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    [Briefkopf VI Berlin] 6. 2. 25

    Lieber Herr Professor,
    Als Ihre Zeilen betr. den Kongreß ankamen, hatte ich schon von Pfister eine Kopie seines an Sie gerichteten Briefes erhalten. Selbstverständlich habe ich sofort sowohl Pfister als auch Oberholzer mitgeteilt, daß ich der Übernahme des Kongresses nach Deutschland zustimme. Mit Max habe ich dann sofort das Weitere besprochen. Der Kongreß wird nun vom 3.-5. September in Bad Homburg, nahe Frankfurt, stattfinden. In wenigen Tagen werden Sie aus einem Rundschreiben alles Nötige ersehen. Die Kurdirektion in H. ist an dem Kongreß sehr interessiert. Landauer und Frau Dr. Happel in Frankfurt haben das örtliche Arrangement übernommen, und wir sind schon über die Lokalitäten für die Sitzungen, Unterkunft etc. informiert. Das ging in drei Tagen, während die ergebnislosen Verhandlungen mit den Schweizern zwei Monate gedauert haben; ein Konvolut von Briefen ist entstanden, das man nur mit Kopfschütteln und Lächeln lesen kann. Also es ist alles in bestem Gange. Demnächst beginnen auch die Vorbe

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    reitungen für die zweite deutsche Zusammenkunft in Weimar (zweite Hälfte April).
    Ich will nicht den Rundbrief abwarten, sondern Ihnen noch etwas sehr Erfreuliches mitteilen. In den 17 Jahren meiner Tätigkeit in Berlin hat noch nie ein ärztlicher Verein einen Vortrag über Psychoanalyse verlangt. Jetzt bin ich eingeladen und habe zugesagt, in der Berliner Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe am 13. März zu sprechen. Thema: »Psychoanalyse und Gynäkologie«. Wenn dieser Vortrag eine günstige Aufnahme findet, so wird davon eine große positive Wirkung ausgehen, denn andre spezialärztliche Gesellschaften werden sich anschließen und damit wird eine erste offizielle Anerkennung der Psychoanalyse in Deutschland erreicht sein.
    Mancherlei andres Gute von hier soll im  Rundbrief mitgeteilt werden.
    Nun will ich noch in einer andern Sache ein offnes Wort reden. An der Spitze des neuen Jahrgangs der Zeitschrift soll Sándors Artikel über Sexualgewohnheiten stehen. Was Ideenreichtum betrifft, ist dies vielleicht seine reifste und beste Arbeit, aber was ihren technischen Inhalt anlangt, so habe ich große Bedenken. Ende 1923 erschienen

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    die »Entwicklungsziele« mit der technischen Regel der Terminsetzung und überhaupt stark aktiver Tendenz. Gerade die Terminsetzung wird nun nach Jahresfrist bereits stark eingeschränkt, dafür aber eine neue Aktivität empfohlen, die in dieser Form kaum ein Jahr lang erprobt sein kann und deren Regeln ziemlich unbestimmt und aphoristisch sind. Vielleicht wäre es besser gewesen, überhaupt nicht so eilig mit aber- maligen technischen Neuerungen und ihrer Publikation zu sein. Nun hat Max Ihnen bereits vorgeschlagen, den Artikel lieber Ihrem kleinen Aufsatz über den Wunderblock nachzusetzen (den
    ich mit allergrößtem Genuß las, so sicher fühlt man sich bei diesem klaren und unanfechtbaren Aufbau der Gedanken!)[.] Max’ Vorschlag hat meine volle Billigung. Der Platz vor Ihrem Aufsatz gibt Sándors Artikel einen sozusagen offiziellen Charakter; im andern Falle ist er, wie jede andre Schrift, nur des Autors eigne Sache.
    Dies ist die Überleitung zu einer Frage. Wir können für die Dauer der Diskussion der technischen Fragen nicht ausweichen. Was würden Sie, lieber Herr Professor, richtiger

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    finden: auf dem Kongreß ein Symposion zu veranstalten, oder etwa in der Zeitschrift durch einige Nummern einen Meinungsaustausch zu veranstalten. Und würden Sie in diesem Falle daran selbst teilnehmen wollen?
    Ich bin sehr froh, über Ihr Befinden fortgesetzt Gutes zu hören.
    Mit herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus
    Ihr Abraham