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    Grunewald, 7. 6. 25

    Lieber Herr Professor,
    Ich schreibe Ihnen dieses Mal vom Bett aus; von Holland habe ich mir einen fieberhaften Bronchialkatarrh mitgebracht, der nicht recht weichen will. Gerade bevor ich mich vorgestern legte, trat unerwartet eine Frage an mich heran, über die ich Ihnen berichten muß.
    Der Inhaber eines bedeutenden Film-Unternehmens erschien bei mir und teilte mir den Entschluß mit, einen populär-wissenschaftlichen psychoanalytischen Film herzustellen, mit Ihrer Autorisation und unter Mitarbeit und Kontrolle anerkannter Schüler von Ihnen; bezüglich letzterer solle ich das Vorschlagsrecht haben.
    Daß derartiges gerade mir nicht »liegt«, bedarf kaum der Erwähnung; ebensowenig aber, daß der Plan im Wesen unsrer Zeit
    liegt und daß er bestimmt  ausgeführt wird, wenn nicht  mit uns , dann von unberufener Seite. Wir haben in Berlin so viele »wilde« Analytiker – ich nenne nur Kronfeld, Schultz, Hattingberg – die sich gierig auf das Angebot stürzen werden, falls wir ablehnen. Dann hätten diese den materiellen Gewinn, unsre Sache aber den Schaden.
    Aus dem beiliegenden Schreiben, das ich baldigst zurückerbitte, ersehen Sie die vorläufigen Propositionen. Ich füge ferner ein Blatt bei, das Sie im Falle Ihrer

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    Zustimmung unterschreiben wollen.
    Im definitiven Abkommen, bei welchem mein Schwager als Jurist mir zur Seite stehen wird, muß ausdrücklich betont werden, daß die Gewinnbeteiligung von 10 % sich auf die Brutto-Einnah-
    men bezieht, wie es mündlich besprochen wurde. Ihr Gewinnanteil, lieber Herr Professor, bleibt der Vereinbarung unter uns  vorbehalten; da wird es wohl keine Schwierigkeiten geben.
    Der Unterschied dieses korrekten Angebotes gegenüber dem Vorgehen des Amerikaners Goldwyn6 liegt wohl auf der Hand.
    Der eigentliche Plan des Films ist folgender: der erste Teil dient der Einführung durch eindrucksvolle Einzelbeispiele, welche die Verdrängung, das Unbewußte, den Traum, Fehlhandlungen, Angst etc. illustrieren. Der Leiter des Unternehmens, der Ihre Schriften zum Teil kennt, ist z.B. begeistert von dem Gleichnis mit dem Eindringling in den Fünf Vorträgen zur Illustration von Verdrängung und Widerstand. Der II. Teil soll ein menschliches Schicksal im Lichte der Psychoanalyse darstellen und die Heilung nervöser Symptome zeigen.
    Außerdem schlägt Herr Neumann die Abfassung einer leicht faßlichen, populären Schrift über die Psychoanalyse vor. Meine Idee dazu ist, die Psychoanalyse nicht systematisch darzustellen, sondern Beispiele aus dem Leben darzustellen und an ihnen die Theorie zu entwickeln. N. möchte diese Schrift, die 2-3 M. kosten dürfte, entweder in einem großen Verlag publizieren, der weiteste Verbreitung sichert, oder aber in unserm  Verlag. Da wäre vielleicht

