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S.
Falzeder:
8. 5. 1932
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Entschuldigen Sie sich nicht wegen der Ausführlichkeit Ihres Schreibens. Was Sie mir mitteilen, war mir sehr wertvoll. Auch ich habe das Bedürfnis, ein Misverständnis zu vermeiden. Die Zurückhaltung eines Psychoanalytikers von öffentlicher Beteiligung an okkulten Studien ist eine rein praktische Vorsichtsmassregel von zeitlicher Begrenztheit, kein Ausdruck einer prinzipiellen Stellungnahme. Verächtliche Ablehnung dieser Studien ohne Erfahrung hiesse wirklich das klägliche Beispiel unserer Gegner nachahmen. Darüber denke ich ganz so wie Sie. Auch dass es eine geringe Zuversicht in die Verlässlichkeit unserer wissenschaftlichen Weltanschauung beweist, wenn man vor dem angeblich "Übernatürlichen" – feige, mit vorgeschütztem Hochmut – die Flucht ergreift.
Ein unerfreuliches Kapitel ist aber die Medienwirtschaft, die unzweifelhaften Schwindeleien der Medien, der einfältige und kunststückartige Charakter ihrer Leistungen, die Schwierigkeiten, die der Nachprüfung durch die Bedingungen der Produktion bereitet werden, die offenbare Unmöglichkeit macher ihrer Behauptungen, das alles mahnt doch zur äussersten Vorsicht. Es müsste doch auf besserem Weg gelingen, die Realität von dem, was am Okkulten real ist, zu erweisen. Die bisherige Technik der Kontrolle erinnert mich zu sehr an die unsinnigen Reise- und Devisenbeschränkungen mit den angefügten Erleichterungen, die auch nichts besser machen.
Ich habe mich bei Dr Eitingon sehr bald [für] die baldige Aufnahme Ihrer Gruppe eingesetzt mit dem Argument, dass hier ja der Führer für alle Anderen bürgt. Das Argument, dass die Statuten der I.P.V. verlangt [sic], dass Mitglieder zunächst selbst analysirt seien, bleibt aber doch giltig.
Meine Neugierde, wo die Via dei Gracchi liegt, bleibt ungestillt.
Mit lebhaftesten Wünschen für Ihren Erfolg
Ihr herzlich ergebener
Freud
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S.