• S.

    Falzeder:

    Grundlsee

    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19

    21. 9. 1930.

     

    Dear Mr Viereck

     

    Meine Tochter ist gegenwärtig auf einer Tour in der Schweiz, so habe ich ihr Exemplar der Salome gelesen.  Sie haben richtig geraten, dass meinen Einspruch weniger herausfordern wird als der Ewige Jude.  Es kommt mir auch ordentlicher komponirt und zahmer, selbst liebenswürdiger vor.  Dass es von Psychoanalyse u bes. vom Minderwertigkeitskomplex auch gar nichts enthält, rechne ich ihm auch zum Vorzug an.

     

    Zum Gedankeninhalt der Salome Stellung zu nehmen, verbietet mir ein ganz besonderes Moment und die damit verknüpfte Einschränkung der geistigen Beweglichkeit.  Ich arbeite nämlich gerade jetzt an oder mit einer besonderen Auffassung der Weiblichkeit, die von der poetischen ebensoweit entfernt ist wie von der pseudowissenschaftlichen Hirschfelds.  Es soll damit nicht versprochen werden, dass diese Arbeit eines Tages fertig vorliegen wird.  Das ist heute bei mir anders.

     

    In Ihrer Widmung können Sie natürlich sagen, was Ihnen notwendig scheint.  Der Standpunkt des Wertens in without despising ours ist mir natürlich eher fremdartig.

     

    Mit herzlichem Gruss für Sie u Ihre Frau

    Ihr Freud

     

    Answered: George Sylvester Viereck