S.
54
Diese kleinen Berichtigungen können unmög-
lich die Bestimmung haben, an der Tatsache zu
rütteln, die hier erörtert wird, der Tatsache,
daß so viele Menschen in ihrem Verhalten zur
Gefahr infantil bleiben und verjährte Angst-
bedingungen nicht überwinden; dies bestreiten,
hieße die Tatsache der Neurose leugnen,
denn solche Personen heißt man eben Neurot-
iker. Wie ist das aber möglich? Warum sind
nicht alle Neurosen Episoden der Entwicklung,
die mit Erreichung der nächsten Phase abgeschloßen
werden? Woher das Dauermoment in diesen
Reaktionen auf die Gefahr? Woher der Vorzug,
den der Angstaffekt vor allen anderen Affekten
zu genießen scheint, daß er allein Reaktionen
hervorruft, die sich als abnorm von den anderen
sondern und sich als unzweckmäßig dem
Strom des Lebens entgegenstellen? Mit
anderen Worten, wir finden uns unver-
sehens wieder vor der so oft gestellten Vexir-
frage, woher kom̄t die Neurose, was ist
ihr letztes, das ihr besondere Motiv? Nach
jahrzehntelangen analytischen Bemühungen
erhebt sich dies Problem vor uns, unangetastet
wie zu Anfang.XI
Die Angst ist die Reaktion auf die Gefahr. Man kann
doch die Idee nicht abweisen, daß es mit dem
Wesen der Gefahr zusam̄enhängt, wenn sich
der Angstaffekt eine Ausnahmsstellung in
der seelischen Oekonomie erzwingen kann.
Aber die Gefahren sind allgemein menschliche, für
alle Individuen die nämlichen; was wir
brauchen und nicht zur Verfügung haben, ist ein
Moment, das uns die Auslese der Individuen
verständlich macht, die den Angstaffekt trotz
seiner Besonderheit dem normalen seelischen
Betrieb unterwerfen können, oder das be-
stimmt, wer an dieser Aufgabe scheitern muß.
Ich sehe zwei Versuche vor mir, ein solches
Moment aufzudecken; es ist begreiflich, daß
jeder solche Versuch eine sympathische Aufnahme
erwarten darf, da er einem quälenden
Bedürfnis Abhilfe verspricht. Die beiden
Versuche ergänzen einander, indem sie das
Problem an entgegengesetzten Enden an-
greifen. Der erste ist vor mehr als zehn
Jahren von Alfred Adler unternommen
worden; er behauptet, auf seinen innersten
Kern redizirt, daß diejenigen Menschen
an der Bewältigung der durch die Gefahr
gestellten Aufgaben scheitern, denen die
Minderwertigkeit ihrer Organe zu große
Schwierigkeiten bereitet. Bestünde der
Satz Simplex sigillum veri zurecht, so müßteS.
S.
55
man eine solche Lösung wie eine Erlösung begrüßen.
Aber im Gegenteile, die Kritik des abgelaufenen
Jahrzehnts hat die volle Unzulänglichkeit dieser
Erklärung, die sich überdieß über die Mannig-
faltigkeit den ganzen Reichtum der von der Psychoanalyse aufge-
deckten Tatbestände hinaussetzt, beweisend dar-
getan.Den zweiten Versuch hat Otto Rank 1923 in seinem
Buch „Das Trauma der Geburt“ unternom̄en.Er steht uns näher, denn er ist auf dem Bodender Psychoanalyse erwachen und setzt derenGedankengänge fort.
