Die Zukunft einer Illusion1927-001/1927.01
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    all dieser schwerwiegenden Welträtsel geglückt sein
    sollte!

    VII.

    Wenn Sind nun gewissermaßen auf das Feld der
    Wissenschaft der verbotenen Religion
    gezogen ob unserer Verbotenen Thätigkeit.
    Man sagt das Erforschte ist wäre man stelle keine
    ja recht lobenswert aber man stelle die Wohn-
    Ausgrabungen an wenn man durch sie die Wohn-
    stätten der Lebenden untergräbt so daß sie
    einstürzen und die Menschen unter ihren
    Trümmern verschütten. Die religiösen Lehren
    sind kein Gegenstand über den man
    klügeln kann wie über einen beliebigen
    anderen. Unsere Kultur ist auf ihnen aufge-
    baut die Erhaltung der menschlichen Gesell-
    schaft hat zur Voraussetzung daß die
    Menschen in ihrer Überzahl an die Wahrheit
    dieser Lehren glaubt. Wenn man sie lehrt
    daß es keinen allmächtigen und allgerechten
    Gott giebt, keine göttliche Weltordnung und
    kein künftiges Leben, so werden sie sich
    aller Verpflichtung zur Befolgung der
    Kulturvorschriften ledig fühlen. Jeder
    wird ungehemmt angstfrei seinen asozialen,
    egoistischen Trieben folgen, seine Macht zu
    betätigen suchen, das Chaos wird wieder
    beginnen, das wir in vieltausendjähriger
    Kulturarbeit gebannt haben. Selbst wenn
    man es wüßte und beweisen könnte
    daß die Religion nicht im Besitz der
    Wahrheit ist, müßte man es verschweigen
    und sich benehmen wie es die Philosophie des
    „als ob“ verlangt. Im Interesse der Erhaltung
    Aller! Und von der Gefährlichkeit des
    Unternehmens abgesehen, es ist auch eine
    zwecklose Grausamkeit! Unzählige Menschen
    finden in den Lehren der Religion
    ihren einzigen Trost können nur durch
    ihre Hilfe das Leben ertragen. Man will
    ihnen diese ihre Stütze rauben und hat
    ihnen nichts Besseres dafür zu geben. Es ist
    zugestanden worden, daß die Wissenschaft
    derzeit nicht viel leistet, aber auch wenn
    sie viel weiter fortgeschritten wäre – würde
    sie den Menschen nicht genügen. Der Mensch
    hat noch andere imperative Bedürfnisse
    die nie durch die kühle Wissenschaft be-
    friedigt werden können, und es ist sehr
    sonderbar, geradezu ein Gipfel der In-
    konsequenz, wenn ein Psychologe
    der immer betont hat, wie sehr
    im Leben der Menschen die Intelligenz gegen
    das Triebleben zurücktritt, sich nun bemüht,
    den Menschen eine kostbare Wunschbefriedig-
    ung zu rauben und sie dafür mit intell-
    ektueller Kost entschädigen will.

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    29b

    einer Feindseligkeit deren Grund auch schwer zu
    erraten ist d. h. wenigstens Menschen pflegen
    das, was die Wissenschaft geben kann
    suchen bei ihr Trost Erhebung oder ästhetische
    Befriedigung und sind enttäuscht wenn sie
    nichts davon finden. Vor allem aber fordern
    sie von der Wissenschaft den Ersatz für
    den religiösen Glauben an dem sie irre
    geworden sind. Sie meinen
    aber die Wissenschaft, die auf ihrem lang-
    samen Entwicklungsweg fortbauen muß
    vermeidet es, ihre Sache schützt uns nicht
    zeitweilig mit Annäherungen und Wahr-
    scheinlichkeiten gut bescheiden läßt und
    Illusionen verwerfen muß. Hier ist es wohl
    beide? Illusion und... dieser Frage nämlich
    kann. Nach der... Entscheidung von Ihnen
    43 es haben ob wir... sagen können wir
    erwartet. Sie könnten sagen wozu soll kann es
    Religion abgelöst werden. Ein Teil von diesen
    wird durch eine andere psychologische
    Ersetzung ... 
    ... Die Religion ... 
    sein Teil... 
    Verteidigung... Dazu... der Ausdruck
    der ... 
    erhoffen...
    das alte ...
    darauf antworte ich: das ist nicht die
    Bedingung...
    ... warum ... können daß es
    ...
    27b) ...
     

