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S.
Falzeder:
18 Okt 20.
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Sehr geehrter Herr
Ich danke für Ihren heute angelangten Brief vom 24 Sept. Die vorher zugeschickte Polemik mit dem Franzosen war wiederum ein kleines Meisterstück, ebenso elegant wie inhaltsvoll und von tiefer Empfindung durchtränkt, das ich bewundern müsste, auch wenn ich nicht -- wenigstens zum Teil -- Ihren Standpunkt in der deutschen Frage gutheissen würde. Man hat mir erzlät, dass Sie selbst aus dem Blut der Hohenzollern sind. Ihre grossen Gaben stammen wol anderswoher.
Ich weiss, dass die Psychoanalyse u meine Person in Amerika gegenwärtig sehr populär sind, aber es geht mir nicht sehr tief. Ich vermute, dass auch das Verständnis der Analyse in Amerika nicht sehr tief geht. Eine grössere Anzal von Schülern jenseits des Wassers, welche die junge Disziplin in meinem Sinn weiter entwickeln, wäre mir lieber. Noch immer kann man den meisten der ärztlichen Forscher in Ihrem Lande den Vorwurf der Oberflächlichkeit nicht ersparen. Nur mein verstorbener Freund James J. Putnam in Boston war anders. Von vielen Anfängern und vom Publikum erwarte ich, dass sie sich mit
diesdemselben unkritischen Eifer auf die nächste Neuheit stürzen werden.Es war mir fast eine Genugthuung, dass Ihre Beziehung zu Dr Tannenbaum keine intimere ist. An Courage mag es ihm ja nicht fehlen. Sonst aber ist er als Wilsonide -- wenn Sie mir diese Neubildung gestatten -- interessant u gleichzeitig ein Beleg dafür, dass der Praesident eine typische Disposition des amerik. Charakters inkarnirt hat. Wie Wilson hat er eines Tages nach Europa ein Kommando herübergeschickt, wir hätten uns mit (einem gewissen) Stekel zu versöhnen im Namen der Seelengrösse, der Einheitlichkeit aller Analytiker, der wissenschaftlichen Unparteilichkeit und Denkfreiheit u anderer Phrasen mehr. Natürlich ganz wie W. ohne jede Kenntnis der betreffenden Personen und Verhältnisse, ohne Einsicht in die Unmöglichkeit dessen, was er forderte. Zum Glück sind die Machtverhältnisse in beiden Fällen nicht die gleichen gewesen. Aber dies kleine Zerrbild Ihres Gegners wird Sie wol kaum weiter interessiren.
Ich bin mit besten Wünschen
Ihr hochachtgsvoll ergebener
Freud
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S.
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
C43F5