• S.

    Lieber Herr Doktor

    Den zweiten Jahrestag meiner Promotion in Worcester weiß ich nicht besser als durch die Beantwortung Ihres Brifes zu feiern. Zunächst vielen Dank für die Kopie Ihres Briefes, die zu liebenswürdig ist (Handschrift Ihrer Frau?) meine nächste Reaktion wollte sein, ich möchte Ihnen schreiben, daß ich nach dem Kongress siein Konstanz besuchen u das Projekt mit Ihnen besprechen werde. Da kam ein Brief meines 79j. Bruders in England mit der Mittheilung daß der jüngere der beiden alten Brüder (76 J alt) gestorben ist u mit der leicht verständlichen Erinnerung er möchte mich in diesem Herbst noch sehen. Somit habe ich beschlossen nach dem Kongress nach England oder Holland, Belgien wo er mir ein Zusammentreffen bestimmen wird zu fahren, u der Besuch bei Ihnen mit dem ich mich bereits sehr vertraut gemacht hatte, musste aufgegeben werden. Vor dem KOngress reicht die Zeit dazu nicht, denn ich kann nicht vor dem 15 abreisen nicht vor dem 16 in Zürich sein u der 20 muss uns wieder auf der Eisenbahn

  • S.

    treffen. In Z selbst wird aber viel zu reden sein, u wie ich glaube wartet dort auch Putnam auf mich.

    Darum will ich es nicht länger aufschieben zu sagen dass mir ihr Projekt recht zweckmäßig erscheint. Wir sehen alle in Ihnen ein Verbindungsglied gegen die Schulpsychiatrie für die wir ja nicht in ihrer Verstocktheit bestärken wollen. Vergangenheit, Familienbeziehungen und Neigung weisen Sie darauf hin eine solche Vermittlerrolle zu versuchen. Es giebt unter den Schulgebildeten sehr weigen die Ihre Gelegenheit zum Urteilen und Vergleichen haben könnten. Ihre Besonnenheit, die Ehrlichkeit Ihrer Absichten befähigen Sie zur Ausführung Ihres Vorsatzes. Eine Gewisse Neigung zum leisen Auftreten - wie in Ihrem Projekt -  wollen wir Ihnen als Vermeiden gerne vorhalten. Wenn Sie mich an die Stellen von Wernicke in Ihren Gedankengang einsetzen, so werden Sie gewiss nicht vergessen, welch ungleich besseren Anspruch auf Würdigung jener als bereits als Verstorbener hat. Auch nicht, dass er in der angenehmen Lage wae, eine affektlose Teilnahmslosigkeit zu erleben, während es mein

  • S.

    Schicksal geworden ist, den "Frieden in der Welt zu stören". Aber die Persönlichkeiten werden wol bei Ihnen gegen den Inhalt u die Beziehungen der Lehren zurückterten.

    Ich habe den Ausatz von L über W. nich gelesen. W. erschien mir immer als ein interessantes Beispiel von der Armseligkeit des wissenschaftlichen Denkens. Er war Gehirnanatom u konnte dann nicht unterlassen dich die Seele in Serienschnitte zu zerlegen wie das gehirn. Sein großer Aphasiefund hat ihm für alle seine Arbeiten das Schema von A-Hypo- und Hyper oder Cortical, Sub- u Transcortical aufgedrängt, welches er dann auf das am Wenigsten Adequate anwenden musste. Aber indem ich ihn so beurteile, messe ich ihn an einem hohen Maßstab; ich weiß wol dass bei Anderen deren Name die Qelt erfüllt, von wissenschaftlichem Denken überhaupt nicht die Rede ist. --

    Unsere Absichten haben infolge des heißen Wetters die Abänderung erfahren, dass wir nicht mehr nach Meran gehen, sondern uns direkt von hier aus trennen. In meiner Familie habe ich jetzt eher zuviel mit Krankheit zu thun. Unvermeidlich sobald das Volk größer wird.

  • S.

    Das Jahrbuch in dem Jung sich besonders hervorgethan hat, wird jetzt endlich in Ihren Händen sein. Meine Sonderabdrücke erwarte ich in Weimar vorzufinden, wo ich sie verteilen kann.

    Die Frequenz der Herrgötter hier in Tirol wo sie ja zalreicher sind als bis vor kurzem die Herrenpilze hat mich zu religionspsychologischen Studien beeinflusst von denen vielleicht nach Jhar u Tag etwas ans Licht kommen wird. Nach der Publikation werde uch wol nicht wieder in Tirol eingelassen werden.

    Ich grüße Sie u Ihre liebe kleine Familie herzlich u hoffe Sie in wenigen Tagen wiederzusehen.

    Ihr treu ergebener

    Freud