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    Wir wollten die Symptombildung und den sekundären
    Kampf des Ichs gegen das Symptom studieren, aber wir haben
    offenbar mit der Wahl der Phobien keinen glücklichen Griff
    getan. Die Angst, welche im Bild dieser Affektionen vor-
    herrscht, erscheint uns nun als eine den Sachverhalt ver-
    hüllende Komplikation. Es gibt reichlich Neurosen, bei denen
    sich nichts von Angst zeigt. Die echte Konversionshysterie
    ist von solcher Art, deren schwerste Symptome ohne Bei-
    mung von Angst gefunden werden. Schon diese Tatsache
    müßte uns warnen, die Beziehungen zwischen Angst und
    Symptombildung nicht allzu fest zu knüpfen. Den 

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    Kversionshysterien stehen die Phobien sonst so nahe, daß ich
    mich für berechtigt gehalten habe, ihnen diese als „Angst-
    hysterie“ anzureihen. Aber niemand hat noch die Bedingung
    angeben können, die darüber entscheidet, ob ein Fall die
    Form einer Konversionshysterie oder einer Phobie annimmt,
    niemand also die Bedingung der Angstentwicklung bei der
    Hysterie ergründet.

    Die häufigsten Symptome der Konversionshysterie, eine
    motorische Lähmung, Kontraktur oder unwillkürliche Aktion
    oder Entladung, ein Schmerz, eine Halluzination, sind ent-
    weder permanent festgehaltene oder intermittierende Be-
    setzunsgvorgänge, was der Erklärung neue Schwierigkeiten
    bereitet. Man weiß eigentlich nicht viel über solche Symptome
    zu sagen. Durch die Analyse kann man erfahren, welchen
    gestörten Erregungsablauf sie ersetzen. Zumeist ergibt sich,
    daß sie selbst einen Anteil an diesem haben, so als ob sich
    die gesamte Energie desselben auf dies eine Stück konzentriert
    hätte. Der Schmerz war in der Situation, in welcher die Ver-
    drängung vorfiel, vorhanden; die Halluzination war damals
    Wahrnehmung, die motorische Lähmung ist die Abwehr einer
    Aktion, die in jener Situation hätte ausgeführt werden sollen,
    aber gehemmt wurde, die Kontraktur gewöhnlich eine Ver-
    schiebung für eine damals intendierte Muskelinnervation an
    anderer Stelle, der Krampfanfall Ausdruck eines Affektaus-
    bruches, der sich der normalen Kontrolle des Ichs entzogen
    hat. In ganz auffälligem Maße wechselnd ist die Unlust-
    empfindung, die das Auftreten der Symptome begleitet. Bei
    den permanenten, auf die Motilität verschobenen Symptomen,
    wie Lähmungen und Kontrakturen, fehlt sie meistens gänzlich,
    das Ich verhält sich gegen sie wie unbeteiligt; bei den inter-
    mittierenden und den Symptomen der sensorischen Sphäre
    werden in der Regel deutliche Unlustempfindungen verspürt,
    die sich im Falle des Schmerzsymptoms zu exzessiver Höhe

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    steigern können. Es ist sehr schwer, in dieser Mannigfaltigkeit
    das Moment herauszufinden, das solche Differenzen er-
    möglicht und sie doch einheitlich erklären läßt. Auch vom
    Kampf des Ichs gegen das einmal gebildete Symptom ist bei
    der Konversionshysterie wenig zu merken. Nur wenn die
    Schmerzempfindlichkeit einer Körperstelle zum Symptom
    geworden ist, wird diese in den Stand gesetzt, eine Doppel-
    rolle zu spielen. Das Schmerzsymptom tritt ebenso sicher auf,
    wenn diese Stelle von außen berührt wird, wie wenn die von
    ihr vertretene pathogene Situation von innen her assoziativ
    aktiviert wird, und das Ich ergreift Vorsichtsmaßregeln, um
    die Erweckung des Symptoms durch äußere Wahrnehmung
    hintanzuhalten. Woher die besondere Undurchsichtigkeit der
    Symptombildung bei der Konversionshysterie rührt, können
    wir nicht erraten, aber sie gibt uns ein Motiv, das unfrucht-
    bare Gebiet bald zu verlassen.

