Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
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    doch alle diese Gefahrsituationen und Angstbedingungen 
    nebeneinander fortbestehen bleiben und das Ich 
    auch zu späteren als den adäquaten Zeiten 
    zur Angstreaktion veranlassen, oder es können 
    mehrere von ihnen gleichzeitig in Wirksamkeit 
    treten. Möglicherweise bestehen auch engere 
    Beziehungen zwischen der wirksamen Gefahrsit-
    uation und der Form der auf sie folgenden Neurose.xx)

    Als wir in einem früheren Stück dieser Untersuch-
    ungen auf die Bedeutung der Kastrationsgefahr 
    bei mehr als einer neurotischen Affektion 
    stießen, erteilten wir uns die Mahnung, dies 
    Moment doch nicht zu überschätzen, da es bei 
    dem gewiß mehr zur Neurose disponirten weib-
    lichen Geschlecht doch nicht ausschlaggebend sein 
    könnte. Wir sehen jetzt, daß wir nicht in Gefahr 
    sind, die Kastrationsangst für den einzigen 
    Motor der zur ¿¿¿ Neurose führenden 
    Abwehrvorgänge zu erklären. Ich habe an anderer 
    Stelle auseinandergesetzt, wie die Entwicklung 
    des kleinen Mädchens durch den Kastrations-
    komplex zur zärtlichen Objektbe-
    setzung gelenkt we zur zärtlichen Obehktbe-
    beziehung wird. Gerade beim Weibe scheint die 
    Gefahrsituation Angstbedingung des Objektverlustes die wirk-
    samste geblieben zu sein. Wir dürfen an der 
    ihrer Angstbedingung die kleine Modifikation 
    anbringen, daß es sich nicht mehr um das Ver-
    missen oder den realen Verlust des Objekts 
    handelt, sondern um den Liebesverlust von 
    Seiten des Objekts. Da es sicher steht, daß die 
    Hysterie eine größere Affinität zur Weiblichkeit 
    hat ebenso wie die Zwangsneurose zur Männlichkeit, 
    so liegt die Vermutung nahe, die Angstbedingung 
    des Liebesverlustes steht spiele bei Hysterie eine ähnliche 
    Rolle wie die Kastrationsdrohung bei den 
    Phobien, die Überichangst bei der Zwangsneurose.

    IX

    Was jetzt erübrigt, ist die Behandlung der Be-
    ziehungen zwischen Symptombildung und Angst-
    entwicklung.

    Zwei Meinungen darüber scheinen weit verbreitet 
    zu sein. Die eine nennt die Angst selbst ein 
    Symptom der Neurose, die andere glaubt an 
    ein weit innigeres Verhältnis zwischen beiden. 
    Ihr zufolge würde alle Symptombildung nur 
    unternommen werden, um der Angst zu 
    entgehen; die Symptome binden die psychische 
    Energie, die sonst als Angst abgeführt würde, 
    so daß die Angst das Grundphänomen 
    und Hauptproblem der Neurose wäre.

    XX)Seit der Unterscheidung von Ich und Es mußte auch 
    unser Interesse an den Problemen der Verdrängung 
    eine neue Belebung erfahren. Bisher hatte es uns 
    genügt, die dem Ich zugewendeten Seiten des 
    Vorgangs, die Abhaltung vom Bewußtsein und 
    von der Motilität und die Ersatz‑(Symptom‑)Bildung 
    ins’ Auge zu fassen, von der verdrängten 
    Triebregung selbst nahmen wir an, sie bleibe 
    im Unbewußten unbestimmt lange unver-
    ändert bestehen. Nun wendet sich das Inter-
    esse den Schicksalen des Verdrängten zu, 
    und wir ahnen, daß ein solcher unveränderter 
    und unveränderlicher Fortbestand nicht selbst-
    verständlich, vielleicht nicht einmal gewöhnlich 
    ist. Die ursprüngliche Triebregung ist jedenfalls 
    durch die Verdrängung gehem̄t und von 
    ihrem Ziel abgelenkt worden. Ist aber ihr 
    Ansatz im Unbewußten erhalten geblieben 
    erhalten geblieben und hat er sich resistent 
    gegen die verändernden und entwertenden 
    Einflüße des Lebens erwiesen? Bestehen also 
    die alten Wünsche noch, von deren früherenm
    Existenz uns die Analyse berichtet? Die Ant-
    wort scheint naheliegend und gesichert: Die ver-
    drängten alten Wünsche müßen im Unbewußten 
    noch fortbestehen, da wir ihre Abköm̄linge, die 
    Symptome, noch wirksam finden. Aber sie ist nicht 
    zureichend, sie läßt für nicht zwischen den beiden 
    Möglichkeiten entscheiden, ob der alte Wunsch 
    jetzt nur durch seine Abköm̄linge wirkt, denen 
    er all seine Besetzungsenergie übertragen 
    hat oder ob er außerdem selbst erhalten 
    geblieben ist. Wenn es sein Schicksal war, sich in 
    der Besetzung seiner Abköm̄linge zu erschöpfen, 
    so bleibt noch die dritte Möglichkeit, daß 
    er im Verlauf der Neurose durch Regression 
    wiederbelebt wurde, so unzeitgemäß er gegen-
    wärtig sein mag. Man braucht diese Erwägungen 
    nicht für müßig zu halten, vieles an den Erschein-
    ungen des krankhaften wie des normalen 
    Seelenlebens scheint diese solche Fragestellungen 
    zu erfordern. In meiner Studie über den 
    Untergang des Oedipuskomplexes bin ich 
    auf den Unterschied zwischen einer der bloßen 
    Verdrängung und einer der wirklichen 
    Aufhebung einer alten Wunschregung auf-
    merksam geworden.

