• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX., BERGGASSE 19

    1. 1. 1931

    Lieber Herr Doktor

    Das heutige Datum ist mir 
    der willkommene Anlaß, 
    Ihnen für alle in das 
    abgelaufene Jahr fallenden 
    Beweise Ihrer freund-
    schaftlichen und opferbe-
    reiten Gesinnung zu 
    danken.

    Zu diesen rechne ich auch 
    Ihren letzten Brief 
    mit den guten Nachrichten 
    über das fortschreitende 
    Interesse an der Analyse 
    in den Kreisen, die 
    Sie berühren. Im allge-
    meinen skeptisch über 
    deren Wirksamkeit 
    für die Therapie der 
    Psychosen verkenne 
    ich doch nicht, daß erst 
    die Anstaltsbehand-
    lung ein Urteil über 
    diese Frage ermög-
    lichen wird. Und 
    dann sage ich mir, daß 
    unsere analytischen 

  • S.

    Einsichten von unschätzbarem 
    Wert sein werden, wenn 
    uns einmal die Medizin 
    die Hand gegeben hat, die 
    Libido auch quantitativ 
    zu beeinflußen.

    Mit herzlichen Grüßen 
    Ihr 
    Freud