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S.
Transkription Ernst Falzeder:
20. 2. 1918
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Sehr geehrter Herr Kollege
Wenige Zusendungen von mir persönlich unbekannten Anhängern der ΨA haben mir soviel Genugthuung bereitet wie Ihre Schrift über Kriegsneurosen und "ψ Trauma". Anstatt eines einfachen Dankes gestatte ich mir Ihnen einige Bemerkungen dazu zu sagen, in der sicheren Erwartung, dass Sie die Anerkennung in der kritischen Auseinandersetzung nicht vermissen werden.
Ihre Arbeit wäre eher eine kathartische als eine analytische zu nennen. Sie stehen wesentlich auf dem Standpunkt der "Studien über Hysterie", und die Hervorhebung des ψ Traumas im Titel, die Betonung der Leistungen Jungs und manches Andere, auch Negative, bestärken mich in diesem Urteil. Von der weiteren Entwicklung der ΨA seit der Einführung des Begriffes Narzissmus (1914) ist wenig Einfluss zu verspüren. Dass Sie mit dem Hilfsmittel der Hypnose gearbeitet haben, werfe ich Ihnen keineswegs vor, weiss es vielmehr zu verstehen und Ihre Begründung mit dem Massenbetrieb, der Abkürzung u der Notwendigkeit therapeutischer Leistungen zu billigen. Ich würde bei ähnlichem Material und bei gewissen Psychosen ebenfalls auf die hypnotische Behandlung zurück greifen.
Die hypnotische Technik beeinflusst aber manche Auffassungen, die mir nicht haltbar scheinen. So zB. dass der verdrängte Komplex sich vor seiner Entdeckung fürchtet. Ich darf sagen, in Wirklichkeit will der verdrängte Komplex nichts anderes als sich zum Bewusstsein durchsetzen, wird aber durch den Abscheu des Vorbewussten (Widerstand) daran gehindert. Die Hypnose führt mit Notwendigkeit dazu, das Moment des Widerstandes auf dem die ganze ψα Neurosenlehre ruht, zu unterschätzen oder zu übergehen.
Darum haben Sie sich in der Stelle über die sex. Aetiologie – deren Ton und Inhalt uns übrigens einfach zu Freunden macht – das stärkste Argument gegen die Einwendungen entgehen lassen. Wer sich der Hypnose bedient, muss sich das Urteil über Vorhandensein oder Fehlen der sex. Aetiologie absprechen. Ich habe die sex. Triebkräfte erst entdeckt, nachdem ich sie (die Hyp.) aufgegeben hatte. Übrigens macht Ihre Äusserung auf p. 71 diese Unterlassung beinahe wieder gut. Ich sehe mit Spannung Ihren weiteren Veröffentlichungen entgegen u begrüsse Sie in kolleg. Ergebenheit
Ihr Freud
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S.
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