S.
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dann nach der Regression die als Aggression maskirte
Berührung verfolgte, ist nichts anderes für sie in so
hohem Grade verpönt worden, nichts so geeignet,
zum Mittelpunkt eines Verbotsystems zu werden.
Die Isolierung ist aber Aufhebung der Kontaktmöglich-
keit, Mittel, ein Ding jeder Berührung zu ent-
ziehen, und wenn der Neurotiker auch einen Eindruck
oder eine Tätigkeit durch eine Pause isolirt gibt
er uns symbolisch zu verstehen, daß er die Gedanken
an sie nicht in assoziative Berührung mit
anderen kommen lassen will.So weit reichen unsere Untersuchungen über die
Symptombildung. Es verlohnt sich kaum, sie zu
resumiren, sie sind ergebnisarm und unvoll-
ständig geblieben, haben auch wenig gebracht, was
nicht schon früher bekannt gewesen wäre. Die
Symptombildung bei anderen Affektionen als bei
den Phobien, der Konversionshysterie und der
Zwangsneurose in Betracht zu ziehen, wäre aussichtslos;
es ist zu wenig darüber bekannt. Aber auch schon
aus der Zusam̄enstellung dieser drei Neurosen erhebt
sich ein schwerwiegendes, nicht mehr aufzuschiebendes
Problem. Für alle drei ist die Zerstörung des
Oedipuskomplexes der Ausgang, in allen, nehmen
wir an, die Kastrationsangst der Motor des
Ichsträubens. Aber nur in den Phobien kom̄t solche
Angst zum Vorschein, wird sie eingestanden.
Was ist bei den zwei anderen Formen aus ihr
geworden, wie hat das Ich sich solche Angst erspart?
Das Problem verschärft sich noch, wenn wir an die
vorhin erwähnte Möglichkeit denken, daß die
Angst durch eine Art Vergärung aus der im
Ablauf gestörten Libidobesetzung selbst hervor-
geht, und weiters: steht es fest, daß die Kastrations-
angst der einzige Motor der Verdrängung
(oder Abwehr) ist? Wenn man an die Neurosen
der Frauen denkt, muß man das bezweifeln,
denn so sicher sich der Kastrationskomplex bei
ihnen konstatiren läßt, von einer Kastrations-
angst im richtigen Sinne kann man bei bereits
vollzogener Kastration doch nicht sprechen.VII
Kehren wir zu den infantilen Thierphobien zurück,
wir verstehen diese Fülle doch besser als alle anderen.
Das Ich muß also hier gegen eine libidinöse Objekt-
besetzung des Es (die des positiven oder des
negativen Oedipuskomplexes) einschreiten, weil
es verstanden hat, ihr nachgeben brächte die
Gefahr der Kastration mit sich. Wir haben
das schon erörtert und finden noch Anlaß, uns
einen Zweifel klar zu machen, der von dieser
ersten Diskussion erübrigt ist. Sollen wir
beim kl. Hans (also im Falle des positiven
Oedipuskomplexes) annehmen, daß es die zärtliche
Regung für die Mutter oder die aggressiveS.
34
gegen den Vater ist, welche die Abwehr des Ichs
herausfordert? Praktisch schiene das gleichgiltig,
besonders da die beiden Regungen einander
bedingen, aber ein theoretisches Interesse knüpft
sich an die Frage, weil nur die zärtliche
Strömung für die Mutter als eine rein erotische
gelten kann. Die aggressive istwegwesentlich vom
Destruktionstrieb abhängig, und wir haben im̄er
geglaubt, bei der Neurose wehre sich das Ich
gegen Ansprüche der Libido, nicht der anderen
Triebe. In der Tat sehen wir, daß nach der Bildung
der Phobie die zärtliche Mutterbindung wie
verschwunden ist, sie ist durch die Verdrängung
gründlich erledigt worden, an der aggressiven
Regung hat sich aber die Symptom‑(Ersatz‑)Bildung
vollzogen. Im Falle des Wolfsman̄es
liegt es einfacher, die verdrängte Regung
ist wirklich eine erotische, die feminine
Einstellung zum Vater, und an ihr vollzieht
sich auch die Symptombildung.Es ist fast beschämend, daß wir nach so langer
Arbeit noch im̄er Schwierigkeiten in
der Auffassung der fundamentalsten
Verhältniße finden, aber wir haben uns
vorgenom̄en, nichts zu vereinfachen und
nichts zu verheimlichen. Wenn wir nicht
klar sehen können, wollen wir wenig-
stens die Unklarheiten schart sehen.
