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deutung, die ihn in den Zusammenhang eines eben auf seine Erfüllung
lauernden verdrängten Wunsches einfügt, ihn so seiner Realität beraubt
und wie ein Stück des psychischen Materials behandelt. So träumt
Jemand, er habe ein Lustspiel geschrieben, das eine bestimmte Grund-
idee verkörpert, es werde im Theater aufgeführt, der erste Akt sei
vorüber und finde rasenden Beifall. Es wird fürchterlich geklatscht . . .
Es muss hier dem Träumer gelungen sein, seinen Schlaf über die
Störung hinaus zu verlängern, denn als er erwachte, hörte er das
Geräusch nicht mehr, urteilte aber mit gutem Recht, es müsste ein
Teppich oder Betten geklopft worden sein. — Die Träume, die sich
unmittelbar vor dem Wecken durch ein lautes Geräusch einstellen,
haben alle noch den Versuch gemacht, den erwarteten Weckreiz durch
eine andere Erklärung abzuleugnen und den Schlaf noch um ein
Weilchen zu verlängern.XII.
Wer an dem Gesichtspunkte der Zensur als dem Hauptmotiv
der Traumentstellung festhält, der wird nicht befremdet sein aus den
Ergebnissen der Traumdeutung zu erfahren, dass die meisten Träume
der Erwachsenen durch die Analyse auf erotische Wünsche zurück-
geführt werden. Diese Behauptung zielt nicht auf die Träume von un-
verhüllt sexuellem Inhalt, die wohl allen Träumern aus eigenem Er-
leben bekannt sind und gewöhnlich allein als „sexuelle Träume“ be-
schrieben werden. Solche Träume bieten noch immer des Befremdenden
genug durch die Auswahl der Personen, die sie zu Sexualobjekten
machen, durch die Wegräumung aller Schranken, an denen der
Träumer im wachen Leben seine geschlechtlichen Bedürfnisse Halt
machen lässt, durch viele sonderbare an das sogenannt Perverse
mahnende Einzelheiten. Die Analyse zeigt aber, dass sehr viele andere
Träume, die in ihrem manifesten Inhalt nichts Erotisches erkennen
lassen, durch die Deutungsarbeit als sexuelle Wunscherfüllungen entlarvt
werden, und dass anderseits sehr viele von der Denkarbeit des Wachens
als „Tagesreste“ erübrigte Gedanken zu ihrer Darstellung im Traum
nur durch die Zuhilfenahme verdrängter erotischer Wünsche gelangen.Zur Aufklärung dieses theoretisch nicht postulierten Sachverhaltes
sei darauf hingewiesen, dass keine andere Gruppe von Trieben eine so
weitgehende Unterdrückung durch die Anforderungen der Erziehung
zur Kultur erfahren hat wie gerade die sexuellen, dass aber auch die
sexuellen Triebe sich bei den meisten Menschen der Beherrschung
durch die höchsten Seeleninstanzen am ehesten zu entziehen verstehen.
Seitdem wir die in ihren Äusserungen oft so unscheinbare, regelmäßigS.
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übersehene und missverstandene infantile Sexualität kennen gelernt
haben, sind wir berechtigt zu sagen, dass fast jeder Kulturmensch die
infantile Gestaltung des Sexuallebens in irgend einem Punkte festge-
halten hat, und begreifen so, dass die verdrängten infantilen Sexual-
wünsche die häufigsten und stärksten Triebkräfte für die Bildung der
Träume ergeben1).Wenn es dem Traume, welcher erotische Wünsche zum Ausdrucke
bringt, gelingen kann, in seinem manifesten Inhalt harmlos asexuell zu
erscheinen, so kann dies nur auf eine Weise möglich werden. Das
Material von sexuellen Vorstellungen darf nicht als solches dargestellt
werden, sondern muss im Trauminhalt durch Andeutungen, Anspielungen
und ähnliche Arten der indirekten Darstellung ersetzt werden, aber zum
Unterschied von anderen Fällen indirekter Darstellung muss die im
Traum verwendete der unmittelbaren Verständlichkeit entzogen sein.
Man hat sich gewöhnt, die Darstellungsmittel, welche diesen Bedingungen
entsprechen, als Symbole des durch sie Dargestellten zu bezeichnen.
