S.

PROF. DR. FREUD         
WIEN IX., BERGGASSE 19

1.IV.1927.

Lieber Herr Doktor!

Ich habe die Anzeige von der Eröffnung des 
Sanatoriums in Tegel erhalten und wünsche Ihnen 
jetzt das, was Sie vor allem brauchen: etwas 
Glück.  Die sonstigen Bedingungen müssten, soweit 
ich es übersehen kann, durchaus günstig sein. 
Von Ihrer Seite wird es gewiss weder an Eifer 
noch an Ausdauer fehlen.

Sie haben mir heute eine zwangsneurotische 
Patientin geschickt (Dr. Raf), die Ihre erste 
Patientin sein sollte. Ich habe es verweigert, 
sie zu sehen und dem Manne schriftlich dringend 
geraten, sie sofort in das Berliner Sanatorium 
zu bringen. Freie und milde Behandlung hat in 
so einem Falle gar keine Aussicht. Dr. Eitingon 
wird sich leicht an einen ähnlichen Fall erin-
nern (Dr. Nacht), bei dem ich durch pessimistische 
Aeusserungen wenigstens einen zeitweiligen Erfolg 
erzielt habe.

Mit den besten Wünschen 
Ihr 
Freud