• S.

    Falzeder:

    Ostersonntag

    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    16. 4. 1933

     

    Lieber Herr Viereck

     

    Sie schicken mir die Botschaft des ehem. deutschen Kronprinzen und Ihre Zuschrift an die N Y Herald Tribune, ohne etwas Handschriftliches hinzuzufügen.  Ich nehme an, Sie erwarten eine Gegenäusserung von mir.  Ich hätte mit dieser auch nicht gekargt und sie wäre ausführlich geworden, wenn ich nicht besorgt hätte, dass Sie sie irgendwie publizistisch verwendeten.  Darum beschränke ich mich auf wenige Bemerkungen, die für Sie allein bestimmt, sich der Veröffentlichung widersetzen.

     

    Ich sage also nur, es thut mir leid, dass Sie sich durch Parteinahme für so erbärmliche Lügen wie die im Brief Ihres kaiserlichen Vetters, herabgewürdigt haben.

     

    Zur Beurteilung der Sachlage genügt es, dass man drei Äusserungen zusammenstellt: die Versicherung des Kronprinzen, dass niemand in Deutschland "had to suffer injustice on account of his religion"; Ihr eigenes Zugeständnis, dass "if those who wish to purge their country of such elements invoke racial or religious prejudice, they are guilty of the same fault as those to whose course they take exception", und die schlichte Rede von A. Chamberlain, er kümmere sich nicht um die angeblichen Greuel, sondern halte sich an die offiziellen Äusserungen und Massregeln der Führer der Bewegung.

     

    Mit tiefem Bedauern

    Freud

     

    Answered: George Sylvester Viereck