• S.

    Falzeder:

    16. 1. 1928

    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

     

    Dear Mr Viereck

     

    Dank für Ihre Neujahrswünsche, die ich gern erwiedere [sic]!

     

    Es wundert mich ein wenig, dass Sie mir das Anerbieten des lecture bureau überhaupt mitteilen.  Sie wissen doch genug von mir, um entscheiden zu können, dass mir mein körperlicher Zustand eine solche Unternehmung unmöglich macht.  Das Folgende hat darum nur akademischen Wert:

     

    Selbst wenn ich könnte, würde ich es nicht thun.  Wer als Vortragender hervortritt, wirbt doch immer um Gunst der Hörer.  Sie kennen meine Einstellung zu Amerika.  Um kein Publikum würde ich mich weniger gern bemühen als um das amerikanische.  Ziehe ich die Zeit in Betracht, die eine solche Tour braucht, doch gewiss 3 Monate, rechne die Kosten meiner Existenz dort u die Steuerabgabe bei der Abreise vom garantirten Betrag ab, so verliert auch der materielle Gewinn jeden Anreiz.  Wenn ich meine Kraft ohne Rücksicht anspannen will, wie ich in Amerika müsste, kann ich in der gleichen Zeit hier ebensoviel erwerben.

     

    Aus zwei Zeitungsausschnitten (N Y Times u St. Louis Democrat), die ich erhalten, voll von nonsense and false statements (wie selbstverständlich erfahre ich, dass meine "Zukunft einer Illusion" hier grossen Aufruhr hervorgerufen hat, dass ich mich gegen den Interviewer über Rousseau geäussert usw. [sic]  In Wirklichkeit hat hier kein Hahn nach dem Büchlein gekräht und habe ich keinem amerikan. oder andren Journalisten ein Interview darüber gegeben.

     

    Auf mein Betreiben hat der Verlag eine zweite Photographie an Sie abgeschickt.

     

    Herzlich grüssend

    Freud