Hemmung, Symptom und Angst1926-001/1926.01
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    angeben, wie sich eine solche Umwandlung 
    vollzieht.

    Woher schöpfte ich überhaupt die Idee einer solchen 
    dieser Umsetzung? Zur Zeit, als es uns noch sehr 
    ferne lag, zwischen Vorgängen im Ich und Vor-
    gängen im Es zu unterscheiden, aus dem Studium 
    der Aktualneurosen. Ich fand, daß bestim̄te 
    sexuelle Praktiken, wie Coitus interruptus, 
    frustrane Erregung, erzwungene Abstinenz 
    Angstausbrüche und eine allgemeine Angstbereit-
    schaft erzeugen, also immer wenn die Sexual-
    erregung in ihrem Ablauf zur Befriedigung 
    gehemmt, aufgehalten oder abgelenkt wird. 
    Da die Sexualerregung der Ausdruck libidinöser 
    Triebregungen ist, schien es nicht gewagt, anzu-
    nehmen, daß die Libido sich durch die Einwirkung 
    solcher Störungen in Angst verwandelt. Nun 
    ist auch diese Beobachtung auch heute noch giltig, 
    anderseits ist nicht abzuweisen, daß die Libido 
    der Es‑Vorgänge durch die Anregung der 
    Verdrängung eine Störung erfährt; es 
    kann also noch immer richtig sein, daß 
    sich bei der Verdrängung Angst aus 
    der ¿¿¿¿¿ Libidobesetzung der Triebregungen 
    bildet. Aber wie soll man dieses Ergebnis 
    mit dem anderen zusam̄enbringen, daß 
    die Angst der Phobien eine Ich‑Angst ist, 
    im Ich entsteht, nicht aus der Verdrängung 
    hervorgeht, sondern die Verdrängung hervor-
    ruft? Das scheint ein Widerspruch und nicht 
    einfach zu lösen. Die Reduktion der beiden 
    Ursprünge der Angst auf einen einzigen läßt 
    sich nicht durchsetzen. Man kann es mit der An-
    nahme versuchen, daß das Ich in der Situation 
    des gestörten Coitus, der unterbrochenen Erregung, 
    der Abstinenz, eine Gefahren wittert, auf die 
    es mit Angst reagirt, aber es ist nichts damit 
    zu machen. Anderseits scheint die Analyse der 
    Phobien, die wir vorgenom̄en haben, eine 
    Berichtigung nicht zuzulassen. Non liquet!

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    Wir wollten die Symptombildung und 
    den sekundären Kampf des Ichs gegen das Symptom 
    studiren, aber wir haben offenbar mit der 
    Wal der Phobien keinen glücklichen Griff 
    gethan. Die Angst, welche im Bild dieser 
    Affektionen vorherrscht, erscheint uns 
    nun als eine den Sachverhalt verhüllende 
    Komplikation. Es giebt reichlich Neurosen, bei 
    denen sich nichts von Angst zeigt. Die echte 
    Konversionshysterie ist von solcher Art, 
    deren schwerste Symptome ohne Beimischung 

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    von Angst gefunden werden. Schon diese Tatsache 
    müßte uns warnen, die Beziehungen zwischen 
    Angst und Symptombildung nicht allzu fest zu 
    knüpfen. Den Konversionshysterien stehen 
    die Phobien sonst so nahe, daß ich mich 
    für berechtigt gehalten habe, sie ihnen diese als 
    „Angsthysterie“ anzureihen. Aber niemand hat 
    noch die Bedingung angeben können, die darüber 
    entscheidet, ob ein Fall die Form einer 
    Konversionshysterie oder einer Phobie an-
    nim̄t, niemand also die Bedingung der Angst-
    entwicklung bei der Hysterie ergründet.

