S.
281
XI) NACHTRÄGE
Im Laufe dieser Erörterungen sind verschiedene Themen
berührt worden, die vorzeitig verlassen werden mußten und
die jetzt gesammelt werden sollen, um den Anteil Aufmerk-
samkeit zu erhalten, auf den sie Anspruch haben.A
Modifikationen früher geäußerter Ansichten
a) Widerstand und Gegenbesetzung
Es ist ein wichtiges Stück der Theorie der Verdrängung,
daß sie nicht einen einmaligen Vorgang darstellt, sondern
einen dauernden Aufwand erfordert. Wenn dieser entfiele,
würde der verdrängte Trieb, der kontinuierlich Zuflüsse aus
seinen Quellen erhält, ein nächstes Mal denselben Weg ein-
schlagen, von dem er abgedrängt wurde, die Verdrängung
würde um ihren Erfolg gebracht oder sie müßte unbestimmt
oft wiederholt werden. So folgt aus der kontinuierlichen
Natur des Triebes die Anforderung an das Ich, seine Abwehr-
aktion durch einen Daueraufwand zu versichern. Diese
Aktion zum Schutz der Verdrängung ist es, die wir bei der
therapeutischen Bemühung als Widerstand verspüren.
Widerstand setzt das voraus, was ich als Gegenbe-
setzung bezeichnet habe. Eine solche Gegenbesetzung wird
bei der Zwangsneurose greifbar. Sie erscheint hier als Ich-
veränderung, als Reaktionsbildung im Ich, durch Verstärkung
jener Einstellung, welche der zu verdrängenden Triebrichtung
gegensätzlich ist (Mitleid, Gewissenhaftigkeit, Reinlichkeit).
Diese Reaktionsbildungen der Zwangsneurose sind durchweg
Übertreibungen normaler, im Verlauf der Latenzzeit entwickelterS.
282
wickelterCharakterzüge. Es ist weit schwieriger, die Gegen-
besetzung bei der Hysterie aufzuweisen, wo sie nach der
theoretischen Erwartung ebenso unentbehrlich ist. Auch hier
ist ein gewisses Maß von Ichveränderung durch Reaktions-
bildung unverkennbar und wird in manchen Verhältnissen
so auffällig, daß es sich der Aufmerksamkeit als das Haupt-
symptom des Zustandes aufdrängt. In solcher Weise wird
z. B. der Ambivalenzkonflikt der Hysterie gelöst, der Haß
gegen eine geliebte Person wird durch ein Übermaß von
Zärtlichkeit für sie und Ängstlichkeit um sie niedergehalten.
Man muß aber als Unterschiede gegen die Zwangsneurose
hervorheben, daß solche Reaktionsbildungen nicht die allge-
meine Natur von Charakterzügen zeigen, sondern sich auf
ganz spezielle Relationen einschränken. Die Hysterika z. B.,
die ihre im Grunde gehaßten Kinder mit exzessiver Zärtlich-
keit behandelt, wird darum nicht im ganzen liebesbereiter als
andere Frauen, nicht einmal zärtlicher für andere Kinder.
Die Reaktionsbildung der Hysterie hält an einem bestimmten
Objekt zähe fest und erhebt sich nicht zu einer allgemeinen
Disposition des Ichs. Für die Zwangsneurose ist gerade diese
Verallgemeinerung, die Lockerung der Objektbeziehungen,
die Erleichterung der Verschiebung in der Objektwahl charak-
teristisch.Eine andere Art der Gegenbesetzung scheint der Eigenart
der Hysterie gemäß zu sein. Die verdrängte Triebregung
kann von zwei Seiten her aktiviert (neu besetzt) werden,
erstens von innen her durch eine Verstärkung des Triebes aus
seinen Erregungsquellen, zweitens von außen her
durch die Wahrnehmung eines Objekts, das dem Trieb er-
wünscht wäre. Die hysterische Gegenbesetzung ist nun vor-
zugsweise nach außen gegen gefährliche Wahrnehmung ge
richtet, sie nimmt die Form einer besonderen Wachsamkeit
an, die durch Icheinschränkungen Situationen vermeidet, inS.
283
denen die Wahrnehmung auftreten müßte, und die es zu-
standebringt, dieser Wahrnehmung die Aufmerksamkeit zu
entziehen, wenn sie doch aufgetaucht ist. Französische Auto-
ren (Laforgue) haben kürzlich diese Leistung der
Hysterie durch den besonderen Namen „Skotomisation“
ausgezeichnet. Noch auffälliger als bei Hysterie ist diese
Technik der Gegenbesetzung bei den Phobien, deren Interesse
sich darauf konzentriert, sich immer weiter von der Möglich-
keit der gefürchteten Wahrnehmung zu entfernen. Der Gegen-
satz in der Richtung der Gegenbesetzung zwischen Hysterie
und Phobien einerseits und Zwangsneurose anderseits scheint
bedeutsam, wenn er auch kein absoluter ist. Er legt uns nahe
anzunehmen, daß zwischen der Verdrängung und der äußeren
Gegenbesetzung, wie zwischen der Regression und der inneren
Gegenbesetzung (Ichveränderung durch Reaktionsbildung) ein
inniger Zusammenhang besteht. Die Abwehr der gefähr-
lichen Wahrnehmung ist übrigens eine allgemeine Aufgabe
der Neurosen. Verschiedene Gebote und Verbote der Zwangs-
neurose sollen der gleichen Absicht dienen.Wir haben uns früher einmal klargemacht, daß der Wider-
stand, den wir in der Analyse zu überwinden haben, vom
Ich geleistet wird, das an seinen Gegenbesetzungen festhält.
