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III. Eine junge, aber schon seit Jahren verheiratete Dame erfährt, dass
eine ihr fast gleichalterige Bekannte, Frl. Elise L., sich verlobt
hat. Dieser Anlass erregt nachstehenden Traum: Sie sitzt mit
ihrem Manne im Theater, eine Seite des Parketts ist
ganz unbesetzt. Ihr Mann erzählt ihr, Elise L. und ihr
Bräutigam hätten auch gehen wollen, hätten aber nur
schlechte Sitze bekommen, drei für 1 fl. 50 kr., und die
konnten sie ja nicht nehmen. Sie meint, es wäre auch
kein Unglück gewesen.Hier wird uns die Herkunft der Zahlen aus dem Material
der Traumgedanken und die Verwandlungen, die sie erfahren haben,
interessieren. Woher rühren die 1 fl. 50 kr.? Aus einem indiffe-
renten Anlass des Vortages. Ihre Schwägerin hatte von ihrem Manne
die Summe von 150 fl. zum Geschenk bekommen und sich beeilt,
sie los zu werden, indem sie sich einen Schmuck dafür kaufte. Wir
wollen anmerken, dass 150 fl. 100 mal mehr sind als 1 fl. 50 kr.
Für die drei, die bei den Theaterbillets steht, findet sich nur die
eine Anknüpfung, dass die Braut Elise L. genau drei Monate jünger
ist als die Träumerin. Die Situation im Traume ist die Wieder-
gabe einer kleinen Begebenheit, mit der sie von ihrem Manne oft
geneckt worden ist. Sie hatte sich einmal so sehr beeilt, vor-
zeitig Karten zu einer Theatervorstellung zu nehmen, und als sie
dann ins Theater kam, war eine Seite des Parketts fast
unbesetzt. Sie hätte es also nicht nötig gehabt, sich so sehr
zu beeilen. — Übersehen wir endlich nicht die Absurdität
des Traumes, dass zwei Personen drei Karten fürs Theater nehmen
sollen!Nun die Traumgedanken: Ein Unsinn war es doch, so früh
zu heiraten; ich hätte es nicht nötig gehabt, mich so zu
beeilen. An dem Beispiel der Elise L. sehe ich, dass ich immer
noch einen Mann bekommen hätte, und zwar einen hundertmal
besseren (Mann, Schatz), wenn ich nur gewartet hätte. Drei solche
Männer hätte ich mir für das Geld (die Mitgift) kaufen können!VIII.
Nachdem wir in den vorstehenden Darlegungen die Traumarbeit
kennen gelernt haben, werden wir wohl geneigt sein, sie für einen ganz
besonderen psychischen Vorgang zu erklären, dessengleichen es nach
unserer Kenntnis sonst nicht gibt. Es ist gleichsam auf die Traum-
arbeit das Befremden übergegangen, welches sonst ihr Produkt, der
Traum, bei uns zu erwecken pflegte. In Wirklichkeit ist die TraumarbeitS.
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nur der zuerst erkannte unter einer ganzen Reihe von psychischen
Prozessen, auf welche die Entstehung der hysterischen Symptome, der
Angst-, Zwangs- und Wahnideen zurückzuführen ist. Verdichtung und
vor allem Verschiebung sind niemals fehlende Charaktere auch dieser
anderen Prozesse. Die Umarbeitung auf's Anschauliche bleibt hingegen
der Traumarbeit eigentümlich. Wenn diese Aufklärung den Traum in
eine Reihe mit den Bildungen psychischer Erkrankung bringt, so
wird es uns um so wichtiger werden, die wesentlichen Bedingungen
solcher Vorgänge wie der Traumbildung zu erfahren. Wir werden
wahrscheinlich verwundert sein zu hören, dass weder Schlafzustand noch
Krankheit zu diesen unentbehrlichen Bedingungen gehören. Eine ganze
Anzahl von Phänomenen des Alltagslebens Gesunder, das Vergessen,
Versprechen, Vergreifen, und eine gewisse Klasse von Irrtümern danken
einem analogen psychischen Mechanismus wie der Traum und die
anderen Glieder der Reihe ihre Entstehung.Der Kern des Problems liegt in der Verschiebung, der weitaus
auffälligsten unter den Einzelleistungen der Traumarbeit. Die wesent-
liche Bedingung der Verschiebung lernt man bei eingehender Vertiefung
in den Gegenstand als eine rein psychologische kennen; sie ist von der
Art einer Motivierung. Man gerät auf ihre Spur, wenn man Er-
fahrungen würdigt, denen man bei der Analyse von Träumen nicht
entgehen kann. Ich habe bei der Analyse des Traumbeispiels auf
Seite 4 in der Mitteilung der Traumgedanken abbrechen müssen, weil
sich unter ihnen, wie ich eingestand, solche fanden, die ich gerne vor
Fremden geheim halte und ohne schwere Verletzung wichtiger Rück-
