• S.

    14. XI. 12
    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    Lieber Herr Doktor

    Sie haben gewiss Recht.  Das einfachste wäre gewesen, den Redakteur wegzujagen und das Blatt zu behalten.  Es ist so naheliegend, dass Sie mir zumuten dürfen, ich hätte an diese Art der Lösung nicht vergessen.

    Mein erster Schritt war wirlich ein Brief an den Verleger, der die Ermächtigung verlangte, Stekel wegzuschicken dh ihm die Wal zwischen mir u ihm liess.  Bergmann gab mir aber keine Antwort, sondern korrespondirte mit St., u endlich besuchte mich dieser, um mir in B.'s Auftrag mitzuteilen, dass es vorläufig beim Alten bleiben solle, u dass er das Blatt ohnediess im Sept., mit Ende d. Jahrganges auflassen werde.  Sie verstehen jetzt, dass dies einer Entscheidung gegen mich gleichkam.  St. hatte also ein gewisses Recht zu behaupten, das Zentralbl sei sein Eigentum.  Er konnte auch nicht verschweigen, dass er B. zu bestimmen hoffe, das Blatt auch nach dem dritten Jahrgang unter seiner Leitung "auf breiterer Basis" fortzuführen.  So blieb mir nichts anderes übrig als das Blatt misamt dem Redakteur wegzuwerfen.

  • S.

    An die Zentrale der I. V. konnte ich mich nicht wenden, weil um diese Zeit keine bestand.  Jung war abgereist, ohne eine Vertretung zu hinterlassen, u ich hatte keine Ahnung, wann er wiederkommen würde.  Nachrichten sagten, sehr spät.  Mit dem Warten auf diesen unbestimmten Zeitpunkt hätte ich einen nahen Termin für die Gründung eines neuen Organs versäumt, u durch Monate die Verantwortung für ein Zentralbl übernommen, in dem ich nichts mehr  anzuschaffen u nichts zu verhindern hatte.  Das schloss ich natürlich aus.

    Wie sich die materiellen Beziehungen zu dem unklugen Verleger regeln werden, bleibt jetzt der Zentrale überlassen. Der schlimmste Ausgang kann der sein, dass jedes Mitglied, welches auf dem Laufenden bleiben will, in diesem Jahr eine Mehrausgabe von 15 Mk zu leisten hat.  Die Zentrale verfügt übrigens noch über einen Fonds, der für das offizielle Organ bestimmt ist u den sie, wenn sie den Mitgliedern das Opfer ersparen will, für das neue Organ verwenden kann.

  • S.

    Mein Blatt ist bereits kreirt, es wird am 15 Jan zuerst erscheinen, von da an nur zweimonatlich, aber in der Gesamtstärke des Zentral.  Fast alle Mitarbeiter sind mit mir übersiedelt.

    Bitte vergessen Sie nicht daran, dass ich eine formelle Erklärung von Ihnen brauche, wenn ich Ihren Namen auf den Kopf des neuen Blattes setzen soll, u dass Sie gleichzeitig sich beim alten löschen lassen müssten.  In Ihrem freundlichen Schreiben fehlt es an einer solchen bestimmten Zusage.

    Der Termin von 8-10 Wochen für Ihren Beitrag zu den Schriften ist mir recht.  Das Mnskpt schicke ich Ihnen noch in dieser Woche zurück.  Ich hoffe nach Erledigung der jetzt schwebenden Geschäfte komme ich wieder zu den Dingen, die mich selbst interessiren.

    Indem ich Sie herzlich grüsse
    Ihr ergebener
    Freud

    P. S. Ich werde mich gewiss freuen, wenn das neue Organ bald "offiziell" werden kann.