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S.
Falzeder:
24. 4. 1932
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Meinen Glückwunsch u dankbare Anerkennung! Ich wollte, wir hätten viele Mitglieder von Ihrer Hingebung und Energie. Dass Sie sich jetzt auf dem neuen Boden auch materiell gesichert fühlen, war sehr erfreulich zu hören. De Santis [sic] Benehmen ist zwar kläglich, aber umso besser, dass Sie ihn nicht gebraucht haben. Sie wissen, was für Verehrer der Ewigen Stadt ich in gesunden Tagen war; es fehlt mir jetzt gradezu, dass ich nicht weiss, wo ich die Via dei Gracchi zu suchen hätte.
Das Journal, Ihre Rivista macht einen sehr respektabeln Eindruck, äusserlich wie inhaltlich. Auch die Kritiken drin scheinen recht zweckmässig. Ihr Mitarbeiter Perrotti verspricht eine tüchtige Kraft zu werden. Hoffentlich bleiben Ihnen die unvermeidlichen Enttäuschungen an Mitarbeitern auf lange hinaus erspart.
Was Sie über Ihre okkultistischen Erfahrungen mitteilen, hat mich sehr interessirt, auch ein wenig besorgt gemacht. Mein Standpunkt ist nicht der der hochmütigen Abweisung a limine. Erlauben Sie mir, ihn genauer auseinander zu setzen. Wenn ich der Vorstellung eines Taschenspielers beiwohne, der Tauben aus dem Hut zaubert, so bin ich ganz ausser Stande zu verstehen, wie das gemacht wird. Es beirrt mich aber nicht, weil nicht der Anspruch auf übernatürliche Kräfte damit verbunden ist. Ich meine nun, solange diese Medien im Finsteren arbeiten, unter Umständen, die das Urteilsvermögen der Zuschauer so beeinträchtigen, verdienen sie nicht mehr Zutrauen als Taschenspieler. Sie leisten ja auch nichts Brauchbares und sind ungezälte Male als Betrüger entlarvt worden. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es auch bei Ihrem Medium nicht anders ist. Ich bin allerdings bereit zu glauben, dass hinter allen sog. okkulten Phänomenen doch etwas Neues und sehr Wichtiges steckt, die Tatsache der Gedankenübertragung, dh der Fortpflanzung psychischer Vorgänge durch den freien Raum auf andere Individuen. Dafür anerkenne ich Beweise aus Beobachtungen im Tageslicht und gedenke mich auch noch öffentlich darüber zu äussern. Für Ihre Rolle als Pionier der Analyse in Italien wäre es natürlich ungünstig, wenn man Sie gleichzeitig als Parteigänger des Okkultismus nennen würde.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr Freud
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S.