S.
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sexuelle Handlung ausführen würde. Das Ich verzichtet
auf diese ihm zustehenden Funktionen, um nicht
eine neuerliche Verdrängung vornehmen zu müßen,
um einem Konflikt mit dem Es auszuweichen.Andere Hem̄ungen erfolgen offenbar im
Dienste der Selbstbestrafung, wie nicht selten die
der beruflichen Tätigkeiten. Das Ich darf diese
Dinge nicht thun, weil sie ihm Nutzen und Erfolg
bringen würden, was das gestrenge Überich
versagt hat. Dann verzichtet das Ich auch auf
diese Leistungen, um nicht in Konflikt mit
dem Überich zu geraten.Die allgemeineren Hem̄ungen des Ichs folgen einem
einfachen anderen Mechanismus. Wenn das
Ich durch eine psychische Aufgabe von besonderer
Schwere in Anspruch genom̄en ist wie zB
durch eine Trauer, eine großartige
Affektunterdrückung, durch die Nötigung
beständig aufsteigende sexuelle Phantasien
niederzuhalten, dann verarmt es so sehr
an der ihm verfügbaren Energie, daß
es seinenAufwand an vielen Stellen zugleich ein-Leistung
schränken muß wie ein Spekulant, der
seine Gelder in seinen Unternehmungen
immobilisirt hat. Ein lehrreiches Beispiel einer
solchen intensiven Allgemeinhem̄ung von
kurzer Dauer konnte ich an einem
Zwangskranken beobachten, der in eine
lähmende Müdigkeit von ein‑ bis mehr-
tägiger Dauer bei Anlässen verfiel, die
offenbar einen Wutausbruch hätten herbei-
führen sollen. Von hier aus muß auch ein
Weg zum Verständnis der Allgemeinhem-
mung zu finden sein, durch die sich die
Depressionszustände und der schwerste derselben,
die Melancholie, kennzeichnen.Man kann also abschließend über die Hem̄ungen
sagen, sie seien Einschränkungen der
Ichfunktionen, entweder aus Vorsicht
oder infolge von Energieverarmung. Es
ist nun leicht zu erkennen, worin sich die Hem-
mung vom Symptom unterscheidet. Das Symptombol
kann nicht mehr als ein Vorgang in oder
am Ich beschrieben werden.II
Die Grundzüge der Symptombildung sind
längst studiert und in hoffentlich unanfecht-
barer Weise ausgesprochen worden. Das
Symptom sei Anzeichen und Ersatz einer
unterbliebenen Triebbefriedigung, ein Erfolg
des Verdrängungsvorganges. Die Verdräng-
ung geht vom Ich aus, das, eventuell im
Auftrage des Überichs, eine im Es angeregte
Triebbesetzung nicht mitmachen will. Das IchS.
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erreicht durch die Verdrängung, daß die Vorstellung,
welche der Träger der unliebsamen Regung war,
vom Bewußtwerden abgehalten wird. Die
Analyse weist nach daß sie als unbewußte Formation
erhalten geblieben ist. So weit wäre es klar,
aber bald beginnen die unerledigten Schwierig-
keiten.Unsere bisherigen Beschreibungen des Vorgangs
bei der Verdrängung haben den Erfolg
der Abhaltung vom Bewußtsein nachdrück-
lich betont, aber in anderen Punkten
Zweifel offen gelassen. Es entsteht die Frage,
was ist das Schicksal der im Es aktivirten
Triebregung, dienachauf Befriedigung abzielt?