Das Ich hat es schwer, seine Aufmerksamkeit Wahrnehmun-
gen und Vorstellungen zuzuwenden, deren Vermeidung es
sich bisher zur Vorschrift gemacht hatte, oder Regungen als
die seinigen anzuerkennen, die den vollsten Gegensatz zu den '
ihm als eigen vertrauten bilden. Unsere Bekämpfung des
Widerstandes in der Analyse gründet sich auf eine solche
Auffassung desselben. Wir machen den Widerstand bewußt,
wo er, wie so häufig, infolge des Zusammenhanges mit dem
Verdrängten selbst unbewußt ist; wir setzen ihm logische Argu-
mente entgegen, wenn oder nachdem er bewußt geworden
ist, versprechen dem Ich Nutzen und Prämien, wenn es aufS.
284
den Widerstand verzichtet. An dem Widerstand des Ichs ist
also nichts zu bezweifeln oder zu berichtigen. Dagegen fragt
es sich, ob er allein den Sachverhalt deckt, der uns in der
Analyse entgegentritt. Wir machen die Erfahrung, daß das
Ich noch immer Schwierigkeiten findet, die Verdrängungen
rückgängig zu machen, auch nachdem es den Vorsatz gefaßt
hat, seine Widerstände aufzugeben, und haben die Phase
anstrengender Bemühung, die nach solchem löblichen Vorsatz
folgt, als die des „Durcharbeitens“ bezeichnet. Es liegt nun
nahe, das dynamische Moment anzuerkennen, das ein solches
Durcharbeiten notwendig und verständlich macht. Es kann
kaum anders sein, als daß nach Aufhebung des Ichwider-
standes noch die Macht des Wiederholungszwanges, die An-
ziehung der unbewußten Vorbilder auf den verdrängten
Triebvorgang, zu überwinden ist, und es ist nichts dagegen
zu sagen, wenn man dies Moment als den Widerstand
des Unbewußten bezeichnen will. Lassen wir uns solche
Korrekturen nicht verdrießen; sie sind erwünscht, wenn sie
unser Verständnis um ein Stück fördern, und keine Schande,
wenn sie das frühere nicht widerlegen, sondern bereichern,
eventuell eine Allgemeinheit einschränken, eine zu enge Auf-
fassung erweitern.Es ist nicht anzunehmen, daß wir durch diese Korrektur
eine vollständige Übersicht über die Arten der uns in der
Analyse begegnenden Widerstände gewonnen haben. Bei
weiterer Vertiefung merken wir vielmehr, daß wir fünf Arten
des Widerstandes zu bekämpfen haben, die von drei Seiten
herstammen, nämlich vom Ich, vom Es und vom Über‑Ich,
wobei sich das Ich als die Quelle von drei in ihrer Dynamik
unterschiedenen Formen erweist. Der erste dieser drei Ich-
widerstände ist der von vorhin behandelte Verdrängungswiderstand,
über den am wenigsten Neues zu sagen
ist. Von ihm sondert sich der Übertragungswiderstand,S.
285
der von der gleichen Natur ist, aber in der Analyse andere
und weit deutlichere Erscheinungen macht, da es ihm gelungen
ist, eine Beziehung zur analytischen Situation oder zur Person
des Analytikers herzustellen und somit eine Verdrängung, die
bloß erinnert werden sollte, wieder wie frisch zu beleben. Auch
ein Ichwiderstand, aber ganz anderer Natur, ist jener, der
vom Krankheitsgewinn ausgeht und sich auf die Ein-
beziehung des Symptoms ins Ich gründet. Er entspricht dem
Sträuben gegen den Verzicht auf eine Befriedigung oder
Erleichterung. Die vierte Art des Widerstandes – den des Es
– haben wir eben für die Notwendigkeit des Durcharbeitens
verantwortlich gemacht. Der fünfte Widerstand, der des
Über‑Ichs, der zuletzt erkannte, dunkelste, aber nicht
immer schwächste, scheint dem Schuldbewußtsein oder Straf-
bedürfnis zu entstammen; er widersetzt sich jedem Erfolg
und demnach auch der Genesung durch die Analyse.b) Angst aus Umwandlung von Libido
Die in diesem Aufsatz vertretene Auffassung der Angst
entfernt sich ein Stück weit von jener, die mir bisher berech-
tigt schien. Früher betrachtete ich die Angst als eine allge-
meine Reaktion des Ichs unter den Bedingungen der Unlust,
suchte ihr Auftreten jedesmal zu rechtfertigen und nahm an,
gestützt auf die Untersuchung der Aktualneurosen, daß
Libido (sexuelle Erregung), die vom Ich abgelehnt oder nicht
verwendet wird, eine direkte Abfuhr in der Form der Angst
findet. Man kann es nicht übersehen, daß diese verschiedenen
Bestimmungen nicht gut zusammengehen, zum mindesten nicht
notwendig aus einander folgen. Überdies ergab sich der An-
schein einer besonders innigen Beziehung von Angst und
Libido, die wiederum mit dem Allgemeincharakter der Angst
als Unlustreaktion nicht harmonierte.S.
