• S.

                                             16. Dez 12

    PROF. DR. FREUD          WIEN, IX. BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor

    Gewiss Sie haben schönen Mut wie ihn

    der Mann haben soll. Sie arbeiten und

    zeugen und verdienen, daß beide Werke

    gut geraten. Sie haben Recht von der Unsicherheit die noch über Ihnen schwebt,

    so zu abstrahieren wie wir Leichtsinnigen

    alle von der unsrigen.

    Ich bin darauf gefasst, daß ich auf Grund

    meines Unfalles in München für

    einen Kandidaten der Ewigkeit erklärt

    werde. Stekel schrieb unlängst

    über mich mein Benehmen zeige schon

    den "Hipokritischen Zug" (sic!). Sie können

    es alle kaum erwarten, aber ich kann

    Ihenen antworten wie Mark Twain

    in ähnlichem Fall "Nachrichten von

    meinem Tid stark übertrieben".

    Ich arbeite vielmehr - endlich - an der

    dritten Übereinstimmung für

    die Imago, die nur den Weg zur vierten auf die ich mich sehr freue, bahnen soll.

    Meiner Tochter geht es sehr gut. Von

    Bleuler gabe ich gehört. Er hat sogar

    gedroht, mich um specielle Aufklärungen

  • S.

    zu bitten, wozu ich sehr gerne bereit bin.

    Er thut immerso - als verstünde er plötzlich

    dies oder jenes nicht.

    Unsere Zeitschrift ist im Druck und Wird im

    Januar erscheinen.

    Ich muss Sie in Betreff der Frau Dietzgen

    um ein paar aufklärende Worte bitten.

    Der Mann hat mir geschrieben und zwei

    Briefe von Dr. Heymann beigelegt, in

    denen der Psychose widersprochen wird.

    Es war mir aber auch nicht möglich aus

    den diplomatischen Wendungen dieser

    Briefe etwas Greifbares zu entnehmen.

    Ich versprach dem Manne Antwort zu

    geben nachdem ich mich an Sie gewendet

    hätte.

    Ich grüsse Sie mit Frau u Kindern

    herzlich. Ihr Herr Sohn bestätigt

    ja ganz unsere damalige Auffassung

    seines Benehmens.

    Ihr Freud