    Die häufigsten Symptome der Konversions-
    hysterie, eine motorische Lähmung, Kontraktur 
    oder unwillkürliche Aktion oder Entladung, 
    ein Schmerz, eine Halluzination sind entweder 
    permanent festgehaltene oder intermittirende 
    Besetzungsvorgänge, was der Erklärung neue 
    Schwierigkeiten bereitet. Man weiß eigentlich 
    nicht viel über solche Symptome zu sagen. Durch 
    die Analyse kann man erfahren, welchen gestörten 
    Erregungsablauf sie ersetzen. Zumeist ergiebt sich, 
    daß sie selbst einen Anteil an diesem haben, 
    so als ob sich die gesamte Energie desselben 
    auf dies eine Stück konzentrirt hätte. Der 
    Schmerz war in der Situation, in welcher die 
    Verdrängung vorfiel, vorhanden; die Halluz-
    ination war damals Wahrnehmung, die motor-
    ische Lähmung ist die Abwehr einer Aktion, die 
    in jener Situation hätte ausgeführt werden 
    sollen, aber gehemmt wurde, die Kontraktur 
    gewöhnlich eine Verschiebung für eine damals 
    intendirte Muskelinnervation an anderer 
    Stelle, der Krampfanfall Ausdruck eines 
    Affektausbruchs, der sich der normalen Kontrolle 
    des Ichs entzogen hat. In ganz auffälligem Maße 
    wechselnd ist die Unlustempfindung, die das 
    Auftreten der Symptome begleitet. Bei den 
    permanenten, auf die Motilität verschobenen 
    Symptomen, wie Lähmungen und Kontrakturen, 
    fehlt sie meistens gänzlich das Ich ¿¿ Ich verhält 
    sich gegen sie wie unbeteiligt; bei den 
    intermittirenden und den Symptomen der 
    sensorischen Sphäre werden in der Regel 
    deutliche Unlustempfindungen verspürt, 
    die sich im Falle des Schmerzsymptom zu 
    exzessiver Höhe steigern können. Es ist sehr 
    schwer, in dieser Mannigfaltigkeit das 
    Moment herauszufinden, das solche Differ-
    enzen ermöglicht und sie doch einheitlich er-
    klären läßt. Auch vom Kampf des Ichs gegen 
    das einmal gebildete Symptom ist bei der 
    Konversionshysterie wenig zu merken. Nur wenn 

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    die Schmerzempfindlichkeit einer Körperstelle zum 
    Symptom geworden ist, wird diese in den Stand 
    gesetzt, eine Doppelrolle zu spielen. Das Schmerz-
    symptom tritt ebenso sicher auf, wenn diese 
    Stelle von außen berührt wird, wie wenn 
    die von ihr vertretene pathogene E Situation 
    von innen her assoziativ aktivirt wird, und 
    das Ich ergreift Vorsichtsmaßregeln, um 
    die Erweckung des Symptoms durch äußere 
    Wahrnehmung hintanzuhalten. Woher die 
    besondere Undurchsichtigkeit der Symptombild-
    ung bei der Konversionshysterie rührt, 
    können wir nicht erraten, aber sie giebt 
    uns ein Motiv, das unfruchtbare Gebiet 
    bald zu verlassen.

    Wir wenden uns zur Zwangsneurose in der 
    Erwartung, hier mehr über die Symptom-
    bildung zu erfahren. Die Symptome der 
    Zwangsneurose sind im Allgemeinen von 
    zweierlei Art und entgegengesetzter Tendenz. 
    Es sind entweder Verbote, Vorsichtsmaßregeln, 
    Bußen, also negativer Natur, oder im Gegenteil 
    Ersatzbefriedigungen, sehr häufig in symbolischer 
    Verkleidung. Von diesen zwei Gruppen ist 
    die negative, abwehrende, strafende die ältere; 
    im mit der Dauer des Krankseins nehmen 
    aber die aller Abwehr spottenden Befriedig-
    ungen überhand. Es ist ein Triumph der Symptom-
    bildung, wenn es gelingt, das Verbot mit 
    der Befriedigung zu verquicken, so daß das 
    ursprünglich abwehrende Gebot oder Verbot 
    auch die Bedeutung einer Befriedigung be-
    kom̄t, wozu oft sehr künstliche Verbindungs-
    wege in Anspruch genom̄en werden. In dieser 
    Leistung zeigt sich die Neigung zur Synthese, 
    die wir dem Ich bereits zuerkannt haben. 
    Im r In extremen Fällen ha bringt es der 
    Kranke zustande, daß die meisten seiner 
    Symptome zu ihrer ursprünglichen Bedeutung 
    auch die des direkten Gegensatzes erworben 
    haben, ein Zeugnis für die Macht der 
    Ambivalenz, die, wir wissen nicht recht, 
    warum, in der Zwangsneurose eine so 
    große Rolle spielt. Im rohesten Fall 
    ist das Symptom zweizeitig, d.h auf die 
    Handlung, die eine gewiße Vorschrift aus-
    führt, folgt unmittelbar eine zweite, 
    die sie aufhebt oder rückgängig macht, 
    wenngleich sie noch nicht wagt, ihr Gegenteil 
    auszuführen.