286
Der Einspruch gegen diese Auffassung ging von der Ten-
denz aus, das Ich zur alleinigen Angststätte zu machen, war
also eine der Folgen der im „Ich und Es“ versuchten Gliede-
rung des seelischen Apparates. Der früheren Auffassung lag
es nahe, die Libido der verdrängten Triebregung als die
Quelle der Angst zu betrachten; nach der neueren hatte viel-
mehr das Ich für diese Angst aufzukommen. Also Ich-Angst
oder Trieb-(Es-)Angst. Da das Ich mit desexualisierter
Energie arbeitet, wurde in der Neuerung auch der intime
Zusammenhang von Angst und Libido gelockert. Ich hoffe,
es ist mir gelungen, wenigstens den Widerspruch klar zu
machen, die Umrisse der Unsicherheit scharf zu zeichnen.Die Ranksche Mahnung, der Angstaffekt sei, wie ich
selbst zuerst behauptete, eine Folge des Geburtsvorganges und
eine Wiederholung der damals durchlebten Situation, nötigte
zu einer neuerlichen Prüfung des Angstproblems. Mit seiner
eigenen Auffassung der Geburt als Trauma, des Angst-
zustandes als Abfuhrreaktion darauf, jedes neuerlichen Angst-
affekts als Versuch, das Trauma immer vollständiger „abzu-
reagieren“, konnte ich nicht weiter kommen. Es ergab sich
die Nötigung, von der Angstreaktion auf die Gefahrsituation
hinter ihr zurückzugehen. Mit der Einführung
dieses Moments ergaben sich neue Gesichtspunkte für die
Betrachtung. Die Geburt wurde das Vorbild für alle späteren
Gefahrsituationen, die sich unter den neuen Bedingungen der
veränderten Existenzform und der fortschreitenden psychi-
schen Entwicklung ergaben. Ihre eigene Bedeutung wurde
aber auch auf diese vorbildliche Beziehung zur Gefahr ein-
geschränkt. Die bei der Geburt empfundene Angst wurde
nun das Vorbild eines Affektzustandes, der die Schicksale
anderer Affekte teilen mußte. Er reproduzierte sich entweder
automatisch in Situationen, die seinen Ursprungssituationen
analog waren, als unzweckmäßige Reaktionsform, nachdemS.
287
er in der ersten Gefahrsituation zweckmäßig gewesen war.
Oder das Ich bekam Macht über diesen Affekt und reprodu-
zierte ihn selbst, bediente sich seiner als Warnung vor der
Gefahr und als Mittel, das Eingreifen des Lust‑Unlust-
mechanismus wachzurufen. Die biologische Bedeutung des
Angstaffekts kam zu ihrem Recht, indem die Angst als die
allgemeine Reaktion auf die Situation der Gefahr anerkannt
wurde; die Rolle des Ichs als Angststätte wurde bestätigt,
indem dem Ich die Funktion eingeräumt wurde, den Angst-
affekt nach seinen Bedürfnissen zu produzieren. Der Angst
wurden so im späteren Leben zweierlei Ursprungsweisen
zugewiesen, die eine ungewollt, automatisch, jedesmal ökono-
misch gerechtfertigt, wenn sich eine Gefahrsituation analog
jener der Geburt hergestellt hatte, die andere, vom Ich pro-
duziert, wenn eine solche Situation nur drohte, um zu ihrer
Vermeidung aufzufordern. In diesem zweiten Fall unterzog
sich das Ich der Angst gleichsam wie einer Impfung, um
durch einen abgeschwächten Krankheitsausbruch einem unge-
schwächten Anfall zu entgehen. Es stellte sich gleichsam die
Gefahrsituation lebhaft vor, bei unverkennbarer Tendenz,
dies peinliche Erleben auf eine Andeutung, ein Signal, zu
beschränken. Wie sich dabei die verschiedenen Gefahrsitua-
tionen nacheinander entwickeln und doch genetisch mitein-
ander verknüpft bleiben, ist bereits im einzelnen dargestellt
worden. Vielleicht gelingt es uns, ein Stück weiter ins Ver-
ständnis der Angst einzudringen, wenn wir das Problem des
Verhältnisses zwischen neurotischer Angst und Realangst
angreifen.Die früher behauptete direkte Umsetzung der Libido in
Angst ist unserem Interesse nun weniger bedeutsam geworden.
Ziehen wir sie doch in Erwägung, so haben wir mehrere
Fälle zu unterscheiden. Für die Angst, die das Ich als Signal
provoziert, kommt sie nicht in Betracht; also auch nicht inS.