In der gegebenen Relation
zwischen Individuum und Gefahr lenkt Rank
von der Organschwäche des Individuums ab und
auf die veränderliche Intensität der Gefahr hin.DieDer Geburtsvorgang ist die erste Gefahrsituation,
der von ihm produzirte oekonomische Aufruhr
wird das Vorbild der Angstreaktion; wir haben
vorhin die Entwicklungslinie verfolgt, welche
diese erste Gefahrsituation und Angstbedingung
mit allen späteren verbindet, und dabei
gesehen, daß sie alle etwas Gemeinsames bewahren,
indem sie alle in gewißem Sinne eine Trennung
von der Mutter bedeuten, zuerst nur in
biologischer Hinsicht, dann im Sinn eines direkten
Objektverlusts und später eines durch indir-
ekteZusam̄enhängeWege vermittelten. Die Auf-
deckung dieses großen Zusam̄enhanges ist ein
unbestrittenes Verdienst der Rank’schen
Konstruktion. Nun trifft das Trauma der
Geburt die einzelnen Individuen in verschiedener
Intensität, mit der Stärke des Traumas variirt
die Heftigkeit der Angstreaktion, und nun
soll es von dieser Anfangsgröße der Angst-
entwicklung abhängen, ob das Individuum
jemals ihre Beherrschung erlernen kann, ob
es neurotisch wird oder normal.Die Einzelkritik der Rank’schen Aufstellungen ist
nicht unsere Aufgabe, blos deren Prüfung,
ob sie zur Lösung unseres Problems brauchbar
sind. Die Formel Ranks, Neurotiker werde der,
dem es wegen der Stärke des Geburtstraumas
niemals gelinge, dieses völlig abzureagiren, ist
theoretisch höchst anfechtbar. Man weiß nicht
recht, was mit dem Abreagiren des Traumas
gemeint ist. Versteht man es wörtlich, so
kom̄t man zu dem unhaltbaren Schluß, daß
der Neurotiker sich umsomehr der Gesund-
ung nähert, je häufiger und intensiver
er den Angstaffekt reproduzirt. Wegen
dieses Widerspruchs mit der Wirklichkeit habe ich
ja seinerzeit die Theorie des Abreagierens,
aufgegeben, die in der Katharsis eine so
große Rolle spielte. Die Betonung der wech-
selnden Stärke des Geburtstraumas läßt
keinen Raum für den berechtigten aetiologischen
Anspruch der hereditären Konstitution.S.
S.
56
Sie ist ja ein organisches Moment, welches sich gegen
die Konstitution wie eine Zufälligkeit verhält
und selbst von vielen, zufällig zu nennenden Ein-
flüßen von zB von der rechtzeitigen Hilfeleistung
bei der Geburt abhängig ist. Die Rank’sche
Lehre hat konstitutionelle wie phylogenetische
Faktoren überhaupt außer Betracht gelassen.
Will man aber für die Bedeutung der
Konstitution Raum schaffen, etwa durch
die Modifikation, es käme viel mehr darauf
an, wiesausgiebig das Individuum auf die
variable Intensität des Geburtstraumas reagire,
so hat man der Theorie ihre Bedeutung ge-
raubt und den neu eingeführten Faktor
auf eine Nebenrolle eingeschränkt. Die
Entscheidung über den Ausgang in Neurose
liegt dann doch auf einem anderen, wiederum
auf einem unbekannten Gebiet.Die Tatsache, daß der Mensch den Geburtsvorgang
mit den anderen Säugetieren gemein hat,
während ihm eine besondere Disposition zur
Neurose als Vorrecht vor den Thieren zukom̄t,
wird kaum günstig für die Rank’sche Lehre
stimmen. Der Haupteinwand bleibt aber, daß
sie in der Luft schwebt, anstatt sich auf gesich-
erte Beobachtung zu stützen. Es giebt keine
Untersuchungen darüber, ob schwere und protrahirte
Geburt in unverken̄barer Weise mit Entwick-
lung von Neurose zusam̄en treffen, ja ob
so geborene Kinder nur die Phänomene
der frühinfantilen Ängstlichkeit länger oder
stärker zeigen als andere. Macht man geltend,
daß praezipitirte und für die Mutter leichte Ge-
burten doch für das Kind möglicher Weise die Bedeut-
ung von schweren Traumen haben, so bleibt doch
die Forderung aufrecht, daß Geburt, die zur
Asphyxie führen, die behaupteten Folgen
mit Sicherheit erkennen lassen müßten. Es
scheint ein Vorteil der Rankschen Aetiologie
daß sie ein Moment voranstellt, das
der Nachprüfung am Material der Erfahr-
ung zugänglich ist; solange man eine solche
Prüfung nicht wirklich vorgenom̄en hat,
ist es unmöglich, ihren Wert zu beurteilen.Dagegen kann ich mich der Meinung nicht
anschließen, daß die Rank’sche Lehre der bisher
in der Psychoanalyse anerkannten aetiologischen Bedeutung
der Sexualtriebe widerspricht, denn sie bezieht
sich nur auf das Verhältnis des Individuums
zur Gefahrsituation und läßt die gute Auskunft
offen, daß, wer die anfänglichen Gefahren
nicht bewältigen konnte, auch in den später
auftauchenden Situationen sexueller Gefahr
versagen muß und dadurch in die Neurose
gedrängt wird.S.
