• S.

    Falzeder:

     

    2. 4. 23

    PROF. DR. FREUD         WIEN IX., BERGGASSE 19

     

    Lieber Herr Doktor

     

    Ich bedaure, dass die Beantwortung Ihrer Anfrage durch die Ostertage verschoben worden ist.  Zum Glück sehe ich, dass Sie der Situation vollkommen gewachsen sind.

     

    Ihre Auffassung ist gewiss die richtige.  In der Erklärung lassen Sie nur das treibende Motiv: Rachsucht aus.  Wie die Situation ausgeht, ist nicht sicher zu sagen.  Hoffentlich behalten Sie die Oberhand.  Oft findet man sich, wenn es so weit gekommen ist, zu schwach.  Der einzige Schutz in solchen Fällen ist das rechtzeitige Vorhersagen u Ankündigung der Schwankung zur Enttäuschung, so dass man nachher ruhig erinnern darf, und dann unbeirrt abwarten kann, bis Pat. sich ausgetobt hat.  Hat man die Vorhersage versäumt, so darf man sich nachher ordentlich plagen, und kommt in eine nachteilige Position, weil das Eingeständnis des eigenen Interesses die Rachsucht des Patienten anfacht.

     

    Ausser der Rachsucht darf man ein hohes Schuldgefül beim Kranken, der so agirt, voraussetzen u kann auch davon reden.  Im Ganzen ist es kein leichtes Erlebnis.  Ein therapeutisches pis aller ist es, dass der Pat. sich durch Schimpfen auf den Arzt u Analyse gesund macht u auch das muss man ihm erwähnen.

     

    Mit herzlichen Wünschen auch für den Ausgang dieses Falles

     

    Ihr

    Freud