288
all den Gefahrsituationen, die das Ich zur Einleitung einer
Verdrängung bewegen. Die libidinöse Besetzung der ver-
drängten Triebregung erfährt, wie man es am deutlichsten
bei der Konversionshysterie sieht, eine andere Verwendung
als die Umsetzung in und Abfuhr als Angst. Hingegen
werden wir bei der weiteren Diskussion der Gefahrsituation
auf jenen Fall der Angstentwicklung stoßen, der wahrschein-
lich anders zu beurteilen ist.c) Verdrängung und Abwehr
Im Zusammenhange der Erörterungen über das Angst-
problem habe ich einen Begriff – oder bescheidener aus-
gedrückt: einen Terminus – wieder aufgenommen, dessen
ich mich zu Anfang meiner Studien vor dreißig Jahren aus-
schließend bedient und den ich späterhin fallen gelassen
hatte. Ich meine den des Abwehrvorganges.7 Ich ersetzte ihn
in der Folge durch den der Verdrängung, das Verhältnis
zwischen beiden blieb aber unbestimmt. Ich meine nun, es
bringt einen sicheren Vorteil, auf den alten Begriff der Ab-
wehr zurückzugreifen, wenn man dabei festsetzt, daß er die
allgemeine Bezeichnung für alle die Techniken sein soll,
deren sich das Ich in seinen eventuell zur Neurose führenden
Konflikten bedient, während Verdrängung der Name einer
bestimmten solchen Abwehrmethode bleibt, die uns infolge
der Richtung unserer Untersuchungen zuerst besser bekannt
worden ist.Auch eine bloß terminologische Neuerung will gerecht-
fertigt werden, soll der Ausdruck einer neuen Betrachtungs-
weise oder einer Erweiterung unserer Einsichten sein. Die
Wiederaufnahme des Begriffes Abwehr und die Einschrän-
kung des Begriffes der Verdrängung trägt nun einer Tatsache7)Siehe: Die Abwehr–Neuropsychosen [Ges. Schriften, Bd. I].
S.
289
Rechnung, die längst bekannt ist, aber durch einige neuere
Funde an Bedeutung gewonnen hat. Unsere ersten Erfahrun-
gen über Verdrängung und Symptombildung machten wir
an der Hysterie; wir sahen, daß der Wahrnehmungsinhalt
erregender Erlebnisse, der Vorstellungsinhalt pathogener
Gedankenbildungen, vergessen und von der Reproduktion
im Gedächtnis ausgeschlossen wird, und haben darum in der
Abhaltung vom Bewußtsein einen Hauptcharakter der
hysterischen Verdrängung erkannt. Später haben wir die
Zwangsneurose studiert und gefunden, daß bei dieser Affek-
tion die pathogenen Vorfälle nicht vergessen werden. Sie
bleiben bewußt, werden aber auf eine noch nicht vorstell-
bare Weise „isoliert“, so daß ungefähr derselbe Erfolg er-
zielt wird wie durch die hysterische Amnesie. Aber die
Differenz ist groß genug, um unsere Meinung zu berechtigen,
der Vorgang, mittels dessen die Zwangsneurose einen Trieb-
anspruch beseitigt, könne nicht der nämliche sein wie bei
Hysterie. Weitere Untersuchungen haben uns gelehrt, daß
bei der Zwangsneurose unter dem Einfluß des Ichsträubens
eine Regression der Triebbregungen auf eine frühere Libido-
phase erzielt wird, die zwar eine Verdrängung nicht über-
flüssig macht, aber offenbar in demselben Sinne wirkt wie
die Verdrängung. Wir haben ferner gesehen, daß die auch
bei Hysterie anzunehmende Gegenbesetzung bei der Zwangs-
neurose als reaktive Ichveränderung eine besonders große
Rolle beim Ichschutz spielt, wir sind auf ein Verfahren der
„Isolierung“ aufmerksam worden, dessen Technik wir noch
nicht angeben können, das sich einen direkten symptomati-
schen Ausdruck schafft, und auf die magisch zu nennende
Prozedur des „Ungeschehenmachens“, über deren abweh-
rende Tendenz kein Zweifel sein kann, die aber mit dem
Vorgang der „Verdrängung“ keine Ähnlichkeit mehr hat.
Diese Erfahrungen sind Grund genug, den alten Begriff derS.
