S.
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all dieser schwerwiegenden Welträtsel geglückt sein
sollte!VII.
WennSind nun gewissermaßen auf das FeldderWissenschaftder verbotenen Religion
gezogen ob unserer Verbotenen Thätigkeit.
Man sagt das Erforschteistwäre man stelle keine
ja recht lobenswert aber man stelle die Wohn-
Ausgrabungen an wenn man durch sie die Wohn-
stätten der Lebenden untergräbt so daß sie
einstürzen und die Menschen unter ihren
Trümmern verschütten. Die religiösen Lehren
sind kein Gegenstand über den man
klügeln kann wie über einen beliebigen
anderen. Unsere Kultur ist auf ihnen aufge-
baut die Erhaltung der menschlichen Gesell-
schaft hat zur Voraussetzung daß die
Menschen in ihrer Überzahl an die Wahrheit
dieser Lehren glaubt. Wenn man sie lehrt
daß es keinen allmächtigen und allgerechten
Gott giebt, keine göttliche Weltordnung und
kein künftiges Leben, so werden sie sich
aller Verpflichtung zur Befolgung der
Kulturvorschriften ledig fühlen. Jeder
wird ungehemmt angstfrei seinen asozialen,
egoistischen Trieben folgen, seine Macht zu
betätigen suchen, das Chaos wird wieder
beginnen, das wir in vieltausendjähriger
Kulturarbeit gebannt haben. Selbst wenn
man es wüßte und beweisen könnte
daß die Religion nicht im Besitz der
Wahrheit ist, müßte man es verschweigen
und sich benehmen wie es die Philosophie des
„als ob“ verlangt. Im Interesse der Erhaltung
Aller! Und von der Gefährlichkeit des
Unternehmens abgesehen, es ist auch eine
zwecklose Grausamkeit! Unzählige Menschen
finden in den Lehren der Religion
ihren einzigen Trost können nur durch
ihre Hilfe das Leben ertragen. Man will
ihnen diese ihre Stütze rauben und hat
ihnen nichts Besseres dafür zu geben. Es ist
zugestanden worden, daß die Wissenschaft
derzeit nicht viel leistet, aber auch wenn
sie viel weiter fortgeschritten wäre – würde
sie den Menschen nicht genügen. Der Mensch
hat noch andere imperative Bedürfnisse
die nie durch die kühle Wissenschaft be-
friedigt werden können, und es ist sehr
sonderbar, geradezu ein Gipfel der In-
konsequenz, wenn ein Psychologe
der immer betont hat, wie sehr
im Leben der Menschen die Intelligenz gegen
das Triebleben zurücktritt, sich nun bemüht,
den Menschen eine kostbare Wunschbefriedig-
ung zu rauben und sie dafür mit intell-
ektueller Kost entschädigen will.S.
29b
einer Feindseligkeit deren Grund auch schwer zuerraten ist d. h. wenigstens Menschen pflegendas, was die Wissenschaft geben kannsuchen bei ihr Trost Erhebung oder ästhetischeBefriedigung und sind enttäuscht wenn sienichts davon finden. Vor allem aber fordernsie von der Wissenschaft den Ersatz fürden religiösen Glauben an dem sie irregeworden sind. Sie meinenaber die Wissenschaft, die auf ihrem lang-samen Entwicklungsweg fortbauen mußvermeidet es, ihre Sache schützt uns nichtzeitweilig mit Annäherungen und Wahr-scheinlichkeiten gut bescheiden läßt undIllusionen verwerfen muß. Hier ist es wohlbeide? Illusion und... dieser Frage nämlichkann. Nach der... Entscheidung von Ihnen43 es haben ob wir... sagen können wirerwartet. Sie könnten sagen wozu soll kann esReligion abgelöst werden. Ein Teil von diesenwird durch eine andere psychologischeErsetzung ...... Die Religion ...sein Teil...Verteidigung... Dazu... der Ausdruckder ...erhoffen...das alte ...darauf antworte ich: das ist nicht dieBedingung...... warum ... können daß es...27b) ...
S.
