nichts
umsonst gehabt habe, zu der Rede der Frau im Traum: Sie haben ja
immer so schöne Augen gehabt. Ein Teil der Gegensätzlichkeiten
zwischen manifestem und latentem Trauminhalt dürfte sich also auf
Wunscherfüllung zurückführen lassen.Augenfälliger ist aber eine andere Leistung der Traumarbeit, durch
welche die inkohärenten Träume zustande kommen. Vergleicht man
an einem beliebigen Beispiel die Zahl der Vorstellungselemente oder
den Umfang der Niederschrift beim Traum und bei den Traumgedanken,
zu denen die Analyse führt, und von denen man eine Spur im Traume
wiederfindet, so kann man nicht bezweifeln, dass die Traumarbeit hier
eine grossartige Zusammendrängung oder Verdichtung zustande
gebracht hat. Über das Ausmaß dieser Verdichtung kann man sich
zunächst ein Urteil nicht bilden; sie imponiert aber um so mehr, je
tiefer man in die Traumanalyse eingedrungen ist. Da findet man dann
kein Element des Trauminhaltes, von dem die Assoziationsfäden nicht
nach zwei oder mehr Richtungen auseinandergingen, keine Situation, die
nicht aus zwei oder mehr Eindrücken und Erlebnissen zusammengestückelt
wäre. Ich träumte z. B. einmal von einer Art Schwimmbassin, in dem
die Badenden nach allen Richtungen auseinanderfuhren; an einer Stelle
des Randes stand eine Person, die sich zu einer badenden Person neigte,
wie um sie herauszuziehen. Die Situation war zusammengesetzt aus
der Erinnerung an ein Erlebnis der Pubertätszeit und aus zwei Bildern,
von denen ich eines kurz vor dem Traum gesehen hatte. Die zwei
Bilder waren das der Überraschung im Bade aus dem Schwindschen
Zyklus Melusine (siehe die auseinanderfahrenden Badenden) und ein
Sintflutbild eines italienischen Meisters. Das kleine Erlebnis aber
hatte darin bestanden, dass ich zusehen konnte, wie in der Schwimm-
schule der Bademeister einer Dame aus dem Wasser half, die sich bis
zum Eintritt der Herrenstunde verspätet hatte. — Die Situation in dem
zur Analyse gewählten Beispiel leitet mich bei der Analyse auf eine
kleine Reihe von Erinnerungen, von denen jede zum Trauminhalt etwas
beigesteuert hat. Zunächst ist es die kleine Szene aus der Zeit meiner
Werbung, von der ich bereits gesprochen; ein Händedruck unter dem
Tisch, der damals vorfiel, hat für den Traum das Detail „unter dem
Tisch“, das ich der Erinnerung nachträglich einfügen muss, geliefert.S.
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Von „Zuwendung“ war natürlich damals keine Rede; ich weiss aus der
Analyse, dass dieses Element die Wunscherfüllung durch Gegensatz ist,
die zum Benehmen meiner Frau an der Table d’hôte gehört. Hinter
dieser rezenten Erinnerung verbirgt sich aber eine ganz ähnliche und
viel bedeutsamere Szene aus unserer Verlobungszeit, die uns für einen
ganzen Tag entzweite. Die Vertraulichkeit, die Hand auf das Knie zu
legen, gehört in einen ganz verschiedenen Zusammenhang und zu ganz
anderen Personen. Dieses Traumelement wird selbst wieder zum Aus-
gangspunkt zweier besonderer Erinnerungsreihen u. s. w.Das Material aus den Traumgedanken, welches zur Bildung der
Traumsituation zusammengeschoben wird, muss natürlich für diese Ver-
wendung von vorneherein brauchbar sein. Es bedarf hierzu eines —
oder mehrerer — in allen Komponenten vorhandenen Gemeinsamen.