290
Abwehr wieder einzusetzen, der alle diese Vorgänge mit
gleicher Tendenz – Schutz des Ichs gegen Triebansprüche
– umfassen kann, und ihm die Verdrängung als einen
Spezialfall zu subsumieren. Die Bedeutung einer solchen
Namengebung wird erhöht, wenn man die Möglichkeit er-
wägt, daß eine Vertiefung unserer Studien eine innige Zu-
sammengehörigkeit zwischen besonderen Formen der Ab-
wehr und bestimmten Affektionen ergeben könnte, z. B.
zwischen Verdrängung und Hysterie. Unsere Erwartung
richtet sich ferner auf die Möglichkeit einer anderen bedeut-
samen Abhängigkeit. Es kann leicht sein, daß der seelische
Apparat vor der scharfen Sonderung von Ich und Es, vor
der Ausbildung eines Über-Ichs, andere Methoden der Ab-
wehr übt als nach der Erreichung dieser Organisationsstufen.B
Ergänzung zur AngstDer Angstaffekt zeigt einige Züge, deren Untersuchung
weitere Aufklärung verspricht. Die Angst hat eine unver-
kennbare Beziehung zur Erwartung; sie ist Angst vor
etwas. Es haftet ihr ein Charakter von Unbestimmtheit
und Objektlosigkeit an; der korrekte Sprach-
gebrauch ändert selbst ihren Namen, wenn sie ein Objekt
gefunden hat, und ersetzt ihn dann durch Furcht. Die
Angst hat ferner außer ihrer Beziehung zur Gefahr eine
andere zur Neurose, um deren Aufklärung wir uns seit lan-
gem bemühen. Es entsteht die Frage, warum nicht alle
Angstreaktionen neurotisch sind, warum wir so viele als
normal anerkennen; endlich verlangt der Unterschied von
Realangst und neurotischer Angst nach gründlicher Würdi-
gung.Gehen wir von der letzteren Aufgabe aus. Unser Fortschritt
S.
291
bestand. in dem Rückgreifen von der Reaktion der
Angst auf die Situation der Gefahr. Nehmen wir dieselbe
Veränderung an dem Problem der Realangst vor, so wird
uns dessen Lösung leicht. Realgefahr ist eine Gefahr, die wir
kennen, Realangst die Angst vor einer solchen bekannten
Gefahr. Die neurotische Angst ist Angst vor einer Gefahr,
die wir nicht kennen. Die neurotische Gefahr muß also erst
gesucht werden; die Analyse hat uns gelehrt, sie ist eine
Triebgefahr. Indem wir diese dem Ich unbekannte Gefahr
zum Bewußtsein bringen, verwischen wir den Unterschied
zwischen Realangst und neurotischer Angst, können wir die
letztere wie die erstere behandeln.In der Realgefahr entwickeln wir zwei Reaktionen, die
affektive, den Angstausbruch, und die Schutzhandlung. Vor-
aussichtlich wird bei der Triebgefahr dasselbe geschehen. Wir
kennen den Fall des zweckmäßigen Zusammenwirkens beider
Reaktionen, indem die eine das Signal für das Einsetzen der
anderen gibt, aber auch den unzweckmifligen Fall, den der
Angstlähmung, daß die eine sich auf Kosten der anderen
ausbreitet.Es gibt Fälle, in denen sich die Charaktere von Realangst
und neurotischer Angst vermengt zeigen. Die Gefahr ist be-
kannt und real, aber die Angst vor ihr übermäßig groß,
gröfer als sie nach unserem Urteil sein dürfte. In diesem
Mehr verrät sich das neurotische Element. Aber diese Fälle
bringen nichts prinzipiell Neues. Die Analyse zeigt, daß an
die bekannte Realgefahr eine unerkannte Triebgefahr ge-
knüpft ist.Wir kommen weiter, wenn wir uns auch mit der Zurück-
führung der Angst auf die Gefahr nicht begnügen. Was ist
der Kern, die Bedeutung der Gefahrsituation? Offenbar die
Einschätzung unserer Stärke im Vergleich zu ihrer Größe,
das Zugeständnis unserer Hilflosigkeit gegen sie, der materiellenS.
292
Hilflosigkeit im Falle der Realgefahr, der psychischen
Hilflosigkeit im Falle der Triebgefahr. Unser Urteil wird
dabei von wirklich gemachten Erfahrungen geleitet werden;
ob es sich in seiner Schätzung irrt, ist für den Erfolg gleich-
giltig. Heißen wir eine solche erlebte Situation von Hilf-
losigkeit eine traumatische; wir haben dann guten
Grund, die traumatische Situation von der Gefahrsituation
zu trennen.Es ist nun ein wichtiger Fortschritt in unserer Selbst-
bewahrung, wenn eine solche traumatische Situation von
Hilflosigkeit nicht abgewartet, sondern vorhergesehen, er-
wartet, wird. Die Situation, in der die Bedingung für solche
Erwartung enthalten ist, heiße die Gefahrsituation, in ihr
wird das Angstsignal gegeben. Dies will besagen ich erwarte,
daß sich eine Situation von Hilflosigkeit ergeben wird, oder
die gegenwärtige Situation erinnert mich an eines der früher
erfahrenen traumatischen Erlebnisse. Daher antizipiere ich
dieses Trauma, will mich benehmen, als ob es schon da wäre,
solange noch Zeit ist, es abzuwenden. Die Angst ist also
einerseits Erwartung des Traumas, anderseits eine gemilderte
Wiederholung desselben. Die beiden Charaktere, die uns an
der Angst aufgefallen sind, haben also verschiedenen Ur-
sprung. Ihre Beziehung zur Erwartung gehört zur Gefahr-
situation, ihre Unbestimmtheit und Objektlosigkeit zur
traumatischen Situation der Hilflosigkeit, die in der Gefahr-
Situation antizipiert wird.Nach der Entwicklung der Reihe: Angst – Gefahr –
Hilflosigkeit (Trauma) kónnen wir zusammenfassen: Die
Gefahrsituation ist die erkannte, erinnerte, erwartete Situa-
tion der Hilflosigkeit. Die Angst ist die ursprüngliche Reak-
tion auf die Hilflosigkeit im Trauma, die dann später in der
Gefahrsituation als Hilfssignal reproduziert wird. Das Ich,
welches das Trauma passiv erlebt hat, wiederholt nun aktivS.