30
Das sind viel Anklagen auf einmal! Aber
ich bin vorbereitet, ihnen allen zu widersprechen
und überdieß werde ich die Behauptung
vertreten, daß es eine größere Gefahr für
die Kultur bedeutet wenn man ihr gegen-
wärtiges Verhältnis zur Religion aufrecht
hält als wenn man es löst. Nur weiß ich
kaum womit ich in meiner Erwiderung
beginnen soll.Vielleicht mit der Versicherung, daß ich selbst
mein Unternehmen für völlig harmlos
und ungefährlich halte. Die Überschätzung
des Intellekts ist diesmal nicht auf
meiner Seite. Wenn die Menschen so sind
wie die Gegner sie beschreiben – und ich
mag dem nicht widersprechen – so besteht
keine Gefahr daß ein Frommgläubiger sich
durch meine Ausführungen überwältigt
seinen Glauben entreißen läßt. Außerdem
habe ich nichts gesagt, was nicht andere, bessere
Männer viel vollständiger, kraftvoller und
eindrucksvoller vor mir gesagt haben.
Die Namen dieser Männer sind bekannt.
Ich werde sie nicht anführen, es soll nicht
der Anschein geweckt werden, daß ich mich
in ihre Reihe stellen will. Ich habe bloß
– dies ist das einzig Neue an meiner
Darstellung – der Kritik meiner großen
Vorgänger etwas psychologische Begrün-
dung hinzugefügt. Daß grade dieser Zusatz die
Wirkung erzwingen wird, die den
früheren versagt geblieben ist, ist kaum
zu erwarten. Freilich könnte man mich
jetzt fragen, wozu schreibt man solche
Dinge wenn man ihrer Wirkungslosigkeit
sicher ist. Aber darauf kommen wir
später zurück.
Der einzige, dem die Veröffentlichung Schaden
bringen kann bin ich selbst. Ich werde
die unliebenswürdigsten Vorwürfe zu hören
bekommen, wegen Seichtigkeit, Borniertheit
Mangel an Idealismus und an Verständnis
für die höchsten Interessen der Menschheit.
Aber einerseits sind mir diese Vorhaltungen
nicht neu, und anderseits wenn jemand
schon in jungen Jahren sich über das Mißfallen
seiner Zeitgenossen hinausgesetzt hat
was soll es ihm im Greisenalter anhaben
wenn er sicher ist, bald jeder Gunst und
Mißgunst entrückt zu werden? In
früheren Zeiten war es anders, da erwarb
man durch solche Äußerungen eine
sichere Verkürzung seiner irdischen ExistenzS.
31
und eine gute Beschleunigung der Gelegenheit eigene
Erfahrungen über das jenseitige Leben zu machen.
Aber ich wiederhole diese Zeiten sind vorüber
und heute ist solche Schreiberei auch für den
Autor ungefährlich. Höchstens daß sein Buch in
dem einen oder dem anderen Land nicht
übersetzt und nicht verbreitet werden darf.
Natürlich grade in einem Land, das des Hochstands
seiner Kultur sicher ist. Aber wenn man
überhaupt für Wunschverzicht und Ergebung
in das Schicksal plaidiert, muß man auch
diesen Schaden ertragen können.Es tauchte dann bei mir die Frage auf, ob
die Veröffentlichung dieser Schrift nicht
doch Jemand Unheil bringen könnte.
Zwar keiner Person, aber einer Sache,
der Sache der Psychoanalyse. Es ist ja nicht
zu leugnen, daß sie meine Schöpfung ist,
man hat ihr reichlich Mißtrauen und
Übelwollen bezeigt. Wenn ich jetzt
mit so unliebsamen Äußerungen hervor-
trete, wird man für die Verschiebung
von meiner Person auf die Psychoanalyse
nur allzu bereit sein. Jetzt sieht man ja
wird es heißen, wohin die Psychoanalyse
führt. Die Maske ist gefallen, zur Leug-
nung von Gott und sittlichem Ideal, wie
wir es ja immer vermutet haben. Um
uns von der Entdeckung abzuhalten hat
man uns vorgespiegelt, die Psychoanalyse
habe keine Weltanschauung und könne
keine bilden.Dieser Lärm wird mir wirklich unangenehm
sein, meiner vielen Mitarbeiter wegen,
von denen manche meine Einstellung
zu den religiösen Problemen über-
haupt nicht teilen. Aber die Psycho-
analyse hat schon viele Stürme über-
standen, man muß sie auch diesem
neuen aussetzen. In Wirklichkeit
ist die Psychoanalyse eine Forschungsmethode
ein parteiloses Instrument, wie etwa
die Infinitesimalrechnung. Wenn ein Physiker
mit deren Hilfe herausbekommen sollte,
daß die Erde nach einer bestimmten
Zeit zu Grunde gehen wird, so wird man
sich doch bedenken, dem Calcül selbst
destruktive Tendenzen zuzuschreiben
und ihn darum zu ächten. Alles was
ich hier gegen den Wahrheitswert
der Religionen gesagt habe, brauchte
die Psychoanalyse nicht, ist lange vorS.
