Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
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    sexuelle Handlung ausführen würde. Das Ich verzichtet 
    auf diese ihm zustehenden Funktionen, um nicht 
    eine neuerliche Verdrängung vornehmen zu müßen, 
    um einem Konflikt mit dem Es auszuweichen.

    Andere Hem̄ungen erfolgen offenbar im 
    Dienste der Selbstbestrafung, wie nicht selten die 
    der beruflichen Tätigkeiten. Das Ich darf diese 
    Dinge nicht thun, weil sie ihm Nutzen und Erfolg 
    bringen würden, was das gestrenge Überich 
    versagt hat. Dann verzichtet das Ich auch auf 
    diese Leistungen, um nicht in Konflikt mit 
    dem Überich zu geraten.

    Die allgemeineren Hem̄ungen des Ichs folgen einem 
    einfachen anderen Mechanismus. Wenn das 
    Ich durch eine psychische Aufgabe von besonderer 
    Schwere in Anspruch genom̄en ist wie zB 
    durch eine Trauer, eine großartige 
    Affektunterdrückung, durch die Nötigung 
    beständig aufsteigende sexuelle Phantasien 
    niederzuhalten, dann verarmt es so sehr 
    an der ihm verfügbaren Energie, daß 
    es seinen Leistung Aufwand an vielen Stellen zugleich ein-
    schränken muß wie ein Spekulant, der 
    seine Gelder in seinen Unternehmungen 
    immobilisirt hat. Ein lehrreiches Beispiel einer 
    solchen intensiven Allgemeinhem̄ung von 
    kurzer Dauer konnte ich an einem 
    Zwangskranken beobachten, der in eine 
    lähmende Müdigkeit von ein‑ bis mehr-
    tägiger Dauer bei Anlässen verfiel, die 
    offenbar einen Wutausbruch hätten herbei-
    führen sollen. Von hier aus muß auch ein 
    Weg zum Verständnis der Allgemeinhem-
    mung zu finden sein, durch die sich die 
    Depressionszustände und der schwerste derselben, 
    die Melancholie, kennzeichnen.

    Man kann also abschließend über die Hem̄ungen 
    sagen, sie seien Einschränkungen der 
    Ichfunktionen, entweder aus Vorsicht 
    oder infolge von Energieverarmung. Es 
    ist nun leicht zu erkennen, worin sich die Hem-
    mung vom Symbolptom unterscheidet. Das Symptom 
    kann nicht mehr als ein Vorgang in oder 
    am Ich beschrieben werden.

    II

    Die Grundzüge der Symptombildung sind 
    längst studiert und in hoffentlich unanfecht-
    barer Weise ausgesprochen worden. Das 
    Symptom sei Anzeichen und Ersatz einer 
    unterbliebenen Triebbefriedigung, ein Erfolg
    des Verdrängungsvorganges. Die Verdräng-
    ung geht vom Ich aus, das, eventuell im 
    Auftrage des Überichs, eine im Es angeregte 
    Triebbesetzung nicht mitmachen will. Das Ich 

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    erreicht durch die Verdrängung, daß die Vorstellung, 
    welche der Träger der unliebsamen Regung war, 
    vom Bewußtwerden abgehalten wird. Die 
    Analyse weist nach daß sie als unbewußte Formation 
    erhalten geblieben ist. So weit wäre es klar, 
    aber bald beginnen die unerledigten Schwierig-
    keiten.

    Unsere bisherigen Beschreibungen des Vorgangs 
    bei der Verdrängung haben den Erfolg 
    der Abhaltung vom Bewußtsein nachdrück-
    lich betont, aber in anderen Punkten 
    Zweifel offen gelassen. Es entsteht die Frage, 
    was ist das Schicksal der im Es aktivirten 
    Triebregung, die nach auf Befriedigung abzielt? 
    Die Antwort war eine indirekte, sie lautete,
    durch den Vorgang der Verdrängung werde die 
    zu erwartende Befriedigungslust in Unlust 
    verwandelt, und dann stand man vor dem 
    Problem, wie Unlust das Ergebnis einer Trieb-
    befriedigung sein könne. Wir hoffen den 
    Sachverhalt zu klären, wenn wir die bestim̄te 
    Aussage machen, der im Es beabsichtigte Erreg-
    ungsablauf komme infolge der Verdrängung 
    überhaupt nicht zustande, es gelingt dem Ich, 
    ihn zu inhibiren oder abzulenken. Dann 
    entfällt das Rätsel der „Affektverwandlung“ 
    bei der Verdrängung. Wir haben aber 
    damit dem Ich das Zugeständnis gemacht, daß 
    es einen so weitgehenden Einfluß auf 
    die Vorgänge im Es äußern kann und 
    sollen verstehen lernen, auf welchem Wege 
    ihm diese überraschende Machtentfaltung 
    möglich wird.