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    Das sind viel Anklagen auf einmal! Aber
    ich bin vorbereitet, ihnen allen zu widersprechen
    und überdieß werde ich die Behauptung
    vertreten, daß es eine größere Gefahr für
    die Kultur bedeutet wenn man ihr gegen-
    wärtiges Verhältnis zur Religion aufrecht
    hält als wenn man es löst. Nur weiß ich
    kaum womit ich in meiner Erwiderung
    beginnen soll.

       Vielleicht mit der Versicherung, daß ich selbst
    mein Unternehmen für völlig harmlos
    und ungefährlich halte. Die Überschätzung
    des Intellekts ist diesmal nicht auf
    meiner Seite. Wenn die Menschen so sind
    wie die Gegner sie beschreiben – und ich
    mag dem nicht widersprechen – so besteht
    keine Gefahr daß ein Frommgläubiger sich
    durch meine Ausführungen überwältigt
    seinen Glauben entreißen läßt. Außerdem
    habe ich nichts gesagt, was nicht andere, bessere
    Männer viel vollständiger, kraftvoller und
    eindrucksvoller vor mir gesagt haben.
    Die Namen dieser Männer sind bekannt.
    Ich werde sie nicht anführen, es soll nicht
    der Anschein geweckt werden, daß ich mich
    in ihre Reihe stellen will. Ich habe bloß
    – dies ist das einzig Neue an meiner
    Darstellung – der Kritik meiner großen
    Vorgänger etwas psychologische Begrün-
    dung hinzugefügt. Daß grade dieser Zusatz die
    Wirkung erzwingen wird, die den
    früheren versagt geblieben ist, ist kaum
    zu erwarten. Freilich könnte man mich
    jetzt fragen, wozu schreibt man solche
    Dinge wenn man ihrer Wirkungslosigkeit
    sicher ist. Aber darauf kommen wir
    später zurück.
    Der einzige, dem die Veröffentlichung Schaden
    bringen kann bin ich selbst. Ich werde
    die unliebenswürdigsten Vorwürfe zu hören
    bekommen, wegen Seichtigkeit, Borniertheit
    Mangel an Idealismus und an Verständnis
    für die höchsten Interessen der Menschheit.
    Aber einerseits sind mir diese Vorhaltungen
    nicht neu, und anderseits wenn jemand
    schon in jungen Jahren sich über das Mißfallen
    seiner Zeitgenossen hinausgesetzt hat
    was soll es ihm im Greisenalter anhaben
    wenn er sicher ist, bald jeder Gunst und
    Mißgunst entrückt zu werden? In
    früheren Zeiten war es anders, da erwarb
    man durch solche Äußerungen eine
    sichere Verkürzung seiner irdischen Existenz

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    und eine gute Beschleunigung der Gelegenheit eigene
    Erfahrungen über das jenseitige Leben zu machen.
    Aber ich wiederhole diese Zeiten sind vorüber
    und heute ist solche Schreiberei auch für den
    Autor ungefährlich. Höchstens daß sein Buch in
    dem einen oder dem anderen Land nicht
    übersetzt und nicht verbreitet werden darf.
    Natürlich grade in einem Land, das des Hochstands
    seiner Kultur sicher ist. Aber wenn man
    überhaupt für Wunschverzicht und Ergebung
    in das Schicksal plaidiert, muß man auch
    diesen Schaden ertragen können.

        Es tauchte dann bei mir die Frage auf, ob
    die Veröffentlichung dieser Schrift nicht
    doch Jemand Unheil bringen könnte.
    Zwar keiner Person, aber einer Sache,
    der Sache der Psychoanalyse. Es ist ja nicht
    zu leugnen, daß sie meine Schöpfung ist,
    man hat ihr reichlich Mißtrauen und
    Übelwollen bezeigt. Wenn ich jetzt
    mit so unliebsamen Äußerungen hervor-
    trete, wird man für die Verschiebung
    von meiner Person auf die Psychoanalyse
    nur allzu bereit sein. Jetzt sieht man ja
    wird es heißen, wohin die Psychoanalyse
    führt. Die Maske ist gefallen, zur Leug-
    nung von Gott und sittlichem Ideal, wie
    wir es ja immer vermutet haben. Um
    uns von der Entdeckung abzuhalten hat
    man uns vorgespiegelt, die Psychoanalyse
    habe keine Weltanschauung und könne
    keine bilden.

