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S.
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX., BERGGASSE 19.25. XII. 1928
Lieber Herr Doktor
Herzlichsten Dank Ihnen
und unserer lieben Frau
Brunitzer für Ihre Weih-
nachtsgrüße. Es ist aber
gut, daß Wünsche nicht
so leicht in Erfüllung
gehen, denn Ihre viel-
fachen Wünsche für
mich sind unvereinbar
mit einander. Wenn ich
so gesund und kräftig
wäre wie Sie wollen,
würde ich doch nicht nach
Tegel kom̄en – trotz
der entzückenden Existenz,
die uns dort bereitet
ist, sondern würde nach
harter Arbeit die herben
Genüße einer weiten
Reise anstreben in Gegenden,
die ich noch nicht kenne.
So aber hat es seine gute
Weile mit Arbeit, Reise
und Gesundheit; ich werde
wahrscheinlich wieder nach
Tegel kom̄en – weiß nicht,
wann – und wieder
als Patient. – -
S.
Alles, was noch vom Leben
vor mir liegt, soll als
Geschenk betrachtet werden,
und Geschenke darf man
bekanntlich nicht zu streng
überprüfen. Aber Ihnen
und den jungen Männern
allen, die noch mit voller
Kraft am Karren ziehen,
darf ich bessere Zeiten
wünschen, als durch die
sie jetzt gehen.Grüßen Sie mir die
Kollegen im Verein
herzlich u Ihre engsten
Kollegen Dr Wulff mit
Frau u Dr Schalit. Ich
habe die vergrößerte
Photographie aus Tegel
mit Vergnügen, Erinner-
ungslust betrachtet.Ihr getreuer
Freud