    Wir wenden uns zur Zwangsneurose in der Erwartung, hier
    mehr über die Symptombildung zu erfahren. Die Symptome
    der Zwangsneurose sind im allgemeinen von zweierlei Art
    und entgegengesetzter Tendenz. Es sind entweder Verbote,
    Vorsichtsmaßregeln, Bußen, also negativer Natur, oder im
    Gegenteil Ersatzbefriedigungen, sehr häufig in symbolischer
    Verkleidung. Von diesen zwei Gruppen ist die negative, ab-
    wehrende, strafende, die ältere; mit der Dauer des Krankseins
    nehmen aber die aller Abwehr spottenden Befriedigungen
    überhand. Es ist ein Triumph der Symptombildung, wenn es
    gelingt, das Verbot mit der Befriedigung zu verquicken, so
    daß das ursprünglich abwehrende Gebot oder Verbot auch
    die Bedeutung einer Befriedigung bekommt, wozu oft sehr
    künstliche Verbindungswege in Anspruch genommen werden.
    In dieser Leistung zeigt sich die Neigung zur Synthese, die
    wir dem Ich bereits zuerkannt haben. In extremen Fällen
    bringt es der Kranke zustande, daß die meisten seiner

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    Symptome zu ihrer ursprünglichen Bedeutung auch die des
    direkten Gegensatzes erworben haben, ein Zeugnis für die
    Macht der Ambivalenz, die, wir wissen nicht warum, in der
    Zwangsneurose eine so große Rolle spielt. Im rohesten Fall
    ist das Symptom zweizeitig, d. h. auf die Handlung, die eine
    gewisse Vorschrift ausführt, folgt unmittelbar eine zweite, die
    sie aufhebt oder rückgängig macht, wenngleich sie noch nicht
    wagt, ihr Gegenteil auszuführen.

    Zwei Eindrücke ergeben sich sofort aus dieser flüchtigen
    Überschau der Zwangssymptome. Der erste, daß hier ein
    fortgesetzter Kampf gegen das Verdrängte unterhalten wird,
    der sich immer mehr zu Ungunsten der verdrängenden Kräfte
    wendet, und zweitens, daß Ich und Über‑Ich hier einen
    besonders großen Anteil an der Symptombildung nehmen.

    Die Zwangsneurose ist wohl das interessanteste und dank-
    barste Objekt der analytischen Untersuchung, aber noch
    immer als Problem unbezwungen. Wollen wir in ihr Wesen
    tiefer eindringen, so müssen wir eingestehen, daß unsichere
    Annahmen und unbewiesene Vermutungen noch nicht ent-
    behrt werden können. Die Ausgangssituation der Zwangsneu-
    rose ist wohl keine andere als die der Hysterie, die not-
    wendige Abwehr der libidinösen Ansprüche des Ödipus‑Kom-
    plexes. Auch scheint sich bei jeder Zwangsneurose eine
    unterste Schicht sehr früh gebildeter hysterischer Symptome
    zu finden. Dann aber wird die weitere Gestaltung durch einen
    konstitutionellen Faktor entscheidend verändert. Die genitale
    Organisation der Libido erweist sich als schwächlich und zu
    wenig resistent. Wenn das Ich sein Abwehrstreben beginnt,
    so erzielt es als ersten Erfolg, daß die Genitalorganisation
    (der phallischen Phase) ganz oder teilweise auf die frühere
    sadistisch‑anale Stufe zurückgeworfen wird. Diese Tatsache
    der Regression bleibt für alles folgende bestimmend.

    Man kann noch eine andere Möglichkeit in Erwägung

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    ziehen. Vielleicht ist die Regression nicht die Folge eines kon-
    stitutionellen, sondern eines zeitlichen Faktors. Sie wird nicht
    darum ermöglicht werden, weil die Genitalorganisation der
    Libido zu schwächlich geraten, sondern weil das Sträuben des
    Ichs zu frühzeitig, noch während der Blüte der sadistischen
    Phase eingesetzt hat. Einer sicheren Entscheidung getraue ich
    mich auch in diesem Punkte nicht, aber die analytische Be-
    obachtung begünstigt diese Annahme nicht. Sie zeigt eher,
    daß bei der Wendung zur Zwangsneurose die phallische Stufe
    bereits erreicht ist. Auch ist das Lebensalter für den Ausbruch
    dieser Neurose ein späteres als das der Hysterie (die zweite
    Kindheitsperiode, nach dem Termin der Latenzzeit), und in
    einem Fall von sehr später Entwicklung dieser Affektion, den
    ich studieren konnte, ergab es sich klar, daß eine reale Ent-
    wertung des bis dahin intakten Genitallebens die Bedingung
    für die Regression und die Entstehung der Zwangsneurose
    schuf.3

    Die metapsychologische Erklärung der Regression suche ich
    in einer „Triebentmischung“, in der Absonderung der eroti-
    schen Komponenten, die mit Beginn der genitalen Phase zu
    den destruktiven Besetzungen der sadistischen Phase hinzu-
    getreten waren.