        Dieser Lärm wird mir wirklich unangenehm
    sein, meiner vielen Mitarbeiter wegen,
    von denen manche meine Einstellung
    zu den religiösen Problemen über-
    haupt nicht teilen. Aber die Psycho-
    analyse hat schon viele Stürme über-
    standen, man muß sie auch diesem
    neuen aussetzen. In Wirklichkeit
    ist die Psychoanalyse eine Forschungsmethode
    ein parteiloses Instrument, wie etwa
    die Infinitesimalrechnung. Wenn ein Physiker
    mit deren Hilfe herausbekommen sollte,
    daß die Erde nach einer bestimmten
    Zeit zu Grunde gehen wird, so wird man
    sich doch bedenken, dem Calcül selbst
    destruktive Tendenzen zuzuschreiben
    und ihn darum zu ächten. Alles was
    ich hier gegen den Wahrheitswert
    der Religionen gesagt habe, brauchte
    die Psychoanalyse nicht, ist lange vor

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    ihrem Bestand von anderen gesagt worden.
    Kann man aus der Anwendung der psychoanalyt-
    ischen Methode ein neues Argument gegen
    den Wahrheitsgehalt der Religion gewinnen
    tant pis für die Religion, aber Verteidiger
    der Religion werden sich mit demselben
    Recht der Psychoanalyse bedienen, um
    die affektive Bedeutung der religiösen
    Lehre voll zu würdigen.

       Nun um in der Verteidigung fortzufahren:
    die Religion hat der menschlichen Kultur
    offenbar große Dienste geleistet, zur
    Bändigung der asozialen Triebe viel
    beigetragen, aber nicht genug. Sie hat durch
    viele Jahrtausende die menschliche Ge-
    sellschaft beherrscht, hatte Zeit zu zeigen,
    was sie leisten kann. Wenn es ihr ge-
    lungen wäre, die Mehrzahl der Menschen
    zu beglücken, zu trösten, mit dem
    Leben auszusöhnen, sie zu Kultur-
    trägern zu machen, so würde es niemand
    einfallen, nach einer Änderung der be-
    stehenden Verhältnisse zu streben.
    Was sehen wir anstatt dessen? Daß eine
    erschreckend große Anzahl von Menschen
    mit der Kultur unzufrieden und in
    ihr unglücklich ist, sie als ein Joch empfindet,
    das man abschütteln muß, daß diese
    Menschen entweder alle Kräfte an eine
    Abänderung dieser Kultur setzen oder
    in ihrer Kulturfeindschaft so weit gehen,
    daß sie von Kultur und Triebeinschränk-
    ung überhaupt nichts wissen wollen.
    Man wird uns hier einwerfen, dieser
    Zustand komme eben daher, daß die
    Religion einen Teil ihres Einflusses
    auf die Menschenmassen eingebüßt hat
    gerade infolge der bedauerlichen Wirkung
    der Fortschritte in der Wissenschaft. Wir
    werden uns dieses Zugeständnis und
    seine Begründung merken und es
    später für unsere Absichten verwerten,
    aber der Einwand selbst ist kraftlos.
    Es ist zweifelhaft ob die Menschen zur Zeit
    der uneingeschränkten Herrschaft der religiösen Lehren
    im Ganzen glücklicher waren als heute,
    sittlicher waren sie gewiß nicht. Sie haben
    es immer verstanden, die religiösen
    Vorschriften zu veräußerlichen und
    damit deren Absichten zu vereiteln.
    Die Priester, die den Gehorsam gegen die
    Religion zu bewachen hatten, kamen ihnen
    dabei entgegen. Gottes Güte mußte seiner
    Gerechtigkeit in den Arm fallen. Man
    sündigte und dann brachte man Opfer

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    oder tat Buße und dann war man frei, um
    von Neuem zu sündigen. Russische Innerlichkeit
    hat sich zur Folgerung aufgeschwungen, daß
    die Sünde unerläßlich sei, um alle Seligkeiten
    der göttlichen Gnade zu genießen, also
    im Grunde ein gottgefälliges Werk
    ist. Es ist offenkundig, daß die Priester die Unter-
    würfigkeit der Massen gegen die Religion
    nur erhalten konnten indem sie der
    menschlichen Triebnatur so große Zugeständnisse
    einräumten. Es blieb dabei: Gott allein ist
    stark und gut, der Mensch aber schwach und
    sündhaft. Die Unsittlichkeit hat im Grunde
    zu allen Zeiten an der Religion keine
    mindere Stütze gefunden als die Sittlichkeit.
    Wenn die Leistungen der Religion in Bezug
    auf die Beglückung der Menschen, ihre
    Kultureignung und ihre sittliche Beschränkung
    keine besseren sind, dann erhebt sich
    doch die Frage, ob wir ihre Notwendigkeit
    für die Menschheit nicht überschätzen und
    ob wir weise daran tun unsere Kultur-
    forderungen auf sie zu gründen.