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    Die zumindest partielle Berechtigung der 
    zweiten Behauptung läßt sich durch schlagende 
    Beispiele erweisen. Wenn man einen Agora-
    phoben, den man auf die Straße begleitet 
    hat, dort sich selbst überläßt, produzirt er 
    einen Angstanfall; wenn man einen Zwangs-
    neurotiker daran hindern läßt, sich nach einer 
    Berührung die Hände zu waschen, wird er 
    die Beute einer fast unerträglichen Angst. Es ist 
    also klar, die Bedingung des Begleitetwerdens 
    und die Zwangshandlung des Waschens hatten 
    die Absicht und auch den Erfolg, solche Angst-
    ausbrüche zu verhüten. In diesem Sinne 
    kann auch jede Hemmung, die sich das Ich aufer-
    legt, Symptom genannt werden.

    Da wir die Angstentwicklung auf die Gefahrsituation 
    zurückgeführt haben, werden wir es vorziehen zu 
    sagen, die Symptome werden geschaffen, um das Ich 
    der Gefahrsituation zu entziehen. Wird die Symptom-
    bildung verhindert, so tritt die Gefahr wirklich ein, 
    d. h. es stellt sich jene der Geburt analoge Situation 
    her, in der sich das Ich hilflos gegen den stetig 
    wachsenden Triebanspruch findet, also die erste 
    und ursprünglichste Gefahrsituation der Angstbeding-
    ungen. Für unsere Anschauung erweisen sich die 
    Beziehungen zwischen Angst und Symptom weniger 
    eng als angenom̄en wurde, die Folge davon, 
    daß wir zwischen beide das Moment der Gefahr-
    situation eingeschoben haben. Wir können auch 
    ergänzend sagen, die Angstentwicklung leite 
    die Symptombildung ein, ja sie sei eine not-
    wendige Voraussetzung derselben, denn wenn 
    das Ich nicht durch die Angstentwicklung die 
    Lust‑UnlustInstanz wachrütteln würde, bekäme es 
    nicht die Macht, den im Es vorbereiteten, 
    gefahrdrohenden Vorgang aufzuhalten. Dabei 
    ist die Tendenz unverkennbar, sich auf ein Mindest-
    maß von Angstentwicklung zu beschränken, die 
    Angst nur als Signal zu verwenden, denn sonst 
    bekäme man die Unlust, die im durch den Triebvor-
    gang droht, nur an anderer Stelle zu spüren, 
    was kein Erfolg nach der Absicht des Lustprinzips 
    wäre, sich aber doch bei den Neurosen 
    häufig genug ereignet.

    Die Symptombildung hat also den wirklichen 
    Erfolg, die Gefahrsituation aufzuheben. Sie hat 
    zwei Seiten; die eine, die uns verborgen 
    bleibt, stellt im Es jene Abänderung her, 
    mittels deren sich das Es Ich der Gefahr ent-
    zogen wird, die andere uns zugewendete 
    zeigt, was sie an Stelle des beeinflußten 
    Triebvorganges geschaffen hat, die Ersatzbildung.