57
Ich glaube also nicht, daß der Rank‘sche Versuch uns die
Antwort auf die Frage nach der Begründung der
Neurose gebracht hat und ich meine, es läßt sich noch
nicht entscheiden, einen wie großen Beitrag
zur Lösung der Fragesieer doch enthilt. Wenn
die Untersuchungen über den Einfluß schwerer
Geburt auf die Disposition zu Neurosen negativ
ausfallen, ist dieser Beitrag gering einzuschätzen.
Es ist sehr zu besorgen, daß das Bedürfnis nach
einer greifbarenundeinheitlichen „letzten Ursache"
der Nervosität immer unbefriedigt bleiben
wird. Der ideale Fall, nach dem sich der Mediziner
wahrscheinlich noch heute sehnt, wäre der des Bazillus,
der sich isoliren und reinzüchten läßt, und dessen
Impfung bei jedem Individuum die nämliche
Affektion hervorruft. Oder etwas weniger phantast-
isch die Darstellung von chemischen Stoffen, deren
Verabreichung bestim̄te Neurosen produzirt und aufhebt.
Aber die Wahrscheinlichkeit spricht nicht für
solche Lósungen des Problems.Die Psychoanalyse führt zu weniger einfachen,
minder befriedigenden Auskünften. Ich habe
hier nur längst Bekanntes zu wiederholen, nichts
Neues hinzuzufügen. Wenn es dem Ich gelungen
ist, sich einer gefährlichen Triebregung zu erwehren,
zB durch den Vorgang der Verdrängung, so hat
es diesesnStückTeil des Es zwar gehemmt und geschädigt,
aber ihm gleichzeitig auch ein Stück Unabhängig-
keit gegeben und auf ein Stück seiner eigenen
Souveränität verzichtet. Das folgt aus der Natur
der Verdrängung, die im Grunde ein Fluchtversuch
ist. Das Verdrngte ist nun „vogelfrei“, ausgeschloßen
aus der großen Organisation des Ichs, nur den
Gesetzen unterworfen, die im Bereich des Unbe-
wußten herrschen. Ändert sich nun die Gefahr-
situation, so daß das Ich kein Motiv zur Abwehr
einer neuerlichen, der verdrängten analogen Trieb-
regung hat, so werden die Folgen der Ichein-
schränkung manifest. Der neuerliche Triebab-
lauf vollzieht sich unter dem Einfluß des Auto-
matismus – ich zöge vor zu sagen: des Wieder-
holungszwanges – er wandelt dieselben Wege
wie der früher verdrängte, als ob die über-
wundene Gefahrsituation noch bestiinde. Das
fixirende Moment an der Verdrängung ist also
der Wiederholungszwang des unbewußten Es,
der normaler Weise nur durch die frei beweg-
liche Funktion des Ichs aufgehoben wird. Nun
mag es dem Ich mitunter gelingen, die Schranken der Ver-
drängung, die es selbst aufgerichtet, wieder
einzureißen, seinen Einfluß auf die Trieb-
regung wiederzugewinnen und den neuerlichenS.
