• S.

    2. Jan 12
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor

    Prosit Neujahr u Gedeihen für Ihr Haus!

    Es gab in der letzten Zeit viel Unruhe bei mir, so dass ich nicht weiss, ob ich Ihnen von dem letzten Brief des Dr. S. [?] Koehler Nachricht gegeben habe.  Er beklagte sich darin, dass er von Ihnen keine Antwort erhalten habe u erklärte sich von Neuem bereits, Ihnen die Übersetzung vorzulegen.  Gleichzeitig bedankte er sich für die ihm gegebene Autorisation, aber ich machte ihn in meiner Antwort aufmerksam, dass diese nicht von mir gegeben sei, sondern von Ihnen abhienge.

    Morichau-Beauchant, mit dem wir, glaube ich, einen guten Fang gemacht haben, ist wol seither als Mitglied bei Ihnen aufgenommen.

    Heute erhielt ich auch eine interessante Zuschrift von Dr. A Hesnard, Marinearzt, jetzt auf dem Kreuzer "Amiral Charner", einem Schüler von Régis (Bordeaux), der die Rückständigkeit der franz. Psychiatre -- im Auftrage von

  • S.

    Régis -- bei mir entschuldigt u sich bereit erklärt, in einer grossen Revue oder sonstwie auf die ΨA aufmerksam zu machen.  Er meint auch etwas übersetzen zu können.  Das Anerbieten ist beachtenswert, weil Régis zu den Redakteuren des "Encéphale" gehört.

    Ich habe mir erlaubt, auch ihn an Sie zu weisen u würde mich freuen, wenn Sie bereit wären, die Leitung aller Beziehungen mit Frankreich zu übernehmen.  Jankelewitsch ist abgethan, er hat überhaupt nicht mehr geantwortet.

    Hoffentlich haben wir beim nächsten Kongress auch eine kleine Zal französischer Teilnehmer.

    Mit herzlichem Gruss für Sie und Dr. Bircher

    Ihr getreuer
    Freud