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ihrem Bestand von anderen gesagt worden.
Kann man aus der Anwendung der psychoanalyt-
ischen Methode ein neues Argument gegen
den Wahrheitsgehalt der Religion gewinnen
tant pis für die Religion, aber Verteidiger
der Religion werden sich mit demselben
Recht der Psychoanalyse bedienen, um
die affektive Bedeutung der religiösen
Lehre voll zu würdigen.Nun um in der Verteidigung fortzufahren:
die Religion hat der menschlichen Kultur
offenbar große Dienste geleistet, zur
Bändigung der asozialen Triebe viel
beigetragen, aber nicht genug. Sie hat durch
viele Jahrtausende die menschliche Ge-
sellschaft beherrscht, hatte Zeit zu zeigen,
was sie leisten kann. Wenn es ihr ge-
lungen wäre, die Mehrzahl der Menschen
zu beglücken, zu trösten, mit dem
Leben auszusöhnen, sie zu Kultur-
trägern zu machen, so würde es niemand
einfallen, nach einer Änderung der be-
stehenden Verhältnisse zu streben.
Was sehen wir anstatt dessen? Daß eine
erschreckend große Anzahl von Menschen
mit der Kultur unzufrieden und in
ihr unglücklich ist, sie als ein Joch empfindet,
das man abschütteln muß, daß diese
Menschen entweder alle Kräfte an eine
Abänderung dieser Kultur setzen oder
in ihrer Kulturfeindschaft so weit gehen,
daß sie von Kultur und Triebeinschränk-
ung überhaupt nichts wissen wollen.
Man wird uns hier einwerfen, dieser
Zustand komme eben daher, daß die
Religion einen Teil ihres Einflusses
auf die Menschenmassen eingebüßt hat
gerade infolge der bedauerlichen Wirkung
der Fortschritte in der Wissenschaft. Wir
werden uns dieses Zugeständnis und
seine Begründung merken und es
später für unsere Absichten verwerten,
aber der Einwand selbst ist kraftlos.
Es ist zweifelhaft ob die Menschen zur Zeit
der uneingeschränkten Herrschaft der religiösen Lehren
im Ganzen glücklicher waren als heute,
sittlicher waren sie gewiß nicht. Sie haben
es immer verstanden, die religiösen
Vorschriften zu veräußerlichen und
damit deren Absichten zu vereiteln.
Die Priester, die den Gehorsam gegen die
Religion zu bewachen hatten, kamen ihnen
dabei entgegen. Gottes Güte mußte seiner
Gerechtigkeit in den Arm fallen. Man
sündigte und dann brachte man OpferS.
33
oder tat Buße und dann war man frei, um
von Neuem zu sündigen. Russische Innerlichkeit
hat sich zur Folgerung aufgeschwungen, daß
die Sünde unerläßlich sei, um alle Seligkeiten
der göttlichen Gnade zu genießen, also
im Grunde ein gottgefälliges Werk
ist. Es ist offenkundig, daß die Priester die Unter-
würfigkeit der Massen gegen die Religion
nur erhalten konnten indem sie der
menschlichen Triebnatur so große Zugeständnisse
einräumten. Es blieb dabei: Gott allein ist
stark und gut, der Mensch aber schwach und
sündhaft. Die Unsittlichkeit hat im Grunde
zu allen Zeiten an der Religion keine
mindere Stütze gefunden als die Sittlichkeit.
Wenn die Leistungen der Religion in Bezug
auf die Beglückung der Menschen, ihre
Kultureignung und ihre sittliche Beschränkung
keine besseren sind, dann erhebt sich
doch die Frage, ob wir ihre Notwendigkeit
für die Menschheit nicht überschätzen und
ob wir weise daran tun unsere Kultur-
forderungen auf sie zu gründen.Man überlege die unverkennbare gegenwärtige
Situation. Wir haben das Zugeständnis gehört,
daß die Religion nicht mehr denselben Einfluß
auf die Menschen hat wie früher. (Es handelt
sich hier um die europäisch christliche Kultur.)