58
Triebablauf im Sinne der veränderten Gefahrsituation
zu lenken. Tatsache ist, daß es ihm so oft mislingt
und daß es seine Verdrängungen nicht rück-
gängig machen kann. Quantitative Relationen
mögen für den Ausgang dieses Kampfes maß-
gebend sein. In manchen Fällen haben wir den
Eindruck, daß die Entscheidung eine zwangsläufige
ist, die regressive Anziehung der verdrängten
Regung und die Stärke der Verdrängung
sind so groß, daß die neuerliche Regung
nur dem Wiederholungszwange folgen
kann. In anderen Fällen nehmen wir den
Beitrag eines anderen Kräftespiels wahr, die
Anziehung des verdrängten Vorbild wird ver-
stärkt durch die Abstoßung von Seiten der
realen Schwierigkeiten, die sich einem anderen Ab-
lauf der neuerlichen Triebregung entgegen-
setzen.Daß dies der Hergang der Fixierung an die Verdräng-
ungdund der Erhaltung der nicht mehr akt-
uellen Gefahrsituation ist, findet seinen Er-
weis in der an sich bescheidenen, aber theoret-
isch kaum überschätzbaren Tatsache der analyt-
ischen Therapie. Wenn wir dem Ich in der
Analyse die Hilfe leisten, die es in den Stand
setzen, seine Verdrängungen aufzuheben,
bekom̄t es seine Macht über das verdrängte
Es wieder und kann die Triebregungen so
ablaufen lassen, als ob die alten Gefahrsituat-
ionen nicht mehr bestünden. Was wir so er-
reichen, steht in gutem Einklang mit dem
sonstigen Machtbereich unserer ärztlichen Leistung.
In der Regel muß sich ja unsere Therapie damit
begnügen, den guten Ausgang rascher, verläßlicher,
mit weniger Aufwand herbeizuführen, der
sich unter günstigen Verhältnißen spontan
ergeben hätte.Die bisherigen Erwägungen lehren uns, es sind
quantitative Relationen, nicht direktfaßbaraufzuzeigen
nur auf dem Wege des Rückschlußes faßbar
die darüber entscheiden, ob die alten Gefahr-
situationen festgehalten werden, ob die Ver-
drängungen des Ichs erhalten bleiben, ob die
Kinderneurosen ihre Fortsetzung finden
oder nicht. Von den Faktoren, die an
der Verursachung der Neurosen beteiligt
sind, die die Bedingungen geschaffen haben,
unter denen sich die psychischen Kräfte mit
einander messen, heben sich für unser Ver-
ständnis drei hervor, ein biologischer, ein
phylogenetischer und ein rein psychologischer. Der
biologische ist die lang hingezogene Hilflosigkeit
und Abhängigkeit des kleinen Menschenkindes.
Die Intrauterinexistenz des Menschen erscheint
gegen die der meisten Thiere relativ verkürzt,
es wird unfertiger als diese in die Welt
geschickt. Dadurch wird der Einfluß der realen
Außenwelt verstärkt, die DifferenzierungS.
59
des Ichs vom Es frühzeitig gefördert, die Gefahren
der Außenwelt in ihrer Bedeutung erhöht und
der Wert des Objekts, das allein gegen diese
Gefahren schützen und das verlorene Intrauterin-
leben ersetzen kann, enorm gesteigert. Dies
biologische Moment stellt also die ersten Gefahr-
situationen her und schafft das Bedürfnis geliebt
zu werden, das den Menschen nicht mehr ver-
lassen wird.Der zweite, phylogenetische, Faktor ist von uns nur
erschloßen worden; eine sehr merkwürdige
Tatsache der Libidoentwicklung hat uns zu
seiner Annahme gedrängt. Wir finden, daß
das Sexualleben des Menschen sich nicht wie das
der meisten ihm nahestehenden¿¿¿¿Thiere vom
Anfang bis zur Reifung stetig weiter entwickelt,
sondern daßes nach einer ersten Früh-am
blüte bis zum fünften Jahr eine energische
Unterbrechung erfährt, worauf es dann mit
der Pubertät von neuem anhebt und an
die infantilen Ansätze anknüpft. Wir meinen,
es müßte in den Schicksalen der Menschenart
etwas Wichtiges vorgefallen sein, was diese
Unterbrechung der Sexualentwicklung als
historischen Niederschlag hinterlassen hat. Die pathogene
Bedeutung dieses Moments ergibt sich daraus,
daß die meisten Triebanspriiche dieser kindlichen
Sexualität vom Ich als Gefahren behandelt und
abgewehrt werden, so daß die späteren sexuellen
Regungen der Pubertät, die ichgerecht sein sollten,
in Gefahr sind, der Anziehung der infantilen
Vorbilder zu unterliegen und ihnen in die
Verdrängung zu folgen. Hier stoßen wir auf die
direkteste Aetiologie der Neurosen. Es ist merk-
würdig, daß der frühe Kontakt mit den Ansprüchen
der Sexualität auf das Ich ähnlich wirkt wie die
vorzeitige Berührung mit der Außenwelt.Der dritte oder psychologische Faktor ist in einer
Unvollkom̄enheit unseres seelischen Apparates zu
finden, die grade mit seiner Differenzirung in
ein Ich und ein Es zusam̄enhängt, also in letzter
Linie auchüberauf den Einfluß der Außen-
welt zurückgeht. Durch die Rücksicht auf die
Gefahren der Realität wird das Ich genötigt,
sich gegen gewiße Triebregungen des Es zur
Wehre zu setzen, sie als Gefahren zu behandeln.
