• S.

    Lieber Herr Doktor

    Vor allem meine wärmsten Wünsche zum kalendarischen Anlass für Sie, Ihre kleine Familie und Ihr nun in Ihren Händen ruhendes Unternehmen. Halten Sie weiter bei uns aus und bleiben Sie in den vordersten Reihen der Ärzte, die sich durch Widerstände nicht abhalten lassen der PA den Weg in die Praxis zu bahnen.

    Sie haben gewiss ein recht darauf zu erfahren, wie die Zusammenkunft mit Bleuler ausgefallen ist. Ich darf sagen, über Erwartungen günstig. Ich konnte nach seiner Apologie meiner PA nicht anders als offen und herzlich mit ihm sein, u er hat es mir dann nicht schwer gemacht. Wir haben allerlei Missverständnisse beseitigt u sind einander recht nahe gekommen. Vom Verein sprach ich am Ende nicht direkt, er aber drückte sich so aus, dass es unrecht wäre seine Absichten zu bezweifeln. Nach seiner Abreise kam Jung, mit dem ich mich sehr gefreut habe wie jedesmal, und ich habe mit Vergnügen gesehen, dass er auch die richtige persönliche Einstellung zu Bleuler finden und einhalten will. So wird wol Zürich jetzt gedeihen, worauf ja sehr viel ankommt.

  • S.

    Dass Sie Strohmayer bekommen haben hat mich sehr interessiert. Ich dachte er läge Wert auf eine Universitätskarriere. Wenn er dauernd bei Ihnen ist, kann er di Motive zur partiellen Zurückhaltung, die ihn noch beherrscht haben, bald ablegen. Jammerschade, dass Sie Mäder nicht frei gefunden haben. Er wäre gewiss lieber bei Ihnen als bei Bircher.

    Ich habe Jung eine Arbeit über Paranoia übergeben u Einsicht in seine bedeutsamen religionsmythologischen Untersuchungen genommen. Unser Jahrbuch wird sich sehen lassen können. Mit Vergnügen hörte ich von der Bereitschaft Ihrer Absatzanalyse.

    Also Glückauf für den neuen Lebensabschnitt!

    Ihr herzlich ergebener

    Freud