Was uns hier im Wege steht, ist offenbar
eine Unebenheit in der Entwicklung
unserer Trieblehre. Wir hatten zuerst
die Organisationen der Libido von der
oralen über die sadistisch‑anale zur
genitalen Stufe verfolgt und dabei alle
Komponenten des Sexualtriebs einander
gleichgestellt. Später erschien uns der Sadismus
als der Vertreter eines anderen, dem
Eros gegensätzlichen Triebes. Die neue Auf-
fassung von den zwei Triebgruppen scheint
die frühere Konstruktion von den
sukzessiven Phasen der Libidoorganisation
zu sprengen. Die hilfreiche Auskunft aus
dieser Schwierigkeit brauchen wir aber
nicht neu zu erfinden. Sie hat sich uns
längst geboten und lautet, daß wir es
kaum jemals mit reinen Triebregungen
zu thun haben, sondern durchwegs mit
Legierungen beider Triebe in verschied-
enen Mengenverhältnißen. Die sadistische
Objektbesetzung hat also auch ein Anrecht,
als eine libidinöse behandelt zu
werden, die Organisationen der Libido
brauchen nicht revidirt zu werden,S.
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die aggressive Regung gegen den Vater kann
mit demselben Anrecht Objekt der Verdräng-
ung werden wie die zärtliche für die
Mutter. Immerhin setzen wir als Stoff für
spätere Überlegung die Möglichkeit bei Seite,
daß die Verdrängung ein Prozeß ist, der
eine besondere Beziehung zur Genital-
organisation der Libido hat, daß das Ich
zu anderen Methoden der Abwehr greift,
wenn es sich der Libido auf anderen Stufen
der Organisation zu erwehren hat, und
setzen wir fort. Ein Fall wie der des kl.
Hans gestattet uns keine Entscheidung; hier
wird zwar eine aggressive Regung durch
Verdrängung erledigt, aber nachdem die
Genitalorganisation bereits erreicht ist.Wir wollen diesmal die Beziehung
zur Angst nicht aus den Augen lassen.
Wir sagten, so wie das Ich die Kastrationsgefahr
erkannt hat, gibt es das Angstsignal und
inhibirt mittels der Lust‑Unlust‑Instanz
auf eine weiter nicht einsichtliche Weise
den bedrohlichen Besetzungsvorgang im Es.
Gleichzeitig vollzieht sich die Bildung der Phobie.
Die Kastrationsangst erhält ein anderes Objekt
und einen entstellten Ausdruck: vom Pferd
gebissen (vom Wolf gefreßen), anstatt vom
Vater kastrirt zu werden. Die Ersatz-
bildung hat zwei offenkundige Vorteile, erstens
daß siede¿einem Ambivalenzkonflikt
ausweicht, denn der Vater ist ein gleichzeitig
geliebtes Objekt und zweitens, daß sie
dem Ich gestattet die Angstentwicklung einzu-
stellen. Die Angst der Phobie ist nämlich
eine fakultative, sie tritt nur auf, wenn ihr Objekt
Gegenstand der Wahrnehmung wird. Das ist ganz
korrekt, nur dann ist nämlich die Gefahr-
situation vorhanden. Von einem abwesenden
Vater braucht man auch die Kastration
nicht zu befürchten. Nun kann man den
Vater nicht wegschaffen, er zeigt sich immer,
wannmaner will. Ist er aber durch das Thier
ersetzt, so braucht man nur den Anblick, d. h.
die Gegenwart des Thieres zu vermeiden, um
frei von Gefahr und Angst zu sein. Der kl. Hans
legt seinem Ich also eine Einschränkung auf, er
produzirt die Hem̄ung, nicht auszugehen, um
nicht mit Pferden zusam̄enzutreffen. Der kleine
Russe hat es noch bequemer, es ist kaum ein
Verzicht für ihn, daß er ein gewißes Bilder-
buch nicht mehr zur Hand nim̄t. Wenn die
schlim̄e Schwester ihm nicht immer wieder
das Bild des aufrechtstehenden Wolfes
in diesem Buch vor Augen halten würde,
dürfte er sich vor seiner Angst gesichert fühlen.S.