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    Wir sollten uns aber korrekter ausdrücken, 
    dem Abwehrvorgang zuschreiben, was wir eben 
    von der Symptombildung ausgesagt haben und 
    den Namen Symptombildung selbst als synonym 
    mit dem ¿ Ersatzbildung gebrauchen. Es wird scheint dann 
    klar, daß der Abwehrvorgang analog der Flucht 
    ist, ¿¿¿¿ durch s¿ die sich das Ich einer von außen 
    drohenden Gefahr entzieht, daß sie er eben einen 
    Fluchtversuch vor einer Triebgefahr darstellt. Die 
    Bedenken gegen diesen Vergleich werden uns 
    zu weiterer Klärung verhelfen. Erstens läßt 
    sich einwenden, daß der Objektverlust (der Verlust 
    der Liebe von Seiten des Objekts) und die 
    Kastrationsdrohung ebensowol Gefahren sind, 
    die von außen drohen, wie etwa ein reißendes 
    Thier, also nicht Triebgefahren. Aber es ist doch nicht 
    derselbe Fall. Der Wolf würde uns wahrschein-
    lich anfallen, gleichgiltig, wie wir uns gegen ihn 
    benehmen; dasie geliebte Person würde uns 
    aber nicht ihre Liebe entziehen, die Kastration 
    uns nicht angedroht werden, wenn wir nicht 
    bestim̄te Gefühle und Absichten in unserem 
    Inneren nähren würden. So werden diese 
    Triebregungen zu Bedingungen der äußeren 
    Gefahr und damit selbst gefährlich, wir können 
    jetzt die äußere Gefahr durch Maßregeln 
    gegen innere Gefahren bekämpfen. Bei den 
    Thierphobien scheint die Gefahr noch durchaus als eine 
    äußerliche empfunden zu werden, wie sie auch 
    im Symptom eine äußerliche Verschiebung erfährt. 
    Bei der Zwangsneurose ist sie weit mehr verinner-
    licht, der Anteil der Angst vor dem Überich, 
    der soziale Angst ist, repraesentirt noch den 
    innerlichen Ersatz einer äußeren Gefahr, der andere 
    Anteil, die Gewissensangst, ist durchaus endopsychisch.

    Ein zweiter Einwand sagt, beim Fluchtversuch 
    vor einer drohenden äußeren Gefahr thun wir 
    ja nichts anderes, als daß wir die Raumdistanz 
    zwischen uns und dem Drohenden vergrößern. 
    Wir setzen uns ja nicht gegen die Gefahr zur 
    Wehr, suchen nichts an ihr selbst zu ändern, 
    wie in dem anderen Falle, daß wir mit 
    einem Knüttel auf den Wolf losgehen oder 
    mit einem Gewehr auf ihn schießen. Der Ab-
    wehrvorgang scheint aber mehr zu thun, als einem 
    Fluchtversuch entspricht. Er greift ja in den 
    drohenden Triebablauf ein, unterdrückt 
    ihn irgendwie, lenkt ihn von seinem Ziel ab, 
    macht ihn dadurch ungefährlich. Dieser Einwand 
    scheint unabweisbar, wir müßen ihm Rechnung 
    tragen. Wir meinen, es wird wol so sein, daß 
    es Abwehrvorgänge giebt, die man mit gutem 
    Recht einem Fluchtversuch vergleichen kann, 
    während sich das Ich bei anderen weit aktiver 
    zur Wehre setzt, energische Gegenaktionen 

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    vornimmt. Wenn der Vergleich der Abwehr mit 
    der Flucht nicht überhaupt durch den Umstand gestört 
    wird, daß das Ich und der Trieb im Es ja Teile derselben 
    Organisation sind, nicht getrennte Existenzen wie 
    der Wolf und das Kind, so daß jede Art Ver-
    haltens des Ichs auch abändernd auf den Trieb-
    vorgang einwirken muß.

