S.
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doch alle diese Gefahrsituationen und Angstbedingungen
nebeneinander fortbestehen bleiben und das Ich
auch zu späteren als den adäquaten Zeiten
zur Angstreaktion veranlassen, oder es können
mehrere von ihnen gleichzeitig in Wirksamkeit
treten. Möglicherweise bestehen auch engere
Beziehungen zwischen der wirksamen Gefahrsit-
uation und der Form der auf sie folgenden Neurose.xx)Als wir in einem früheren Stück dieser Untersuch-
ungen auf die Bedeutung der Kastrationsgefahr
bei mehr als einer neurotischen Affektion
stießen, erteilten wir uns die Mahnung, dies
Moment doch nicht zu überschätzen, da es bei
dem gewiß mehr zur Neurose disponirten weib-
lichen Geschlecht doch nicht ausschlaggebend sein
könnte. Wir sehen jetzt, daß wir nicht in Gefahr
sind, die Kastrationsangst für den einzigen
Motor der zur¿¿¿Neurose führenden
Abwehrvorgänge zu erklären. Ich habe an anderer
Stelle auseinandergesetzt, wie die Entwicklung
des kleinen Mädchens durch den Kastrations-
komplex zur zärtlichen Objektbe-
setzung gelenktwezur zärtlichen Obehktbe-
beziehung wird. Gerade beim Weibe scheint dieGefahrsituationAngstbedingung des Objektverlustes die wirk-
samste geblieben zu sein. Wir dürfen ander
ihrer Angstbedingung die kleine Modifikation
anbringen, daß es sich nicht mehr um das Ver-
missen oder den realen Verlust des Objekts
handelt, sondern um den Liebesverlust von
Seiten des Objekts. Da es sicher steht, daß die
Hysterie eine größere Affinität zur Weiblichkeit
hat ebenso wie die Zwangsneurose zur Männlichkeit,
so liegt die Vermutung nahe, die Angstbedingung
des Liebesverlustesstehtspiele bei Hysterie eine ähnliche
Rolle wie die Kastrationsdrohung bei den
Phobien, die Überichangst bei der Zwangsneurose.IX
Was jetzt erübrigt, ist die Behandlung der Be-
ziehungen zwischen Symptombildung und Angst-
entwicklung.Zwei Meinungen darüber scheinen weit verbreitet
zu sein. Die eine nennt die Angst selbst ein
Symptom der Neurose, die andere glaubt an
ein weit innigeres Verhältnis zwischen beiden.
Ihr zufolge würde alle Symptombildung nur
unternommen werden, um der Angst zu
entgehen; die Symptome binden die psychische
Energie, die sonst als Angst abgeführt würde,
so daß die Angst das Grundphänomen
und Hauptproblem der Neurose wäre.XX)Seit der Unterscheidung von Ich und Es mußte auch
unser Interesse an den Problemen der Verdrängung
eine neue Belebung erfahren. Bisher hatte es uns
genügt, die dem Ich zugewendeten Seiten des
Vorgangs, die Abhaltung vom Bewußtsein und
von der Motilität und die Ersatz‑(Symptom‑)Bildung
ins’ Auge zu fassen, von der verdrängten
Triebregung selbst nahmen wir an, sie bleibe
im Unbewußten unbestimmt lange unver-
ändert bestehen. Nun wendet sich das Inter-
esse den Schicksalen des Verdrängten zu,
und wir ahnen, daß ein solcher unveränderter
und unveränderlicher Fortbestand nicht selbst-
verständlich, vielleicht nicht einmal gewöhnlich
ist. Die ursprüngliche Triebregung ist jedenfalls
durch die Verdrängung gehem̄t und von
ihrem Ziel abgelenkt worden. Ist aber ihr
Ansatz im Unbewußten erhalten gebliebenerhalten gebliebenund hat er sich resistent
gegen die verändernden und entwertenden
Einflüße des Lebens erwiesen? Bestehen also
die alten Wünsche noch, von deren früherenm
Existenz uns die Analyse berichtet? Die Ant-
wort scheint naheliegend und gesichert: Die ver-