sichten nicht mitteilen kann. Ich fügte hinzu, es brächte gar keinen
Nutzen, wenn ich anstatt dieses Traumes einen anderen zur Mitteilung
seiner Analyse auswählte; bei jedem Traum, dessen Inhalt dunkel oder
verworren ist, würde ich auf Traumgedanken stossen, die Geheimhaltung
erfordern. Wenn ich aber für mich selbst die Analyse fortsetze, ohne
Rücksicht auf die anderen, für die ja ein so persönliches Erlebnis wie
mein Traum gar nicht bestimmt sein kann, so lange ich endlich bei Ge-
danken an, die mich überraschen, die ich in mir nicht gekannt habe,
die mir aber nicht nur fremdartig, sondern auch unangenehm
sind, und die ich darum energisch bestreiten möchte, während die durch
die Analyse laufende Gedankenverkettung sie mir unerbittlich aufdrängt.
Ich kann diesem ganz allgemeinen Sachverhalt gar nicht anders Rechnung
tragen als durch die Annahme, diese Gedanken seien wirklich in meinem
Seelenleben vorhanden und im Besitz einer gewissen psychischen Inten-
sität oder Energie gewesen, hätten sich aber in einer eigentümlichen
psychologischen Situation befunden, der zufolge sie mir nicht bewusst
werden konnten. Ich heisse diesen besonderen Zustand den der Ver-
drängung. Ich kann dann nicht umhin, zwischen der Dunkelheit desS.
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Trauminhaltes und dem Verdrängungszustand, der Bewusstseins-
unfähigkeit, einiger der Traumgedanken eine kausale Beziehung
gelten zu lassen und zu schliessen, dass der Traum dunkel sein müsse,
damit er die verpönten Traumgedanken nicht verrate.
Ich komme so zum Begriffe der Traumentstellung, welche das
Werk der Traumarbeit ist, und der Verstellung, der Absicht zu
verbergen, dient.Ich will an dem zur Analyse ausgesuchten Traumbeispiel die Probe
machen und mich fragen, welches denn der Gedanke ist, der sich in
diesem Traum entstellt zur Geltung bringt, während er unentstellt
meinen schärfsten Widerspruch herausfordern würde. Ich erinnere
mich, dass die kostenlose Wagenfahrt mich an die letzten kostspieligen
Wagenfahrten mit einer Person meiner Familie gemahnt hat, dass sich
als die Deutung des Traumes ergab: Ich möchte einmal Liebe kennen
lernen, die mich nichts kostet, und dass ich kurze Zeit vor dem Traum
eine grössere Geldausgabe für eben diese Person zu leisten hatte. In
diesem Zusammenhang kann ich mich des Gedankens nicht entwehren,
dass es mir um diese Ausgabe leid tut. Erst wenn ich diese
Regung anerkenne, bekommt es einen Sinn, dass ich mir im Traum Liebe
wünsche, die mir keine Ausgabe nötig macht. Und doch kann ich mir
ehrlich sagen, dass ich bei der Entschliessung, jene Summe aufzuwenden,
nicht einen Augenblick geschwankt habe. Das Bedauern darüber, die
Gegenströmung, ist mir nicht bewusst worden. Aus welchen Gründen
nicht, dies ist allerdings eine andere, weitab führende Frage, deren mir
bekannte Beantwortung in einen anderen Zusammenhang gehört.Wenn ich nicht einen eigenen Traum, sondern den einer fremden
Person der Analyse unterziehe, so ist das Ergebnis das nämliche; die
Motive zur Überzeugung werden aber geändert. Ist es der Traum
eines Gesunden, so bleibt mir kein anderes Mittel, ihn zur Anerkennung
der gefundenen verdrängten Ideen zu nötigen, als der Zusammenhang
der Traumgedanken, und er mag sich immerhin gegen diese Anerkennung
sträuben. Handelt es sich aber um einen neurotisch Leidenden, etwa
um einen Hysteriker, so wird die Annahme des verdrängten Gedankens
für ihn zwingend durch den Zusammenhang dieses letzteren mit seinen
Krankheitssymptomen und durch die Besserung, die er bei dem Eintausch
von Symptomen gegen verdrängte Ideen erfährt. Bei der Patientin z. B.,
von welcher der letzte Traum mit den drei Karten für 1 fl. 50 kr. herrührt,
muss die Analyse annehmen, dass sie ihren Mann geringschätzt, dass
sie bedauert, ihn geheiratet zu haben, dass sie ihn gerne gegen einen
anderen vertauschen möchte. Sie behauptet freilich, dass sie ihren
Mann liebt, dass ihr Empfindungsleben von dieser Geringschätzung
(einen 100 mal besseren!) nichts weiss, aber all ihre Symptome führen
zu derselben Auflösung wie dieser Traum, und nachdem die von ihrS.