    Ich glaube, dieser Einfluß fällt dem Ich zu infolge 
    seiner der innigen Beziehungen zum Wahrnehmungs-
    system, die ja sein Wesen ausmachen und der 
    Grund seiner Differenzierung vom Es geworden 
    sind. Die Funktion dieses Systems, das wir W‑Bw 
    genannt haben, ist mit dem Phänomen des Be-
    wußtseins verbunden; es empfängt Erregungen 
    nicht nur von außen, sondern auch von in̄en 
    her und mittels der Lust‑Unlustempfindungen, 
    die es von daher erreichen, lenkt versucht es, alle 
    Abläufe des seelischen Geschehens im Sinne des 
    Lustprinzips zu lenken. Wir stellen uns das 
    Ich so gerne als ohnmächtig gegen das Es vor, 
    aber wenn es sich gegen einen Triebvor-
    gang im Es sträubt, so braucht es blos 
    ein Unlustsignal zu geben, um seine 
    Absicht durch die Hilfe der beinahe all-
    mächtigen Instanz des Lustprinzips zu 
    erreichen. Wenn wir diese Situation für 
    einen Augenblick isolirt betrachten, können 
    wir sie durch ein Beispiel aus einer anderen 

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    Sphäre isolir illustriren. In einem Staate wehre 
    sich eine gewisse Clique gegen eine Maß-
    regel, deren Beschluß den Neigungen der Maße 
    entsprechen würde. Diese Minderzal bemächtigt 
    sich dann der Presse bearbeitet durch sie 
    die souvereine „öffentliche Meinung“ und 
    setzt es so durch, daß der geplante Beschluß 
    unterbleibt.

    An die eine Beantwortung knüpfen weitere 
    Fragestellungen an. Woher rührt die Energie, 
    die zur Erzeugung des Unlustsignals ver-
    wendet wird? Hier weist uns die Idee den 
    Weg, daß die Abwehr eines unerwünschten 
    Vorganges im Inneren nach dem Muster 
    der Abwehr gegen einen äußeren Reiz 
    geschehen durfte, daß das Ich den gleichen Weg 
    der Verteidigung gegen die innere wie 
    gegen die äußere Gefahr einschlägt. Bei äußerer 
    Gefahr unternim̄t das organische Wesen 
    einen Fluchtversuch, es zieht zunächst die 
    Besetzung von der Wahrnehmung des 
    Gefährlichen ab; später erkennt es als das 
    wirksamere Mittel, solche Muskelaktionen 
    vorzunehmen, daß die Wahrnehmung der 
    Gefahr, auch wenn man sie nicht verhindertweigert, 
    unmöglich wird, also sich dem Wirkungsbe-
    reich der Gefahr zu entziehen. Einem solchen 
    Fluchtversuch gleichwertig ist auch die Verdräng-
    ung. Das Ich zieht die (vorbewußte) Besetzung 
    von der zu verdrängenden Triebreprae-
    sentanz ab und verwendet sie für die 
    Unlust‑(Angst‑)Entbindung. Das Problem, wie bei der 
    Verdrängung die Angst entsteht, mag kein 
    einfaches sein; im̄erhin hat man das Recht 
    an der Idee festzuhalten, daß das Ich die 
    eigentliche Angststätte ist, und die frühere 
    Auffassung zurückzuweisen, die Besetzungs-
    energie der verdrängten Regung werde in 
    automatisch in Angst verwandelt. Wenn ich mich früher 
    einmal so geäußert habe, so gab ich eine phänom-
    enologische Beschreibung, nicht eine metapsycholog-
    ische Darstellung.