Dies nicht darum weil ihre Versprechungen
geringer geworden sind, sondern weil sie den
Menschen weniger glaubwürdig erscheinen. Geben
wir zu, daß der Grund dieser Wandlung die
Erstarkung des wissenschaftlichen Geistes in
den Oberschichten der menschlichen Gesellschaft
ist. (Es ist gewiß nicht der einzige.) Die Kritik
hat die Beweiskraft der religiösen Doku-
mente angenagt, die Naturwissenschaft die
in ihnen enthaltenen Irrtümer aufgezeigt,
der vergleichenden Forschung ist die fatale Ähn-
lichkeit der von uns verehrten religiösen
Vorstellungen mit den geistigen Produktionen
primitiver Völker und Zeiten aufgefallen.Der wissenschaftliche Geist erzeugt eine bestimmte
Art wie man sich zu den Dingen dieser Welt
einstellt; vor den Dingen der Religion
macht er eine Weile Halt, zaudert, endlich
tritt er auch hier über die Schwelle. In diesem
Prozeß giebt es keine Aufhaltung, je mehr
Menschen die Schätze unseres Wissens zugäng-
lich werden, desto mehr verbreitet sich der
Abfall vom religiösen Glauben, zuerst nur
von den veralteten, anstößigen Einkleidungen
desselben, dann aber auch von seinen
fundamentalen Voraussetzungen. Die
Amerikaner, die den Affenprozeß in DaytonS.
34
aufgeführt, haben sich allein konsequent gezeigt. Der
unvermeidliche Übergang vollzieht sich sonst
über Halbheiten und Unaufrichtigkeiten.Von den Gebildeten und geistigen Arbeitern
ist für die Kultur wenig zu befürchten.AndieDie Ersetzung der religiösen Motive für
kulturelles Benehmen durch andere, weltliche,
würde bei ihnen geräuschlos vor sich gehen,
überdies sind sie zum guten Teil selbst
Kulturträger. Anders steht es um die große
Masse der Ungebildeten, Unterdrückten,
die allen Grund haben Feinde der Kultur
zu sein. Solange sie nicht erfahren, daß man
nicht mehr an Gott glaubt, ist es gut. Aber sie
erfahren es, unfehlbar, auch wenn diese
meine Schrift nicht veröffentlicht wird.
Und sie sind bereit, die Resultate des
wissenschaftlichen Denkens anzunehmen ohne
daß sich in ihnen die Charakterveränderung ein-
gestellt hätte, welche das wissenschaftliche Denken
beim Menschen herbeiführt.
Besteht
da nicht die Gefahr, daß die Kulturfeindschaft
dieser Massen sich auf den schwachen
Punkt stürzen wird, den sie an ihrer
Zwangsfrau erkannt haben? Wenn man
seinen Nebenmenschen nur darum nicht
erschlagen darf, weil der liebe Gott es
verboten hat und es in diesem oder
jenem Leben schwer ahnden wird, man
erfährt aber, es giebt keinen lieben Gott,
man braucht sich vor seiner Strafe nicht
zu fürchten, dann erschlägt man ihn
gewiß unbedenklich und kann nur
durch irdische Gewalt davon abgehalten
werden. Also entweder strengste Nieder-
haltung dieser gefährlichen Massen, sorg-
samste Absperrung von allen Gelegen-
heiten zur geistigen Erweckung oder
gründliche Revision der Beziehung
zwischen Kultur und Religion.VIII.
Man sollte meinen, daß der Ausführung
dieses letzteren Vorschlags keine besonderen
Schwierigkeiten im Wege stehen. Es ist
richtig, daß man dann auf etwas verzichtet,
aber man gewinnt vielleicht mehr
und vermeidet eine große Gefahr.
Aber man schreckt sich davor, als ob man
dadurch die Kultur einer noch größeren
Gefahr aussetzen würde. Als St. (heilige)
Bonifacius den von den Sachsen als
heilig verehrten Baum umhieb, erwar-
teten die Umstehenden ein fürchterliches"
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Die Zukunft einer Illusion1927-001/1927.01
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