    Durch das Studium der Angstbedingungen haben wir 
    das Verhalten des Ichs bei der Abwehr sozusagen 
    in rationeller Verklärung erblicken müßen. 
    Jede Gefahrsituation entspricht einer gewißen Lebenszeit oder Ent-
    wicklungsphase des seelischen Ap-
    parats und erscheint für diese berechtigt. Das früh-
    kindliche Wesen sch ist wirklich nicht dafür ausgerüstet, große 
    Erregungssum̄en, die von außen oder innen 
    anlangen, psychisch zu bewältigen. Zu einer gewißen 
    Lebenszeit ist es wirklich das wichtigste Interesse, daß 
    die Personen, von denen man abhängt, ihre 
    zärtliche Sorge nicht zurückziehen. Wenn der Knabe 
    den mächtigen Vater als Rivalen bei der Mutter 
    empfindet, seiner aggressiven Neigungen gegen ihn 
    und seiner sexuellen Absichten auf die Mutter 
    inne wird, hat er ein Recht dazu, sich vor ihm 
    zu fürchten und die Angst vor seiner Strafe kann 
    durch phylogenetische Verstärkung sich als Kastrat-
    ionsangst äußern. Mit dem Eintritt in soziale 
    Beziehungen wird die Angst vor dem Überich, 
    das Gewissen, zur Notwendigkeit, der Wegfall 
    dieses Moments die Quelle von schweren Kon-
    flikten und Gefahren, usw. Aber gerade daran 
    knüpft sich ein neues Problem.

    Versuchen wir es, den Angstaffekt für eine Weile 
    durch einen anderen, zB den Schmerzaffekt zu er-
    setzen. Wir halten es für durchaus normal, daß das 
    Mädchen von 4 Jahren schmerzlich weint, wenn 
    ihm eine Puppe zerbricht, mit sechs Jahren, wenn 
    ihm die Lehrerin einen Verweis giebt, mit 
    16 Jahren, wenn der Geliebte sich nicht um sie be-
    küm̄ert, mit 25 Jahren vielleicht, wenn sie 
    ein Kind begräbt. Jede dieser Schmerzbedingungen 
    hat ihre Zeit und erlischt mit deren Ablauf, 
    die letzten, definitiven, erhalten sich dann 
    durchs Leben. Es würde uns aber auffallen, wenn 
    dies Mädchen als Frau und Mutter, über die 
    Beschädigung einer Nippsache weinen würde. 
    So benehmen sich aber die Neurotiker. In ihrem 
    seelischen Apparat sind längst alle Instanzen 
    zur Reizbewältigung innerhalb weiter Grenzen 
    ausgebildet, sie sind erwachsen genug, um die 
    meisten ihrer Bedürfniße selbst zu befriedigen, 
    sie wissen längst, daß die Kastration nicht mehr 
    als Strafe geübt wird, und doch benehmen sie 
    sich, als bestünden die alten Gefahrsituationen 
    noch, sie halten an allen früheren Angst-
    bedingungen fest.

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    Die Antwort hierauf wird etwas weitläufig aus-
    fallen. Sie wird vor allem den Tatbestand zu sichten 
    haben. In einer großen Anzal von Fällen werden 
    die alten Angstbedingungen wirklich fallen gelassen, 
    nachdem sie bereits neurotische Reaktionen erzeugt 
    haben. Die Phobien der kleinsten Kinder vor Allein-
    sein, Dunkelheit und vor Fremden, die beinahe 
    normal zu nennen sind, vergehen zumeist in 
    etwas späteren Jahren, sie ,,wachsen sich aus", wie 
    man von manchen anderen Kindheitsstörungen 
    sagt. Die so häufigen Tierphobien haben das gleiche 
    Schicksal, viele der Konversionshysterien der 
    Kinderjahre finden später keine Fortsetzung. Zere-
    moniell in der Latenzzeit ist ein ungemein 
    häufiges Vorkom̄nis, nur ein sehr geringer 
    Prozentsatz dieser Fälle entwickelt sich später 
    zur vollen Zwangsneurose. Die Kinderneurosen 
    sind überhaupt – soweit unsere Erfahrungen an 
    den höheren Kulturanforderungen unter-
    worfenen Stadtkindern weißer Rasse reichen – 
    regelmäßige Episoden der Entwicklung, wen̄gleich 
    ihnen noch immer zu wenig Aufmerksamkeit 
    geschenkt wird. Man vermißt die Zeichen der Kindheitsneurose 
    auch nicht bei einem erwachsenen Neurotiker, 
    während lange nicht alle Kinder, die sie zeigen, 
    auch später Neurotiker werden. Es müßen also 
    im Verlaufe der Reifung Angstbedingungen 
    aufgegeben worden sein und Gefahrsituationen 
    ihre Bedeutung verloren haben. Dazu kom̄t, 
    daß einige dieser Gefahrsituationen sich dadurch 
    in späte Zeiten hinüberretten, daß sie ihre 
    Angstbedingung zeitgemäß ¿¿ modifiziren. So erhält 
    sich zB die Kastrationsangst als unter der Maske der Syphiloiphobie, 
    nachdem man erfahren 
    hat, daß zwar die Kastration nicht mehr als Strafe für 
    das Gewährenlassen der sexuellen Gelüste 
    üblich ist, aber daß dafür schwere Erkrankungen 
    der Triebfreiheit drohen. Andere der Angstbe-
    dingungen sind überhaupt nicht zum Untergang 
    bestimmt, sondern sollen den Menschen durch’s 
    Leben begleiten, wie die der Angst vor dem 
    Überich. Der Neurotiker unterscheidet sich dann 
    vor den Normalen dadurch, daß er die 
    Reaktionen auf diese Gefahren übermäßig erhöht. 
    Gegen die Wiederkehr der ursprünglichen traumatischen 
    Angstsituation bietet endlich auch das Erwachsensein 
    keinen zureichenden Schutz; es dürfte für jedermann 
    eine Grenze geben, über die hinaus sein seel-
    ischer Apparat die in der Bewältigung der Erledig-
    ung heischenden Erregungsmengen versagt.