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verdrängten Erinnerungen an eine gewisse Zeit wieder geweckt worden
sind, in welcher sie ihren Mann auch bewusst nicht geliebt hat, sind
diese Symptome gelöst, und ihr Widerstand gegen die Deutung des
Traumes ist geschwunden.IX.
Nachdem wir uns den Begriff der Verdrängung fixiert und die
Traumentstellung in Beziehung zu verdrängtem psychischem Material
gesetzt haben, können wir das Hauptergebnis, welches die Analyse der
Träume liefert, ganz allgemein aussprechen. Von den verständlichen
und sinnvollen Träumen haben wir erfahren, dass sie unverhüllte
Wunscherfüllungen sind, d. h. dass die Traumsituation in ihnen einen
dem Bewusstsein bekannten, vom Tagesleben erübrigten, des Interesses
wohl würdigen Wunsch als erfüllt darstellt. Über die dunkeln und
verworrenen Träume lehrt nun die Analyse etwas ganz Analoges: die
Traumsituation stellt wiederum einen Wunsch als erfüllt dar, der sich
regelmäßig aus den Traumgedanken erhebt, aber die Darstellung ist
eine unkenntliche, erst durch Zurückführung in der Analyse aufzuklärende,
und der Wunsch ist entweder selbst ein verdrängter, dem Bewusstsein
fremder, oder er hängt doch innigst mit verdrängten Gedanken zu-
sammen, wird von solchen getragen. Die Formel für diese Träume
lautet also: Sie sind verhüllte Erfüllungen von verdrängten
Wünschen. Es ist dabei interessant zu bemerken, dass die Volks-
meinung recht behält, welche den Traum durchaus die Zukunft ver-
künden lässt. In Wahrheit ist die Zukunft, die uns der Traum zeigt,
nicht die, die eintreffen wird, sondern von der wir möchten, dass sie
so einträfe. Die Volksseele verfährt hier, wie sie es auch sonst gewohnt
ist: sie glaubt, was sie wünscht.Nach ihrem Verhalten gegen die Wunscherfüllung teilen sich die
Träume in drei Klassen. Erstens solche, die einen unverdrängten
Wunsch unverhüllt darstellen; dies sind die Träume von infantilem
Typus, die beim Erwachsenen immer seltener werden. Zweitens die
Träume, die einen verdrängten Wunsch verhüllt zum Ausdruck
bringen; wohl die übergrosse Mehrzahl aller unserer Träume, die zum
Verständnis dann der Analyse bedürfen. Drittens die Träume, die
zwar einen verdrängten Wunsch darstellen, aber ohne oder in un-
genügender Verhüllung. Diese letzten Träume sind regelmäßig von
Angst begleitet, welche den Traum unterbricht. Die Angst ist hier
der Ersatz für die Traumentstellung; sie ist mir in den Träumen der
zweiten Klasse durch die Traumarbeit erspart worden. Es lässt sich
ohne allzugrosse Schwierigkeit nachweisen, dass derjenige Vorstellungs-
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Über den Traum1901-001/1911