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    eine Gelegenheit, durch die dieser auf einen grünen Zweig kommen könnte.
    Ich nehme an, daß Sie, lieber Herr Professor, dem Gesamtplan keine übergroße Sympathie entgegenbringen werden, daß Sie aber das Zwingende der praktischen Gründe anerkennen müssen. Unser Einfluß soll sich bis ins einzelne erstrecken, sodaß z.B. alles vermieden wird, was uns der Sache nachteilig zu sein scheint. Morgen spreche ich die Sache mit Hanns durch, falls ich wie-
    der einen Ton aus der Kehle bringen kann. Die Auswahl geeigneter junger Kräfte aus unserm Kreis werde ich mit ihm und Max treffen. Daß ich Ihnen für jeden Hinweis irgendwelcher Art dank-
    bar bin, versteht sich von selbst.
    Heute beschränke ich mich auf dieses eine Thema; das Schreiben im Bett ist doch recht unbequem. Über Holland und sonstiges berichte ich dann am 15. im Rundbrief.
    Hoffend, mit Ihrer Rückäußerung zugleich auch recht, recht Gutes über Ihr Ergehen zu hören, bin ich mit herzlichen Grüßen
    Ihr Karl Abraham

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    NEUMANN PRODUKTION
    FERNSPRUCH: AMT ZENTRUM 11471 9834 / TELEGRAMM-ADRESSE: NEUPRODUKT BERLIN
    BERLIN SW19; LEIPZIGER STRASSE 77 den 5. Juni 1925.

    DIREKTION

    Herrn Dr. Karl A b r a h a m,
    Berlin/Grunewald,
    Bismarck Allee 14.

    Sehr geehrter Herr Doktor,
    Bezugnehmend auf unsere heutige Rücksprache, wiederhole ich Ihnen den geschäftlichen Teil derselben nachstehend nochmals schriftlich wie folgt:
    Unsere Firma wünscht einen populär-wissenschaftlichen Film über die Lehre der Freud’schen Psychoanalyse herzustellen und hierzu von Herrn Geheimrat S. Freud eine offizielle Autorisation zu erlangen.
    Das Manuskript und die sonstigen notwendigen Arbeiten zu diesem Film würden von unseren Herren gemeinsam mit einem von Ihnen vorzuschlagenden Psychoanalytiker, welcher von uns honoriert wird, geleistet werden.
    Wir würden Sie bitten, als wissenschaftlicher Beirat zu fungieren und uns auch bei der Ausarbeitung des Manuskriptes behilflich zu sein.
    Wir würden Ihnen und Herrn Geheimrat Freud gemeinsam 10. (zehn Prozent) der Erträgnisse des Filmes zahlen und Ihnen diese Einnahme mit Mk: 10.000.– (zehntausend Mark) garantieren, wovon ein Teil bei Abschluss des Vertrages und der Rest bei Fertigstellung des Filmes zu zahlen wäre.
    Unsere Bedingung ist, dass Herr Geheimrat Freud und Sie während eines Zeitraumes von drei Jahren keine Autorisation zur Herstellung eines Filmes über die Freud’sche Theorie erteilen oder sich in irgend einer Form an der Herstellung eines derartigen Filmes beteiligen.
    Wunschgemäss behändigen wir Ihnen gleichzeitig einige Druckschriften über unsere hauptsächlichsten Filme der letzten

  • S.

    Jahre, aus denen Sie ersehen werden, dass wir auf dem Gebiet derartiger kultureller Filmwerke keine Neulinge sind.
    Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Erledigung dieser Angelegenheit umgehend in Angriff nehmen würden und empfehlen uns Ihnen, in der Erwartung recht bald von Ihnen zu hören,
    mit vorzüglicher Hochachtung NEUMANN PRODUKTION
    G. M. B. H.

    Anlagen.

  • S.

    Wien, den  Juni 1925. An die
    Neumann Produktion G.m.b.H.
    B e r l i n. S.W. 19.
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    Unter der Bedingung, dass der zwischen Ihnen und Herrn Dr. Karl Abraham in Aussicht genommene Vertrag meine Zustimmung findet, bin ich bereit, einem durch Sie herzustellenden po-
    pulär-wissenschaftlichen Film über die Lehre der Psychoanalyse meine Autorisation zu erteilen und mich während eines Zeitraums von drei Jahren weder an der Herstellung eines derartigen Films in irgend einer Form zu beteiligen, noch die Autorisation zur Herstellung zu erteilen.
    Hochachtungsvoll