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Ich habe früher einmal der Phobie den Charakter
einer Projektion zugeschrieben, indem sie eine
innere Triebgefahr durch eine äußere Wahrnehm-
ungsgefahr ersetzt. Das bringt den Vorteil daß
man sich gegen die äußere Gefahr durch
Flucht und Vermeidung der Wahrnehmung
schützen kann, während gegen die Gefahr
von innen keine Flucht nützen kann.
Meine Bemerkung ist nicht unrichtig, aber sie
bleibt an der Oberfläche. Der Triebanspruch
ist ja nicht an sich eine Gefahr, sondern
nur darum, weil er eine richtige äußere
Gefahr, die der Kastration, mit sich bringt.
So ist im Grunde bei der Phobie doch nur eine äußere
Gefahr durch eine andere ersetzt.
Daß das Ich sich bei der Phobie durch eine Ver-
meidung oder ein Hem̄ungssymptom der
Angst entziehen kann, stim̄t sehr gut zur
Auffassung, diese Angst sei nur ein Affekt-
signal und an der oekonomischen Situation
kann das Auftreten oder Ausblieben einer
Wahnehmung nichts geändert worden.Die Angst der Thierphobien ist also eine Affekt-
reaktion des Ichs auf die Gefahr; die Gefahr,
die hier signalisirt wird, die der Kastration.
Kein anderer Unterschied von der Realangst, die das
Ich normaler Weise in Gefahrsituationen äußert,
als daßder Inhalt der Angst unbewuft bleibtdas Motiv
und nur in einerEntstellung bewußt wird.¿Dieselbe Auffassung wird sich uns, glaube ich, auch
für die Phobien Erwachsener, giltig erweisen,
wenngleich das Material, das die Neurose verar-
beitet, sehr viel reichhaltiger ist und einige
Momente zur Symptombildung hinzukom̄en. Im
Grunde ist es das nämliche. Der Agoraphobe legt
seinem Ich eine Beschrinkung auf, um einer
Triebgefahr zu entgehen. Die Triebgefahr ist
die Versuchung, seinen erotischen Gelüsten
nachzugeben, wodurch er wieder wie in der
Kindheit die Gefahr der Kastration, oder eine
ihr analoge heraufbeschwören würde. Als Beispiel
führe ich den Fall eines jungen Mannes
an, der agoraphob wurde, weil er befürchtete,
den Lockungen von Prostituirten nachzugeben
und sich zur Strafe Syphilis zu holen. Ich weiß
wohl, daß viele Fälle eine komplizirtere
Struktur zeigen, und daß viele andere
verdrängte Triebregungen in die Phobie
einmünden können, aber diese sind nur
auxiliär und haben sich meist nachträglich mit
dem Fundament Kern der Neurose in Ver-
bindung gesetzt. Die Symptomatik der Agora-
phobie wird dadurch komplizirt, daß das Ich
sich nicht damit begnügt, auf etwas zu verzichten;S.
