• S.

    PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
    24. XI. 23

    Lieber Herr Doktor,
    Meine Tochter hat mir den Brief zur Beant-
    wortung überlassen, den Sie von Ihnen, mich
    betreffend, empfangen hat. Ich habe mich über
    seinen Inhalt sehr gefreut. Was Sie sagen, ist
    ja richtig. Ich würde mich noch mehr freuen,
    wenn Sie Ihre führende Stellung in der Schweiz
    behalten hätten oder Ihre Anstalt viel ausschlie-
    sslicher in den Dienst der Analyse stellen könnten.
    Aber unsere Beziehungen beruhen ja auf festen
    Motiven anderer Art und sind von solchen EInwen-
    dungen unabhängig. Ich würde mich also sehr freuen,
    Sie wieder bei mir zu sehen. Jetzt wäre es natürlich
    ausgeschlossen. Ich bin in einer langsamen
    Rekonvaleszenz und in einer Behandlung, die alle
    Kräfte in Anspruch nimmt. Aber wenn nichts da-
    zwischen kommt, kann es ja gut ausgehen und

  • S.

    gegen das Frühjahr mag es mir ein genuss sein,
    was mir heute eine Last wäre.
    Mit herzlichem Dank für Ihr Anerbieten
    Ihr Freud