    Die Erzwingung der Regression bedeutet den ersten Erfolg
    des Ichs im Abwehrkampf gegen den Anspruch der Libido.
    Wir unterscheiden hier zweckmäßig die allgemeinere Tendenz
    der „Abwehr“ von der „Verdrängung“, die nur einer der
    Mechanismen ist, deren sich die Abwehr bedient. Vielleicht
    noch klarer als bei normalen und hysterischen Fällen erkennt
    man bei der Zwangsneurose als den Motor der Abwehr den
    Kastrationskomplex, als das Abgewehrte die Strebungen des
    Ödipus-Komplexes. Wir befinden uns uns nun zu Beginn der

    3)Siehe: Die Disposition zur Zwangsneurose. [S. 5 ff. dieses
    Bandes.]

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    Latenzzeit, die durch den Untergang des Ödipus-Komplexes,
    die Schöpfung oder Konsolidierung des Über-Ichs und die
    Aufrichtung der ethischen und ästhetischen Schranken im Ich
    gekennzeichnet ist. Diese Vorgänge gehen bei der Zwangs-
    neurose über das normale Maß hinaus; zur Zerstörung des
    Ödipus-Komplexes tritt die regressive Erniedrigung der Libido
    hinzu, das Über‑Ich wird besonders strenge und lieblos, das
    Ich entwickelt im Gehorsam gegen das Über‑Ich hohe Reak-
    tionsbildungen von Gewissenhaftigkeit, Mitleid, Reinlichkeit.
    Mit unerbittlicher; darum nicht immer erfolgreicher Strenge
    wird die Versuchung zur Fortsetzung der frühinfantilen
    Onanie verpönt, die sich nun an regressive (sadistisch-anale)
    Vorstellungen anlehnt, aber doch den unbezwungenen Anteil
    der phallischen Organisation repräsentiert. Es liegt ein innerer
    Widerspruch darin, daß gerade im Interesse der Erhaltung
    der Männlichkeit (Kastrationsangst) jede Betätigung dieser
    Männlichkeit verhindert wird, aber auch dieser Widerspruch
    wird bei der Zwangsneurose nur übertrieben, er haftet bereits
    an der normalen Art der Beseitigung des Ödipus‑Komplexes.
    Wie jedes Übermaß den Keim zu seiner Selbstaufhebung in
    sich trägt, wird sich auch an der Zwangsneurose bewähren,
    indem gerade die unterdrückte Onanie sich in der Form der
    Zwangshandlungen eine immer weitergehende Annäherung
    an die Befriedigung erzwingt.

    Die Reaktionsbildungen im Ich der Zwangsneurotiker, die
    wir als Übertreibungen der normalen Charakterbildung er-
    kennen, dürfen wir als einen neuen Mechanismus der Abwehr
    neben die Regression und die Verdrängung hinstellen. Sie
    scheinen bei der Hysterie zu fehlen oder weit schwächer zu
    sein. Rückschauend gewinnen wir so eine Vermutung, wodurch
    der Abwehrvorgang der Hysterie ausgezeichnet ist. Es scheint,
    daß er sich auf die Verdrängung einschränkt, indem das Ich
    sich von der unliebsamen Triebregung abwendet, sie dem

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    Ablauf im Unbewußten überläßt und an ihren Schicksalen
    keinen weiteren Anteil nimmt. So ganz ausschließend richtig
    kann das zwar nicht sein, denn wir kennen ja den Fall, daß
    das hysterische Symptom gleichzeitig die Erfüllung einer
    Strafanforderung des Über-Ichs bedeutet, aber es mag einen
    allgemeinen Charakter im Verhalten des Ichs bei der Hysterie
    beschreiben.