    Zwei Eindrücke ergeben sich sofort aus dieser 
    flüchtigen Überschau der Zwangssymptome. 
    Der erste, daß hier ein fortgesetzter Kampf 
    gegen das Verdrängte unterhalten wird, 
    der sich immer mehr zu ungunsten der ver-
    drängenden Kräfte wendet, und zweitens 
    daß Ich und Überich hier einen besonders großen 

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    Anteil an der Symptombildung nehmen.

    Die Zwangsneurose ist wol das interessanteste und dank-
    barste Objekt der analytischen Untersuchung, aber 
    noch immer als Problem unbezwungen. Wollen 
    wir in ihr Wesen tiefer eindringen, so müßen 
    wir eingestehen, daß unsichere Annahmen und 
    unbewiesene Vermutungen noch nicht entbehrt 
    werden können. Die Ausgangssituation der 
    Zwangsneurose ist wol keine andere als die 
    der Hysterie, die notwendige Abwehr der libidin-
    ösen Ansprüche des Oedipuskomplexes. Auch 
    scheint sich bei jeder Zwangsneurose eine unterste 
    Schicht sehr früh gebildeter hysterischer Symptome 
    zu finden. Dann aber wird die Situation 
    weitere Gestaltung durch einen konstitution-
    ellen Faktor entscheidend verändert. Die 
    genitale Organisation der Libido erweist sich 
    als schwächlich und zu wenig resistent. Wenn 
    das Ich sein Abwehrstreben beginnt, so er-
    zielt es den als ersten Erfolg, daß die Genital-
    organisation (der phallischen Phase) ganz oder 
    teilweise auf die frühere sadistisch‑anale 
    Stufe zurückgeworfen wird. Diese Tatsache der 
    Regression bleibt für alles folgende bestim-
    mend.

    Man kann noch eine andere Möglichkeit in 
    Erwägung ziehen. Vielleicht ist die Regression 
    nicht die Folge eines konstitutionellen, 
    sondern eines zeitlichen Faktors. Sie wird 
    nicht darum ermöglicht werden, weil die Genitalorgan-
    isation der Libido zu schwächlich geraten, 
    sondern weil das Sträuben des Ichs zu früh-
    zeitig, noch während der Blüte der sadistischen 
    Phase eingesetzt hat. Einer sicheren Entscheid-
    ung getraue ich mich auch in diesem 
    Punkte nicht, aber die analytische Beob-
    achtung begünstigt diese Annahme nicht. 
    Sie zeigt eher, daß bei der Wendung zur 
    Zwangsneurose die phallische Stufe bereits 
    erreicht ist. Auch ist das Lebensalter für 
    den Ausbruch dieser Neurose ein späteres 
    als das der Hysterie (die zweite Kindheits-
    periode, nach dem Termin der Latenzzeit) 
    und in einem Fall von sehr später Ent-
    wicklung dieser Affektion, den ich studiren 
    konnte, ergab es sich klar, daß ¿ eine reale 
    Entwertung des bis dahin intakten Genital-
    lebens die Bedingung für die Regression 
    und die Entstehung der Zwangsneurose schuf.x)

    Die metapsychologische Erklärung der Regression 
    suche ich in einer „Triebentmischung“, in der 
    Absonderung der erotischen Komponenten, 
    die mit Beginn der genitalen Phase zu den 
    destruktiven Besetzungen der sadistischen 
    Phase hinzugetreten waren.

    x)S. Die Disposition zur Zwangsneurose. Ges. Schriften, 
    Bd. V. 

