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S.
Lieber Herr Doktor
Eine unangenehme Überraschung, daß Sie vor einer Blinddarm Operation stehen. Hoffentlich ghet es Ihnen dann so gut wie meiner jüngsten Tochter. Es sind aber noch Monate bis dahin?
Ich weiß nicht warum die Arbeit von Kronfeld an verschiedenen Stellen soviel Eindruck gemacht hat. Ich habe nichts Lobenswertes an ihr gefunden bis auch den bürgerlichen anständigen Ton. Die Sicherheit mit der er die PA a priori widerlegt ist nicht größer als die mit welcher jeder Philosoph irgend einer Richtung alle anderen Richtungen abthut. Sein Argument gegen die Einmengung der Erfahrung ist ein schmähliches Sophisma, nebenbei eine Frechheit. Ich hoffe, die Gemüter werden sich auch darüber beruhigen.
Wir verlieren also unseren Lieben Geh. Rat Ziehen aus Berlin? Ja warum denn? Wissen Sie nichts darüber? Er muss ja jünger sein als ich.
Daß Sie in Ihrer Arbeit nicht weiter gekommen sind, kränkt mich, denn nun besorge ich,
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S.
sie wird überhaupt nicht werden, u dann wir es Ihr Schicksal sein sich vom Schlachtfeld zurückzuziehen, wozu Sie noch weniger Recht hätten als Ziehen. (Ich hätte da leicht einen Verdichtungswitz machen können).
Von mir werden Sie unterdessen zwei weitere S.A. erhalten haben. Tagensbedarf, nichts Besonderes. Gute Dinge gedeihen nicht bei solcher Praxis u so erfordeter Fruchtbarkeit. Unsere "Imago", die in zwei Wochen oder weniger vorliegen wird, empfehle ich Ihrem Interesse. Ich schreibe jetzt an einem Aufsatz über das Tabu der Wilden, der die PA in die Völkerpsychologie einschmuggeln soll. Im Verein geht es lebhaft und doch friedlich zu, seitdem die Adler-pest getilgt ist.
Von unseren Gesundheitszuständen ist zum Glück wenig zu berichten, Also zumeist befriedigend. Von dem bei Ihnen hoffe ich auch nur Gtes zu hören u darf den ursprünglichen Darmkatarrh wol vernachlässigen.
Grüßen Sie mir Ihre liebe Frau u Stockmayer herzlich.
Ihre getreu ergebener
Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Österreich
Brückenstrasse 9
Sanatorium Bellevue
Kreuzlingen 8280
Schweiz
C17F27