Das Ich kann sich aber gegen innere Triebgefahren
nicht in so wirksamer Weise schützen wie gegen
ein Stück der ihm fremden Realität. Mit dem
Es selbst innig verbunden, kann es die Triebgefahr
nur abwehren, indem es seine eigene Organisation
einschränkt und sich die Symptombildung als
Ersatz für seine Beeinträchtigung des Triebes
gefallen läßt. Erneuert sich dann der Andrang
des abgewiesenen Triebes, so ergeben sich für
das Ich alle die Schwierigkeiten, die wir als das
neurotische Leiden kennen.S.
60
Weiter muß ich glauben, ist unsere Einsicht
in das Wesen und die Verursachung der
Neurosen vorläufig nicht gekommen.XII. Nachträge
Im Laufe dieser Erörterungen sind verschiedene
Themen berührt worden, die vorzeitig verlassen
werden mußten und die jetzt gesammelt werden
sollen, um den Anteil Aufmerksamkeit
zu erhalten, auf den sie Anspruch haben.A. Modifikationen früher geäußerter Ansichten.
a) Widerstand und Gegenbesetzung.
Es ist ein wichtiges Stück der Theorie der Ver-
drängung, daß sie nicht einen einmaligen
Vorgang darstellt, sondern einen dauernden
Aufwand erfordert. Wenn dieser entfiele,
würde der verdrängte Trieb, der kontinuir-
lich Zuflüße aus seinen Quellen erhält, ein
nächstes Mal denselben Weg einschlagen, von
dem er abgedrängt wurde, die Verdrängung
würde um ihren Erfolg gebracht oder sie
müßte unbestimmt oft wiederholt werden.
So folgt aus der kontinuirlichen Natur des
Triebes die Anforderung an das Ich, seine
Abwehraktion durch einen Daueraufwand
zu versichern. Diese Aktion zum Schutz der
Verdrängung ist es, die wir bei der therap-
eutischen Bemühung als Widerstand ver-
spüren. Widerstand setzt das voraus, was
ich als Gegenbesetzung bezeichnet habe.
Eine solche Gegenbesetzung wird bei der Zwangs-
neurose greifbar. Sie erscheint hier als Ichver-
änderung, als Reaktionsbildung im Ich durch
Verstärkung jener Einstellung, welche der
zu verdrängenden Triebrichtung gegen-
sätzlich ist (Mitleid, Gewissenhaftigkeit,
Reinlichkeit). Diese Reaktionsbildungen
der Zwangsneurose sind durchwegs
Übertreibungendernormaler, im Verlauf
der Latenzzeitentwickelter Charakterzüge.gebildeter
Es ist weit schwieriger, die Gegenbesetzung
bei der Hysterie aufzuweisen, wo sie nach
der theoretischen Erwartung ebenso un-
entbehrlich ist. Auch hier ist ein gewißes
Maß von Ichveränderung durch Reaktions-
bildung unverkennbar und wird in
manchenFällenVerhältnißen so auffällig, daß es sich der
Aufmerksamkeit als das Hauptsymptom
des Zustandes aufdrängt. In solcher Weise
wird zB. der Ambivalenzkonflikt der
Hysterie gelöst, der Haß gegen eine ge-
liebte Person wird durch ein Über-
maß von Zärtlichkeit für sie und
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Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
1926-001/1926.01/10