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inhalt, der uns jetzt im Traume Angst bereitet, einstmals ein Wunsch
war und seither der Verdrängung unterlegen ist.Es gibt auch klare Träume von peinlichem Inhalt, der aber im
Traum nicht peinlich empfunden wird. Man kann diese darum nicht
zu den Angstträumen rechnen; sie haben aber immer dazu gedient, die
Bedeutungslosigkeit und den psychischen Unwert der Träume zu er-
weisen. Eine Analyse eines solchen Beispiels wird zeigen, dass es sich
hier um gut verhüllte Erfüllungen verdrängter Wünsche, also um
Träume der zweiten Klasse, handelt und wird gleichzeitig die ausge-
zeichnete Eignung der Verschiebungsarbeit zur Verhüllung des Wunsches
dartun.Ein Mädchen träumt, dass sie das jetzt einzige Kind ihrer Schwester
tot vor sich sieht in der nämlichen Umgebung, in der sie vor einigen
Jahren das erste Kind als Leiche sah. Sie empfindet dabei keinen
Schmerz, sträubt sich aber natürlich gegen die Auffassung, diese Si-
tuation entspreche einem Wunsche von ihr. Dies wird auch nicht er-
fordert; aber an der Bahre jenes Kindes hat sie vor Jahren den von
ihr geliebten Mann zuletzt gesehen und gesprochen; stürbe das zweite
Kind, so würde sie diesen Mann gewiss wieder im Hause der Schwester
treffen. Sie sehnt sich nun nach dieser Begegnung, sträubt sich aber
gegen dieses ihr Gefühl. Sie hat am Traumtage selbst eine Eintritts-
karte zu einem Vortrage genommen, den der immer noch Geliebte an-
gekündigt hat. Ihr Traum ist ein einfacher Ungeduldstraum, wie er
sich gewöhnlich vor Reisen, Theaterbesuchen und ähnlichen erwarteten
Genüssen einstellt. Um ihr aber diese Sehnsucht zu verbergen, ist die
Situation auf die für eine freudige Empfindung unpassendste Gelegenheit
verschoben worden, die sich doch einmal in der Wirklichkeit bewährt
hat Man beachte noch, dass das Affektverhalten im Traume nicht dem
vorgeschobenen, sondern dem wirklichen, aber zurückgehaltenen Traum-
inhalt angepasst ist. Die Traumsituation greift dem lange ersehnten
Wiedersehen vor; sie bietet keine Anknüpfung für eine schmerzliche
Empfindung.X.
Die Philosophen haben bisher keinen Anlass gehabt, sich mit einer
Psychologie der Verdrängung zu beschäftigen Es ist also gestattet,
dass wir uns in erster Annäherung an den noch unbekannten Sachverhalt
eine anschauliche Vorstellung vom Hergang der Traumbildung schaffen.
Das Schema, zu welchem wir nicht allein vom Studium des Traumes her
gelungen, ist zwar bereits ziemlich kompliziert; wir können aber mit
einem einfacheren unser Ausreichen nicht finden. Wir nehmen an, dassS.
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es in unserem seelischen Apparat zwei gedankenbildende Instanzen gibt,
deren zweite das Vorrecht besitzt, dass ihre Erzeugnisse den Zugang
zum Bewusstsein offen finden, während die Tätigkeit der ersten Instanz
an sich unbewusst ist und nur über die zweite zum Bewusstsein gelangen
kann. An der Grenze der beiden Instanzen, am Übergang von der
ersten zur zweiten, befinde sich eine Zensur, welche nur durchlässt, was
ihr angenehm ist, anderes aber zurückhält. Dann befindet sich das von
der Zensur Abgewiesene, nach unserer Definition, im Zustande der Ver-
drängung. Unter gewissen Bedingungen, deren eine der Schlafzustand
ist, ändere sich das Kräfteverhältnis zwischen beiden Instanzen in
solcher Weise, dass das Verdrängte nicht mehr ganz zurückgehalten
werden kann. Im Schlafzustand geschehe dies etwa durch den Nach-
lass der Zensur; dann wird es dem bisher Verdrängten gelingen, sich
den Weg zum Bewusstsein zu bahnen. Da die Zensur aber niemals
aufgehoben, sondern bloss herabgesetzt ist, so wird es sich dabei Ver-
änderungen gefallen lassen müssen, welche seine Anstössigkeiten mildern.
