S.

[Briefkopf Wien] 5. XII. 1926.a

Lieber Max!

Sie verlangen mein Urteil betreffs der Wahl des Kongreßortes. Ich bin, wie Sie wissen, an diesem Thema persönlich nicht sehr beteiligt. Ich verstehe, daß sich mit den Schweizern nichts machen läßt und daß Ihre Einwendungen gegen England in jedem Punkte berechtigt sind. Für Stuttgart spricht die Anwesenheit des braven und verläßlichen Meng,1 dagegen vielleicht der Umstand, daß es ein reizloses, langweiliges Nest sein dürfte. Aber möglicherweise irre ich mich darin.

Mein okkultes Manuskript habe ich in Wien bisher vergeblich gesucht. Wenn Sie mir’s zurückgegeben haben, so wird es wohl nicht per Post geschehen sein, sondern bei einem Ihrer Besuche. Und ich kann mich daran nicht erinnern. Bitte sehen Sie noch einmal in Berlin nach. Ich werde meine Forschungen hier fortsetzen. Mir liegt übrigens nicht viel daran, der Verlust wäre eine Entscheidung des Schicksals.2

Nur noch drei Wochen trennen uns von dem Wiedersehen in Berlin.

Mit herzlichem Gruß für Sie und Mirra

Ihr Freud

 

a Masch.; Monat verschrieben als: XI.