• S.

    Lieber Herr Doktor

    Schönen Dank fpr die Vateranalyse, die doch gewiss keiner Entschuldigg bedarf. Das mehr Herauslesen wird mir durch einen Umstand erschwert auf den ich später zurückkommen werde. Fer. war vielleicht gar nicht so glücklich mit mir zu reisen, dass man ihn beneiden müsste. Ich lasse mich in den Ferien recht gehen u bin gar nicht immer geistreich, u er war sehr liebenswürdig, aber etwas gehemmt. An Bleuler habe ich nun selbst einen Brief geschrieben, der um Aufklärg bittet, denn in Wirklichkeit verstehe ich doch nicht weshalb er sich vom Verein ausschliesst. Ich erwarte keinen Einfluss zu nehmen, aber ich dachte er muss es doch endlich als Beleidigg nehmen, dass ich keine direkte Fühlung mit ihm suche.

    Frau Heissig (oder wie sie sich schreibt) war 6 Wochen lang meine Pat: die Kur wurde angeblich wegen der hohel Kurkosten (!) abgebrochen dh: sie lag nicht im Interesse ihres MAnnes der ein suspektes Individuum ist. In dieser Zeit habe ich sie als einen schlechten von Leidenschaftlichkeiten verzehrten Fall kennen gelernt. Der Mann hatte die Kühnheit mir in der Anamnese zu verheimlichen, dass sie kurz (etwa 1 1/2 J) vorher beim Verlassen einer Nervenheilanstalt sich eine Kugel in den Schädel gejagt, die jetzt noch irgendwo steckt. Sie selbst hat das Geständnis

  • S.

    nicht herazsgebracht, dass sie vor dieser Ehe etwas böses angestellt was mit einem früheren Verhältnis zusammenhängt. Ich weiss es nur vom Hausarzt (Diskretion).

    An so einem Schuldbewusstsein schleppt sie nun der MAnn die an einer Kette. Man müsste den Kampf mit ihm aufnehmen und sie würde ihren Kumpan dabei im Stiche lassen. Der Arzt, nach dem sie sich angeschossen, hatte sie natürlich koitiert, warscheinlich nicht ohne Provokation.

    Redlich habe ich noch nicht gesehen, er hat den Sommer sehr selig mit seinem Herzensfreund verbracht, war wahrscheinlich bereits arg manisch.

    Ich versprach auf etwas zurückzukommen. Das ist, lieber Doktor, Ihre scheussliche, schizophren ablehnende Schrift, die zu, Nichtverstandenwerden bestimmt is tund ihr korrektes, gerechtes Wesen gerade so nach der negativen Seite hin ergänzt wie Ihre Vaterträume Ihr wirkliches Benehmen. Lässt sich da nichts machen?

    Die Schrift ist immerhin eher real als Träume sein können.

    Das Buch von Hitschmann werden Sie gewiss erhalten. Aufs Zentralblatt bin ich sehr neugierig. Auf ihre Absatzanalyse nicht weniger. Unlängst hat Ihnen sogar Friedländer in der Zeitsch, f. Psychologie u Phys. d. Sinnesorg. Lob wegen der Irmaanalyse gespendet.

    Hoffentlich verdirbt es Sie nicht.

    Ich grüsse Sie u Ihre l. Frau herzlich

    Ihr getreuer

    Freud