    Aus dem Gesagten leitet sich die neue Frage ab, 
    wie es ökonomisch möglich ist, daß ein bloßer 
    Abziehungs‑ und Abfuhrvorgang wie beim 
    ZurRückzug der vorbewußten Ichbesetzung 
    Unlust oder Angst erzeugen könne, die nach 
    unseren Voraussetzungen nur Folge gesteig-
    erter Besetzung sein kann. Ich antworte, 
    diese Verursachung soll nichtoekonomisch 
    erklärt werden, die Angst wird bei der 
    Verdrängung nicht neu erzeugt, sondern 
    als Affektzustand nach einem vorhandenen 

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    Erinnerungsbild reproduzirt. Mit der weiteren Frage 
    nach der Herkunft dieser Angst – wie der Affekte 
    überhaupt – verlassen wir aber den unbestritten 
    psychologischen Boden und betreten das Grenzgebiet 
    der Physiologie. Die Affektzustände sind dem Seel-
    enleben als Niederschläge uralter traumatischer 
    Erlebniße einverleibt und werden in ähnlichen 
    Situationen wie Erinnerungssymbole wachgerufen. 
    Ich meine, ich hatte nicht Unrecht, sie den spät und 
    individuell erworbenen hysterischen Anfällen 
    gleichzusetzen und als deren Normalvorbilder 
    zu betrachten. Beim Menschen und ihm verwandten 
    Geschöpfen scheint der Geburtsakt als das erste indiv-
    uelle Angsterlebnis dem Ausdruck des Angstaffekts 
    charakteristische Züge geliehen zu haben. Wir sollen 
    aber diesen Zusam̄enhang nicht überschätzen 
    und in seiner Anerken̄ung nicht übersehen, 
    daß ein Affektsymbol für die Situation der 
    Gefahr eine biologische Notwendigkeit ist und 
    auf jeden Fall geschaffen worden wäre. Ich 
    halte es auch für unberechtigt anzunehmen 
    daß bei jedem Angstausbruch etwas im Seelen-
    leben vor sich geht, was einer Reproduktion 
    der Geburtssituation gleichkom̄t. Es ist nicht einmal 
    sicher, ob die hysterischen Anfälle, die ursprüng-
    lich solche traumatische Reproduktionen sind, diesen Charakter 
    dauernd bewahren.

    Ich habe an anderer Stelle ausgeführt, daß die meisten 
    Verdrängungen, mit denen wir bei der therapeut-
    ischen Arbeit zu thun bekom̄en, Fälle von Nach-
    drängen sind. Sie setzen früher erfolgte Urverdräng-
    ungen voraus, die auf die neuere Situation ihren 
    anziehenden Einfluß ausüben. Von diesen Hinter-
    gründen und Vorstufen der Verdrängung ist 
    noch viel zu wenig bekannt. Man kommt 
    leicht in Gefahr, die Rolle des Überichs bei 
    der Verdrängung zu überschätzen. Man kann es 
    derzeit nicht beurteilen, ob etwa das Auftreten 
    des Überichs die Abgrenzung zwischen Urver-
    drängung und Nachdrängen schafft. Die ersten 
    – sehr intensiven – Angstausbrüche erfolgen jeden-
    falls vor der Differenzierung des Überichs. 
    Es ist durchaus plausibel, daß quantitative Momente 
    wie die übergroße Stärke der Erregung 
    und der Durchbruch des Reizschutzes die nächsten 
    Anläße der Urverdrängungen sind.

    Die Erwähnung des Reizschutzes mahnt uns wie ein 
    Stichwort, daß die Verdrängungen in zwei 
    unterschiedenen Situationen auftreten, näm-
    lich wenn eine unliebsame Triebregung 
    durch eine äußere Wahrnehmung wachgerufen 
    wird, und wenn sie ohne solche Provokation 
    im Inneren auftaucht. Wir werden später 
    auf diese Verschiedenheit zurückkommen. 

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    Reizschutz gibt es aber nur gegen äußere Reize, nicht 
    gegen innere Triebansprüche.

    Solange wir den Fluchtversuch des Ichs studiren, 
    bleiben wir der Symptombildung ferne. Das 
    Symptom entsteht aus der durch die Verdräng-
    ung beeinträchtigten Triebregung. Wenn 
    der das Ich durch die Inanspruchnahme des Unlust-
    signals seine Absicht erreicht, die Trieb-
    regung völlig zu unterdrücken, erfahren 
    wir nichts darüber, wie das geschieht. Wir 
    lernen nur aus den Fällen, die als mehr 
    oder minder misglückte Verdrängungen zu 
    bezeichnen sind.