drängten alten Wünsche müßen im Unbewußten
noch fortbestehen, da wir ihre Abköm̄linge, die
Symptome, noch wirksam finden. Aber sie ist nicht
zureichend, sie läßtnicht zwischen den beidenfür
Möglichkeiten entscheiden, ob der alte Wunsch
jetzt nur durch seine Abköm̄linge wirkt, denen
er all seine Besetzungsenergie übertragen
hat oder ob er außerdem selbst erhalten
geblieben ist. Wenn es sein Schicksal war, sich in
der Besetzung seiner Abköm̄linge zu erschöpfen,
so bleibt noch die dritte Möglichkeit, daß
er im Verlauf der Neurose durch Regression
wiederbelebt wurde, so unzeitgemäß er gegen-
wärtig sein mag. Man braucht diese Erwägungen
nicht für müßig zu halten, vieles an den Erschein-
ungen des krankhaften wie des normalen
Seelenlebens scheintsolche Fragestellungendiese
zu erfordern. In meiner Studie über den
Untergang des Oedipuskomplexes bin ich
auf den Unterschied zwischeneinerder bloßen
Verdrängung undeinerder wirklichen
Aufhebung einer alten Wunschregung auf-
merksam geworden.S.
50
Die zumindest partielle Berechtigung der
zweiten Behauptung läßt sich durch schlagende
Beispiele erweisen. Wenn man einen Agora-
phoben, den man auf die Straße begleitet
hat, dort sich selbst überläßt, produzirt er
einen Angstanfall; wenn man einen Zwangs-
neurotiker daran hindern läßt, sich nach einer
Berührung die Hände zu waschen, wird er
die Beute einer fast unerträglichen Angst. Es ist
also klar, die Bedingung des Begleitetwerdens
und die Zwangshandlung des Waschens hatten
die Absicht und auch den Erfolg, solche Angst-
ausbrüche zu verhüten. In diesem Sinne
kann auch jede Hemmung, die sich das Ich aufer-
legt, Symptom genannt werden.Da wir die Angstentwicklung auf die Gefahrsituation
zurückgeführt haben, werden wir es vorziehen zu
sagen, die Symptome werden geschaffen, um das Ich
der Gefahrsituation zu entziehen. Wird die Symptom-
bildung verhindert, so tritt die Gefahr wirklich ein,
d. h. es stellt sich jene der Geburt analoge Situation
her, in der sich das Ich hilflos gegen den stetig
wachsenden Triebanspruch findet, also die erste
und ursprünglichsteGefahrsituationder Angstbeding-
ungen. Für unsere Anschauung erweisen sich die
Beziehungen zwischen Angst und Symptom weniger
eng als angenom̄en wurde, die Folge davon,
daß wir zwischen beide das Moment der Gefahr-
situation eingeschoben haben. Wir können auch
ergänzend sagen, die Angstentwicklung leite
die Symptombildung ein, ja sie sei eine not-
wendige Voraussetzung derselben, denn wenn
das Ich nicht durch die Angstentwicklung die
Lust‑UnlustInstanz wachrütteln würde, bekäme es
nicht die Macht, den im Es vorbereiteten,
gefahrdrohenden Vorgang aufzuhalten. Dabei
ist die Tendenz unverkennbar, sich auf ein Mindest-
maß von Angstentwicklung zu beschränken, die
Angst nur als Signal zu verwenden, denn sonst
bekäme man die Unlust, dieimdurch den Triebvor-
gang droht, nur an anderer Stelle zu spüren,
was kein Erfolg nach der Absicht des Lustprinzips
wäre, sich aber doch bei den Neurosen
häufig genug ereignet.Die Symptombildung hat also den wirklichen
Erfolg, die Gefahrsituation aufzuheben. Sie hat
zwei Seiten; die eine, die uns verborgen
bleibt, stellt im Es jene Abänderung her,
mittels derensichdasEsIch der Gefahr ent-
zogen wird, die andere uns zugewendete
zeigt, was sie an Stelle des beeinflußten
Triebvorganges geschaffen hat, die Ersatzbildung.S.