    Man kann es einfach als Tatsache hinnehmen, daß sich bei
    der Zwangsneurose ein so strenges Über-Ich bildet, oder man
    kann daran denken, daß der fundamentale Zug dieser Affek-
    tion die Libidoregression ist, und versuchen, auch den Charak-
    ter des Über‑Ichs mit ihr zu verknüpfen. In der Tat kann ja
    das ÜberIch, das aus dem Es stammt, sich der dort einge-
    tretenen Regression und Triebentmischung nicht entziehen.
    Es wäre nicht zu verwundern, wenn es seinerseits härter,
    quälerischer, liebloser würde als bei normaler Entwicklung.

    Während der Latenzzeit scheint die Abwehr der Onanie-
    versuchung als Hauptaufgabe behandelt zu werden. Dieser
    Kampf erzeugt eine Reihe von Symptomen, die bei den ver-
    schiedensten Personen in typischer Weise wiederkehren und
    im allgemeinen den Charakter des Zeremoniells tragen. Es ist
    sehr zu bedauern, daß sie noch nicht gesammelt und systema-
    tisch analysiert worden sind; als früheste Leistungen der
    Neurose würden sie über den hier verwendeten Mechanismus
    der Symptombildung am ehesten Licht verbreiten. Sie zeigen
    bereits die Züge, welche in einer späteren schweren Erkran-
    kung so verhängnisvoll hervortreten werden: die Unter-
    bringung an den Verrichtungen, die später wie automatisch
    ausgeführt werden sollen, am Schlafengehen, Waschen und
    Ankleiden, an der Lokomotion, die Neigung zur Wieder- 
    holung und zum Zeitaufwand. Warum das so geschieht, ist
    noch keineswegs verständlich, die Sublimierung analerotischer
    Komponenten spielt dabei eine deutliche Rolle.

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    Die Pubertät macht in der Entwicklung der Zwangsneurose
    einen entscheidenden Abschnitt. Die in der Kindheit abge-
    brochene Genitalorganisation setzt nun mit großer Kraft
    wieder ein. Wir wissen aber, daß die Sexualentwicklung der
    Kinderzeit auch für den Neubeginn der Pubertätsjahre die
    Richtung vorschreibt. Es werden also einerseits die aggressiven
    Regungen der Frühzeit wieder erwachen, anderseits muß ein
    mehr oder minder großer Anteil der neuen libidinösen
    Regungen – in bösen Fällen deren Ganzes – die durch die
    Regression vorgezeichneten Bahnen einschlagen und als aggres-
    sive und destruktive Absichten auftreten. Infolge dieser Ver-
    kleidung der erotischen Strebungen und der starken Reaktions-
    bildungen im Ich, wird nun der Kampf gegen die Sexualität
    unter ethischer Flagge weitergeführt. Das Ich sträubt sich
    verwundert gegen grausame und gewalttätige Zumutungen,
    die ihm vom Es her ins Bewußtsein geschickt werden, und
    ahnt nicht, daß es dabei erotische Wünsche bekämpft, dar-
    unter auch solche, die sonst seinem Einspruch entgangen
    wären. Das überstrenge Über‑Ich besteht um so energischer
    auf der Unterdrückung der Sexualität, da sie so abstoßende
    Formen angenommen hat. So zeigt sich der Konflikt bei der
    Zwangsneurose nach zwei Richtungen verschärft, das Ab-
    wehrende ist intoleranter, das Abzuwehrende unerträglicher
    geworden; beides durch den Einfluß des einen Moments, der
    Libidoregression.

    Man könnte einen Widerspruch gegen manche unserer Vor-
    aussetzungen darin finden, daß die unliebsame Zwangsvor-
    stellung überhaupt bewußt wird. Allein es ist kein Zweifel,
    daß sie vorher den Prozeß der Verdrängung durchgemacht
    hat. In den meisten Fällen ist der eigentliche Wortlaut der
    aggressiven Triebregung dem Ich überhaupt nicht bekannt.
    Es gehört ein gutes Stück analytischer Arbeit dazu, um ihn
    bewußt zu machen. Was zum Bewußtsein durchdringt, ist in

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    der Regel nur ein entstellter Ersatz, entweder von einer ver-
    schwommenen, traumhaften Unbestimmtheit, oder unkenntlich
    gemacht durch eine absurde Verkleidung. Wenn die Ver-
    drängung nicht den Inhalt der aggressiven Triebregung ange-
    nagt hat, so hat sie doch gewiß den sie begleitenden Affekt-
    charakter beseitigt. So erscheint die Aggression dem Ich nicht
    als ein Impuls, sondern, wie die Kranken sagen, als ein bloßer
    „Gedankeninhalt“, der einen kalt lassen sollte. Das Merk-
    würdigste ist, daß dies doch nicht der Fall ist.