Was in solchem Falle bewusst wird, ist ein Kompromis zwischen dem
von der einen Instanz Beabsichtigten und dem von der anderen Ge-
forderten. Verdrängung — Nachlass der Zensur — Kom-
promisbildung, dies ist aber das Grundschema für die Entstehung
sehr vieler anderer psychopathischer Bildungen in gleicher Weise wie
für den Traum, und bei der Kompromisbildung werden hier wie dort
die Vorgänge der Verdichtung und Verschiebung und die Inanspruch-
nahme oberflächlicher Assoziationen beobachtet, welche wir bei der
Traumarbeit kennen gelernt haben.Wir haben keinen Grund, uns das Element von Dämonismus zu
verhehlen, welches bei der Aufstellung unserer Erklärung der Traum-
arbeit mitgespielt hat. Wir haben den Eindruck empfangen, dass die
Bildung der dunklen Träume so vor sich geht, als ob eine Person,
die von einer zweiten abhängig ist, etwas zu äussern hätte, was dieser
letzteren anzuhören unangenehm sein muss, und von diesem Gleichnis
her haben wir den Begriff der Traumentstellung und den der Zensur
erfasst und uns bemüht, unseren Eindruck in eine gewiss rohe, aber
wenigstens anschauliche psychologische Theorie zu übersetzen. Mit
was immer bei weiterer Klärung des Gegenstandes sich unsere erste
und zweite Instanz wird identifizieren lassen, wir werden erwarten, dass
sich ein Korrelat unserer Annahme bestätige, dass die zweite Instanz
den Zugang zum Bewusstsein beherrscht und die erste vom Bewusst-
sein absperren kann.Wenn der Schlafzustand überwunden ist, stellt sich die Zensur
rasch zur vollen Höhe wieder her und kann jetzt wieder vernichten,
was ihr während der Zeit ihrer Schwäche abgerungen worden ist. Dass
das Vergessen des Traumes wenigstens zum Teil diese ErklärungS.
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fordert, geht aus einer ungezählte Male bestätigten Erfahrung hervor.
Während der Erzählung eines Traumes oder während der Analyse des-
selben geschieht es nicht selten, dass plötzlich ein vergessen geglaubtes
Bruchstück des Trauminhaltes wieder auftaucht. Dies dem Vergessen
entrissene Stück enthält regelmäßig den besten und nächsten Zugang
zur Bedeutung des Traumes. Es sollte wahrscheinlich nur darum dem
Vergessen, d. i. der neuerlichen Unterdrückung, verfallen.XI.
Wenn wir den Trauminhalt als Darstellung eines erfüllten Wunsches
auffassen und seine Dunkelheit auf die Abänderungen der Zensur an
verdrängtem Material zurückführen, fällt es uns auch nicht mehr schwer,
die Funktion des Traumes zu erschliessen. In seltsamem Gegensatz zu
Redewendungen, welche den Schlaf durch Träume stören lassen, müssen
wir den Traum als den Hüter des Schlafes anerkennen. Für
den Kindertraum dürfte unsere Behauptung leicht Glauben finden.Der Schlafzustand oder die psychische Schlafveränderung, worin
immer sie bestehen mag, wird herbeigeführt durch den dem Kind auf-
genötigten oder auf Grund von Müdigkeitssensationen gefassten Ent-
schluss zu schlafen, und einzig ermöglicht durch die Abhaltung von
Reizen, welche dem psychischen Apparat andere Ziele setzen könnten
als das des Schlafens. Die Mittel, welche dazu dienen, äussere Reize
ferne zu halten, sind bekannt; aber welche Mittel stehen uns zur Ver-
fügung, um die inneren seelischen Reize niederzuhalten, die sich dem
Einschlafen widersetzen? Man beobachte eine Mutter, die ihr Kind ein-
schläfert. Es äussert unausgesetzt Bedürfnisse, es will noch einen Kuss,
es möchte noch spielen. Diese Bedürfnisse werden zum Teil befriedigt,
zum anderen mit Autorität auf den nächsten Tag verschoben. Es ist
klar, dass Wünsche und Bedürfnisse, die sich regen, die Hemmnisse des
Einschlafens sind. Wer kennt nicht die heitere Geschichte von dem
schlimmen Buben (Balduin Groller’s), der, bei Nacht erwachend,
durch den Schlafraum brüllt: Das Nashorn will er? Ein braveres
Kind würde, anstatt zu brüllen, träumen, dass es mit dem Nashorn
spiele. Da der Traum, welcher den Wunsch erfüllt zeigt, während des
Schlafens Glauben findet, hebt er den Wunsch auf und ermöglicht
den Schlaf. Es ist nicht abzuweisen, dass dieser Glaube dem Traum-
bilde zufällt, weil dieses sich in die psychische Erscheinung der Wahr-
nehmung kleidet, während dem Kinde die später zu erwerbende Fähig-
keit noch fehlt, Halluzination oder Phantasie von Realität zu unter-
scheiden.
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Über den Traum1901-001/1911