293
eine abgeschwächte Reproduktion desselben, in der Hoff-
nung, deren Ablauf selbsttätig leiten zu können. Wir
wissen, das Kind benimmt sich ebenso gegen alle ihm pein-
lichen Eindrücke, indem es sie im Spiel reproduziert; durch
diese Art, von der Passivität zur Aktivität überzeugen,
sucht es seine Lebenseindrücke psychisch zu bewältigen.
Wenn dies der Sinn eines „Abreagierens“ des Traumas sein
soll, so kann man nichts mehr dagegen einwenden. Das Ent-
scheidende ist aber die erste Verschiebung der Angstreaktion
von ihrem Ursprung in der Situation der Hilflosigkeit auf
deren Erwartung, die Gefahrsituation. Dann folgen die
weiteren Verschiebungen von der Gefahr auf die Bedingung
der Gefahr, den Objektverlust und dessen schon erwähnte
Modifikationen.Die „Verwöhnung“ des kleinen Kindes hat die un-
erwünschte Folge, daß die Gefahr des Objektverlustes – das
Objekt als Schutz gegen alle Situationen der Hilflosigkeit
– gegen alle anderen Gefahren übersteigert wird. Sie begün-
stigt also die Zurückhaltung in der Kindheit, der die mo-
torische wie die psychische Hilflosigkeit eigen sind.Wir haben bisher keinen Anlaß gehabt, die Realangst
anders zu betrachten als die neurotische Angst. Wir kennen
den Unterschied; die Realgefahr droht von einem äußeren
Objekt, die neurotische von einem Triebanspruch. Insoferne
dieser Triebanspruch etwas Reales ist, kann auch die neuro-
tische Angst als real begründet anerkannt werden. Wir haben
verstanden, daß der Anschein einer besonders intimen Be-
ziehung zwischen Angst und Neurose sich auf die Tatsache
zurückführt, daß das Ich sich mit Hilfe der Angstreaktion
der Triebgefahr ebenso erwehrt wie der äußeren Realgefahr,
daß aber diese Richtung der Abwehrtätigkeit infolge einer
Unvollkommenheit des seelischen Apparats in die Neurose
ausläuft. Wir haben auch die Überzeugung gewonnen, daßS.
294
der Triebanspruch oft nur darum zur (inneren) Gefahr wird,
weil seine Befriedigung eine äußere Gefahr herbeiführen
würde, also weil diese innere Gefahr eine äußere repräsen-
tiert.Andererseits muß auch die äußere (Real‑) Gefahr eine Ver-
innerlichung gefunden haben, wenn sie für das Ich bedeut-
sam werden soll; sie muß in ihrer Beziehung zu einer erleb-
ten Situation von Hilflosigkeit erkannt werden.8 Eine in-
stinktive Erkenntnis von außen drohender Gefahren scheint
dem Menschen nicht oder nur in sehr bescheidenem Ausmaß
mitgegeben worden zu sein. Kleine Kinder tun unaufhörlich
Dinge, die sie in Lebensgefahr bringen, und können gerade
darum das schützende Objekt nicht entbehren. In der Be-
ziehung zur traumatischen Situation, gegen die man hilflos
ist, treffen äußere und innere Gefahr, Realgefahr und Trieb-
anspruch zusammen. Mag das Ich in dem einen Falle einen
Schmerz, der nicht aufhören will, erleben, im anderen Falle
eine Bedürfnisstauung, die keine Befriedigung finden kann,
die ökonomische Situation ist für beide Fälle die nämliche
und die motorische Hilflosigkeit findet in der psychischen
Hilflosigkeit ihren Ausdruck.Die rätselhaften Phobien der frühen Kinderzeit verdie-
nen an dieser Stelle nochmalige Erwähnung. Die einen von
ihnen – Alleinsein, Dunkelheit, fremde Personen – konn-
ten wir als Reaktionen auf die Gefahr des Objektverlusts8)Es mag oft genug vorkommen, daß in einer Gefahrsituation,
die als solche richtig geschätzt wird, zur Realangst ein Stück
Triebangst hinzukommt. Der Triebanspruch, vor dessen Befrie-
digung das Ich zurückschreckt, wäre dann der masochistische, der
gegen die eigene Person gewendete Destruktionstrieb. Vielleicht
erklärt diese Zutat den Fall, daß die Angstreaktion übermäßig
und unzweckmäßig, lähmend, ausfällt. Die Höhenphobien (Fenster,
Turm, Abgrund) könnten diese Herkunft haben; ihre geheime
feminine Bedeutung steht dem Masochismus nahe.S.
