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verdienen, weil sie offenbare Surrogate der Verdrängung sind
und darum deren Tendenz und Technik schön erläutern
können. Vielleicht dürfen wir auch das Hervortreten dieser
Hilfs‑ und Ersatztechniken als einen Beweis dafür auffassen,
daß die Durchführung der regelrechten Verdrängung auf
Schwierigkeiten stößt. Wenn wir erwägen, daß bei der
Zwangsneurose das Ich soviel mehr Schauplatz der Symptom-
bildung ist als bei der Hysterie, daß dieses Ich zähe an
seiner Beziehung zur Realität und zum Bewußtsein festhält
und dabei alle seine intellektuellen Mittel aufbietet, ja, daß
die Denktätigkeit überbesetzt, erotisiert, erscheint, werden
uns solche Variationen der Verdrängung vielleicht näher
gebracht.Die beiden angedeuteten Techniken sind das Ungeschehenmachen
und das Isolieren. Die erstere hat ein
großes Anwendungsgebiet und reicht weit zurück. Sie ist
sozusagen negative Magie, sie will durch motorische Symbo-
lik nicht die Folgen eines Ereignisses (Eindruckes, Erleb-
nisses), sondern dieses selbst „wegblasen“. Mit der Wahl
dieses letzten Ausdruckes ist darauf hingewiesen, welche
Rolle diese Technik nicht nur in der Neurose, sondern auch
in den Zauberhandlungen, Volksgebräuchen und im religiösen
Zeremoniell spielt. In der Zwangsneurose begegnet man dem
Ungeschehenmachen zuerst bei den zweizeitigen Symptomen,
wo der zweite Akt den ersten aufhebt, so, als ob nichts ge-
schehen wäre, wo in Wirklichkeit beides geschehen ist. Das
zwangsneurotische Zeremoniell hat in der Absicht des Unge-
schehenmachens seine zweite Wurzel. Die erste ist die Ver-
hütung, die Vorsicht, damit etwas Bestimmtes nicht geschehe,
sich nicht wiederhole. Der Unterschied ist leicht zu fassen;
die Vorsichtsregeln sind rationell, die „Aufhebungen“
durch Ungeschehenmachen irrationell, magischer Natur.
Natürlich muß man vermuten, daß diese zweite Wurzel dieS.
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ältere, aus der animistischen Einstellung zur Umwelt stam-
mende ist. Seine Abschattung zum Normalen findet das
Streben zum Ungeschehenmachen in dem Entschluß ein Er-
eignis als „non arrivé“ zu behandeln, aber dann unternimmt
man nichts dagegen, kümmert sich weder um das Ereignis
noch um seine Folgen, während man in der Neurose die Ver-
gangenheit selbst aufzuheben, motorisch zu verdrängen sucht.
Dieselbe Tendenz kann auch die Erklärung des in der Neu-
rose so häufigen Zwanges zur Wiederholung geben, bei
dessen Ausführung sich dann mancherlei einander wider-
streitende Absichten zusammenfinden. Was nicht in solcher
Weise geschehen ist, wie es dem Wunsch gemäß hätte gesche-
hen sollen, wird durch die Wiederholung in anderer Weise
ungeschehen gemacht, wozu nun alle die Motive hinzutreten,
bei diesen Wiederholungen zu verweilen. Im weiteren Verlauf
der Neurose enthüllt sich oft die Tendenz, ein traumatisches
Erlebnis ungeschehen zu machen, als ein symptombildendes
Motiv von erstem Range. Wir erhalten so unerwarteten Ein-
blick in eine neue, motorische Technik der Abwehr oder,
wie wir hier mit geringerer Ungenauigkeit sagen können, der
Verdrängung.Die andere der neu zu beschreibenden Techniken ist das
der Zwangsneurose eigentümlich zukommende Isolieren.
Es bezieht sich gleichfalls auf die motorische Sphäre, besteht
darin, daß nach einem unliebsamen Ereignis, ebenso nach
einer im Sinne der Neurose bedeutsamen eigenen Tätigkeit,
eine Pause eingeschoben wird, in der sich nichts mehr ereignen
darf, keine Wahrnehmung gemacht und keine Aktion ausge-
führt wird. Dies zunächst sonderbare Verhalten verrät uns
bald seine Beziehung zur Verdrängung. Wir wissen, bei
Hysterie ist es möglich, einen traumatischen Eindruck der
Amnesie verfallen zu lassen; bei der Zwangsneurose ist dies
oft nicht gelungen, das Erlebnis ist nicht vergessen, aber esS.
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ist von seinem Affekt entblößt und seine assoziativen Bezie-
hungen sind unterdrückt oder unterbrochen, so daß es wie
isoliert dasteht und auch nicht im Verlaufe der Denktätigkeit
reproduziert wird. Der Effekt dieser Isolierung ist dann der
nämlich wie bei der Verdrängung mit Amnesie. Diese
Technik wird also in den Isolierungen der Zwangsneurose
reproduziert, aber dabei auch in magischer Absicht moto-
risch verstärkt. Was so auseinandergehalten wird, ist gerade
das, was assoziativ zusammengehört, die motorische Isolierung
soll eine Garantie für die Unterbrechung des Zusammen-
hanges im Denken geben. Einen Vorwand für dies Verfahren
der Neurose gibt der normale Vorgang der Konzentration.