Die Traumarbeit verfährt dann wie Francis Galton bei der Her-
stellung seiner Familienphotographien. Sie bringt die verschiedenen
Komponenten wie übereinander gelegt zur Deckung; dann tritt das
Gemeinsame im Gesamtbild deutlich hervor, die widersprechenden
Details löschen einander nahezu aus. Dieser Herstellungsprozess erklärt
auch zum Teil die schwankenden Bestimmungen eigentümlicher Ver-
schwommenheit so vieler Elemente des Trauminhalts. Die Traumdeutung
spricht auf dieser Einsicht fussend folgende Regel aus: Wo sich bei der
Analyse eine Unbestimmtheit noch in ein entweder—oder auf-
lösen lässt, da ersetze man dies für die Deutung durch ein „und“ und
nehme jedes Glied der scheinbaren Alternative zum unabhängigen Aus-
gang einer Reihe von Einfällen.Wo solche Gemeinsame zwischen den Traumgedanken nicht vor-
handen sind, da bemüht sich die Traumarbeit solche zu schaffen, um
die gemeinsame Darstellung im Traume zu ermöglichen. Der bequemste
Weg, um zwei Traumgedanken, die noch nichts Gemeinsames haben,
einander näher zu bringen, besteht in der Veränderung des sprachlichen
Ausdrucks für den einen, wobei ihm etwa noch der andere durch eine
entsprechende Umgiessung in einen andern Ausdruck entgegenkommt.
Es ist das ein ähnlicher Vorgang wie beim Reime schmieden, wobei der
Gleichklang das gesuchte Gemeinsame ersetzt. Ein gutes Stück der
Traumarbeit besteht in der Schöpfung solcher häufig sehr witzig,
oft aber gezwungen erscheinenden Zwischengedanken, welche von der
gemeinsamen Darstellung im Trauminhalt bis zu den nach Form
und Wesen verschiedenen, durch die Traumanlässe motivierten Traum-
gedanken reichen. Auch in der Analyse unseres Traumbeispiels finde
ich einen derartigen Fall von Umformung eines Gedankens zum
Zwecke des Zusammentreffens mit einem anderen, ihm wesensfremden.
Bei der Fortsetzung der Analyse stosse ich nämlich auf den Ge-
danken: Ich möchte auch einmal etwas umsonst haben;S.
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aber diese Form ist für den Trauminhalt nicht brauchbar. Sie wird
darum durch eine neue ersetzt: Ich möchte gerne etwas ge-
niessen ohne „Kosten“ zu haben. Das Wort Kosten passt nun
mit seiner zweiten Bedeutung in den Vorstellungskreis der Table d’hôte
und kann seine Darstellung durch den im Traum aufgetischten Spinat
finden. Wenn bei uns eine Speise zu Tische kommt, welche von den
Kindern abgelehnt wird, so versucht es die Mutter wohl zuerst mit
Milde und fordert von den Kindern: Nur ein bischen kosten.
Dass die Traumarbeit die Zweideutigkeit der Worte so unbedenklich
ausnützt, erscheint zwar sonderbar, stellt sich aber bei reicherer Er-
fahrung als ein ganz gewöhnliches Vorkommnis heraus.Durch die Verdichtungsarbeit des Traumes erklären sich auch
gewisse Bestandteile seines Inhaltes, die nur ihm eigentümlich sind und
im wachen Vorstellen nicht gefunden werden. Es sind dies die Sammel-
und Mischpersonen und die sonderbaren Mischgebilde, Schöpfungen,
den Tierkompositionen orientalischer Völkerphantasie vergleichbar, die
aber in unserem Denken bereits zu Einheiten erstarrt sind, während die
Traumkompositionen in unerschöpflichem Reichtum immer neu gebildet
werden. Jeder kennt solche Gebilde aus seinen eigenen Träumen; die
Weisen ihrer Herstellung sind sehr mannigfaltig. Ich kann eine Person
zusammensetzen, indem ich ihr Züge von der einen und von der anderen
verleihe, oder indem ich ihr die Gestalt der einen gebe und dabei im
Traum den Namen der anderen denke, oder ich kann die eine Person
visuell vorstellen, sie aber in eine Situation versetzen, die sich mit der
anderen ereignet hat. In all diesen Fällen ist die Zusammenziehung ver-
schiedener Personen zu einem einzigen Vertreter im Trauminhalt sinnvoll,
sie soll ein „und“, „gleichwie“, eine Gleichstellung der originalen Personen
in einer gewissen Hinsicht bedeuten, die auch im Traum selbst erwähnt
sein kann. In der Regel aber ist diese Gemeinsamkeit der verschmolzenen
Personen erst durch die Analyse aufzusuchen und wird im Trauminhalt
eben bloss durch die Bildung der Sammelperson angedeutet.Dieselbe Mannigfaltigkeit der Herstellungsweise und die nämliche
Regel bei der Auflösung gilt auch für die unermesslich reichhaltigen
Mischgebilde des Trauminhaltes, von denen ich Beispiele wohl nicht
anzuführen brauche. Ihre Sonderbarkeit verschwindet ganz, wenn wir
uns entschliessen, sie nicht in eine Reihe mit den Objekten der Wahr-
nehmung im Wachen zu stellen, sondern uns erinnern, dass sie eine
Leistung der Traumverdichtung darstellen und in treffender Abkürzung
einen gemeinsamen Charakter der so kombinierten Objekte hervorheben.
