• S.

    PROF. DR. FREUD 
    WIEN, IX., BERGGASSE 19.

    39 Elsworthy Road
    NW 3

    26. 6. 1938

    Lieber Herr Doktor

    Ich beken̄e, dass die Aufgabe, sechs Vor-
    träge über PsA durchzuarbeiten, mir
    nicht verführerisch erschien.  Wenn es
    nicht grade Dr S. gewesen wäre, hätte
    ich bestim̄t einen Ausweg gefunden 
    es von mir zu weisen.  Aber es war
    eben Dr S. und darum mußte es geschehen.

    Nachdem ich den ersten Vortrag gelesen 
    kam ich zu einem Entschluss.  Ich werde
    Ihnen vielleicht kein „Vorwort“ geben
    – ich haße dgl und habe seit Jahren alles
    ähnliche verweigert – aber ich will
    Ihren Text revidieren und wo nötig,
    korrigiren.  Dieser erste Vortrag
    giebt dazu Anlaß.  Von einigen kleinen
    Ungenauigkeiten abgesehen – kaum der
    Rede wert, an einer Stelle thut er
    mir Unrecht und an einer anderen
    stellt er Sie blos.  (In Wirklichkeit
    hängt beides zusam̄en).  Ich will also
    jeden Vortrag für sich in solcher
    Weise bearbeiten und ihn mit den
    Korrekturen zurückschicken, dann
    dasselbe mit dem nächsten thun usw 
    bis ich durch bin, was von meiner
    Inanspruchnahme hier abhängen, aber
    hoffentlich nicht lange Zeit in 
    brauchen wird.  Sind Sie einver-
    standen?

  • S.

    Uns geht es hier gut.  Ich würde sagen, sehr
    gut, wenn nicht die abscheulichen
    Nachrichten aus Wien und die un-
    abweisbare Teilnahme am Schicksal
    sovieler Anderer, denen es schlecht
    geht, einen tiefen Schatten auf unser
    Glück werfen würden. Unsere
    Aufnahme in England war äußerst
    liebenswürdig, wir denken nicht
    daran, nach Amerika zu über-
    siedeln.

    Mit herzlichem Gruß 
    Ihr 
    Freud