Was uns bedeutsam als Eindruck, als Aufgabe erscheint, soll
nicht durch die gleichzeitigen Ansprüche anderer Denkver-
richtungen oder Tätigkeiten gestört werden. Aber schon im
Normalen wird die Konzentration dazu verwendet, nicht nur
das Gleichgültige, nicht Dazugehörige, sondern vor allem das
unpassende Gegensätzliche fernzuhalten. Als das Störendste
wird empfunden, was ursprünglich zusammengehört hat und
durch den Fortschritt der Entwicklung auseinandergerissen
wurde, z. B. die Äußerungen der Ambivalenz des Vaterkom-
plexes in der Beziehung zu Gott oder die Regungen der Ex-
kretionsorgane in den Liebeserregungen. So hat das Ich
normalerweise eine große Isolierungsarbeit bei der Lenkung
des Gedankenablaufes zu leisten, und wir wissen, in der Aus-
übung der analytischen Technik müssen wir das Ich dazu
erziehen, auf diese sonst durchaus gerechtfertigte Funktion
zeitweilig zu verzichten.Wir haben alle die Erfahrung gemacht, daß es dem
Zwangsneurotiker besonders schwer wird, die psychoanaly-
tische Grundregel zu befolgen. Wahrscheinlich infolge der
hohen Konfliktspannung zwischen seinem Über‑Ich und
seinem Es ist sein Ich wachsamer, dessen IsolierungenS.
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schärfer. Es hat während seiner Denkarbeit zuviel abzu-
wehren, die Einmengung unbewußter Phantasien, die Äuße-
rung der ambivalenten Strebungen. Es darf sich nicht gehen
lassen, befindet sich fortwährend in Kampfbereitschaft.
Diesen Zwang zur Konzentration und Isolierung unterstützt
es dann durch die magischen Isolierungsaktionen, die als
Symptome so auffällig und praktisch so bedeutsam werden,
an sich natürlich nutzlos sind und den Charakter des Zere-
moniells haben.Indem es aber Assoziationen, Verbindung in Gedanken, zu
verhindern sucht, befolgt es eines der ältesten und fundamen-
talsten Gebote der Zwangsneurose, das Tabu der Berührung.
Wenn man sich die Frage vorlegt, warum die Ver-
meidung von Berührung, Kontakt, Ansteckung in der Neu-
rose eine so große Rolle spielt und zum Inhalt so komplizierter
Systeme gemacht wird, so findet man die Antwort, daß die
Berührung, der körperliche Kontakt, das nächste Ziel sowohl
der aggressiven wie der zärtlichen Objektbesetzung ist. Der
Eros will die Berührung, denn er strebt nach Vereinigung,
Aufhebung der Raumgrenzen zwischen Ich und geliebtem
Objekt. Aber auch die Destruktion, die vor der Erfindung
der Fernwaffe nur aus der Nähe erfolgen konnte, muß die
körperliche Berührung, das Handanlegen voraussetzen. Eine
Frau berühren ist im Sprachgebrauch ein Euphemismus für
ihre Benützung als Sexualobjekt geworden. Das Glied nicht
berühren ist der Wortlaut des Verbotes der autoerotischen
Befriedigung. Da die Zwangsneurose zu Anfang die erotische
Berührung, dann nach der Regression die als Aggression
maskierte Berührung verfolgte, ist nichts anderes für sie in so
hohem Grade verpönt worden, nichts so geeignet, zum Mittel-
punkt eines Verbotssystems zu werden. Die Isolierung ist
aber Aufhebung der Kontaktmöglichkeit, Mittel, ein Ding
jeder Berührung zu entziehen, und wenn der Neurotiker auchS.
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einen Eindruck oder eine Tätigkeit durch eine Pause isoliert,
gibt er uns symbolisch zu verstehen, daß er die Gedanken an
sie nicht in assoziative Berührung mit anderen kommen
lassen will.So weit reichen unsere Untersuchungen über die Symptom-
bildung. Es verlohnt sich kaum, sie zu resumieren, sie sind
ergebnisarm und unvollständig geblieben, haben auch wenig
gebracht, was nicht schon früher bekannt gewesen wäre. Die
Symptombildung bei anderen Affektionen als bei den Pho-
bien, der Konversionshysterie und der Zwangsneurose in
Betracht zu ziehen, wäre aussichtslos; es ist zu wenig darüber
bekannt. Aber auch schon aus der Zusammenstellung dieser
drei Neurosen erhebt sich ein schwerwiegendes, nicht mehr
aufzuschiebendes Problem. Für alle drei ist die Zerstörung
des Ödipus‑Komplexes der Ausgang, in allen, nehmen wir an,
die Kastrationsangst der Motor des Ichsträubens. Aber nur in
den Phobien kommt solche Angst zum Vorschein, wird sie
eingestanden. Was ist bei den zwei anderen Formen aus ihr
geworden, wie hat das Ich sich solche Angst erspart? Das
Problem verschärft sich noch, wenn wir an die vorhin er-
wähnte Möglichkeit denken, daß die Angst durch eine Art
Vergärung aus der im Ablauf gestörten Libidobesetzung
selbst hervorgeht, und weiters: steht es fest, daß die Kastra-
tionsangst der einzige Motor der Verdrängung (oder Abwehr)
ist? Wenn man an die Neurosen der Frauen denkt, muß man
das bezweifeln, denn so sicher sich der Kastrationskomplex
bei ihnen konstatieren läßt, von einer Kastrationsangst im
richtigen Sinne kann man bei bereits vollzogener Kastration
doch nicht sprechen.VII
Kehren wir zu den infantilen Tierphobien zurück, wir ver-
stehen diese Fälle doch besser als alle anderen. Das Ich muß
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Hemmung, Angst und Symptom1926-001/1931