• S.

    [Briefkopf V Berlin] 12. 6. 21.

    Lieber Herr Professor,
    Nachdem ich erst gestern den Komitee-Brief abgesandt habe, gibt es nicht viel mitzuteilen, aber ich komme als Bittsteller in einer Sache, die mir und andern Mitgliedern unseres Vereins sehr dringend ist.
    Ich erwähnte in einem der letzten Komitee-Berichte eine Studentin Hubermann, die sich durch vortreffliche Leistungen und außergewöhnliches Verständnis für die Psychoanalyse in unserm Kreis sehr gut eingeführt hat.
    Es stellt sich nun heraus, daß sie eine Lungentuberkulose hat, in relativ gutartiger Form, d.h. trockne Pleuritis mit sehr chronischem Verlauf, aber mit täglichem Fieber in letzter Zeit. Ein ausgezeichneter Spezialist stellt
    uns in Aussicht, daß sie von einer dreimonatigen Liegekur nachhaltigen Erfolg haben werde. Durch rasches Eingreifen können wir der Psychoanalyse eine wirklich wertvolle Arbeitskraft sichern, ganz abgesehen von der humanen Seite der Sache. Für die Kur sind neben den geringen eignen Mitteln der Patientin 5-6000 M. erforderlich. Ich sprach mit Eitingon, der auch der Meinung war, ich solle Sie, lieber Herr Professor, um einen Beitrag aus einem der Fonds bitten, zumal  diese Quelle der Patientin das

  • S.

    Annehmen einer Unterstützung sehr erleichtert, während sie sich gegen eine private Hilfe sehr wehrt. Eitingon meint, der amerikanische Fonds könnte vielleicht in Anspruch genommen werden. 100 Dollar würden gerade der notwendigen Summe entsprechen. Wenn sich die Sache auf diese Weise regeln ließe, wäre das sehr schön. Ich bitte nur um einen ganz kurzen Bescheid, ob wir das Geld erwarten dürfen. Die Adresse meiner Bank füge ich bei; natürlich kann der Betrag ebenso gut an Eitingon gehen, wenn das vielleicht bequemer ist, da er ja immer mit amerikanischen Geldern zu tun hat.
    Herzlichen Dank im voraus! Und beste Grüße
    Ihres Karl Abraham