S.
231
V
Wir wollten die Symptombildung und den sekundären
Kampf des Ichs gegen das Symptom studieren, aber wir haben
offenbar mit der Wahl der Phobien keinen glücklichen Griff
getan. Die Angst, welche im Bild dieser Affektionen vor-
herrscht, erscheint uns nun als eine den Sachverhalt ver-
hüllende Komplikation. Es gibt reichlich Neurosen, bei denen
sich nichts von Angst zeigt. Die echte Konversionshysterie
ist von solcher Art, deren schwerste Symptome ohne Bei-
mung von Angst gefunden werden. Schon diese Tatsache
müßte uns warnen, die Beziehungen zwischen Angst und
Symptombildung nicht allzu fest zu knüpfen. DenS.
232
Kversionshysterien stehen die Phobien sonst so nahe, daß ich
mich für berechtigt gehalten habe, ihnen diese als „Angst-
hysterie“ anzureihen. Aber niemand hat noch die Bedingung
angeben können, die darüber entscheidet, ob ein Fall die
Form einer Konversionshysterie oder einer Phobie annimmt,
niemand also die Bedingung der Angstentwicklung bei der
Hysterie ergründet.Die häufigsten Symptome der Konversionshysterie, eine
motorische Lähmung, Kontraktur oder unwillkürliche Aktion
oder Entladung, ein Schmerz, eine Halluzination, sind ent-
weder permanent festgehaltene oder intermittierende Be-
setzunsgvorgänge, was der Erklärung neue Schwierigkeiten
bereitet. Man weiß eigentlich nicht viel über solche Symptome
zu sagen. Durch die Analyse kann man erfahren, welchen
gestörten Erregungsablauf sie ersetzen. Zumeist ergibt sich,
daß sie selbst einen Anteil an diesem haben, so als ob sich
die gesamte Energie desselben auf dies eine Stück konzentriert
hätte. Der Schmerz war in der Situation, in welcher die Ver-
drängung vorfiel, vorhanden; die Halluzination war damals
Wahrnehmung, die motorische Lähmung ist die Abwehr einer
Aktion, die in jener Situation hätte ausgeführt werden sollen,
aber gehemmt wurde, die Kontraktur gewöhnlich eine Ver-
schiebung für eine damals intendierte Muskelinnervation an
anderer Stelle, der Krampfanfall Ausdruck eines Affektaus-
bruches, der sich der normalen Kontrolle des Ichs entzogen
hat. In ganz auffälligem Maße wechselnd ist die Unlust-
empfindung, die das Auftreten der Symptome begleitet. Bei
den permanenten, auf die Motilität verschobenen Symptomen,
wie Lähmungen und Kontrakturen, fehlt sie meistens gänzlich,
das Ich verhält sich gegen sie wie unbeteiligt; bei den inter-
mittierenden und den Symptomen der sensorischen Sphäre
werden in der Regel deutliche Unlustempfindungen verspürt,
die sich im Falle des Schmerzsymptoms zu exzessiver HöheS.
233
steigern können. Es ist sehr schwer, in dieser Mannigfaltigkeit
das Moment herauszufinden, das solche Differenzen er-
möglicht und sie doch einheitlich erklären läßt. Auch vom
Kampf des Ichs gegen das einmal gebildete Symptom ist bei
der Konversionshysterie wenig zu merken. Nur wenn die
Schmerzempfindlichkeit einer Körperstelle zum Symptom
geworden ist, wird diese in den Stand gesetzt, eine Doppel-
rolle zu spielen. Das Schmerzsymptom tritt ebenso sicher auf,
wenn diese Stelle von außen berührt wird, wie wenn die von
ihr vertretene pathogene Situation von innen her assoziativ
aktiviert wird, und das Ich ergreift Vorsichtsmaßregeln, um
die Erweckung des Symptoms durch äußere Wahrnehmung
hintanzuhalten. Woher die besondere Undurchsichtigkeit der
Symptombildung bei der Konversionshysterie rührt, können
wir nicht erraten, aber sie gibt uns ein Motiv, das unfrucht-
bare Gebiet bald zu verlassen.Wir wenden uns zur Zwangsneurose in der Erwartung, hier
mehr über die Symptombildung zu erfahren. Die Symptome
der Zwangsneurose sind im allgemeinen von zweierlei Art
und entgegengesetzter Tendenz. Es sind entweder Verbote,
Vorsichtsmaßregeln, Bußen, also negativer Natur, oder im
Gegenteil Ersatzbefriedigungen, sehr häufig in symbolischer
Verkleidung. Von diesen zwei Gruppen ist die negative, ab-
wehrende, strafende, die ältere; mit der Dauer des Krankseins
nehmen aber die aller Abwehr spottenden Befriedigungen
überhand. Es ist ein Triumph der Symptombildung, wenn es
gelingt, das Verbot mit der Befriedigung zu verquicken, so
daß das ursprünglich abwehrende Gebot oder Verbot auch
die Bedeutung einer Befriedigung bekommt, wozu oft sehr
künstliche Verbindungswege in Anspruch genommen werden.