Die Antwort war eine indirekte, sie lautete,
durch den Vorgang der Verdrängung werde die
zu erwartende Befriedigungslust in Unlust
verwandelt, und dann stand man vor dem
Problem, wie Unlust das Ergebnis einer Trieb-
befriedigung sein könne. Wir hoffen den
Sachverhalt zu klären, wenn wir die bestim̄te
Aussage machen, der im Es beabsichtigte Erreg-
ungsablauf komme infolge der Verdrängung
überhaupt nicht zustande, es gelingt dem Ich,
ihn zu inhibiren oder abzulenken. Dann
entfällt das Rätsel der „Affektverwandlung“
bei der Verdrängung. Wir haben aber
damit dem Ich das Zugeständnis gemacht, daß
es einen so weitgehenden Einfluß auf
die Vorgänge im Es äußern kann und
sollen verstehen lernen, auf welchem Wege
ihm diese überraschende Machtentfaltung
möglich wird.Ich glaube, dieser Einfluß fällt dem Ich zu infolge
seinerderinnigen Beziehungen zum Wahrnehmungs-
system, die ja sein Wesen ausmachen und der
Grund seiner Differenzierung vom Es geworden
sind. Die Funktion dieses Systems, das wir W‑Bw
genannt haben, ist mit dem Phänomen des Be-
wußtseins verbunden; es empfängt Erregungen
nicht nur von außen, sondern auch von in̄en
her und mittels der Lust‑Unlustempfindungen,
die es von daher erreichen,lenktversucht es, alle
Abläufe des seelischen Geschehens im Sinne des
Lustprinzips zu lenken. Wir stellen uns das
Ich so gerne als ohnmächtig gegen das Es vor,
aber wenn es sich gegen einen Triebvor-
gang im Es sträubt, so braucht es blos
ein Unlustsignal zu geben, um seine
Absicht durch die Hilfe der beinahe all-
mächtigen Instanz des Lustprinzips zu
erreichen. Wenn wir diese Situation für
einen Augenblick isolirt betrachten, können
wir sie durch ein Beispiel aus einer anderenS.
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Sphäre
isolirillustriren. In einem Staate wehre
sich eine gewisse Clique gegen eine Maß-
regel, deren Beschluß den Neigungen der Maße
entsprechen würde. Diese Minderzal bemächtigt
sich dann der Presse bearbeitet durch sie
die souvereine „öffentliche Meinung“ und
setzt es so durch, daß der geplante Beschluß
unterbleibt.An die eine Beantwortung knüpfen weitere
Fragestellungen an. Woher rührt die Energie,
die zur Erzeugung des Unlustsignals ver-
wendet wird? Hier weist uns die Idee den
Weg, daß die Abwehr eines unerwünschten
Vorganges im Inneren nach dem Muster
der Abwehr gegen einen äußeren Reiz
geschehen durfte, daß das Ich den gleichen Weg
der Verteidigung gegen die innere wie
gegen die äußere Gefahr einschlägt. Bei äußerer
Gefahr unternim̄t das organische Wesen
einen Fluchtversuch, es zieht zunächst die
Besetzung von der Wahrnehmung des
Gefährlichen ab; später erkennt es als das
wirksamere Mittel, solche Muskelaktionen
vorzunehmen, daß die Wahrnehmung der
Gefahr, auch wenn man sie nicht verhindertweigert,
unmöglich wird, also sich dem Wirkungsbe-
reich der Gefahr zu entziehen. Einem solchen
Fluchtversuch gleichwertig ist auch die Verdräng-
ung. Das Ich zieht die (vorbewußte) Besetzung
von der zu verdrängenden Triebreprae-
sentanz ab und verwendet sie für die
Unlust‑(Angst‑)Entbindung. Das Problem, wie bei der
Verdrängung die Angst entsteht, mag kein
einfaches sein; im̄erhin hat man das Recht
an der Idee festzuhalten, daß das Ich die
eigentliche Angststätte ist, und die frühere
Auffassung zurückzuweisen, die Besetzungs-
energie der verdrängten Regung werdein
automatisch in Angst verwandelt. Wenn ich mich früher
einmal so geäußert habe, so gab ich eine phänom-
enologische Beschreibung, nicht eine metapsycholog-
ische Darstellung.Aus dem Gesagten leitet sich die neue Frage ab,
wie es ökonomisch möglich ist, daß ein bloßer
Abziehungs‑ und Abfuhrvorgang wie beimZurRückzug der vorbewußten Ichbesetzung
Unlust oder Angst erzeugen könne, die nach
unseren Voraussetzungen nur Folge gesteig-
erter Besetzung sein kann. Ich antworte,
diese Verursachung soll nichtoekonomisch
erklärt werden, die Angst wird bei der
Verdrängung nicht neu erzeugt, sondern
als Affektzustand nach einem vorhandenenS.