51
Wir sollten uns aber korrekter ausdrücken,
dem Abwehrvorgang zuschreiben, was wir eben
von der Symptombildung ausgesagt haben und
den Namen Symptombildung selbst als synonym
mitdem ¿Ersatzbildung gebrauchen. Eswirdscheint dann
klar, daß der Abwehrvorgang analog der Flucht
ist,durch¿¿¿¿die sich das Ich einer von außens¿
drohenden Gefahr entzieht, daßsieer eben einen
Fluchtversuch vor einer Triebgefahr darstellt. Die
Bedenken gegen diesen Vergleich werden uns
zu weiterer Klärung verhelfen. Erstens läßt
sich einwenden, daß der Objektverlust (der Verlust
der Liebe von Seiten des Objekts) und die
Kastrationsdrohung ebensowol Gefahren sind,
die von außen drohen, wie etwa ein reißendes
Thier, also nicht Triebgefahren. Aber es ist doch nicht
derselbe Fall. Der Wolf würde uns wahrschein-
lich anfallen, gleichgiltig, wie wir uns gegen ihn
benehmen; dasie geliebte Person würde uns
aber nicht ihre Liebe entziehen, die Kastration
uns nicht angedroht werden, wenn wir nicht
bestim̄te Gefühle und Absichten in unserem
Inneren nähren würden. So werden diese
Triebregungen zu Bedingungen der äußeren
Gefahr und damit selbst gefährlich, wir können
jetzt die äußere Gefahr durch Maßregeln
gegen innere Gefahren bekämpfen. Bei den
Thierphobien scheint die Gefahr noch durchaus als eine
äußerliche empfunden zu werden, wie sie auch
im Symptom eine äußerliche Verschiebung erfährt.
Bei der Zwangsneurose ist sie weit mehr verinner-
licht, der Anteil der Angst vor dem Überich,
der soziale Angst ist, repraesentirt noch den
innerlichen Ersatz einer äußeren Gefahr, der andere
Anteil, die Gewissensangst, ist durchaus endopsychisch.Ein zweiter Einwand sagt, beim Fluchtversuch
vor einer drohenden äußeren Gefahr thun wir
ja nichts anderes, als daß wir die Raumdistanz
zwischen uns und dem Drohenden vergrößern.
Wir setzen uns ja nicht gegen die Gefahr zur
Wehr, suchen nichts an ihr selbst zu ändern,
wie in dem anderen Falle, daß wir mit
einem Knüttel auf den Wolf losgehen oder
mit einem Gewehr auf ihn schießen. Der Ab-
wehrvorgang scheint aber mehr zu thun, als einem
Fluchtversuch entspricht. Er greift ja in den
drohenden Triebablauf ein, unterdrückt
ihn irgendwie, lenkt ihn von seinem Ziel ab,
macht ihn dadurch ungefährlich. Dieser Einwand
scheint unabweisbar, wir müßen ihm Rechnung
tragen. Wir meinen, es wird wol so sein, daß
es Abwehrvorgänge giebt, die man mit gutem
Recht einem Fluchtversuch vergleichen kann,
während sich das Ich bei anderen weit aktiver
zur Wehre setzt, energische GegenaktionenS.
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vornimmt. Wenn der Vergleich der Abwehr mit
der Flucht nicht überhaupt durch den Umstand gestört
wird, daß das Ich und der Trieb im Es ja Teile derselben
Organisation sind, nicht getrennte Existenzen wie
der Wolf und das Kind, so daß jede Art Ver-
haltens des Ichs auch abändernd auf den Trieb-
vorgang einwirken muß.Durch das Studium der Angstbedingungen haben wir
das Verhalten des Ichs bei der Abwehr sozusagen
in rationeller Verklärung erblicken müßen.