In dieser Leistung zeigt sich die Neigung zur Synthese, die
wir dem Ich bereits zuerkannt haben. In extremen Fällen
bringt es der Kranke zustande, daß die meisten seinerS.
234
Symptome zu ihrer ursprünglichen Bedeutung auch die des
direkten Gegensatzes erworben haben, ein Zeugnis für die
Macht der Ambivalenz, die, wir wissen nicht warum, in der
Zwangsneurose eine so große Rolle spielt. Im rohesten Fall
ist das Symptom zweizeitig, d. h. auf die Handlung, die eine
gewisse Vorschrift ausführt, folgt unmittelbar eine zweite, die
sie aufhebt oder rückgängig macht, wenngleich sie noch nicht
wagt, ihr Gegenteil auszuführen.Zwei Eindrücke ergeben sich sofort aus dieser flüchtigen
Überschau der Zwangssymptome. Der erste, daß hier ein
fortgesetzter Kampf gegen das Verdrängte unterhalten wird,
der sich immer mehr zu Ungunsten der verdrängenden Kräfte
wendet, und zweitens, daß Ich und Über‑Ich hier einen
besonders großen Anteil an der Symptombildung nehmen.Die Zwangsneurose ist wohl das interessanteste und dank-
barste Objekt der analytischen Untersuchung, aber noch
immer als Problem unbezwungen. Wollen wir in ihr Wesen
tiefer eindringen, so müssen wir eingestehen, daß unsichere
Annahmen und unbewiesene Vermutungen noch nicht ent-
behrt werden können. Die Ausgangssituation der Zwangsneu-
rose ist wohl keine andere als die der Hysterie, die not-
wendige Abwehr der libidinösen Ansprüche des Ödipus‑Kom-
plexes. Auch scheint sich bei jeder Zwangsneurose eine
unterste Schicht sehr früh gebildeter hysterischer Symptome
zu finden. Dann aber wird die weitere Gestaltung durch einen
konstitutionellen Faktor entscheidend verändert. Die genitale
Organisation der Libido erweist sich als schwächlich und zu
wenig resistent. Wenn das Ich sein Abwehrstreben beginnt,
so erzielt es als ersten Erfolg, daß die Genitalorganisation
(der phallischen Phase) ganz oder teilweise auf die frühere
sadistisch‑anale Stufe zurückgeworfen wird. Diese Tatsache
der Regression bleibt für alles folgende bestimmend.Man kann noch eine andere Möglichkeit in Erwägung
S.
235
ziehen. Vielleicht ist die Regression nicht die Folge eines kon-
stitutionellen, sondern eines zeitlichen Faktors. Sie wird nicht
darum ermöglicht werden, weil die Genitalorganisation der
Libido zu schwächlich geraten, sondern weil das Sträuben des
Ichs zu frühzeitig, noch während der Blüte der sadistischen
Phase eingesetzt hat. Einer sicheren Entscheidung getraue ich
mich auch in diesem Punkte nicht, aber die analytische Be-
obachtung begünstigt diese Annahme nicht. Sie zeigt eher,
daß bei der Wendung zur Zwangsneurose die phallische Stufe
bereits erreicht ist. Auch ist das Lebensalter für den Ausbruch
dieser Neurose ein späteres als das der Hysterie (die zweite
Kindheitsperiode, nach dem Termin der Latenzzeit), und in
einem Fall von sehr später Entwicklung dieser Affektion, den
ich studieren konnte, ergab es sich klar, daß eine reale Ent-
wertung des bis dahin intakten Genitallebens die Bedingung
für die Regression und die Entstehung der Zwangsneurose
schuf.3Die metapsychologische Erklärung der Regression suche ich
in einer „Triebentmischung“, in der Absonderung der eroti-
schen Komponenten, die mit Beginn der genitalen Phase zu
den destruktiven Besetzungen der sadistischen Phase hinzu-
getreten waren.Die Erzwingung der Regression bedeutet den ersten Erfolg
des Ichs im Abwehrkampf gegen den Anspruch der Libido.