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es thut noch etwas hinzu, um der Situation ihre Gefahr
zu benehmen. Diese Zutat ist gewöhnlich eine zeitliche
Regression in die Kinderjahre (im extremen Fall
bis in den Mutterleib) in Zeiten, in denen man
gegen die heute drohenden Gefahren geschützt war
undtritt als die Bedingung auf, unter derersehe
der Verzicht unterbleiben kann. So kann der
Agoraphobe auf die Straße gehen, wenn er wie
ein kleines Kind von einer Person seines
Vertrauens begleitet wird.Dieselbe RücksichtDas selbe
mag ihm auch gestatten, allein auszugehen, wenn
er sich nur nicht über eine bestim̄te Strecke
von seinem Haus entfernt, nicht in Gegenden
geht, die er nicht gut kennt und wo er den
Leuten nicht bekannt ist. In der Auswal
dieser Bestimmungen zeigt sich der Einfluß
der infantilen Momente, die ihn durch
seine Neurose beherrschen. Ganz eindeutig, auch
ohne solche infantile Regression ist die Phobie vor
dem Alleinsein, die im Grunde der Versuchung
zur einsamen Onanie ausweichen will. Die
Bedingung der infantilen Regression ist natürlich die
zeitliche Entfernung von der Kindheit.Die Phobie stellt sich in der Regel her nachdem unter ge-
wissen Umständen – auf der Strafte, auf der Eisenbahn,
im Alleinsein – ein erster Angstanfall erlebt
worden ist. Dann ist die Angst gebannt, tritt aber
jedesmal wieder auf, wenn die schützende Beding-
ung nicht eingehalten werden kann. Der Mechan-
ismus der Phobie thut als Abwehrmittel gute
Dienste und zeigt eine große Neigung zur Stabil-
ität. Eine Fortsetzung des Abwehrkampfes, der sich
jetzt gegen das Symptom richtet, tritt nicht not-
wendig, ein.VIIIWas wir über die Angst bei den Phobien erfahren
haben, bleibt noch für die Zwangsneurose verwert-
bar. Es ist nicht schwierig, die Situation der Zwangs-
neurose auf die der Phobie zu reduziren. Der
Motor aller späteren Symptombildung ist hier offenbar
die Angst des Ichs vor seinem Überich. Die Feind-
seligkeit des Überichs ist die Gefahrsituation, der
sich das Ich entziehen muß. Hier fehlt jeder
Anschein einer Projektion, die Gefahr ist
durchaus verinnerlicht. Aber wenn wir uns
fragen, was das Ich von seiten des Überichs
befürchtet, so drängt sich die Auffassung auf, daß die
Strafe des Überichs eine Fortbildung der Kastrat-
ionsstrafe ist. Wie das Überich der unpersönlich
gewordene Vater ist, so hat sich die Angst vor
der durch ihn drohenden Kastration zur unbestim̄-
ten sozialen oder Gewissensangst umgewandelt.
Aber diese Angst ist gedeckt, das Ich entzieht sich ihr,
indem es die ihm auferlegten Gebote, Vorsichten
und Bußhandlungen gehorsam ausführt. Wenn es
daran gehindert wird, dann tritt sofort ein
äußerst peinliches Unbehagen auf, in dem wirS.
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das Aequivalent der Angst erblicken dürfen,
das die Kranken selbst der Angst gleichstellen.
Unser Ergebnis lautet also: Die Angst ist die Reaktion
auf die Gefahrsituation; sie wird dadurch erspart,
daß das Ich etwas thut, um die Situation zu
vermeiden oder sich ihr zu entziehen. Man
könnte nun sagen, die Symptome werden geschaffen,
um die Angstentwicklung zu vermeiden, aber
das läßt nicht tief blicken. Es ist richtiger zu
sagen, die Symptome werden geschaffen, um
die Gefahrsituation zu vermeiden, die durch
die Angstentwicklung signalisirt wird. Diese
Gefahr war aber in den bisher betrachteten
Fällen die Kastration oder etwas von ihr
Abgeleitetes.Wenn die Angst die Reaktion des Ichs auf die Gefahr
ist, so liegt es nahe, die traumatische Neurose
welche sich so häufig an überstandene Lebensge-
fahr anschließt, als direkte Folge der Lebens‑ oderTodesangst mit Beiseitesetzung der¿a¿es
Abhängigkeiten des Ichs und der Kastration aufzu-
fassen. Das ist auch von den meisten Beobachtern
der traumatischen Neurosen des letzten Krieges
geschehen, und es ist triumphierend verkündet
worden, nun sei der Beweis erbracht, daß eine
Gefährdung des Selbsterhaltungstriebes eine
Neurose erzeugen könne ohne jede Beteilig-
ung der Sexualität und ohne Rücksicht auf die die komplizirten
Annahmen der Psychoanalyse. Es ist in der Tat
außerordentlich zu bedauern, daß nicht eine
einzige verwertbare Analyse einer traum-
atischen Neurose vorliegt. Nicht wegen des
Widerspruches gegen die ätiologische Bedeut-
ung der Sexualität, denn dieser ist längst
durch die Einführung des Narzißmus aufge-
hoben worden, der die libidinöse Besetzung
des Ichs in eine Reihe mit den Objektbesetz-
ungen bringt und die libidinöse Natur des
Selbsterhaltungstriebes betont, sondern weil wir
durch den Ausfall dieser Analysen die kostbarste
Gelegenheit zu entscheidenden Aufschlüßen über
das Verhältnis zwischen Angst und Symptom-
bildung versäumt haben. Es ist nach allem, was
wir von der Struktur der simpleren Neurosen
des täglichen Lebens wissen, sehr unwahrscheinlich,
daß eine Neurose nur durch die objektive
Tatsache der Gefährdung ohne Beteiligung der
tieferen unbewußten Schichten des seelischen
Apparats zustande kom̄en sollte. Im Unbewußten
ist aber nichts vorhanden, was unserem Begriff
der Lebensvernichtung Inhalt geben kann.