Jede Gefahrsituation entspricht einer gewißen Lebenszeit oder Ent-
wicklungsphase des seelischen Ap-
parats und erscheint für diese berechtigt. Das früh-
kindliche Wesenschist wirklich nicht dafür ausgerüstet, große
Erregungssum̄en, die von außen oder innen
anlangen, psychisch zu bewältigen. Zu einer gewißen
Lebenszeit ist es wirklich das wichtigste Interesse, daß
die Personen, von denen man abhängt, ihre
zärtliche Sorge nicht zurückziehen. Wenn der Knabe
den mächtigen Vater als Rivalen bei der Mutter
empfindet, seiner aggressiven Neigungen gegen ihn
und seiner sexuellen Absichten auf die Mutter
inne wird, hat er ein Recht dazu, sich vor ihm
zu fürchten und die Angst vor seiner Strafe kann
durch phylogenetische Verstärkung sich als Kastrat-
ionsangst äußern. Mit dem Eintritt in soziale
Beziehungen wird die Angst vor dem Überich,
das Gewissen, zur Notwendigkeit, der Wegfall
dieses Moments die Quelle von schweren Kon-
flikten und Gefahren, usw. Aber gerade daran
knüpft sich ein neues Problem.Versuchen wir es, den Angstaffekt für eine Weile
durch einen anderen, zB den Schmerzaffekt zu er-
setzen. Wir halten es für durchaus normal, daß das
Mädchen von 4 Jahren schmerzlich weint, wenn
ihm eine Puppe zerbricht, mit sechs Jahren, wenn
ihm die Lehrerin einen Verweis giebt, mit
16 Jahren, wenn der Geliebte sich nicht um sie be-
küm̄ert, mit 25 Jahren vielleicht, wenn sie
ein Kind begräbt. Jede dieser Schmerzbedingungen
hat ihre Zeit und erlischt mit deren Ablauf,
die letzten, definitiven, erhalten sich dann
durchs Leben. Es würde uns aber auffallen, wenn
dies Mädchen als Frau und Mutter, über die
Beschädigung einer Nippsache weinen würde.
So benehmen sich aber die Neurotiker. In ihrem
seelischen Apparat sind längst alle Instanzen
zur Reizbewältigung innerhalb weiter Grenzen
ausgebildet, sie sind erwachsen genug, um die
meisten ihrer Bedürfniße selbst zu befriedigen,
sie wissen längst, daß die Kastration nicht mehr
als Strafe geübt wird, und doch benehmen sie
sich, als bestünden die alten Gefahrsituationen
noch, sie halten an allen früheren Angst-
bedingungen fest.S.
53
Die Antwort hierauf wird etwas weitläufig aus-
fallen. Sie wird vor allem den Tatbestand zu sichten
haben. In einer großen Anzal von Fällen werden
die alten Angstbedingungen wirklich fallen gelassen,
nachdem sie bereits neurotische Reaktionen erzeugt
haben. Die Phobien der kleinsten Kinder vor Allein-
sein, Dunkelheit und vor Fremden, die beinahe
normal zu nennen sind, vergehen zumeist in
etwas späteren Jahren, sie ,,wachsen sich aus", wie
man von manchen anderen Kindheitsstörungen
sagt. Die so häufigen Tierphobien haben das gleiche
Schicksal, viele der Konversionshysterien der
Kinderjahre finden später keine Fortsetzung. Zere-
moniell in der Latenzzeit ist ein ungemein
häufiges Vorkom̄nis, nur ein sehr geringer
Prozentsatz dieser Fälle entwickelt sich später
zur vollen Zwangsneurose. Die Kinderneurosen
sind überhaupt – soweit unsere Erfahrungen an
den höheren Kulturanforderungen unter-
worfenen Stadtkindern weißer Rasse reichen –
regelmäßige Episoden der Entwicklung, wen̄gleich
ihnen noch immer zu wenig Aufmerksamkeit
geschenkt wird. Man vermißt die Zeichen der Kindheitsneurose
auch nicht bei einem erwachsenen Neurotiker,
während lange nicht alle Kinder, die sie zeigen,
auch später Neurotiker werden. Es müßen also
im Verlaufe der Reifung Angstbedingungen
aufgegeben worden sein und Gefahrsituationen
ihre Bedeutung verloren haben. Dazu kom̄t,
daß einige dieser Gefahrsituationen sich dadurch
in späte Zeiten hinüberretten, daß sie ihre
Angstbedingung zeitgemäßmodifiziren. So erhält¿¿
sich zB die Kastrationsangstalsunter der Maske der Syphiloiphobie,
nachdem man erfahren
hat, daß zwar die Kastration nicht mehr als Strafe für
das Gewährenlassen der sexuellen Gelüste
üblich ist, aber daß dafür schwere Erkrankungen
der Triebfreiheit drohen. Andere der Angstbe-
dingungen sind überhaupt nicht zum Untergang
bestimmt, sondern sollen den Menschen durch’s
Leben begleiten, wie die der Angst vor dem
Überich. Der Neurotiker unterscheidet sich dann
vor den Normalen dadurch, daß er die
Reaktionen auf diese Gefahren übermäßig erhöht.
