• S.

    Lieber Herr Doktor

    Es ist gewiss Sache des G`Freundes die trüben Gedanken, die den Alternden beschleichen durch seinen Widerspruch wegzuscheuchen. Auch werde uch nicht klagen. Zumeist glaube ich ja auch daran dass ich etwas eigeleitet habe was die menschen dauernd beschäftigen wird; manchmal befällt mich die Unzufriedenheit mit dessen Ausdehnung u verteifung und kommen noch so leise Zweifel an der Zukunft. In Wahrheit giebt es für den Menschen nichts, wozu ihn seine Organisation weniger befähigt als die Beschäftigung mit der PA.

    Die Mohren stammen aus einem alten, bei uns verbreiteten Scherz, der die pa Kur eine "Mohrensache" heisst. Nicht ganz mit Unrecht, wenn wir uns einmal über das in der inneren Medizin anerkannte Niveau erheben. ich tröste mich oft mit der Idee, wenn wir therapeutisch so wenig leisten, so erfahren wir wenigstens, warum nicht mehr geleistet werden kann. Unsere Therapie scheint mir die

  • S.

    einzig rationelle in diesem Sinne.

    Vor mir liegen noch 6 Wochen schwerer Arbeit, ehe ich nach Karlsbad gehen kann. Der Kongress wird wie Sie wissen am 21/22 Sept abgehalten werden, u es ist ziemlich ausgemacht, dass ich die darauffolgende Woche in Zürich verbringe. Dann mache ich auch in Konstanz Halt u begrüsse Ihre Familie. Ich freue mich zu höhren, dass es Ihnen allen gut geht u dass Sie mit Ihrem gehilfen zufrieden sind. Hörte ich recht, dass Steckmayer zu Ihnen eintritt? Der scheint doch ein minder problematischer Mensch zu sein als sein halber Namensvetter aus jena.

    Ihre Beiträge zum Zentralblatt werden hochwillkommen sein, Ich arbeite jetzt daran Adler auszuschiffen u mit Stekel allein zu bleiben. Dann habe ich weit mehr Einfluss auf das Blatt.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihr Freud