• S.

    Lieber Herr Doktor

    Nur äusserster Zeitmangel kann die Verspätung meines Glückwunsches zur Geburt der Tochter entschuldigen. Nun sind Sie Vater in jedem Sinne u haben das Merkwürdigste  was es im Leben gibt, zweimal erfahren. Möge sie gedeihen und der braven Mutter wie Ihnen Freude machen.

    Ich verwehre mich nachträglich dagegen, als hätte ich Sie mit der Zuweisung der Aufgabe, die PA in die Anstaltspraxis einzuführen, von der wissenschaftlichen Arbeit ausschliessen wollen, wie Sie stolz bescheiden anzunehmen scheinen. Wir erwarten im Gegenteile noch zahlreiche Beiträge von Ihnen von der Art der Irma u tiefer reichende. Ich meinte nur, die Technik bedürfte für die Anstaltsbehandlung gewisser Abänderungen, die niemand besser als Sie wird beurteilen können.

    Frau Heisigg besitzt ein Geheimnis trotz ihres Leugnens, Ich vermute (nach einer Andeutung des Hausarztes) es liegt im Liebesverhältnis zwischen beiden Ehen (mit einem dritten) u

  • S.

    es könnte leicht in der kriminellen Beseitigg der Furcht dieses Verhältnisses bestehen. Es bleibt Ihnen überlassen, ob u wie Sie sie auf dies wahrscheinlich vergessene Stück ihres Liebeslebens bringen wollen.

    Meinem Sohne geht es gut. Er wird in den nächsten Tagen einen starren Verband bekommen. Hoffentlich Ihrem Bruder auch.

    Ich hatte einige besonders klägliche Wochen, die mich bereits an die finale Arteriosklerose denken liessen, bis sich durch einen Zufall die Diagnose einer chronischen Leuchtgasvergiftung ergab. Mit dem Austausch des Schadhaften Schlauches bin ich selst wie verwandelt u hoffe noch eine Zeitlang mitzuthun. Ich freue mich sehr dass Sie Adler nicht mitmachen. Er hat einen paranoiden Zug und müsste zum Untergang der PA führen, die nachträgliche Verleugnung der Sexualität u des Unbewussten durch das von der PA nicht veränderte Ich. Immerhin geistreich u lehrreich.

    Mit herzlichen Grüssen an Ihre ganze jetzt schon recht respektable Familie

    Ihre getreuer

    Freud