295
verstehen; für andere – kleine Tiere, Gewitter u. dgl. –
bietet sich vielleicht die Auskunft, sie seien die verkümmer-
ten Reste einer kongenitalen Vorbereitung auf die Real-
gefahren, die bei anderen Tieren so deutlich ausgebildet ist.
Für den Menschen zweckmäßig ist allein der Anteil dieser
archaischen Erbschaft, der sich auf den Objektverlust bezieht.
Wenn solche Kinderphobien sich fixieren, stärker werden und
bis in späte Lebensjahre anhalten, weist die Analyse nach,
daß ihr Inhalt sich mit Triebansprüchen in Verbindung ge-
setzt hat, zur Vertretung auch innerer Gefahren geworden ist.C
Angst, Schmerz und TrauerZur Psychologie der Gefühlsvorgänge liegt so wenig vor,
daß die nachstehenden schüchternen Bemerkungen auf die
nachsichtigste Beurteilung Anspruch erheben dürfen. An fol-
gender Stelle erhebt sich für uns das Problem. Wir mußten
sagen, die Angst werde zur Reaktion auf die Gefahr des
Objektverlusts. Nun kennen wir bereits eine solche Reaktion
auf den Objektverlust, es ist die Trauer. Also wann kommt
es zur einen, wann zur anderen? An der Trauer, mit der
wir uns bereits früher beschäftigt haben,9 blieb ein Zug
völlig unverstanden, ihre besondere Schmerzlichkeit. Daß die
Trennung vom Objekt schmerzlich ist, erscheint uns trotz-
dem selbstverständlich. Also kompliziert sich das Problem
weiter: Wann macht die Trennung vom Objekt Angst,
wann Trauer und wann vielleicht nur Schmerz?Sagen wir es gleich, es ist keine Aussicht vorhanden, Ant-
worten auf diese Fragen zu geben. Wir werden uns dabei
bescheiden, einige Abgrenzungen und einige Andeutungen zu
finden.9)Siehe: Trauer und Melancholie [Ges. Schriften, Bd. V].
S.
296
Unser Ausgangspunkt sei wiederum die eine Situation, die
wir zu verstehen glauben, die des Säuglings, der anstatt
seiner Mutter eine fremde Person erblickt. Er zeigt dann die
Angst, die wir auf die Gefahr des Objektverlustes gedeutet
haben. Aber sie ist wohl komplizierter und verdient eine
eingehendere Diskussion. An der Angst des Säuglings ist
zwar kein Zweifel, aber Gesichtsausdruck und die Reaktion
des Weinens lassen annehmen, daß er außerdem noch
Schmerz empfindet. Es scheint, daß bei ihm einiges zusam-
menfließt, was später gesondert werden wird. Er kann das
zeitweilige Vermissen und den dauernden Verlust noch nicht
unterscheiden; wenn er die Mutter das eine Mal nicht zu
Gesicht bekommen hat, benimmt er sich so, als ob er sie nie
wieder sehen sollte, und es bedarf wiederholter tröstlicher
Erfahrungen, bis er gelernt hat, daß auf ein solches Ver-
schwinden der Mutter ihr Wiedererscheinen zu folgen pflegt.
Die Mutter reift diese für ihn so wichtige Erkenntnis, indem
sie das bekannte Spiel mit ihm aufführt, sich vor ihm das
Gesicht zu verdecken und zu seiner Freude wieder zu ent-
hüllen. Er kann dann sozusagen Sehnsucht empfinden, die
nicht von Verzweiflung begleitet ist.Die Situation, in der er die Mutter vermißt, ist infolge
seines Mißverständnisses für ihn keine Gefahrsituation, son-
dern eine traumatische, oder richtiger, sie ist eine trauma-
tische, wenn er in diesem Moment ein Bedürfnis verspürt,
das die Mutter befriedigen soll; sie wandelt sich zur Gefahr-
situation, wenn dies Bedürfnis nicht aktuell ist. Die erste
Angstbedingung, die das Ich selbst einführt, ist also die des
Wahrnehmungsverlustes, die der des Objektverlustes gleich-
gestellt wird. Ein Liebesverlust kommt noch nicht in Be-
tracht. Später lehrt die Erfahrung, daß das Objekt vorhan-
den bleiben, aber auf das Kind böse geworden sein kann,
und nun wird der Verlust der Liebe von seiten des Ob-S.
