• S.

    Falzeder:

    9. X. 1927

    PROF. DR. FREUD          WIEN IX., BERGGASSE 19

     

    Lieber Herr Viereck

     

    Dank für Ihre Zusendung.  Immerhin zeitgeschichtlich interessant.

     

    Für die Photographie vom Verlag werde ich sorgen.  Die Verbreitung unseres Interview macht mir ja keine besondere Freude.  In der Kritik amerik. Zustände werde ich stetig unduldsamer.

     

    In den letzten Wochen wurde ich von Bettelbriefen überfallen, Folge einer von Amerika her in deutschen Zeitungen verbreiteten Nachricht, dass ich ein Ehrengeschenk von $ 100,000 bekommen, um sorgenfrei arbeiten zu können.  Dieser Unsinn hat hier leichten Glauben gefunden.

     

    Wenn mich Ihr "Ewiger Jude" noch auf Erden antrifft, bitte ich auch um ein unzensurirtes Exemplar.

     

    Meine Damen danken für Ihren Gruss; meine Tochter fragt verwundert, "woher sie das wissen".

     

    Mit meinen besten Wünschen

    Ihr

    Freud