Wir unterscheiden hier zweckmäßig die allgemeinere Tendenz
der „Abwehr“ von der „Verdrängung“, die nur einer der
Mechanismen ist, deren sich die Abwehr bedient. Vielleicht
noch klarer als bei normalen und hysterischen Fällen erkennt
man bei der Zwangsneurose als den Motor der Abwehr den
Kastrationskomplex, als das Abgewehrte die Strebungen des
Ödipus-Komplexes. Wir befinden uns uns nun zu Beginn der3)Siehe: Die Disposition zur Zwangsneurose. [S. 5 ff. dieses
Bandes.]S.
236
Latenzzeit, die durch den Untergang des Ödipus-Komplexes,
die Schöpfung oder Konsolidierung des Über-Ichs und die
Aufrichtung der ethischen und ästhetischen Schranken im Ich
gekennzeichnet ist. Diese Vorgänge gehen bei der Zwangs-
neurose über das normale Maß hinaus; zur Zerstörung des
Ödipus-Komplexes tritt die regressive Erniedrigung der Libido
hinzu, das Über‑Ich wird besonders strenge und lieblos, das
Ich entwickelt im Gehorsam gegen das Über‑Ich hohe Reak-
tionsbildungen von Gewissenhaftigkeit, Mitleid, Reinlichkeit.
Mit unerbittlicher; darum nicht immer erfolgreicher Strenge
wird die Versuchung zur Fortsetzung der frühinfantilen
Onanie verpönt, die sich nun an regressive (sadistisch-anale)
Vorstellungen anlehnt, aber doch den unbezwungenen Anteil
der phallischen Organisation repräsentiert. Es liegt ein innerer
Widerspruch darin, daß gerade im Interesse der Erhaltung
der Männlichkeit (Kastrationsangst) jede Betätigung dieser
Männlichkeit verhindert wird, aber auch dieser Widerspruch
wird bei der Zwangsneurose nur übertrieben, er haftet bereits
an der normalen Art der Beseitigung des Ödipus‑Komplexes.
Wie jedes Übermaß den Keim zu seiner Selbstaufhebung in
sich trägt, wird sich auch an der Zwangsneurose bewähren,
indem gerade die unterdrückte Onanie sich in der Form der
Zwangshandlungen eine immer weitergehende Annäherung
an die Befriedigung erzwingt.Die Reaktionsbildungen im Ich der Zwangsneurotiker, die
wir als Übertreibungen der normalen Charakterbildung er-
kennen, dürfen wir als einen neuen Mechanismus der Abwehr
neben die Regression und die Verdrängung hinstellen. Sie
scheinen bei der Hysterie zu fehlen oder weit schwächer zu
sein. Rückschauend gewinnen wir so eine Vermutung, wodurch
der Abwehrvorgang der Hysterie ausgezeichnet ist. Es scheint,
daß er sich auf die Verdrängung einschränkt, indem das Ich
sich von der unliebsamen Triebregung abwendet, sie demS.
237
Ablauf im Unbewußten überläßt und an ihren Schicksalen
keinen weiteren Anteil nimmt. So ganz ausschließend richtig
kann das zwar nicht sein, denn wir kennen ja den Fall, daß
das hysterische Symptom gleichzeitig die Erfüllung einer
Strafanforderung des Über-Ichs bedeutet, aber es mag einen
allgemeinen Charakter im Verhalten des Ichs bei der Hysterie
beschreiben.Man kann es einfach als Tatsache hinnehmen, daß sich bei
der Zwangsneurose ein so strenges Über-Ich bildet, oder man
kann daran denken, daß der fundamentale Zug dieser Affek-
tion die Libidoregression ist, und versuchen, auch den Charak-
ter des Über‑Ichs mit ihr zu verknüpfen. In der Tat kann ja
das ÜberIch, das aus dem Es stammt, sich der dort einge-
tretenen Regression und Triebentmischung nicht entziehen.