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    Die Erzwingung der Regression bedeutet den 
    ersten Erfolg des Ichs im Abwehrkampf gegen 
    den Anspruch der Libido. Wir unterscheiden 
    hier zweckmäßig die allgemeinere Tendenz 
    der „Abwehr“ von der „Verdrängung“, die nur 
    einer der Mechanismen ist, deren sich die 
    Abwehr bedient. Vielleicht noch klarer als bei 
    normalen und hysterischen Fällen erkennt 
    man bei der Zwangsneurose als den Motor 
    der Abwehr den Kastrationskomplex, als 
    das Abgewehrte die Strebungen des Oedipus-
    komplexes. Wir befinden uns nun zu Beginn 
    der Latenzzeit, die durch den Untergang des 
    Oedipuskomplexes, die Schöpfung oder Konsolid-
    irung des Überichs und die Bildung Aufrichtung der 
    ethischen und aesthetischen Schranken im Ich 
    gekennzeichnet ist. Diese Vorgänge gehen bei 
    der Zwangsneurose über das normale 
    Maß hinaus; zur Zerstörung des Oedipuskom-
    plexes tritt die regressive Erniedrigung 
    der Libido hinzu, das Überich wird besonders 
    strenge und lieblos, das Ich entwickelt im 
    Gehorsam gegen das Überich hohe Reaktions-
    bildungen von Gewissenhaftigkeit, Mitleid, 
    Reinlichkeit. Mit unerbittlicher, darum nicht im̄er 
    erfolgreicher, Strenge wird die Versuchung 
    zur Fortsetzung der frühinfantilen Onanie 
    verpönt, die sich nun als an regressive (sadist-
    isch‑anale) Vorstellungen anlehnt, aber doch 
    den unbezwungenen Anteil der phallischen 
    Organisation reprarsentirt. Es liegt ein innerer 
    Widerspruch darin, daß gerade im Interesse 
    der Erhaltung der Männlichkeit (Kastrat-
    ionsangst) jede Betätigung dieser Männlichkeit 
    verhindert wird, aber auch dieser Widerspruch 
    wird bei der Zwangsneurose nur über-
    trieben, er haftet bereits an der normalen 
    Art der Beseitigung des Oedipuskomplexes. 
    Wie jedes Übermaß den Keim zu seiner 
    Selbstaufhebung in sich trägt, wird sich auch 
    an der Zwangsneurose bewähren, indem 
    gerade die unterdrückte Onanie sich 
    in der Form der Zwangshandlungen eine 
    immer weiter gehende Annäherung an 
    die Befriedigung erzwingt.

    Die Reaktionsbildungen im Ich, di der Zwangsneurot-
    iker, die wir als Übertreibungen der normalen 
    Charakterbildung erkennen, dürfen wir als 
    einen neuen Mechanismus der Abwehr 
    neben die Regression und die Verdrängung 
    hinstellen. Sie scheinen bei der Hysterie zu 
    fehlen oder weit schwächer zu sein. Rück-
    schauend gewinnen wir so eine Vermutung, 
    wodurch der Abwehrvorgang der Hysterie 
    ausgezeichnet ist. Es scheint, daß er sich auf 
    die Verdrängung einschränkt, indem das 

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    Ich sich von der unliebsamen Triebregung abwendet 
    sie dem Ablauf im Unbewußten überläßt und 
    an ihren Schicksalen keinen weiteren Anteil 
    nimmt. So ganz ausschließend richtig kann das zwar 
    nicht sein, denn wir kennen ja den Fall, daß 
    das hysterische Symptom gleichzeitig die Erfüllung 
    einer Strafanforderung des Überichs bedeutet, 
    aber es mag einen allgemeinen Charakter 
    im Verhalten des Ichs bei der Hysterie ¿¿¿¿¿ 
    beschreiben.

    Man kann es einfach als Tatsache hinnehmen, daß 
    sich bei der Zwangsneurose ein so strenges 
    Überich bildet, oder man kann daran denken, daß 
    der fundamentale Zug dieser Affektion die 
    Libidoregression ist, und versuchen, auch den Charakter 
    des Überichs mit ihr zu verknüpfen. In der Tat 
    kann ja das Überich, das aus dem Es stammt, sich der 
    dort eingetretenen Regression und Trieb-
    entmischung nicht entziehen. ziehen. Es wäre nicht zu verwun-
    dern, wenn es seinerseits härter, quälerischer, lieb-
    loser würde als bei normaler Entwicklung.