297
jekts zur neuen, weit beständigeren Gefahr und Angst-
bedingung.Die traumatische Situation des Vermissens der Mutter
weicht in einem entscheidenden Punkte von der traumati-
schen Situation der Geburt ab. Damals war kein Objekt vor-
handen, das vermißt werden konnte. Die Angst blieb die
einzige Reaktion, die zustande kam. Seither haben wieder-
holte Befriedigungssituationen das Objekt der Mutter ge-
schaffen, das nun im Falle des Bedürfnisses eine intensive,
„sehnsüchtig“ zu nennende Besetzung erfährt. Auf diese
Neuerung ist die Reaktion des Schmerzes zu beziehen. Der
Schmerz ist also die eigentliche Reaktion auf den Objekt-
verlust, die Angst die auf die Gefahr, welche dieser Verlust
mit sich bringt, in weiterer Verschiebung auf die Gefahr des
Objektverlustes selbst.Auch vom Schmerz wissen wir sehr wenig. Den einzig
sicheren Inhalt gibt die Tatsache, daß der Schmerz – zu-
nächst und in der Regel – entsteht, wenn ein an der Peri-
pherie angreifender Reiz die Vorrichtungen des Reizschutzes
durchbricht und nun wie ein kontinuierlicher Triebreiz
wirkt, gegen den die sonst wirksamen Muskelaktionen, welche
die gereizte Stelle dem Reiz entziehen, ohnmächtig bleiben.
Wenn der Schmerz nicht von einer Hautstelle, sondern von
einem inneren Organ ausgeht, so ändert das nichts an der
Situation; es ist nur ein Stück der inneren Peripherie an die
Stelle der äußeren getreten. Das Kind hat offenbar Gelegen-
heit, solche Schmerzerlebnisse zu machen, die unabhängig
von seinen Bedürfniserlebnissen sind. Diese Entstehungsbedin-
gung des Schmerzes scheint aber sehr wenig Ähnlichkeit mit
einem Objektverlust zu haben, auch ist das für den Schmerz
wesentliche Moment der peripherischen Reizung in der Sehn-
suchtssituation des Kindes völlig entfallen. Und doch kann
es nicht sinnlos sein, daß die Sprache den Begriff des inneren,S.
298
des seelischen Schmerzes geschaffen hat und die Empfin-
dungen des Objektverlusts durchaus dem körperlichen
Schmerz gleichstellt.Beim körperlichen Schmerz entsteht eine hohe, narzißtisch
zu nennende Besetzung der schmerzenden Körperstelle, die
immer mehr zunimmt und sozusagen entleerend auf das Ich
wirkt. Es ist bekannt, daß wir, bei Schmerzen in inneren
Organen, räumliche und andere Vorstellungen von solchen
Körperteilen bekommen, die sonst im bewußten Vorstellen
gar nicht vertreten sind. Auch die merkwürdige Tatsache,
daß die intensivsten Körperschmerzen bei psychischer Ab-
lenkung durch ein andersartiges Interesse nicht zustande
kommen (man darf hier nicht sagen: unbewußt bleiben),
findet in der Tatsache der Konzentration der Besetzung auf
die psychische Repräsentanz der schmerzenden Körperstelle
ihre Erklärung. Nun scheint in diesem Punkt die Analogie
zu liegen, die die Übertragung der Schmerzempfindung auf
das seelische Gebiet gestattet hat. Die intensive, infolge ihrer
Unstillbarkeit stets anwachsende Sehnsuchtsbesetzung des
vermißten (verlorenen) Objekts schafft dieselben ökonomi-
schen Bedingungen wie die Schmerzbesetzung der verletzten
Körperstelle und macht es möglich, von der peripherischen
Bedingtheit des Körperschmerzes abzusehen! Der Übergang
vom Körperschmerz zum Seelenschmerz entspricht dem
Wandel von narzißtischer zur Objektbesetzung. Die vom
Bedürfnis hochbesetzte Objektvorstellung spielt die Rolle der
von dem Reizzuwachs besetzten Körperstelle. Die Kontinui-
tät und Unhemmbarkeit des Besetzungsvorganges bringen den
gleichen Zustand der psychischen Hilflosigkeit hervor. Wenn
die dann entstehende Unlustempfindung den spezifischen,
nicht näher zu beschreibenden Charakter des Schmerzes trägt,
anstatt sich in der Reaktionsform der Angst zu äußern, so
liegt es nahe, dafür ein Moment verantwortlich zu machen,S.
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das sonst von der Erklärung noch zu wenig in Anspruch
genommen wurde, das hohe Niveau der Besetzungs-
und Bindungsverhältnisse, auf dem sich diese zur Unlustempfin-
dung führenden Vorgänge vollziehen.Wir kennen noch eine andere Gefühlsreaktion auf den
Objektverlust, die Trauer. Ihre Erklärung bereitet aber keine
Schwierigkeiten mehr. Die Trauer entsteht unter dem Einfluß
der Realitätsprüfung, die kategorisch verlangt, daß man sich
von dem Objekt trennen müsse, weil es nicht mehr besteht.
Sie hat nun die Arbeit zu leisten, diesen Rückzug vom Ob-
jekt in all den Situationen durchzuführen, in denen das Ob-
jekt Gegenstand hoher Besetzung war. Der schmerzliche
Charakter dieser Trennung fügt sich dann der eben gegebe-
nen Erklärung durch die hohe und unerfüllbare Sehnsuchts-
besetzung des Objekts während der Reproduktion der Situa-
tionen, in denen die Bindung an das Objekt gelöst werden
soll.
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Hemmung, Angst und Symptom1926-001/1931