Die Gemeinsamkeit ist auch hier meist aus der Analyse einzusetzen. Der
Trauminhalt sagt gleichsam nur aus: Alle diese Dinge haben ein X
gemeinsam. Die Zersetzung solcher Mischgebilde durch die Analyse führt
oft auf dem kürzesten Weg zur Bedeutung des Traumes. So träumteS.
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ich einmal, dass ich mit einem meiner früheren Universitätslehrer in
einer Bank sitze, die mitten unter anderen Bänken eine rasch fort-
schreitende Bewegung erfährt. Es war dies eine Kombination von Hörsaal
und Trottoir roulant. Die weitere Verfolgung des Gedankens übergehe ich.
— Ein andermal sitze ich im Waggon und halte auf dem Schoss einen
Gegenstand von der Form eines Zylinderhutes, der aber aus durchsichtigem
Glas besteht. Die Situation lässt mir sofort das Sprichwort einfallen: Mit
dem Hute in der Hand kommt man durchs ganze Land. Der Glaszylinder
erinnert auf kurzen Umwegen an das Auersche Licht, und ich weiss
bald, dass ich eine Erfindung machen möchte, die mich so reich und
unabhängig werden lässt wie meinen Landsmann, den Dr. Auer von
Welsbach, die seinige, und dass ich dann Reisen machen will anstatt
in Wien zu bleiben. Im Traume reise ich mit meiner Erfindung — dem
allerdings noch nicht gebräuchlichen Hutzylinder aus Glas. — Ganz
besonders liebt es die Traumarbeit zwei in gegensätzlicher Beziehung
stehende Vorstellungen durch das nämliche Mischgebilde darzustellen,
so z. B. wenn eine Frau sich im Traume einen hohen Blumenstengel
tragend sieht, wie der Engel auf den Bildern von Mariä Verkündigung
dargestellt wird (Unschuld — Marie ist ihr eigener Name), der Stengel
aber mit dicken, weissen Blüten besetzt ist, die Kamelien gleichen
(Gegensatz zu Unschuld: Kameliendame).Ein gutes Stück dessen, was wir über die Traumverdichtung
erfahren haben, lässt sich in der Formel zusammenfassen: Jedes der
Elemente des Trauminhaltes ist durch das Material der Traumgedanken
überdeterminiert, führt seine Abstammung nicht auf ein einzelnes
Element der Traumgedanken, sondern auf eine ganze Reihe von solchen
zurück, die einander in den Traumgedanken keineswegs nahe stehen
müssen, sondern den verschiedensten Bezirken des Gedankengewebes
angehören können. Das Traumelement ist im richtigen Sinne die Ver-
tretung im Trauminhalt für all dies disparate Material. Die
Analyse deckt aber noch eine andere Seite der zusammengesetzten
Beziehung zwischen Trauminhalt und Traumgedanken auf. So wie von
jedem Traumelement Verbindungen zu mehreren Traumgedanken führen,
so ist auch in der Regel ein Traumgedanke durch mehr als
ein Traumelement vertreten; die Assoziationsfäden konvergieren
nicht einfach von den Traumgedanken bis zum Trauminhalt, sondern
überkreuzen und durchweben sich vielfach unterwegs.Neben der Verwandlung eines Gedankens in eine Situation (der
„Dramatisierung“) ist die Verdichtung der wichtigste und eigentümlichste
Charakter der Traumarbeit. Von einem Motiv, welches zu solcher Zu-
sammendrängung des Inhaltes nötigen würde, ist uns aber zunächst
nichts enthüllt worden.
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Über den Traum1901-001/1911