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S.
25.2.13
PROF. DR. FREUD WIEN, IX. BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Ich kann nicht warten bis ich wieder Influenza
habe oder mit der jetzt begonnenen
Arbeit für die Scientia fertig bin,
sondern muss Ihnen gleich gratulieren
zum zweiten Sohn, und zum allseitigen
Wohlbefinden. Bald dürfen wir die Sorge
definitiv bannen u dann werden
wir auch Ihre Arbeit fertig sehen.
Zu Pfisters Buch habe ich das Geleitwort
schon verfasst. Nicht daß ich Ihnen eines
anbieten Würde! Kein Anlass, ich kam
ja nur aus der langen Inkubation
auf die Anweihung.
Ihr Bedauern, daß es in der PA jetzt so
wüst zugeht möchte ich von mir ferne
halten. Ich glaube, Sie stehen zu sehr
unter dem Eindruck von Jung und seinem
Einfluss auf Zürich. Das imponirt mir
sehr wenig. Wenn sich Jung mit seinen
Neuerungen auf dem Holzwege befindet
wie sehr warscheinlich, werden Sie bald
erleben wie geringer Einfluss auch
die shr lebhafte Entwicklg. der PA
von ihm u Z. ausgehen wird. Die Züricher
Gruppe überschätzt ihre Bedeutung
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S.
woran ich selbst viel Schuld habe. Jung ist
mir in so kurzer Zeit persönlich so völlig
entbehrlich geworden daß ich mich in die
frühere Situation kaum zurück finden kann.
Seine wissenschaftlichen Irrtümer ent=
schädigen nicht für seine hässlichen Eigen=
schaften.
Ihre Einladung für Ostern muss ich dankend
ablehnen. Ich nehme mir auch nur 4 Tage Zeit
u will in diesen meine kleine Tochter
von Meran abholen. Sonst bin ich wirklich
überbeschäftigt, mein Kranksein hat aber
wenig Rolle gespielt, ich brauchte ihm
nicht eine Behandlungsstunde zu opfern.
Nun freuen Sie sich u arbeiten
kühn.
Mit herzlichen Grüßen an Ihre
tapfere Hausfrau
Ihr ergebener
Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
C17F28