Ein besonderes Interesse hat sich ihnen zugewendet, seitdem man be-
merkt hat, dass die Träumer derselben Sprache sich der nämlichen
Symbole bedienen ja, dass in einzelnen Fällen die Symbolgemeinschaft
über die Sprachgemeinschaft hinausreicht. Da die Träumer die Be-
deutung der von ihnen verwendeten Symbole selbst nicht kennen, bleibt
es zunächst rätselhaft, woher deren Beziehung zu dem durch sie Er-
setzten und Bezeichneten rührt. Die Tatsache selbst ist aber unzweifel-
haft und wird für die Technik der Traumdeutung bedeutsam, denn mit
Hilfe einer Kenntnis der Traumsymbolik ist es möglich, den Sinn ein-
zelner Elemente des Trauminhaltes, oder einzelner Stücke des Traumes,
oder mitunter selbst ganzer Träume, zu verstehen ohne den Träumer
nach seinen Einfällen befragen zu müssen. Wir nähern uns so dem
populären Ideal einer Traumübersetzung und greifen anderseits auf die
Deutungstechnik der alten Völker zurück, denen Traumdeutung mit
Deutung durch Symbolik identisch war.Wiewohl die Studien über die Traumsymbole von einem Abschluss
noch weit entfernt sind, können wir doch eine Reihe von allgemeinen
Behauptungen und von speziellen Angaben über dieselben mit Sicher-
heit vertreten. Es gibt Symbole, die fast allgemein eindeutig zu über-
setzen sind, so bedeuten Kaiser und Kaiserin (König und Königin) die
Eltern, Zimmer stellen Frauen(zimmer) dar, die Ein- und Ausgänge der-
selben die Körpereröffnungen. Die grösste Zahl der Traumsymbole dient
zur Darstellung von Personen, Körperteilen und Verrichtungen, die mit
erotischem Interesse betont sind, insbesondere können die Genitalien1) Vergl. hierzu des Verfassers „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ 1905,
zweite Auflage 1910.S.
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durch eine Anzahl von oft sehr überraschenden Symbolen dargestellt
werden und finden sich die mannigfaltigsten Gegenstände zur symboli-
schen Bezeichnung der Genitalien verwendet. Wenn scharfe Waffen,
lange und starre Objekte wie Baumstämme und Stöcke das männliche
Genitale; Schränke, Schachteln, Wagen, Öfen den Frauenleib im Traum
vertreten, so ist uns das Tertium comparationis, das Gemeinsame dieser
Ersetzungen ohne weiteres verständlich, aber nicht bei allen Symbolen
wird uns das Erfassen der verbindenden Beziehungen so leicht gemacht.
Symbole wie das der Stiege und des Steigens für den Sexualverkehr,
der Cravate für das männliche Glied, des Holzes für den Frauenleib
fordern unseren Unglauben heraus, so lange wir nicht die Einsicht in
die Symbolbeziehung auf anderen Wegen gewonnen haben. Eine ganze
Anzahl der Traumsymbole ist übrigens bisexuell, kann je nach dem
Zusammenhange auf das männliche oder auf das weibliche Genitale be-
zogen werden.Es gibt Symbole von universeller Verbreitung, die man bei allen
Träumern eines Sprach- und Bildungskreises antrifft, und andere von
höchst eingeschränktem, individuellem Vorkommen, die sich ein Ein-
zelner aus seinem Vorstellungsmaterial gebildet hat. Unter den ersteren
unterscheidet man solche, deren Anspruch auf Vertretung des Sexuellen
durch den Sprachgebrauch ohne weiteres gerechtfertigt wird (wie z. B.