Es wäre nicht zu verwundern, wenn es seinerseits härter,
quälerischer, liebloser würde als bei normaler Entwicklung.Während der Latenzzeit scheint die Abwehr der Onanie-
versuchung als Hauptaufgabe behandelt zu werden. Dieser
Kampf erzeugt eine Reihe von Symptomen, die bei den ver-
schiedensten Personen in typischer Weise wiederkehren und
im allgemeinen den Charakter des Zeremoniells tragen. Es ist
sehr zu bedauern, daß sie noch nicht gesammelt und systema-
tisch analysiert worden sind; als früheste Leistungen der
Neurose würden sie über den hier verwendeten Mechanismus
der Symptombildung am ehesten Licht verbreiten. Sie zeigen
bereits die Züge, welche in einer späteren schweren Erkran-
kung so verhängnisvoll hervortreten werden: die Unter-
bringung an den Verrichtungen, die später wie automatisch
ausgeführt werden sollen, am Schlafengehen, Waschen und
Ankleiden, an der Lokomotion, die Neigung zur Wieder-
holung und zum Zeitaufwand. Warum das so geschieht, ist
noch keineswegs verständlich, die Sublimierung analerotischer
Komponenten spielt dabei eine deutliche Rolle.S.
238
Die Pubertät macht in der Entwicklung der Zwangsneurose
einen entscheidenden Abschnitt. Die in der Kindheit abge-
brochene Genitalorganisation setzt nun mit großer Kraft
wieder ein. Wir wissen aber, daß die Sexualentwicklung der
Kinderzeit auch für den Neubeginn der Pubertätsjahre die
Richtung vorschreibt. Es werden also einerseits die aggressiven
Regungen der Frühzeit wieder erwachen, anderseits muß ein
mehr oder minder großer Anteil der neuen libidinösen
Regungen – in bösen Fällen deren Ganzes – die durch die
Regression vorgezeichneten Bahnen einschlagen und als aggres-
sive und destruktive Absichten auftreten. Infolge dieser Ver-
kleidung der erotischen Strebungen und der starken Reaktions-
bildungen im Ich, wird nun der Kampf gegen die Sexualität
unter ethischer Flagge weitergeführt. Das Ich sträubt sich
verwundert gegen grausame und gewalttätige Zumutungen,
die ihm vom Es her ins Bewußtsein geschickt werden, und
ahnt nicht, daß es dabei erotische Wünsche bekämpft, dar-
unter auch solche, die sonst seinem Einspruch entgangen
wären. Das überstrenge Über‑Ich besteht um so energischer
auf der Unterdrückung der Sexualität, da sie so abstoßende
Formen angenommen hat. So zeigt sich der Konflikt bei der
Zwangsneurose nach zwei Richtungen verschärft, das Ab-
wehrende ist intoleranter, das Abzuwehrende unerträglicher
geworden; beides durch den Einfluß des einen Moments, der
Libidoregression.Man könnte einen Widerspruch gegen manche unserer Vor-
aussetzungen darin finden, daß die unliebsame Zwangsvor-
stellung überhaupt bewußt wird. Allein es ist kein Zweifel,
daß sie vorher den Prozeß der Verdrängung durchgemacht
hat. In den meisten Fällen ist der eigentliche Wortlaut der
aggressiven Triebregung dem Ich überhaupt nicht bekannt.
Es gehört ein gutes Stück analytischer Arbeit dazu, um ihn
bewußt zu machen. Was zum Bewußtsein durchdringt, ist inS.