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Erinnerungsbild reproduzirt. Mit der weiteren Frage
nach der Herkunft dieser Angst – wie der Affekte
überhaupt – verlassen wir aber den unbestritten
psychologischen Boden und betreten das Grenzgebiet
der Physiologie. Die Affektzustände sind dem Seel-
enleben als Niederschläge uralter traumatischer
Erlebniße einverleibt und werden in ähnlichen
Situationen wie Erinnerungssymbole wachgerufen.
Ich meine, ich hatte nicht Unrecht, sie den spät und
individuell erworbenen hysterischen Anfällen
gleichzusetzen und als deren Normalvorbilder
zu betrachten. Beim Menschen und ihm verwandten
Geschöpfen scheint der Geburtsakt als das erste indiv-
uelle Angsterlebnis dem Ausdruck des Angstaffekts
charakteristische Züge geliehen zu haben. Wir sollen
aber diesen Zusam̄enhang nicht überschätzen
und in seiner Anerken̄ung nicht übersehen,
daß ein Affektsymbol für die Situation der
Gefahr eine biologische Notwendigkeit ist und
auf jeden Fall geschaffen worden wäre. Ich
halte es auch für unberechtigt anzunehmen
daß bei jedem Angstausbruch etwas im Seelen-
leben vor sich geht, was einer Reproduktion
der Geburtssituation gleichkom̄t. Es ist nicht einmal
sicher, ob die hysterischen Anfälle, die ursprüng-
lich solche traumatische Reproduktionen sind, diesen Charakter
dauernd bewahren.Ich habe an anderer Stelle ausgeführt, daß die meisten
Verdrängungen, mit denen wir bei der therapeut-
ischen Arbeit zu thun bekom̄en, Fälle von Nach-
drängen sind. Sie setzen früher erfolgte Urverdräng-
ungen voraus, die auf die neuere Situation ihren
anziehenden Einfluß ausüben. Von diesen Hinter-
gründen und Vorstufen der Verdrängung ist
noch viel zu wenig bekannt. Man kommt
leicht in Gefahr, die Rolle des Überichs bei
der Verdrängung zu überschätzen. Man kann es
derzeit nicht beurteilen, ob etwa das Auftreten
des Überichs die Abgrenzung zwischen Urver-
drängung und Nachdrängen schafft. Die ersten
– sehr intensiven – Angstausbrüche erfolgen jeden-
falls vor der Differenzierung des Überichs.
Es ist durchaus plausibel, daß quantitative Momente
wie die übergroße Stärke der Erregung
und der Durchbruch des Reizschutzes die nächsten
Anläße der Urverdrängungen sind.Die Erwähnung des Reizschutzes mahnt uns wie ein
Stichwort, daß die Verdrängungen in zwei
unterschiedenen Situationen auftreten, näm-
lich wenn eine unliebsame Triebregung
durch eine äußere Wahrnehmung wachgerufen
wird, und wenn sie ohne solche Provokation
im Inneren auftaucht. Wir werden später
auf diese Verschiedenheit zurückkommen.S.
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Reizschutz gibt es aber nur gegen äußere Reize, nicht
gegen innere Triebansprüche.Solange wir den Fluchtversuch des Ichs studiren,
bleiben wir der Symptombildung ferne. Das
Symptom entsteht aus der durch die Verdräng-
ung beeinträchtigten Triebregung. Wennderdas Ich durch die Inanspruchnahme des Unlust-
signals seine Absicht erreicht, die Trieb-
regung völlig zu unterdrücken, erfahren
wir nichts darüber, wie das geschieht. Wir
lernen nur aus den Fällen, die als mehr
oder minder misglückte Verdrängungen zu
bezeichnen sind.Dann stellt es sich im Allgemeinen so dar, daß
die Triebregung zwar trotz der Verdrängung
einen Ersatz gefunden hat, aber einen
stark verküm̄erten, verschobenen, gehem̄ten.
Er ist auch als Befriedigung nicht mehr kenntlich.
