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S.
Falzeder:
7. 1. 23.
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Wie Sie aus dem Brief der Frau Dr G. wissen, hat sie über die Erkrankung ihres Mannes auch an mich geschrieben. Ich theile durchaus Ihre Ansicht, dass die Diagnose an u für sich nicht von der psychoanalyt. Behandlung abschrecken soll, vorausgesetzt es sei übhpt ein psychogener Fall, was hier sicherlich zutrifft. Ich denke dabei an einige Erfahrungen der letzten Zeit. Natürlich wird man eine günstige Phase der Erkrankung abzuwarten haben.
Auch prognostisch halte ich an der früher geäusserten Erwartung eines guten Ausganges fest. Die Bewunderung Stekel's ist allerdings als Zeichen eines schwachen Urteils u perversen Geschmacks bedenklich, mag mit seinem Misbrauch der Selbstanalyse zusammenhängen. Es ist gar nicht so selten, daß die Beschäftigg mit der Analyse, wenn sie nicht durch Analysirtwerden korrigiert wird, die Krankheitsdispositionen weckt, wie sie anderseits die schlechten Seiten eines Charakters zur Entwicklung bringt.
Die beiden Briefe der Frau G. folgen eingeschrieben in besonderem Couvert.
Ihre Schwester hat diesmal wieder sehr viel gelernt, ich hoffe auch dauernd profitiert. Einer gründlichen Erledigung der Neurose steht wol die unerfreuliche Realität im Wege. Ich bin darum auch über ihre Zukunft nicht ganz ruhig. Neuerziehung, um ihren gräulichen Sadismus u ihr exzessives Wesen zu bändigen, schiene durchaus möglich, aber würde dauernde Beeinflussg durch lange Zeit beanspruchen.
Mit Befriedigg denke ich an Ihre unerschütterliche Überzeugung, Ihre Opferwilligkeit u Ihren rastlosen Fleiss u wünsche Ihnen befriedigenden Erfolg im neuen Jahr
Herzlich Ihr Freud
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S.