Gegen die Wiederkehr der ursprünglichen traumatischen
Angstsituation bietet endlich auch das Erwachsensein
keinen zureichenden Schutz; es dürfte für jedermann
eine Grenze geben, über die hinaus sein seel-
ischer Apparatdiein der Bewältigung der Erledig-
ung heischenden Erregungsmengen versagt.S.
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Diese kleinen Berichtigungen können unmög-
lich die Bestimmung haben, an der Tatsache zu
rütteln, die hier erörtert wird, der Tatsache,
daß so viele Menschen in ihrem Verhalten zur
Gefahr infantil bleiben und verjährte Angst-
bedingungen nicht überwinden; dies bestreiten,
hieße die Tatsache der Neurose leugnen,
denn solche Personen heißt man eben Neurot-
iker. Wie ist das aber möglich? Warum sind
nicht alle Neurosen Episoden der Entwicklung,
die mit Erreichung der nächsten Phase abgeschloßen
werden? Woher das Dauermoment in diesen
Reaktionen auf die Gefahr? Woher der Vorzug,
den der Angstaffekt vor allen anderen Affekten
zu genießen scheint, daß er allein Reaktionen
hervorruft, die sich als abnorm von den anderen
sondern und sich als unzweckmäßig dem
Strom des Lebens entgegenstellen? Mit
anderen Worten, wir finden uns unver-
sehens wieder vor der so oft gestellten Vexir-
frage, woher kom̄t die Neurose, was ist
ihr letztes, das ihr besondere Motiv? Nach
jahrzehntelangen analytischen Bemühungen
erhebt sich dies Problem vor uns, unangetastet
wie zu Anfang.XI
Die Angst ist die Reaktion auf die Gefahr. Man kann
doch die Idee nicht abweisen, daß es mit dem
Wesen der Gefahr zusam̄enhängt, wenn sich
der Angstaffekt eine Ausnahmsstellung in
der seelischen Oekonomie erzwingen kann.
Aber die Gefahren sind allgemein menschliche, für
alle Individuen die nämlichen; was wir
brauchen und nicht zur Verfügung haben, ist ein
Moment, das uns die Auslese der Individuen
verständlich macht, die den Angstaffekt trotz
seiner Besonderheit dem normalen seelischen
Betrieb unterwerfen können, oder das be-
stimmt, wer an dieser Aufgabe scheitern muß.
Ich sehe zwei Versuche vor mir, ein solches
Moment aufzudecken; es ist begreiflich, daß
jeder solche Versuch eine sympathische Aufnahme
erwarten darf, da er einem quälenden
Bedürfnis Abhilfe verspricht. Die beiden
Versuche ergänzen einander, indem sie das
Problem an entgegengesetzten Enden an-
greifen. Der erste ist vor mehr als zehn
Jahren von Alfred Adler unternommen
worden; er behauptet, auf seinen innersten
Kern redizirt, daß diejenigen Menschen
an der Bewältigung der durch die Gefahr
gestellten Aufgaben scheitern, denen die
Minderwertigkeit ihrer Organe zu große
Schwierigkeiten bereitet. Bestünde der
Satz Simplex sigillum veri zurecht, so müßte
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
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