    Der bei der Wahrnehmung der Zwangsvorstellung ersparte
    Affekt kommt nämlich an anderer Stelle zum Vorschein. Das
    Über-Ich benimmt sich so, als hätte keine Verdrängung statt-
    gefunden, als wäre ihm die aggressive Regung in ihrem rich-
    tigen Wortlaut und mit ihrem vollen Affektcharakter bekannt,
    und behandelt das Ich auf Grund dieser Voraussetzung. Das
    Ich, das sich einerseits schuldlos weiß, muß anderseits ein
    Schuldgefühl verspüren und eine Verantwortlichkeit tragen,
    die es sich nicht zu erklären weiß. Das Rätsel, das uns hiemit
    aufgegeben wird, ist aber nicht so groß, als es zuerst erscheint.
    Das Verhalten des Über-Ichs ist durchaus verständlich, der
    Widerspruch im Ich beweist uns nur, daß er sich mittels der
    Verdrängung gegen das Es verschlossen hat, während es den
    Einflüssen aus dem Über‑Ich voll zugänglich geblieben ist.4)
    Der weiteren Frage, warum das Ich sich sich nicht auch der
    peinigenden Kritik des Über-Ichs zu entziehen sucht, macht
    die Nachricht ein Ende, daß dies wirklich in einer großen
    Reihe von Fällen so geschieht. Es gibt auch Zwangsneurosen
    ganz ohne Schuldbewußtsein; soweit wir es verstehen, hat
    sich das Ich die Wahrnehmung desselben durch eine neue
    Reihe von Symptomen, Bußhandlungen, Einschränkungen zur
    Selbstbestrafung, erspart. Diese Symptome bedeuten aber

    4)Vgl. Reik: Geständniszwang und Strafbedürfnis. 1925. S. 51.

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    gleichzeitig Befriedigungen masochistischer Triebregungen, die
    ebenfalls aus der Regression eine Verstärkung bezogen haben.

    Die Mannigfaltigkeit in den Erscheinungen der Zwangs-
    neurose ist eine so großartige, daß es noch keiner Bemühung
    gelungen ist, eine zusammenhängende Synthese aller ihrer
    Variationen zu geben. Man ist bestrebt, typische Beziehungen
    herauszuheben und dabei immer in Sorge, andere nicht minder
    wichtige Regelmäßigkeiten zu übersehen.

    Die allgemeine Tendenz der Symptombildung bei der
    Zwangsneurose habe ich bereits beschrieben. Sie geht dahin,
    der Ersatzbefriedigung immer mehr Raum auf Kosten der
    Versagung zu schaffen. Dieselben Symptome, die ursprüng-
    lich Einschränkungen des Ichs bedeuteten, nehmen dank der
    Neigung des Ichs zur Synthese später auch die von Befriedi-
    gungen an, und es ist unverkennbar, daß die letztere Bedeu-
    tung allmählich die wirksamere wird. Ein äußerst einge-
    schränktes Ich, das darauf angewiesen ist, seine Befriedigungen
    in den Symptomen zu suchen, wird das Ergebnis dieses Pro-
    zesses, der sich immer mehr dem völligen Fehlschlagen des
    anfänglichen Abwehrstrebens nähert. Die Verschiebung des
    Kräfteverhältnisses zugunsten der Befriedigung kann zu dem
    gefürchteten Endausgang der Willenslähmung des Ichs führen,
    das für jede Entscheidung beinahe ebenso starke Antriebe von
    der einen wie von der anderen Seite findet. Der überscharfe
    Konflikt zwischen Es und Über-Ich, der die Affektion von
    Anfang an beherrscht, kann sich so sehr ausbreiten, daß keine
    der Verrichtungen des zur Vermittlung unfähigen Ichs der
    Einbeziehung in diesen Konflikt entgehen kann.

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    Während dieser Kämpfe kann man zwei symptombildende
    Tätigkeiten des Ichs beobachten, die ein besonderes Interesse