S.
Falzeder:
3.4.1922[1]
[1] In der Handschrift irrtümlich 3.3.
3. 3. 22
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Ich antworte Ihnen u bitte Sie Ihrer Schwester Mitteilung zu machen:
Ich weiss, was ich Ihrer Schwester versprochen habe u war gewiss bereit es zu halten. Ich war aber nicht gefasst darauf, bis zu welchem Ausmass mich die aus der Fremde zuströmenden Schüler -- ich habe unter 9 Personen jetzt nur 1 Patienten -- beschäftigen würden. Dadurch, dass einige von Ih ihnen länger geblieben sind als sie beabsichtigt hatten, bin ich in solches Gedränge gekommen, dass zB. A. F. Meijer, der bekannte holländische Analytiker, seit Sept vergeblich auf seine Einberufung zur Analyse wartet.
Es wäre mir also eine grosse Erleichterung gewesen, wenn ich gehört hätte, dass Ihre Schwester bei Ihrem Freund die Endbehandlg gefunden hat. Da dies nicht der Fall ist, bleibt mein Versprechen aufrecht, dass ich sie nehmen werde, sobald sich eine freie Stunde ergiebt. Ich kann ja weder meine Arbeitsleistung steigern noch Verabredungen, die 3/4 Jahre alt sind, rückgängig machen. Wenn diese nächste Zeit -- ich schliesse am 1 Juli -- keine unerwartete Lücke bringt, so will ich hoffen, dass ich sie am 1 Okt (30 Sept) in meinem Wartezimmer finden werde.
Mit besten Wünschen für Sie Beide
Ihr
Freud