       Man überlege die unverkennbare gegenwärtige
    Situation. Wir haben das Zugeständnis gehört,
    daß die Religion nicht mehr denselben Einfluß
    auf die Menschen hat wie früher. (Es handelt
    sich hier um die europäisch christliche Kultur.)
    Dies nicht darum weil ihre Versprechungen
    geringer geworden sind, sondern weil sie den
    Menschen weniger glaubwürdig erscheinen. Geben
    wir zu, daß der Grund dieser Wandlung die
    Erstarkung des wissenschaftlichen Geistes in
    den Oberschichten der menschlichen Gesellschaft
    ist. (Es ist gewiß nicht der einzige.) Die Kritik
    hat die Beweiskraft der religiösen Doku-
    mente angenagt, die Naturwissenschaft die
    in ihnen enthaltenen Irrtümer aufgezeigt,
    der vergleichenden Forschung ist die fatale Ähn-
    lichkeit der von uns verehrten religiösen
    Vorstellungen mit den geistigen Produktionen
    primitiver Völker und Zeiten aufgefallen.

       Der wissenschaftliche Geist erzeugt eine bestimmte
    Art wie man sich zu den Dingen dieser Welt
    einstellt; vor den Dingen der Religion
    macht er eine Weile Halt, zaudert, endlich
    tritt er auch hier über die Schwelle. In diesem
    Prozeß giebt es keine Aufhaltung, je mehr
    Menschen die Schätze unseres Wissens zugäng-
    lich werden, desto mehr verbreitet sich der
    Abfall vom religiösen Glauben, zuerst nur
    von den veralteten, anstößigen Einkleidungen
    desselben, dann aber auch von seinen
    fundamentalen Voraussetzungen. Die
    Amerikaner, die den Affenprozeß in Dayton

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    aufgeführt, haben sich allein konsequent gezeigt. Der
    unvermeidliche Übergang vollzieht sich sonst
    über Halbheiten und Unaufrichtigkeiten.

       Von den Gebildeten und geistigen Arbeitern
    ist für die Kultur wenig zu befürchten. An
    die Die Ersetzung der religiösen Motive für
    kulturelles Benehmen durch andere, weltliche,
    würde bei ihnen geräuschlos vor sich gehen,
    überdies sind sie zum guten Teil selbst
    Kulturträger. Anders steht es um die große
    Masse der Ungebildeten, Unterdrückten,
    die allen Grund haben Feinde der Kultur
    zu sein. Solange sie nicht erfahren, daß man
    nicht mehr an Gott glaubt, ist es gut. Aber sie
    erfahren es, unfehlbar, auch wenn diese
    meine Schrift nicht veröffentlicht wird.
    Und sie sind bereit, die Resultate des
    wissenschaftlichen Denkens anzunehmen ohne
    daß sich in ihnen die Charakterveränderung ein-
    gestellt hätte, welche das wissenschaftliche Denken
    beim Menschen herbeiführt.
    Besteht
    da nicht die Gefahr, daß die Kulturfeindschaft
    dieser Massen sich auf den schwachen
    Punkt stürzen wird, den sie an ihrer
    Zwangsfrau erkannt haben? Wenn man
    seinen Nebenmenschen nur darum nicht
    erschlagen darf, weil der liebe Gott es
    verboten hat und es in diesem oder
    jenem Leben schwer ahnden wird, man
    erfährt aber, es giebt keinen lieben Gott,
    man braucht sich vor seiner Strafe nicht
    zu fürchten, dann erschlägt man ihn
    gewiß unbedenklich und kann nur
    durch irdische Gewalt davon abgehalten
    werden. Also entweder strengste Nieder-
    haltung dieser gefährlichen Massen, sorg-
    samste Absperrung von allen Gelegen-
    heiten zur geistigen Erweckung oder
    gründliche Revision der Beziehung
    zwischen Kultur und Religion.

    VIII.

       Man sollte meinen, daß der Ausführung
    dieses letzteren Vorschlags keine besonderen
    Schwierigkeiten im Wege stehen. Es ist
    richtig, daß man dann auf etwas verzichtet,
    aber man gewinnt vielleicht mehr
    und vermeidet eine große Gefahr.
    Aber man schreckt sich davor, als ob man
    dadurch die Kultur einer noch größeren
    Gefahr aussetzen würde. Als St. (heilige)
    Bonifacius den von den Sachsen als
    heilig verehrten Baum umhieb, erwar-
    teten die Umstehenden ein fürchterliches

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