    Dann stellt es sich im Allgemeinen so dar, daß 
    die Triebregung zwar trotz der Verdrängung 
    einen Ersatz gefunden hat, aber einen 
    stark verküm̄erten, verschobenen, gehem̄ten. 
    Er ist auch als Befriedigung nicht mehr kenntlich. 
    Wenn er vollzogen wird, kom̄t keine Lust-
    empfindung zu Stande, dafür hat dieser 
    Vollzug den Charakter des Zwanges an-
    genom̄en. Aber bei dieser Erniedrigung ders 
    Befriedigungshandlungablaufes zum Symptom zeigt 
    die Verdrängung ihre Macht noch in 
    einem anderen Punkte. Der Ersatzvor-
    gang wird wo möglich, vomn der Abfuhr durch 
    die Motilität ferngehalten; auch wo 
    dies nicht gelingt, muß er sich in der Ver-
    änderung des eigenen Körpers erschöpfen 
    und darf nicht auf die Außenwelt 
    übergreifen; es wird ihm verwehrt, sich 
    in Handlung umzusetzen. Wir verstehen, 
    bei der Verdrängung arbeitet das 
    Ich unter dem Einfluß der äußeren 
    Realität und schließt darum den Erfolg 
    des Ersatzvorganges von dieser Realität 
    ab.

    Das Ich beherrscht den Zugang zum Be-
    wußtsein wie den Übergang zur Handlung 
    gegen die Außenwelt; in der Verdräng-
    ung betätigt es seine Macht nach beiden 
    Richtungen; die Triebrepraesentanz be-
    kom̄t die eine, die Triebregung selbst 
    die andere Seite seiner Kraftäußer-
    ung zu spüren. Da ist es denn am 
    Platze, sich zu fragen, wie diese Aner-
    kennung der Mächtigkeit des Ichs 
    mit der Beschreibung zusam̄enkovt, die 
    wir in der Studie „Das Ich und das 
    Es“ von der Stellung desselben 
    Ichs entworfen haben. Wir haben dort 
    die Abhängigkeit des Ichs vom Es wie 
    vom Übericch geschildert, seine Ohnmacht 

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    und Angstbereitschaft gegen beide, seine 
    mühsam aufrecht erhaltene Überheblichkeit 
    entlarvt. Dieses Bild Urteil hat seither einen starken 
    Widerhall in der psychoanalytischen Literatur 
    gefunden. Zalreiche Stimmen betonen ein-
    dringlich die Schwäche des Ichs gegen das Es, 
    des Rationellen gegen das Daemonische in 
    uns und schicken sich an, diesen Satz zu einem 
    Grundpfeiler einer psychoanalytischen „Welt-
    anschauung“ zu machen. Sollte nicht die Ein-
    sicht in die Wirkungsweise der Verdräng-
    ung gerade den Analytiker von so 
    extremer Parteinahme zurückhalten?

    Ich bin überhaupt nicht für die Fabrik-
    ation von „Weltanschauungen“. Die über-
    lasse man gestrost den Philosophen, die 
    eingestandener Maßen die Lebensreise 
    ohne einen solchen Baedeker, der über 
    alles Auskunft giebt, nicht ausführbar finden. 
    Nehmen wir demütig die Verachtung auf uns, 
    mit der die Philosophen vom Standpunkt 
    ihrer höheren Bedürftigkeit auf uns herab-
    schauen. Da auch wir unseren narzißtischen 
    Stolz nicht verleugnen können, wollen 
    wir unseren Trost in der Erwägung finden suchen, 
    daß alle diese „Lebensführer“ rasch veralten, 
    daß es gerade unsere kurzsichtig beschränkte 
    Kleinarbeit ist, welche deren Neuauflagen 
    notwendig macht, und daß selbst die modern-
    sten dieser Baedeker Versuche sind, den 
    alten, so bequemen und so vollständigen 
    Katechismus zu ersetzen. Wir wissen genau, 
    wie wenig Licht die Wissenschaft bisher 
    über auf die Rätsel dieser Welt verbreiten 
    konnte; alles Poltern der Philosophen 
    kann daran nichts ändern, nur geduldige 
    Fortsetzung der Arbeit, die alles der einen 
    Forderung der nach Gewißheit unterordnet, 
    kann langsam Wandel schaffen. Wenn 
    der Wanderer in der Dunkelheit singt, 
    verleugnet er seine Ängstlichkeit, aber 
    er sieht darum um nichts heller.

    III

    Um zum Problem des Ichs zurückzu-
    kehren: Der Anschein des Widerspruches kom̄t 
    daher, daß wir Abstraktionen zu starr 
    nehmen und aus einem komplizirten 
    Sachverhalt bald die eine, bald die andere 
    Seite allein herausgreifen. Die Scheidung 
    des Ichs vom Es scheint gerechtfertigt, sie wird 
    uns durch bestim̄te Verhältniße aufgedrängt.