Die Kastration wird sozusagen vorstellbar durch
die tägliche Erfahrung der Trennung vom Darm-
inhalt und durch den bei der Entwöhnung
erlebten Verlust der mütterlichen Brust; etwas
dem Tod Ähnliches ist aber nie erlebt worden,S.
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oder hat wie die Ohnmacht keine nachweisbare Spur
hinterlassen. Ich halte darum an der Vermutung
fest, daß die Todesangst als Analogon der Kastrat-
ionsangst aufzufassen ist, und daß die Situation
auf welche das Ich reagirt, das Verlassensein vom
schützenden Überich – den Schicksalsmächten – ist –,
womit die Sicherung gegen alle Gefahren ein
Ende hat. Außerdem kom̄t in Betracht, daß
bei den Erlebnißen, die zur traumatischen
Neurose führen, äußerer Reizschutz durchbrochen
wird und übergroße Erregungsmengen an den
seelischen Apparat herantreten, so daß hier
die zweite Möglichkeit vorliegt, daß Angst
nicht nur als Affekt signalisirt sondern auch aus den
oekonomischen Bedingungen der Situation
neu erzeugt wird.Durch die letzte Bemerkung, das Ich sei durch regel-
mäßig wiederholte Objektverluste auf die Kastrat-
ion vorbereitet worden, haben wir eine neue
Auffassung der Angst gewonnen. Betrachteten
wir sie bisher als Affektsignal der Gefahr, so
erscheint sie uns nun, da es sich so oft um die
Gefahr der Kastration handelt, als die Reaktion
auf einen Verlust, eine Tren̄ung. Mag auch
mancherlei, was sich sofort ergiebt, gegen diesen
Schluß sprechen, so muß uns doch eine sehr
merkwürdige Übereinstim̄ung auffallen.
Das erste Angsterlebnis des Menschen wenig-
stens ist die Geburt und diese bedeutet
objektiv die Trennung von der Mutter, kön̄te
einer Kastration der Mutter (nach der Gleichung
Kind = Penis) verglichen werden. Nun wäre es sehr
befriedigend, wenn die Angst als Symbol einer
Trennung bei jeder späteren Tren̄ung wieder-
holt würde, aber leider steht einer Verwert-
ung dieses Zusam̄enstim̄ens im Wege, daß ja
die Geburt subjektiv nicht als Tren̄ung
von der Mutter erlebt wird, da diese
als Objekt dem durchaus narzißtischen Foetus
völlig unbekannt ist. Ein anderes Bedenken
wird lauten, daß uns die Affektreaktionen
auf eine Tren̄ung bekannt sind und daß
wir sie als Schmerz und Trauer, nicht als
Angst empfinden. Allerdings erinnern wir
uns, wir haben bei der Diskussion der
Trauer auch nicht verstehen können, warum
sie so schmerzhaft ist.VIII
Es ist Zeit, sich zu besinnen. Wir suchen offenbar
nach einer Einsicht, die uns das Wesen der Angst
erschließt, nach einem Entweder‑Oder, das die
Wahrheit über sie vom Irrtum scheidet. Aber
das ist schwer zu haben, die Angst ist nicht einfach
zu erfassen. Bisher haben wir nichts erreicht
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
1926-001/1926.01/7