    Während der Latenzzeit scheint die Abwehr 
    der Onanieversuchung als Hauptaufgabe behandelt 
    zu werden. Dieser Kampf erzeugt eine Reihe von 
    Symptomen, die bei den verschiedensten Personen 
    in typischer Weise wiederkehren und im allge-
    meinen den Charakter des Zeremoniells tragen. 
    Es ist sehr zu bedauern, daß sie noch nicht gesam̄elt 
    und systematisch analysirt worden sind; als früheste 
    ¿¿ Leistungen der Neurose würden sie über 
    den hier verwendeten Mechanismus der Symptombildung am 
    ehesten Licht verbreiten. Sie zeigen bereits die 
    Züge, welche in einer späteren schweren Er-
    krankung so verhängnisvoll hervortreten 
    werden: die Unterbringung an den Verricht-
    ungen, die später wie automatisch ¿¿¿ ausge-
    führt werden sollen, am Schlafengehen 
    Waschen und Ankleiden, an der Lokomotion, 
    die Neigung zur Wiederholung und zum 
    Zeitaufwand. Warum das so geschieht, ist noch 
    keineswegs verständlich; die Sublimirung 
    analerotischer Komponenten spielt dabei eine 
    deutliche Rolle.

    Die Pubertät macht in der Entwicklung der 
    Zwangsneurose einen entscheidenden Abschnitt. 
    Die in der Kindheit abgebrochene Genitalorganis-
    ation setzt nun mit großer Kraft wieder 
    ein. Wir wissen aber, daß die Sexualentwick-
    lung der Kinderzeit auch für den Neubeginn
     der Pubertätsjahre die Richtung vorschreibt. 
    Es werden also einerseits die aggressiven Reg-
    ungen der Frühzeit wieder erwachen, 
    anderseits muß ein mehr oder minder 
    großer Anteil der neuen libidinösen 
    Regungen – in bösen Fällen deren Ganzes – 

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    die durch die Regression vorgezeichneten Bahnen 
    einschlagen und als aggressive und destruktive 
    Absichten auftreten. Infolge dieser Verkleidung 
    der erotischen Strebungen und der starken 
    Reaktionsbildungen im Ich, wird nun der 
    Kampf gegen die Sexualität unter ethischer 
    Flagge weitergeführt. Das Ich sträubt sich 
    verwundert gegen grausame und gewalt-
    tätige Zumutungen, die ihm vom Es her ins 
    Bewußtsein geschickt werden, und ahnt 
    nicht, daß es dabei erotische Wünsche be-
    kämpft, darunter auch solche, die sonst 
    seinem Einspruch entgangen wären. Das 
    überstrenge Überoch besteht um so energischer 
    auf der Unterdrückung der Sexualität, 
    da sie so abstoßende Formen angenom̄en 
    hat. So zeigt sich der Konflikt bei der Zwangs-
    neurose nach zwei Richtungen verschärft, 
    das Verdrängende Abwehrende ist intoleranter, das 
    zu VerdrängAbzuwehrende unerträglicher geworden; 
    beides durch den Einfluß des einen 
    Moments, der Libidoregression.

    Man könnte einen Widerspruch ¿¿ gegen manche 
    unserer Voraussetzungen darin finden, daß 
    die unliebsame Zwangsvorstellung überhaupt 
    bewußt wird. Allein es ist kein Zweifel, daß 
    sie vorher den Prozeß der Verdrängung durch-
    gemacht hat. In den meisten ist der eigent-
    liche Wortlaut der aggressiven Triebreg-
    ung dem Ich überhaupt nicht bekannt. Es gehört 
    ein gutes Stück analytischer Arbeit dazu, 
    um ihn bewußt zu machen. Was zum Be-
    wußtsein durchdringt, ist in der Regel nur 
    ein entstellter Ersatz entweder von einer 
    verschwom̄enen, traumhaften Unbestim̄t-
    heit, oder unken̄tlich gemacht durch eine 
    absurde Verkleidung. Wenn die Verdräng-
    ung nicht den Inhalt der aggressiven Trieb-
    regung angenagt hat, da hat sie doch gewiß 
    den sie begleitenden Affektcharakter 
    beseitigt. So erscheint die Aggression dem Ich nicht als 
    ein Impuls, sondern, wie die Kranken 
    sagen, als ein bloßer „Gedankeninhalt“, 
    der einen kalt lassen sollte. Das Merk-
    würdige ist, daß dies doch nicht der Fall 
    ist.