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    Diese kleinen Berichtigungen können unmög-
    lich die Bestimmung haben, an der Tatsache zu 
    rütteln, die hier erörtert wird, der Tatsache, 
    daß so viele Menschen in ihrem Verhalten zur 
    Gefahr infantil bleiben und verjährte Angst-
    bedingungen nicht überwinden; dies bestreiten, 
    hieße die Tatsache der Neurose leugnen, 
    denn solche Personen heißt man eben Neurot-
    iker. Wie ist das aber möglich? Warum sind 
    nicht alle Neurosen Episoden der Entwicklung, 
    die mit Erreichung der nächsten Phase abgeschloßen 
    werden? Woher das Dauermoment in diesen 
    Reaktionen auf die Gefahr? Woher der Vorzug, 
    den der Angstaffekt vor allen anderen Affekten 
    zu genießen scheint, daß er allein Reaktionen 
    hervorruft, die sich als abnorm von den anderen 
    sondern und sich als unzweckmäßig dem 
    Strom des Lebens entgegenstellen? Mit 
    anderen Worten, wir finden uns unver-
    sehens wieder vor der so oft gestellten Vexir-
    frage, woher kom̄t die Neurose, was ist 
    ihr letztes, das ihr besondere Motiv? Nach 
    jahrzehntelangen analytischen Bemühungen 
    erhebt sich dies Problem vor uns, unangetastet 
    wie zu Anfang. 

    XI

    Die Angst ist die Reaktion auf die Gefahr. Man kann 
    doch die Idee nicht abweisen, daß es mit dem
    Wesen der Gefahr zusam̄enhängt, wenn sich 
    der Angstaffekt eine Ausnahmsstellung in 
    der seelischen Oekonomie erzwingen kann. 
    Aber die Gefahren sind allgemein menschliche, für 
    alle Individuen die nämlichen; was wir 
    brauchen und nicht zur Verfügung haben, ist ein 
    Moment, das uns die Auslese der Individuen 
    verständlich macht, die den Angstaffekt trotz 
    seiner Besonderheit dem normalen seelischen 
    Betrieb unterwerfen können, oder das be-
    stimmt, wer an dieser Aufgabe scheitern muß. 
    Ich sehe zwei Versuche vor mir, ein solches 
    Moment aufzudecken; es ist begreiflich, daß 
    jeder solche Versuch eine sympathische Aufnahme 
    erwarten darf, da er einem quälenden 
    Bedürfnis Abhilfe verspricht. Die beiden 
    Versuche ergänzen einander, indem sie das 
    Problem an entgegengesetzten Enden an-
    greifen. Der erste ist vor mehr als zehn 
    Jahren von Alfred Adler unternommen 
    worden; er behauptet, auf seinen innersten 
    Kern redizirt, daß diejenigen Menschen 
    an der Bewältigung der durch die Gefahr 
    gestellten Aufgaben scheitern, denen die 
    Minderwertigkeit ihrer Organe zu große 
    Schwierigkeiten bereitet. Bestünde der 
    Satz Simplex sigillum veri zurecht, so müßte