die aus dem Ackerbau stammenden, vgl. Fortpflanzung, Samen), von
anderen, deren Beziehung zum Sexuellen in die ältesten Zeiten und
dunkelsten Tiefen unserer Begriffsbildung hinabzureichen scheint. Die
symbolbildende Kraft ist für beide oben gesonderten Arten von Sym-
bolen in der Gegenwart nicht erloschen. Man kann beobachten, dass
neu erfundene Gegenstände (wie des Luftschiff) sofort zu universell ge-
bräuchlichen Sexualsymbolen erhoben werden.Es wäre übrigens irrtümlich zu erwarten, eine noch gründlichere
Kenntnis der Traumsymbolik (der „Sprache des Traumes“) könnte uns
von der Befragung des Träumers nach seinen Einfällen zum Traume
unabhängig machen und uns gänzlich zur Technik der antiken Traum-
deutung zurückführen. Abgesehen von den individuellen Symbolen und
den Schwankungen im Gebrauch der universellen weiss man nie, ob
ein Element des Trauminhaltes symbolisch oder im eigentlichen Sinne
zu deuten ist, und weiss man mit Sicherheit, dass nicht aller Inhalt
des Traumes symbolisch zu deuten ist. Die Kenntnis der Traumsym-
bolik wird uns immer nur die Übersetzung einzelner Bestandteile des
Trauminhaltes vermitteln und wird die Anwendung der früher gegebenen
technischen Regeln nicht überflüssig machen. Sie wird aber als das wert-
vollste Hilfsmittel zur Deutung gerade dort eintreten, wo die Einfälle
des Träumers versagen oder ungenügend werden.S.
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Die Traumsymbolik erweist sich als unentbehrlich auch für das
Verständnis der sog. „typischen“ Träume der Menschen und der „wieder-
kehrenden“ Träume des Einzelnen. Wenn die Würdigung der symbo-
lischen Ausdrucksweise des Traumes in dieser kurzen Darstellung so
unvollständig ausgefallen ist, so rechtfertigt sich diese Vernachlässigung
durch den Hinweis auf eine Einsicht, die zu dem Wichtigsten gehört,
was wir über diesen Gegenstand aussagen können. Die Traumsymbolik
führt weit über den Traum hinaus; sie gehört nicht dem Traume zu
eigen an, sondern beherrscht in gleicher Weise die Darstellung in den
Märchen, Mythen und Sagen, in den Witzen und im Folklore. Sie ge-
stattet uns die innigen Beziehungen des Traumes zu diesen Produktionen
zu verfolgen; wir müssen uns aber sagen, dass sie nicht von der Traum-
arbeit hergestellt wird, sondern eine Eigentümlichkeit — wahrscheinlich
unseres unbewussten Denkens ist, welches der Traumarbeit das Material
zur Verdichtung, Verschiebung und Dramatisierung liefert1).XIII.
Ich erhebe weder den Anspruch, hier auf alle Traumprobleme
Licht geworfen, noch die hier erörterten überzeugend erledigt zu haben.
Wer sich für den ganzen Umfang der Traumliteratur interessiert, der
sei auf das Buch von Sante de Sanctis: I sogni, Torino 1899 ver-
wiesen; wer die eingehendere Begründung der von mir vorgetragenen
Auffassung des Traumes sucht, der wende sich an meine Schrift: Die
Traumdeutung, Leipzig und Wien 19002). Ich werde nur noch
darauf hinweisen, in welcher Richtung die Fortsetzung meiner Dar-
legungen über die Traumarbeit zu verfolgen ist.Wenn ich als die Aufgabe einer Traumdeutung die Ersetzung des
Traumes durch die latenten Traumgedanken, also die Auflösung dessen,
was die Traumarbeit gesponnen hat, hinstelle, so werfe ich einerseits
eine Reihe von neuen psychologischen Problemen auf, die sich auf den
Mechanismus dieser Traumarbeit selbst wie auf die Natur und die Be-
dingungen der sog. Verdrängung beziehen; anderseits behaupte ich
die Existenz der Traumgedanken, als eines sehr reichhaltigen Materiales
psychischer Bildungen von höchster Ordnung und mit allen Kennzeichen1) Weiteres über die Traumsymbolik findet man ausser in den alten Schriften
zur Traumdeutung (Artemidorus von Daldis, Scherner, Das Leben des
Traumes 1861) in der „Traumdeutung“ des Verfassers, in den mythologischen
Arbeiten der psychoanalytischen Schule, und vor allem in den Arbeiten von
W. Stekel („Die Sprache des Traumes" 1911).2) 1911 in dritter Auflage erschienen.
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Über den Traum1901-001/1911