    Der bei der Wahrnehmung der Zwangsvorstell-
    ung ersparte Affekt kom̄t nämlich an 
    anderer Stelle zum Vorschein. Das Überich 
    benimmt sich so, als hätte keine Verdräng-
    ung stattgefunden, als wäre ihm die aggress-
    ive Regung in ihrem richtigen Wortlaut 
    und mit ihrem vollen Affektcharakter 
    bekannt, und behandelt das Ich auf Grund 
    dieser Voraussetzung. Das Ich, das sich 

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    einerseits schuldlos weiß, muß anderseits ein 
    Schuldgefühl verspüren und eine Verantwortlich-
    keit tragen, die es sich nicht zu erklären 
    weiß. Das Rätsel, das uns hiemit aufgegeben wird, 
    ist aber nicht so groß, als es zuerst erscheint. Das 
    Verhalten des Überichs ist durchaus verständlich, 
    der Widerspruch im Ich beweist es uns nur, daß es 
    sich mittels der Verdrängung gegen das Es ver-
    schloßen hat, während es den Einflüßen aus 
    dem Überich voll zugänglich geblieben ist. Der 
    weiteren Frage, warum das Ich sich nicht auch der 
    peinigenden Kritik des Überichs zu entziehen 
    sucht, macht die Nachricht ein Ende, daß dies 
    wirklich in einer großen Reihe von Fällen 
    so geschieht. Es gibt auch Zwangsneurosen ganz 
    ohne Schuldbewußtsein; soweit wir es verstehen, 
    hat sich das Ich die Wahrnehmung desselben 
    durch eine neue Reihe von Symptomen, die 
    Bußhandlungen, Einschränkungen zur Selbstbe-
    strafung, erspart. Diese Symptome bedeuten 
    aber gleichzeitig Befriedigungen masochistischer 
    Triebregungen, die gleichebenfalls aus der Regression 
    eine Verstärkung bezogen haben.

    Die Mannigfaltigkeit in den Erscheinungen 
    der Zwangsneurose ist eine so großartige, daß 
    es noch keiner Bemühung gelungen ist, eine 
    zusam̄enhängende Synthese aller ihrer Variationen 
    zu geben. Man ist bestrebt, typische Beziehungen 
    herauszuheben und dabei immer in Sorge, 
    andere, nicht minder wichtige, Regelmäßigkeiten 
    zu übersehen.

    Die allgemeine Tendenz der Symptombildung bei der 
    Zwangsneurose habe ich bereits beschrieben. Sie geht 
    dahin der Ersatzbefriedigung immer mehr Raum auf 
    Kosten der Versagung zu schaffen. Dieselben Symptome, 
    die ursprünglich Einschränkungen des Ichs bedeuteten, 
    nehmen dank der Neigung des Ichs zur Synthese, 
    später auch die von Befriedigungen an, und 
    es ist unverkennbar, daß die letztere Be-
    deutung allmälich die wirksamere wird. Ein 
    äußerst eingeschränktes Ich, das darauf angewiesen 
    ist, seine Befriedigungen in den Symptomen 
    zu suchen, wird das Ergebnis dieses Prozesses, 
    der sich immer mehr dem völligen Fehlschlagen des 
    anfänglichen Abwehrstrebens nähert. Die Ver-
    schiebung des Kräfteverhältnißes zu Gunsten 
    der Befriedigung kann zu dem gefürchteten 
    Endausgang der Willenslähmung des Ichs führen, 
    das für jede Entscheidung beinahe ebenso starke 
    Antriebe von der einen wie von der anderen 
    Seite findet. Der überscharfe Konflikt zwischen 
    Es und Überich, der die Affektion von An-
    fang an beherrscht, kann sich so sehr ausbreiten, 
    daß keine der Verrichtungen des zur Ver-
    mittlung unfähigen Ichs der Einbeziehung 
    in diesen Konflikt entziehengehen kann.