Wenn er vollzogen wird, kom̄t keine Lust-
empfindung zu Stande, dafür hat dieser
Vollzug den Charakter des Zwanges an-
genom̄en. Aber bei dieser Erniedrigung ders
Befriedigungshandlungablaufes zum Symptom zeigt
die Verdrängung ihre Macht noch in
einem anderen Punkte. Der Ersatzvor-
gang wird wo möglich, vomn der Abfuhr durch
die Motilität ferngehalten; auch wo
dies nicht gelingt, muß er sich in der Ver-
änderung des eigenen Körpers erschöpfen
und darf nicht auf die Außenwelt
übergreifen; es wird ihm verwehrt, sich
in Handlung umzusetzen. Wir verstehen,
bei der Verdrängung arbeitet das
Ich unter dem Einfluß der äußeren
Realität und schließt darum den Erfolg
des Ersatzvorganges von dieser Realität
ab.Das Ich beherrscht den Zugang zum Be-
wußtsein wie den Übergang zur Handlung
gegen die Außenwelt; in der Verdräng-
ung betätigt es seine Macht nach beiden
Richtungen; die Triebrepraesentanz be-
kom̄t die eine, die Triebregung selbst
die andere Seite seiner Kraftäußer-
ung zu spüren. Da ist es denn am
Platze, sich zu fragen, wie diese Aner-
kennung der Mächtigkeit des Ichs
mit der Beschreibung zusam̄enkovt, die
wir in der Studie „Das Ich und das
Es“ von der Stellung desselben
Ichs entworfen haben. Wir haben dort
die Abhängigkeit des Ichs vom Es wie
vom Übericch geschildert, seine OhnmachtS.
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und Angstbereitschaft gegen beide, seine
mühsam aufrecht erhaltene Überheblichkeit
entlarvt. DiesesBildUrteil hat seither einen starken
Widerhall in der psychoanalytischen Literatur
gefunden. Zalreiche Stimmen betonen ein-
dringlich die Schwäche des Ichs gegen das Es,
des Rationellen gegen das Daemonische in
uns und schicken sich an, diesen Satz zu einem
Grundpfeiler einer psychoanalytischen „Welt-
anschauung“ zu machen. Sollte nicht die Ein-
sicht in die Wirkungsweise der Verdräng-
ung gerade den Analytiker von so
extremer Parteinahme zurückhalten?Ich bin überhaupt nicht für die Fabrik-
ation von „Weltanschauungen“. Die über-
lasse mangestrostden Philosophen, die
eingestandener Maßen die Lebensreise
ohne einen solchen Baedeker, der über
alles Auskunft giebt, nicht ausführbar finden.
Nehmen wir demütig die Verachtung auf uns,
mit der die Philosophen vom Standpunkt
ihrer höheren Bedürftigkeit auf uns herab-
schauen. Da auch wir unseren narzißtischen
Stolz nicht verleugnen können, wollen
wir unseren Trost in der Erwägungfindensuchen,
daß alle diese „Lebensführer“ rasch veralten,
daß es gerade unsere kurzsichtig beschränkte
Kleinarbeit ist, welche deren Neuauflagen
notwendig macht, und daß selbst die modern-
sten dieser Baedeker Versuche sind, den
alten, so bequemen und so vollständigen
Katechismus zu ersetzen. Wir wissen genau,
wie wenig Licht die Wissenschaft bisher
überaufdie Rätsel dieser Welt verbreiten
konnte; alles Poltern der Philosophen
kann daran nichts ändern, nur geduldige
Fortsetzung der Arbeit, die alles der einen
Forderungdernach Gewißheit unterordnet,
kann langsam Wandel schaffen. Wenn
der Wanderer in der Dunkelheit singt,
verleugnet er seine Ängstlichkeit, aber
er sieht darum um nichts heller.III
Um zum Problem des Ichs zurückzu-
kehren: Der Anschein des Widerspruches kom̄t
daher, daß wir Abstraktionen zu starr
nehmen und aus einem komplizirten
Sachverhalt bald die eine, bald die andere
Seite allein herausgreifen. Die Scheidung
des Ichs vom Es scheint gerechtfertigt, sie wird
uns durch bestim̄te Verhältniße aufgedrängt.
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
1926-001/1926.01/2