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der Regel nur ein entstellter Ersatz, entweder von einer ver-
schwommenen, traumhaften Unbestimmtheit, oder unkenntlich
gemacht durch eine absurde Verkleidung. Wenn die Ver-
drängung nicht den Inhalt der aggressiven Triebregung ange-
nagt hat, so hat sie doch gewiß den sie begleitenden Affekt-
charakter beseitigt. So erscheint die Aggression dem Ich nicht
als ein Impuls, sondern, wie die Kranken sagen, als ein bloßer
„Gedankeninhalt“, der einen kalt lassen sollte. Das Merk-
würdigste ist, daß dies doch nicht der Fall ist.Der bei der Wahrnehmung der Zwangsvorstellung ersparte
Affekt kommt nämlich an anderer Stelle zum Vorschein. Das
Über-Ich benimmt sich so, als hätte keine Verdrängung statt-
gefunden, als wäre ihm die aggressive Regung in ihrem rich-
tigen Wortlaut und mit ihrem vollen Affektcharakter bekannt,
und behandelt das Ich auf Grund dieser Voraussetzung. Das
Ich, das sich einerseits schuldlos weiß, muß anderseits ein
Schuldgefühl verspüren und eine Verantwortlichkeit tragen,
die es sich nicht zu erklären weiß. Das Rätsel, das uns hiemit
aufgegeben wird, ist aber nicht so groß, als es zuerst erscheint.
Das Verhalten des Über-Ichs ist durchaus verständlich, der
Widerspruch im Ich beweist uns nur, daß er sich mittels der
Verdrängung gegen das Es verschlossen hat, während es den
Einflüssen aus dem Über‑Ich voll zugänglich geblieben ist.4)
Der weiteren Frage, warum das Ich sich sich nicht auch der
peinigenden Kritik des Über-Ichs zu entziehen sucht, macht
die Nachricht ein Ende, daß dies wirklich in einer großen
Reihe von Fällen so geschieht. Es gibt auch Zwangsneurosen
ganz ohne Schuldbewußtsein; soweit wir es verstehen, hat
sich das Ich die Wahrnehmung desselben durch eine neue
Reihe von Symptomen, Bußhandlungen, Einschränkungen zur
Selbstbestrafung, erspart. Diese Symptome bedeuten aber4)Vgl. Reik: Geständniszwang und Strafbedürfnis. 1925. S. 51.
S.
240
gleichzeitig Befriedigungen masochistischer Triebregungen, die
ebenfalls aus der Regression eine Verstärkung bezogen haben.Die Mannigfaltigkeit in den Erscheinungen der Zwangs-
neurose ist eine so großartige, daß es noch keiner Bemühung
gelungen ist, eine zusammenhängende Synthese aller ihrer
Variationen zu geben. Man ist bestrebt, typische Beziehungen
herauszuheben und dabei immer in Sorge, andere nicht minder
wichtige Regelmäßigkeiten zu übersehen.Die allgemeine Tendenz der Symptombildung bei der
Zwangsneurose habe ich bereits beschrieben. Sie geht dahin,
der Ersatzbefriedigung immer mehr Raum auf Kosten der
Versagung zu schaffen. Dieselben Symptome, die ursprüng-
lich Einschränkungen des Ichs bedeuteten, nehmen dank der
Neigung des Ichs zur Synthese später auch die von Befriedi-
gungen an, und es ist unverkennbar, daß die letztere Bedeu-
tung allmählich die wirksamere wird. Ein äußerst einge-
schränktes Ich, das darauf angewiesen ist, seine Befriedigungen
in den Symptomen zu suchen, wird das Ergebnis dieses Pro-
zesses, der sich immer mehr dem völligen Fehlschlagen des
anfänglichen Abwehrstrebens nähert. Die Verschiebung des
Kräfteverhältnisses zugunsten der Befriedigung kann zu dem
gefürchteten Endausgang der Willenslähmung des Ichs führen,
das für jede Entscheidung beinahe ebenso starke Antriebe von
der einen wie von der anderen Seite findet. Der überscharfe
Konflikt zwischen Es und Über-Ich, der die Affektion von
Anfang an beherrscht, kann sich so sehr ausbreiten, daß keine
der Verrichtungen des zur Vermittlung unfähigen Ichs der
Einbeziehung in diesen Konflikt entgehen kann.VI
Während dieser Kämpfe kann man zwei symptombildende
Tätigkeiten des Ichs beobachten, die ein besonderes Interesse
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Hemmung, Angst und Symptom1926-001/1931